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Gibt es den typischen Linkshänder?

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    #16
    Zitat von Samuel167 Beitrag anzeigen

    Hallo Keiko,

    das habe ich auch in meinem Umfeld beobachtet. Viele der Linkshänder, die ich kenne, haben bessere beidhändige Fertigkeiten als Rechtshänder.
    Ich glaube, dass das schlichtweg damit zusammenhängt, dass sie in einer auf rechts genormten Welt mehr oder weniger gezwungen sind, sich eine gewisse Grundgeschicklichkeit mit der rechten Hand anzueignen.


    Sam
    Hallo Sam und Keiko,

    eine Bekannte meinerseits ist umgeschulte Linkshänderin. Von mir drauf vor 15 bis 20 Jahren angesprochen, sagte sie, sie sei eher froh, so anpassungsfähig zu sein.

    Hat aber jetzt nichts mit der Ausgangsfragestellung zu tun und daher mach ich hier nen Punkt.

    LG und sorry wegen gestern!
    Detlef

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      #17
      Ich finde es gut, dass RH ihre Händigkeit eindeutig leben. Es gibt eben immer, biologisch bedingt, eine dominante Hand und eine nicht dominante. Die dominante Hand, auch Führungs- oder Arbeitshand genannt, will instinktiv und intuitiv aktiv sein. Sie ist von Natur aus die geschicktere als die Halte- oder Hilfshand. Warum sollte die dominante Hand eigentlich nicht ihrer Fähigkeiten entfalten und leben,
      warum sollte sie sich selbst unterdrücken?
      Von der Eindeutigkeit der RH können LH und RLH eigentlich nur lernen.
      Nach vielen Jahren Rückschulung mache ich jetzt fast alles mit links. Es geht so viel leichter und ich empfinde immer wieder Freude beim Tun, es ist einfach eine andere Qualität. Es gibt von daher überhaupt keinen Grund mehr für mich, Dinge mit rechts zu tun.
      Dipl.-Psych. Marina Neumann
      Psychologische Psychotherapeutin
      www.linkerhand.de
      Beratungsstelle für Linkshänder

      Autorin von: "Natürlich mit links - Zurück zur Linkshändigkeit - Befreiter leben mit der starken Hand"
      und
      "Natürlich mit links - Schreiblernheft für Linkshänder"

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        #18
        Zitat von Detlef Beitrag anzeigen
        eine Bekannte meinerseits ist umgeschulte Linkshänderin. Von mir drauf vor 15 bis 20 Jahren angesprochen, sagte sie, sie sei eher froh, so anpassungsfähig zu sein.

        Ich sehe es auch eher als Vorteil an, mit der nicht-dominanten Hand eine gewisse Grundgeschicklichkeit zu haben und damit nicht komplett hilflos zu sein.
        Das merkt man spätestens dann, wenn man die dominante Hand mal im Gips hat.

        Beim Schlagzeugspiel ist eine gleichmäßige Tüchtigkeit beider Hände sogar notwendig. Sicher gilt das auch für das Klavier, Keyboard und viele andere Instrumente.

        Schädlich wird es meines Erachtens erst, wenn die nicht-dominante Hand durch zu viele anspruchsvolle Tätigkeiten (z. B. Schreiben) überfordert und überlastet wird.

        Wie heißt es doch so schön: ES IST DIE DOSIS, DIE DAS GIFT MACHT.

        Aber wir kommen in der Tat vom Thema weg.


        Schöne Grüße

        Sam

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          #19
          Es passt schon zum Thema, finde ich. LH und RH unterscheiden sich bezüglich der Rollenverteilung ihrer Hände. Das ist ein biologisch bedingter Unterschied, der in seiner Auswirkung auf das konkrete Leben jedes einzelnen Menschen aber nicht zu unterschätzen ist.
          Dipl.-Psych. Marina Neumann
          Psychologische Psychotherapeutin
          www.linkerhand.de
          Beratungsstelle für Linkshänder

          Autorin von: "Natürlich mit links - Zurück zur Linkshändigkeit - Befreiter leben mit der starken Hand"
          und
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            #20
            Hallo Samuel, hallo Detlef,
            LH bzw. ULH haben sich viel zu sehr an die Rechtshänderwelt anpassen müssen. Ich kann nicht nachvollziehen, wieso das ein Vorteil sein soll.
            Bei Musikinstrumenten wie Schlagzeug ist es entscheidend wichtig, welche Hand die Führungshand ist. Ist der Schlagzeuger ein LH, beginnt er mit der linken Hand, ist er RH, beginnt er mit rechts. Das gilt auch z.B. für die Gitarre. Ein LH sollte diese mit links spielen und mit rechts greifen. Nur so ist es stimmig für den Körper und nur so kann die Tongebung mit links wirklich kreativ und ausdrucksstark werden.
            Ich war nie stolz darauf, mich bei vielen praktischen Tätigkeiten an die RH-Ausführung angepasst zu haben. Im Gegenteil, das Leben ist dadurch viel zu anstrengend geworden. Ich freue mich viel eher darüber, dass ich für sehr viele alltagspraktische Tätigkeiten jetzt die linke Hand benutze und damit viel von der erzwungenen Anpassung rückgängig gemacht habe.
            Dipl.-Psych. Marina Neumann
            Psychologische Psychotherapeutin
            www.linkerhand.de
            Beratungsstelle für Linkshänder

            Autorin von: "Natürlich mit links - Zurück zur Linkshändigkeit - Befreiter leben mit der starken Hand"
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              #21
              Zitat von Marina Neumann Beitrag anzeigen
              LH bzw. ULH haben sich viel zu sehr an die Rechtshänderwelt anpassen müssen. Ich kann nicht nachvollziehen, wieso das ein Vorteil sein soll.
              Hallo Marina,

              da es mir in diesem Thread vornehmlich um belassene, nicht umgeschulte Linkshänder geht, möchte ich darauf mit einem Zitat aus Milos Sovaks Buch
              "Pädagogische Probleme der Lateralität" antworten. Ich zitiere ab Seite 357 ff.:


              Würde man einem Linkshänder hinsichtlich seiner Linkshändigkeit ebensoviel Sorgfalt zuteil werden lassen wie einem Rechtshänder (…) ,
              so könnte der Linkshänder sogar ein erfolgreicherer Typ sein als der Rechtshänder.

              (…)

              Bei einem nicht umerzogenen Linkshänder, der (…) zielbewusst und erzieherisch richtig geleitet worden ist, sind folgende Möglichkeiten vorhanden:

              Die linke Hand erlangt durch zielgerichtete Unterstützung der angeborenen Lateralität den vollen Grad der Funktionstüchtigkeit (…).

              Das Milieu erzwingt allerdings eine gesteigerte Geschicklichkeit der rechten Hand.

              Ein richtig erzogener Linkshänder (…) erwirbt Fähigkeiten, die sogar noch größer sind als diejenigen, die die gewöhnliche Erziehung dem Rechtshänder bietet.

              LG

              Sam

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                #22
                Hallo Samuel,
                es geht es Dir hier wohl um eine eingeengte theoretische Fragestellung, die auch in keinster Weise etwas freier abgehandelt werden darf.
                Mich interessiert viel mehr die konkrete Erfahrungsebene als Sätze aus irgendeinem Buch.
                Von daher sprechen wir hier wohl nicht die gleiche Sprache.
                Dipl.-Psych. Marina Neumann
                Psychologische Psychotherapeutin
                www.linkerhand.de
                Beratungsstelle für Linkshänder

                Autorin von: "Natürlich mit links - Zurück zur Linkshändigkeit - Befreiter leben mit der starken Hand"
                und
                "Natürlich mit links - Schreiblernheft für Linkshänder"

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                  #23
                  Hallo Marina und Sam,

                  ich hab gestern nach dem Lesen schon gedacht: Im Grunde genommen schreiben du, Marina, und das Zitat das Gleiche! .......nämlich, das Linkshändig als gleichwertig anzusehen ist und entsprechender Förderung bedarf.
                  Es ist da aber auch vom Millieu die Rede und das Lied können viele von uns singen! Ist ja im Prinzip eine der Einflussmöglichkeiten, die ich schon aufgezählt habe.
                  Rupert Sheldrake, ein britischer Biologe, hat dazu mal die "morphogenetischen Felder" nachgewiesen. ......die auch dazu führen, das "man" eben manchmal nicht auffallen will!....in der Bibel heißt es dazu: Wo 2 oder 3 in meinem Namen zusammen sind, da bin ich mitten unter Ihnen (gibts auch als Kanon)

                  Hatte gestern erst überlegt, zu schreiben, wollte dann aber wieder nicht beliebig werden. Ich kenne mich

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                    #24
                    Das Buch von Steinkopf ist, finde ich, eine gut lesbare, kurzweilige Einführung, stellt manches aber etwas verkürzt dar. Ich denke aber schon, dass LH tendentiell kreativer sind, wobei sich das nicht zwingend in künstlerischen Bereichen entfalten muss, sondern bei den unterschiedlichsten Tätigkeiten zu Tage treten kann.

                    Zuletzt geändert von Paula; 04.06.2020, 15:41.

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                      #25

                      Zitat von Paula Beitrag anzeigen
                      Sehr interessant ist zu dem Thema aus meiner Sicht dieses Buch:

                      Die Psyche des linkshändigen Kindes

                      Hallo Paula,

                      danke für diesen Hinweis. Ich habe das Buch bis heute leider noch nicht gelesen, auf Amazon ist allerdings ein kurzer Auszug daraus abgedruckt,
                      der sehr gut in diesen Thread passt. Ich zitiere kurz daraus:


                      Johanna Barbara Sattler, "Die Psyche des linkshändigen Kindes":



                      Sind Linkshänder kreativer?

                      "Linkshändern scheint es leichter zu fallen, eigene Ideen zu entwickeln und diese weiterzuspinnen, so dass etwas Neues daraus entsteht.
                      Das verstehe ich unter Kreativität."

                      Soll das nun heißen Linkshänder sind kreativ und Rechtshänder nicht?

                      "Nein, natürlich nicht", meint Sattler. (…) Aber einen kleinen Unterschied macht sie zwischen Linkshändern und Rechtshändern:

                      "Angenommen, sie haben etwa gleiche Voraussetzungen, dann hätten es Linkshänder durch die Dominanz der rechten Gehirnhälfte insgesamt
                      etwas leichter kreativ zu sein."

                      LG

                      Sam

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                        #26




                        Hallo allerseits,

                        wenn man sich mit der Frage „Gibt es den typischen Linkshänder?“ beschäftigt, die ich – Stand heute – für mich mit einem klaren NEIN beantworten würde,
                        stellt sich als nächstes die Frage, woher solche Glaubenssätze/Überzeugungen/Vorurteile kommen, Linkshänder seien besonders kreativ.


                        Ich konnte hierfür bisher 2 mögliche Ursachen finden:

                        1.)

                        Zum einen ist hierfür höchstwahrscheinlich das sog. Hemisphären-Modell verantwortlich.

                        Natürlich ist es richtig, dass beim belassenen Linkshänder die rechte Gehirnhälfte die aktivere ist. Diese soll laut Hemisphären-Modell vorwiegend für das intuitive, ganzheitliche und ideenreiche Denken zuständig sein. Befürworter dieses Modells scheinen daraus nun den Rückschluss zu ziehen, Linkshänder seien von Natur aus kreativ. Ich halte diese Hypothese für nicht vertretbar..

                        2.)

                        Desweiteren lässt es sich sicher nicht bestreiten, dass in manchen künstlerischen Berufen, z. B. im Bereich der Musik, der bildenden Kunst oder der Filmbranche, auffallend viele erfolgreiche Linkshänder vertreten sind. Ob es tatsächlich überdurchschnittlich viele sind, kann ich nicht sagen. Ich kenne jedenfalls keine Statistik dazu.

                        Kann man daraus nun den Rückschluss ziehen, Linkshänder seien von Natur aus kreativ oder künstlerisch begabt?

                        Ich glaube nicht und würde das gerne mal an einem Beispiel aus der Sportwelt fest machen:

                        Wenn man sich mit Herren-Basketball beschäftigt, wird einem Auffallen, dass hier auffallend viele groß gewachsene Spieler vertreten sind.

                        Würde man daraus jetzt den Umkehrschluss ziehen, dass jeder groß gewachsene Mensch sportlich begabt ist und ein Talent zum Basketball spielen hat?
                        Wohl nicht.



                        Umgekehrt wird möglicherweise eher ein Schuh daraus:

                        Wenn ein Mensch mit der genetischen Veranlagung zu überdurchschnittlichem Größenwachstum gleichzeitig auch noch sportlich ist und sich für Basketball entscheidet, hat er dann aufgrund seiner Körpergröße sicherlich gewisse Vorteile bei dieser Sportart. Aber er muss genauso trainieren wie seine kleineren Mitspieler, an seiner Fitness und an seiner Technik arbeiten, sich gewisse Spielzüge aneignen, usw. Wenn er das tut, hat er dann möglicherweise bessere Chancen als kleinere Mitspieler, in seiner Sportart erfolgreich zu sein.

                        Ich denke, dass es das ist, was J. B. Sattler sinngemäß meint, wenn sie sagt (siehe Zitat oben), Linkshänder hätten es durch die Dominanz der rechten Gehirnhälfte insgesamt etwas leichter kreativ zu sein.


                        Schöne Grüße

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