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Linkshändigkeit in den Weltreligionen

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    Linkshändigkeit in den Weltreligionen



    Hallo allerseits,

    ich wollte in diesem Thread mal der Frage nachgehen, wie es eigentlich in den Weltreligionen (Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus, Buddhismus)
    mit dem Thema Linkshändigkeit bestellt war bzw. ist.



    Wichtig erscheint es mir dabei, folgende Unterscheidung zu treffen:

    Wie wurde Linkshändigkeit im Schrifttum der jeweiligen Religion dargestellt bzw. bewertet (z. B. Bibel, Talmud, Koran, Bhagavad Gita, usw.)?

    Wie wurde in den Organisationen der verschiedenen Religionen (z. B. Katholische Kirche) mit der Thematik umgegangen?


    Mir selbst ist keine einzige Stelle in der Bibel bekannt, in welcher die Linkshändigkeit an sich als etwas Negatives oder Verwerfliches dargestellt wird.



    Im Alten Testament gibt es z. B. folgende Textstelle:


    Buch Richter 20, 16:

    Unter diesen Männern befanden sich 700 besonders auserlesene Männer. Sie waren alle Linkshänder und konnten einen Stein haargenau schleudern,
    ohne je das Ziel zu verfehlen.



    Aus diesem Zitat lässt sich folgern, dass offensichtlich bereits in der Zeit um 1000 v. Chr. die Linkshändigkeit als etwas Exotisches galt.

    Aber sie wird nicht negativ dargestellt. Zumindest im obigen Zitat wird den „auserlesenen Männern“ sogar besondere Geschicklichkeit bescheinigt.



    Es gibt zwar einige weitere Stellen, in welchen die rechte Hand Gottes besonders hervorgehoben wird:


    Moses 15, 6:

    Herr, deine rechte Hand tut große Wunder (…)

    … aber auch hier keine konkrete Abwertung der linken Hand.





    Im Neuen Testament gibt es zwei Schlüsselstellen, die möglicherweise zu der Interpretation beigetragen haben, die rechte Seite wäre „GUT“ und die linke Seite wäre „SCHLECHT“ oder „BÖSE“:



    Markus 16, 19:

    Nachdem Jesus, der Herr, dies zu Ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes.




    Matthäus 25, 34 (hier geht es um das „Weltgericht“):

    Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen:
    Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, (…)




    Niemand wird bestreiten können, dass vor allem in katholisch geprägten Einrichtungen, Klosterschulen usw. bis in die 1970er Jahre hinein
    Linkshänder mit teilweise drakonischen Maßnahmen zwangsumgeschult wurden.


    Ich stelle mir gerade die Frage, woher man in der katholischen Kirche für diese Umerziehungsmaßnahmen die Rechtfertigung genommen hat.

    Hat man diese tatsächlich mit den obigen Zitaten aus dem Neuen Testament begründet oder waren da noch andere Mechanismen am Werk?



    LG

    Sam


    #2
    Im Internet gibt es eine Konkordanz in der man Bibelstellen suchen und nachlesen kann
    www.bibel-konkordanz.de/cgi-bin/sstart.pl

    Ich habe gefunden: (Suchwort: links)


    Richter 3,15
    Da schrieen sie zu dem HERRN; und der HERR erweckte ihnen einen Heiland: Ehud, den Sohn Geras, den Benjaminiten, der war links. Und da die Kinder Israel durch ihn Geschenk sandten Eglon, dem König der Moabiter,


    Richter 20,16
    Und unter allem diesem Volk waren siebenhundert Mann auserlesen, die links waren und konnten mit der Schleuder ein Haar treffen, daß sie nicht fehlten.


    Jona 4,11
    und mich sollte nicht jammern Ninives, solcher großen Stadt, in welcher sind mehr denn hundert und zwanzigtausend Menschen, die nicht wissen Unterschied, was rechts oder links ist, dazu auch viele Tiere?


    Suchwort: Linkshand, Linkshänder - keine Ergebnisse

    Suchwort: linke Hand

    1. Mose 48,13
    1. Mose 48,14
    3. Mose 14,15
    3. Mose 14,26
    Richter 3,21
    Richter 16,29
    Daniel 12,7
    Matthäus 6,3


    liebe Grüße,

    ich denke, meinem Gott ist es egal, ob ich Links- oder Rechtshänder bin. Er hat mich so erschaffen.
    liebe Grüße, Ursula
    www.linkshand.menge.cc
    Seite für Linkshänder/innen

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      #3
      zu Linkshändigkeit im Islam habe ich folgendes gefunden:
      https://www.islam-wissen.com/fatwa-a...imlichen-soll/
      Die Linkshändigkeit ist kein negatives Stigma im Islam. Die Überlieferungen, welche den Gebrauch der linken Hand untersagen bzw. verpönen, beziehen sich auf RechtshänderInnen. Da es generell mehr RechtshänderInnen als LinkshänderInnen gibt, wurde die rechte Hand explizit in den jeweiligen Überlieferungen erwähnt. Generell gilt, dass vorzüglich die linke Hand für das Säubern der Ausscheidungsorgane und der Nase verwendet werden sollte, und die rechte Hand für die Essensaufnahme und Händegeben. Alles andere kann nach Belieben verwendet werden.
      liebe Grüße, Ursula
      www.linkshand.menge.cc
      Seite für Linkshänder/innen

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        #4

        Hallo Ursula,

        ich weiß nicht so recht, was ich von dem obigen Zitat halten soll.


        Die Linkshändigkeit ist kein negatives Stigma im Islam, denn immerhin darf die linke Hand "vorzüglich" dazu verwendet werden,
        sich die Nase zu putzen und den Popo abzuwischen?



        Damit sind wir letztendlich wieder bei der im Islam üblichen Ansicht von der unreinen linken Hand und ich komme zu meiner Ausgangsfrage zurück:

        Warum gilt bzw. galt in manchen Religionen bzw. deren religiösen Organisationen die linke Hand als unrein/minderwertig/schlecht usw.?

        Geht das auf das Schrifttum zurück oder spielen auch sozio-kulturelle Faktoren oder Traditionen eine Rolle, die längst überholt sind aber offensichtlich
        nicht hinterfragt werden oder hinterfragt werden dürfen?



        Der Islam scheint in seiner Entstehungszeit ja auch vor allem bei Wüsten-, Nomaden- und Beduinenvölkern Verbreitung gefunden zu haben, die sich vorwiegend in heißen Klimazonen aufgehalten haben.

        Das kostbarste und überlebens-notwendige Gut war hier sauberes Trinkwasser.

        Mehrere Familien oder ganze Dörfer mussten sich manchmal eine saubere Wasserstelle oder einen Brunnen teilen. Da war es ein Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme und des gesunden Menschenverstandes, nicht mit der Hand in einer Wasserstelle zu hantieren, mit der man sich gerade den Allerwertesten oder sonst was abgewischt hatte. Aus dieser Notwendigkeit heraus hat sich vermutlich dann die Aufgabenteilung der rechten Hand für „saubere Tätigkeiten“ und der linken Hand für „unsaubere Tätigkeiten“ entwickelt.

        Möglicherweise hat diese damals sinnvolle Tradition dann Eingang gefunden in religiöse Lehren und sich verselbständigt.

        Da in unseren Breiten, Gott-sei-es-gedankt, den meisten Menschen sauberes Trinkwasser und funktionierende sanitäre Einrichtungen zum Händewaschen
        zur Verfügung stehen, halte ich das obige Zitat – es ist ja im Präsens formuliert – für etwas überholt.



        Einen schönen Gruß


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          #5
          In der katholischen Kirche ist die Tradition mindestens so wichtig wie die Bibel.

          Auch hier kann ich wieder auf Sattler verweisen.


          Zuletzt geändert von Paula; 04.06.2020, 15:45.

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            #6
            Moin,

            mal ein Beispiel nicht für Links- oder Rechtshändigkeit, dafür aber für eine Tradition (Quelle, glaub ich: "Wer weiß denn sowas?" mit Kai Pflaume)

            Man kennt bei Männersakkos die Etikette, im zugeknöpften Zustand den unteren Knopf offen zu lassen.
            Das geht angeblich auf einen relativ belaibten englischen König im 19. Jahrhundert zurück, der sich ob seiner Laibesfülle zwecks kaschieren, oder der Bequemheit Willen während eines Bankettes den untersten Knopf offen ließ. Die anwesenden Gäste wollten ihm solidarisch sein und/oder ihn vllt. einfach nicht blöd darstehen lassen und ließen daher auch ihren untersten Knopf offen.
            So entstand angeblich diese Etikette.

            Heißt also in dem Fall: Ursprünglich ein guter Wille. Aber viel später, also heute, weiß man höchstens zufällig um den Hintergrund!
            Zuletzt geändert von Detlef; 03.06.2020, 07:36.

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