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Ronald - Guten Tag zusammen!

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    Ronald - Guten Tag zusammen!

    Bin grad hier angekommen.
    ​​Ein im Vorschulalter mit Gewalt "umerzogener" Linkshänder.
    Habe die Konsequenzen und Auswirkungen auf die geistige Ökonomie später in einem naturwissenschaftlichen Uni-Studium selber mit vielen Tests versucht im Detail zu eroieren.
    Das Speichern großer Datenmengen und die Abrufbarkeit davon, verläuft offfenbar "umständlicher". Der sogenannte Balken, der rechte und linke Gehirnhälfte miteinander verbindet, stellt dabei quasi ein Nadelöhr dar, dass regelrecht heiß läuft.
    Wenn zwangsweise mit der falschen Hand geschrieben wird, also ununterbrochen das falsche Ausgabeorgan für gelernte Informationen verwendet wird, bewirkt das einen Umweg, ein dauerndes Hin-und-Her der offenbar falsch gespeicherten Informationen.
    Eine wirkilch detaillierte Studie über "umerzogene" Linkshänder und ihre ganz spezifischen Probleme, ist die von Frau Dr. Johanna Sattler im Auer Verlag.
    Sehr hilfreich für den "Club" der Umerzogenenen.
    Ich habe geschluchzt, als ich mich endlich selber begriff, als ich die Berichte von ebenfalls Betroffenen las.
    Mich selber zurück zum Linksschreiben zurückzuschulen, scheiterten immer an dem Leistungsdruck im Studium, keine Zeit.
    Heute mit 70 als Pensionär scheint es mir nicht mehr sinnvoll bzw.nötig.
    Gibt es hier Berichte von "Umerzogenen" ?

    #2


    Hallo Ronald,

    herzlich willkommen! ‍♂️

    Ich bin teilumgeschult und wußte aufgrund Erinnerung immer darum. Würde mich als ADSler bezeichnen.
    Du scheinst dich ja schon lange damit auseinander zu setzen! Mir selbst erschlossen sich die Hintergründe ab Mitte der 90er. Dieses Forum kenne ich seit 2003.

    Hast du dich denn schon während deines Studiums begriffen, als die Rückschulung zeitlich scheiterte? Oder kamen in jüngerer Vergangenheit tief bewegende Momente?

    Ob ne Rückschulung sinnvoll und/oder nötig ist, weißt du vielleicht am Besten selbst!? Scheinst du dir ja auch schon beantwortet zu haben. Zumindest formulierst du es nicht als Frage!

    Bei mir selbst ist das Thema noch nicht durch.

    Herzlichen Gruß von Detlef

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      #3
      Hallo Detlef,
      jeder Fall liegt sicher anders, und es immer schwer, jemand anderem etwas zu raten.
      Ich selber habe vom ersten Schultag an das Gefühl bekommen, dass mit mir irgendetwas "Falsches" gemacht worden war. Die durch meine Mutter aus "Schönheitsgründen" mit viel Druck durchgeführte Umschulung zum Rechtsschreiben fand mit 5 Jahren statt. Ich habe dann rechts geschrieben, alles andere bis heute weiter mit links getan. Schon am Tag der Einschulung sah ich mehrere Linksschreiber in der Klasse, die das offensichtlich ohne Probleme `durften`. Dadurch fühlte ich mich bereits ungerecht behandelt, fast schon vergewaltigt. Vor allem erinnere ich das erschrockene Gesicht des Lehrers, als meine Mutter ihm voller Stolz über ihre "Umerziehung" bei mir berichtete, und seine heftige Äußerung: "DAS hätten Sie nicht tun dürfen!!!". Dieser Kerl hätte ja sofort einschreiten müssen, wäre ja mit 6 Jahren sicher auch noch gut gelungen. Er hat`s schlimmerweise einfach hingenommen, ich sage, aus Faulheit.

      Seither haben `Lehrer` bei mir einen schweren Stand, fast schon völlige Verachtung bis heute. Als promovierter Naturwissenschaftler mit einer Karriere als Manager in einem internationalen Konzern kriegen diese Leute bis heute meinen ganzen Spott ab. Die grottenschlechten, hochpeinlichen Pisastudien dienen mir immer gerne als Psychokeule. So rächt man sich ...lol.

      Meine schulische Karriere verlief dann lange schwierig, und man traute mir, dem "Linkspot", innerhalb der Familie nichts zu. Als Mittlerer von 3 Kindern hatte ich sowieso eine ungünstige Position.
      Dass mich speziell das erzwungene Rechtsschreiben beim Lernen, also bei der Konzentration, mit leichter Ermüdung, der Aufnahme und Reproduktion des Schulstoffes stark behinderte, habe ich erst so etwa mit 15-16 Jahren langsam begriffen, und meine Mutter dann darauf aufmerksam gemacht. Schroffe Ablehnung ihrerseits, keine Diskussion, Linksschreiben ist häßlich, basta!

      Anders als meine Geschwister habe ich aber die Schule kämpfend durchgezogen, und wegen einer Schulunterbrechung durch den frühen Tod meines Vaters, sogar das höchst unangenehme externe Abitur machen müssen. Das hat meine tiefe Abneigung gegen Lehrer durchaus weiter verstärkt, da man als "Externer" wie eine lästige Fliege behandelt wurde. Mußten sie die "Externen" auch noch prüfen. Keinerlei Verständnis für die spezielle, meißt schwierige Lebenssituation der externen Abiturprüflinge.

      Erst in der Mitte meines Chemiestudiums, als die Lernanforderungen und die Stofffülle sehr hoch wurden, habe ich angefangen, eine Rückschulung zum Linksschreiben zu versuchen. Ich hatte da auch die Bücher von Frau Sattler gelesen. Ich hoffte, effektiver lernen zu können, und habe das sehr wissenschaftlich angefasst. D.h. Tests gemacht, meine "Gehirnströme" beim Lernen und Reproduzieren versucht, mental oder auch körperlich zu erspüren. Mir ist eine regelrechte Erwärmung des sogenannten Balkens, der die beiden Gehirnhälften verbindet, aufgefallen, wenn ich vorher erlernte, große Stoffmengen schriftlich niedergelegt habe, während beim rein sprachlichen Reproduzieren nichts davon auftrat.
      Das Rückschulen ist mit 25 aber sehr mühsam und langwierig, so dass ich das dann wieder aufgegeben habe. Ich wollte lieber möglichst schnell meinen Studienabschluß machen, es mußte auch so gehen.
      Ich war dann als umgeschulter Linkshänder 40 Jahre lang beruflich tätig, durchaus erfolgreich, und habe immer wieder spezifische Unterschiede zwischen mir und rechtshändigen Berufskollegen beobachtet. Das irgendwie Andersdenken und anders Beurteilen kann einen leicht isolieren, man fühlt sich oft als "nicht dazugehörig, als außen stehend".

      Allerdings meine ich heute auch, dass die frühe Umschulung zum Rechtsschreiben vielleicht auch ein paar Vorteile bringt. Ich glaube, dass ein großer Widerspruchsgeist gegen als falsch empfundene Äußerungen und Handlungen entsteht, eine enorme Hartnäckigkeit, fast eine Unfähigkeit, eine scheinbar hoffnungslose Sache aufzugeben, irgendeine Lösung zu finden, was mir karrieremäßig auch geholfen haben mag. Hinzu kommt ein künstlerisch kreativer Wunsch. Während andere sich mit Aktienkursen etc beschäftigten, habe ich gemalt und Skulpturen gemacht.

      Alles in allem denke ich, dass man als umerzogener Linkshänder in diesem Leben höhere Barrieren mühevoller überwinden muß, als eindeutige Rechtsshänder, Das schafft man erfolgreich vermutlich nur, wenn man eine stabile, körperliche Gesundheit hat, die einen auf diesem härteren Lebensweg nicht im Stich läßt. Durchhalten ist das Entscheidende.

      Ich hoffe, diese Geschichte eines jetzt 70 Jährigen, der sich nicht geschlagen gegeben hat, hilft Dir etwas für Deinen Weg zu finden.
      Muß leider sagen, dass mir immer wieder belastende Träume von belastenden beruflichen Situationen das Morgengrauen verleiden. Nach dem Duschen ist alles okey.
      Viel Glück und Gruß, Ronald

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        #4
        Zitat von Ronald Beitrag anzeigen
        Hallo Detlef,

        Die grottenschlechten, hochpeinlichen Pisastudien dienen mir immer gerne als Psychokeule. So rächt man sich ...lol.

        Viel Glück und Gruß, Ronald
        Hallo Ronald,

        auf die Schnelle folgendes:

        Ich finde dieses jährlich wiederkehrende Pisarennen sehr bedenklich und frage mich seit Jahren, was eigentlich so dramatisch schlimm daran sein soll, wenn man da als Deutschland "nur" auf Platz 20 oder so ist!!!!

        Auch nen herzlichen Gruß

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          #5
          Lieber Ronald!

          Das Thema Rückschulung kommen in der Lehrerausbildung meist nicht vor. Ich verstehe, dass du dich ärgerst, aber woher hätte dein Lehrer wissen sollen, dass er eine Rückschulung veranlassen sollte? Und glaubst du, er hätte sich gegenüber deiner Mutter durchgesetzt? Er hat ihr eh gesagt, dass er das nicht für gut hält, dass sie dich umgeschult hat. Was hätte er also noch tun sollen? Eine Rückschulung funktioniert ohne Rückhalt der Eltern nicht.

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