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was macht ein Linkshänder anders als ein Rechtshänder?

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    was macht ein Linkshänder anders als ein Rechtshänder?

    Hallo, ich schule mich gerade auf links zurück.

    Dazu möchte ich wissen, was ein Linkshänder anders macht als ein Rechtshänder.

    Ein Beispiel: wie steigt ein Linkshänder typischerweise von seinem Fahrrad ab? Müsste ich jetzt auf der rechten Fahrradseite den Fuß auf den Boden stellen und das linke Bein über den Sattel schwingen? Und dann das Fahrrad von der rechten Seite schieben? Der Fahrradständer ist ja auf der linken Seite, außer man hat (wie ich) einen Doppelfahrradständer. Kann es sein, dass die meisten Linkshänder das Fahrrad wie Rechtshänder benutzen, weil der Fahrradständer auf der linken Seite ist?

    Und ist ein Linkshänder automatisch auch ein Linksfüßler? Sollte ich also künftig den Ball mit dem linken Fuß schießen und beim Volleyball mit dem linken Arm schlagen?

    Bin auf eure Antworten gespannt!

    (Falls es hier dieses Thema schon irgendwo gibt, schreibt mir bitte, wo ich es finde)

    #2
    Hallo Addy,
    ich kann Dir nur empfehlen, bei der Umstellung auf links nicht leistungsorientiert und nicht kopfmäßig vorzugehen, sondern eher spielerisch und behutsam.
    Wie bist Du bei der Umstellung auf das Schreiben mit links vorgegangen? Wie fühlt es sich für Dich an, mit links zu schreiben?
    Aus einem guten Gefühl beim Schreiben mit links kann und sollte der Wunsch nach einem gutem Gefühl auch bei anderen Tätigkeiten mit links entstehen.
    Entscheide selber, womit Du anfangen willst. Hilfreich ist es, bei leichteren Tätigkeiten anzufangen.
    ich habe nach erfolgreicher Schreibumstellung nach und nach so gut wie alles auf links umgestellt. Das war ein längerer Prozess.
    Ich habe recht bald das Zähneputzen auf links umgestellt, Essen und Trinken, Haare kämmen etc. etc. Scharfe Messer sollte man allerdings weiterhin mit rechts benutzen, um sich selbst nicht in Gefahr zu bringen.
    Beim Fahrrad steige ich immer zuerst mit dem linken Fuß auf das Pedal. Wenn ich einhändig fahre, dann lenke mit der linken Hand und die rechte Hand hält irgendetwas.

    Dipl.-Psych. Marina Neumann
    Psychologische Psychotherapeutin
    www.linkerhand.de
    Beratungsstelle für Linkshänder

    Autorin von: "Natürlich mit links - Zurück zur Linkshändigkeit - Befreiter leben mit der starken Hand"
    und
    "Natürlich mit links - Schreiblernheft für Linkshänder"

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      #3
      Dazu möchte ich wissen, was ein Linkshänder anders
      macht als ein Rechtshänder.
      Ich weiß nicht, ob man das so generell beantworten kann.
      Auf jeden Fall alles, wenn man beide Hände benutzt.
      Eine Hand hält, die andere agiert.
      Linkshänder halten mit rechts und hantieren mit links.

      Sollte ich also künftig den Ball mit dem linken Fuß schießen?
      Und ist ein Linkshänder automatisch auch ein Linksfüßler?
      nein

      und beim Volleyball mit dem linken Arm schlagen?
      Probier es mal aus. Wie fühlst du dich besser? Wie geht es besser?

      Lass es langsam angehen.
      Ich nehme an, dass du auf die linke Hand als Schreibhand
      umstellen möchtest.

      liebe Grüße, Ursula
      www.linkshand.menge.cc
      Seite für Linkshänder/innen

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        #4
        Hallo Frau Neumann, hallo Ursula,

        vielen Dank für die schnellen Antworten!

        Ich habe mich bei der Schreibumstellung ergotherapeutisch begleiten lassen und so gelernt, was beim Schreiben mit links anders gemacht wird als mit rechts.

        Es fühlt sich gut an und geht auch schon recht schnell, bedarf aber noch weiterer Übung. Die PC-Maus könnte ich gefühlt schon nicht mehr richtig mit rechts bedienen.

        Vieles habe ich auch vor der Rückschulung schon mit links gemacht: Zähne putzen, Staub saugen, Malen, Schraubverschlüsse öffnen, Korken ziehen, mit Schlüssel Türen aufschließen (die Klinke bediene ich dann natürlich mit rechts, da wir ja in einer Rechtshänderwelt mit Rechtshändertüren leben :-)

        Aber Nägel einschlagen, sägen, schmettern, Tischtennis spielen, werfen etc. mache ich mit rechts. Mit links habe ich noch kein Gefühl dafür.

        Ich lasse mir zwar Zeit, möchte aber wissen, was alles sinnvoll wäre, umzustellen.

        Viele Grüße

        Andreas

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          #5
          Zitat von Addy Beitrag anzeigen
          Hallo, ich schule mich gerade auf links zurück.
          Dazu möchte ich wissen, was ein Linkshänder anders macht als ein Rechtshänder.


          Ich glaube auch, dass sich diese Frage nicht pauschal beantworten lässt.

          Manche (belassene) LH machen tatsächlich sehr viel mit links, andere scheinen mit einer selbst gewählten oder auch erzwungenen Mischhändigkeit gut durchs Leben zu kommen.

          Ein Aspekt, der oft übersehen wird, ist der, dass LH in einer auf rechts genormten Umwelt oft gezwungen sind, bestimmte Tätigkeiten rechts-dominant auszuführen, weil es technisch so vorgegeben ist. Daran ändert auch eine Rückschulung nichts.

          Der Fahrradständer ist ein anschauliches Beispiel dafür:

          Hier sind die Konstrukteure/Designer wohl von der Rechts-Füßigkeit als Norm ausgegangen, bei der das linke Bein als Standbein und das rechte Bein als Aktionsbein fungiert.

          Demnach ist der Fahrradständer üblicherweise an der linken hinteren Fahrradseite montiert, so dass er mit dem rechten Fuß bedient werden kann.

          Folglich werden dann auch die meisten Menschen – egal ob RH oder LH – von der linken Seite aufs Fahrrad steigen (und auch auf der linken Seite absteigen),
          so dass das rechte Bein über den Sattel geschwungen wird.


          Ich habe bisher keinen LH gesehen, der auf der rechten Seite auf- oder abgestiegen wäre und würde auch keine Veranlassung sehen, dies im Verlauf der Rückschulung umzustellen.

          Schöne Grüße
          Sam
          Zuletzt geändert von Samuel167; 03.07.2021, 21:08.

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            #6
            Hi @Samuel,

            ich fahre schon länger kein Fahrrad mehr, weil es mir hier in der Innenstadt meiner Großstadt zu gefährlich ist. Ich habe aber immer als Linkshänderin rechts vom Fahrrad gestanden, um es zu schieben und ich bin auch von rechts auf das Fahrrad aufgestiegen.

            Jolien
            Mein Motto: "Ächtz, ächtz, muss ich das schon wieder mit Rechts machen???" - "Nein, lieber mit Links, denn das bringt's!"

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              #7
              upps, hier hat was nicht geklappt, versuche es gleich nochmal

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                #8
                Zitat von Marina Neumann Beitrag anzeigen
                Beim Fahrrad steige ich immer zuerst mit dem linken Fuß auf das Pedal. Wenn ich einhändig fahre, dann lenke mit der linken Hand und die rechte Hand hält irgendetwas.
                Das ist interessant! Ich mache es genau anders herum: halte den Lenker mit rechts und greife mit links nach der Trinkflasche.

                An die Linkshänder hier, die niemals umgeschult waren: wie macht ihr das?

                Andreas

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                  #9
                  So eine Rückschulung ist ein längerer Prozess, der Weg ist das Ziel, beziehungsweise es gibt keinen Grund, ihn enden zu lassen. Oft kommt im Zuge der Schreibrückschulung der Wunsch nach mehr, wie Marina geschrieben hat. Dann ist die Zeit dem nachzugehen und sich zu überlegen, wie die Dinge für Linkshänder am besten funktionieren. Linkshänder sind auch Linksfüßer und steigen grundsätzlich besser von der rechten Seite auf das Fahrrad. Allerdings können die Umschulungsfolgen in Teilbereichen sehr hartnäckig sein, so dass man allerlei Mischformen sieht. Dazu kommen die erwähnten technischen Normen (Fahrradständer) die einfach einen rechtslateralen Gebrauch begünstigen und es rückschulenden Linkshändern erschweren, Dinge unter suboptimalen Voraussetzungen doch linkslateral leichter zu machen. Es hat allerdings wenig Sinn, eine solche Umstellung zu forcieren oder theoretisch zu wollen wenn der Körper dafür nicht bereit ist. Irgendwann mag aber bei Tätigkeiten die Erkenntnis kommen, dass es sich rechtslateral nicht mehr gut anfühlt und linkslateral noch nicht so richtig klappt - durchaus auch bei scheinbar banalen Dingen wie auf's Fahrrad steigen. Dann hilft nachdenken wie es geht und ausprobieren, ausprobieren, ausprobieren.
                  Grüße
                  Willi

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                    #10
                    Hallöchen,
                    für mich war die grösste Erkenntnis, dass es in der Rückschulung gar nicht darum geht - wie macht man etwas auf die richtige/ linke Art und Weise sondern - wie ist mein Gefühl beim Machen. Das ist ein Riesenunterschied. Wir sind so darauf getrimmt, genau zu schauen wie andere etwas tun oder wie man sich richtig verhält, dass das Gefühl für uns selbst meist völlig verloren gegangen ist.
                    Sich aber darauf einzulassen, sich selbst zuzuhören, einen Zugang zu seinen Gefühlen/ Bedürfnissen oder auch zu seiner Intuition zu bekommen, das ist für mich die beste und auch intensivste Errungenschaft meiner Rückschulung.
                    LG C.

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                      #11
                      Das ist genau mein Ansatz. Es geht bei der Rückschulung nicht um das mechanische Erlernen von Tätigkeit mit links, sondern darum, über die behutsame und langsame Umstellung auf links ein Gefühl für sich selbst zu entwickeln. Genau das geht bei der Unterdrückung der angeborenen Linkshändigkeit verloren.
                      Dipl.-Psych. Marina Neumann
                      Psychologische Psychotherapeutin
                      www.linkerhand.de
                      Beratungsstelle für Linkshänder

                      Autorin von: "Natürlich mit links - Zurück zur Linkshändigkeit - Befreiter leben mit der starken Hand"
                      und
                      "Natürlich mit links - Schreiblernheft für Linkshänder"

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                        #12



                        In der Tat, eine Rückschulung ist ein längerer, manchmal lebenslanger Prozess, der durchaus Zeit, Geduld und Energie erfordern kann.

                        Daher halte ich es für zweckmäßig, dabei ALLE Ressourcen zu nutzen, die man zur Verfügung hat: Gefühl UND Verstand.

                        Das Gefühl ist natürlich wichtig bei der Rückschulung.
                        Wenn sich im Verlauf der Rückschulung nach angemessener Zeit bei der jeweiligen Tätigkeit kein gutes Gefühl einstellt, wird man den Nutzen der Rückschulung irgendwann vermutlich in Frage stellen und die Aktion abbrechen. Möglicherweise werden sich auch Zweifel einstellen in Bezug auf die eigene Händigkeit.


                        Bei komplexeren Tätigkeiten wie der Rückschulung beim Schreiben oder dem Umlernen auf einem Instrument halte ich es grundsätzlich schon für sinnvoll, sich im Vorfeld damit zu beschäftigen, wie man die entsprechenden Bewegungsabläufe methodisch korrekt und ergonomisch ausführt.

                        Man sieht z. B. immer wieder LH, die sich beim Schreiben eine Hakenhaltung angewöhnt haben, weil es sich anfangs richtig angefühlt hat. Langfristig ist diese Haltung aber unvorteilhaft, da sie zu einer Verkrampfung der Muskulatur führen kann.


                        Ähnlich verhält es sich bei der Umstellung auf einem Instrument:
                        Wenn ich auf dem Schlagzeug anfange, die linke Hand zu meiner Führungshand zu machen, mir dabei aber eine falsche Technik angewöhne, werde ich früher oder später
                        an meine Grenzen kommen und die Umstellung auf die dominante linke Hand wird mir nicht viel nützen.

                        Bei anspruchsvollen Bewegungsabläufen kann einen das eigene Gefühl schon mal in die Irre führen.



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                          #13
                          Die Entdeckung der eigenen dominanten linken Hand bei ganz einfachen Tätigkeiten kann ULH im Grunde nur ein positives Gefühl vermitteln, wenn sie hier langsam, behutsam und sensibel vorgehen.
                          Vor einigen Jahren war mal ein Mann bei mir, der verletzungsbedingt etliche Monate seine rechte Hand überhaupt nicht benutzen konnte. Zähneputzen, Haare kämmen, essen etc. musste er mit links machen und diese Tätigkeiten wurden für ihn im Laufe der Wochen immer schöner und entspannter, so angenehm, wie er sich das nie hat träumen lassen.
                          Er war einer von jenen ULH, die gar nicht wussten, dass sie eigentlich LH sind. "Durch das tägliche Benutzen der linken Hand hat sich in mir ein innerer neuer und schöner Raum geöffnet, von dem ich gar nicht wusste, dass der in mir vorhanden ist", so beschrieb er seine Erfahrungen mit links und darum geht es.
                          Was die Rückschulung bzw. entspannte Technik beim Schreiben mit links angeht, sollte sich ein ULH möglichst professionell anleiten und begleiten lassen.
                          Wer sich beim Schreiben lernen mit links die Hakenhaltung angewöhnt hat, hat den Prozess wahrscheinlich alleine durchgeführt. Aber eine gute Beratung kann helfen, dass sich das Schreiben mit links doch wieder gut anfühlt.
                          Wie man sich beim Schlagzeug mit links eine grundlegend falsche Technik angewöhnen kann, weiß ich nicht, aber richtig vorstellen kann ich es mir auch nicht.
                          Dipl.-Psych. Marina Neumann
                          Psychologische Psychotherapeutin
                          www.linkerhand.de
                          Beratungsstelle für Linkshänder

                          Autorin von: "Natürlich mit links - Zurück zur Linkshändigkeit - Befreiter leben mit der starken Hand"
                          und
                          "Natürlich mit links - Schreiblernheft für Linkshänder"

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                            #14
                            Zitat von Samuel167 Beitrag anzeigen



                            Das Gefühl ist natürlich wichtig bei der Rückschulung.
                            Wenn sich im Verlauf der Rückschulung nach angemessener Zeit bei der jeweiligen Tätigkeit kein gutes Gefühl einstellt, wird man den Nutzen der Rückschulung irgendwann vermutlich in Frage stellen und die Aktion abbrechen. Möglicherweise werden sich auch Zweifel einstellen in Bezug auf die eigene Händigkeit.



                            Darauf zu warten, dass sich das richtige (bessere) Gefühl einstellt, während man etwas angemessen lange genug mit links tut, ist nicht das, was ich meine. Damit bist du nämlich sehr weit weg von dir selbst.

                            Eine Rückschulung fängst du ja an, aus einem gewissen Leidensdruck heraus, vielleicht mit dem Ziel nach Selbstfindung und Heilung ... Du startest also irgendwann und lernst erstmal die korrekte Technik für dies und jenes, motorisch wird es sich sicherlich auch bald besser anfühlen, wenn du auf die Besonderheiten linkshändiger Abläufe eingehst und dich am besten auch deshalb dabei begleiten lässt.

                            Heilung passiert so aber nicht und ich werde nie heraus finden, wer ich eigentlich wirklich bin - auf diese Art und Weise.
                            Um bei deinem Beispiel zu bleiben:
                            Wenn du ein Instrument lernst, ja klar, dann brauchst du die Technik - das gilt für LH wie für RH. Irgendwann kannst du auch Stücke korrekt und fehlerfrei spielen. Aber ist das Musik? Berührst du damit irgendjemanden, dich selbst?

                            Aber das suche ich für mich (Intuition, Kreativität etc.), und dahin zu gelangen, ist und bleibt für mich das Schönste an meiner Rückschulung.

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                              #15
                              Die Wiederentdeckung der eigenen Linkshändigkeit ist eine psychische und feinmotorische Befreiung.
                              Sehr viele ULH sind so leistungsorientiert, dass sie bei der RS auch so vorgehen. Sie wollen möglichst schnell perfekt mit links schreiben können und möglichst schnell alle sonstigen Tätigkeiten ebenfalls umgestellt haben.
                              Darum geht es aber überhaupt nicht, wenn man mit der behutsamen Umstellung auf links anfängt, sondern darum, wie sich das Üben anfühlt. Es geht darum, die Aufmerksamkeit immer auch nach innen zu richten und da gibt es von Anfang viel zu entdecken.
                              Langsamkeit beim Üben ist ganz wichtig, die spricht die rechte Gehirnhälfte an.
                              Erwachsene, die ich begleitet habe, haben z.B. berichtet, dass sich das Üben wie eine Meditation oder wie Urlaub angefühlt hat.
                              Ich selbst hatte von Amfang das Gefühl, mit links endlich innerlich zu mir selbst zu finden. Das hatte ich nicht erwartet und es war ein unglaubliches Geschenk.
                              Dipl.-Psych. Marina Neumann
                              Psychologische Psychotherapeutin
                              www.linkerhand.de
                              Beratungsstelle für Linkshänder

                              Autorin von: "Natürlich mit links - Zurück zur Linkshändigkeit - Befreiter leben mit der starken Hand"
                              und
                              "Natürlich mit links - Schreiblernheft für Linkshänder"

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