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  #1  
Alt 08.12.2004, 16:03
frank
 
Beiträge: n/a
Standard linkshändigkeit ist doch kein problem

so, jetzt muss ich hier auch mal was schreiben: bin 29 jahre alt, linkshänder und hatte eigentlich nie größere probleme mit meiner linkshändigkeit (außer vielleicht in der schule das "ellenbogenproblem" mit den sitznachbarn) hab klavier und gitarre gelernt (alles ganz "normal"). computermäuse benutze ich einfach beidhändig. mein rat an alle eltern: beobachtet euere kinder, wenn ihr die linkshändigkeit feststellt sagt ihnen, dass es ok ist und informiert die lehrer. und das wars dann auch schon. der rest wird von alleine klappen. je mehr man darum einen affentanz veranstaltet, um so schwieriger wirds doch für das kind. mich hat man einfach in ruhe gelassen und das war wohl das beste was passieren konnte. das zurechtkommen in einer "rechtshändigen" welt lernt man als kind doch von selbst. und außerdem sind wir dich sowieso ein wenig schlauer..... ;-)

grüße

frank


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  #2  
Alt 08.12.2004, 21:05
Silke - Mama von Jonas
 
Beiträge: n/a
Standard Tschuldigung, dass ich schmunzel.....

Nein, LH's sind kein Problem...aber Lehrerinnen, die sie JETZT noch umlernen (Mein Sohn hats letztes Jahr in der 1. Klasse erwischt - auch ein Grund (einer von sehr vielen)für den Schulwechsel mitten im ersten Schuljahr auf eine Montessori).


Hätte ihn die Lehrerin von anfang an unterstützt, dann hätt er keine Probleme. In der neuen Schule haben die Lehrerinnen den Kopf geschüttelt, wie ein 7 jähriges Kind schon so eine Abneigung gegen seine LH-keit haben kann. Nachdem ich ihnen von der alten Lehrerin erzählt habe, wars ihnen klar.....


Also mein Sohn ist nicht das Problem, soviel ist schon mal klar.


Es ist die Umwelt!


LG SIlke
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  #3  
Alt 09.12.2004, 07:43
Anne
 
Beiträge: n/a
Standard Re: linkshändigkeit ist doch kein problem

>so, jetzt muss ich hier auch mal was schreiben: bin 29 jahre alt, linkshänder und hatte eigentlich nie größere probleme mit meiner linkshändigkeit (außer vielleicht in der schule das "ellenbogenproblem" mit den sitznachbarn) hab klavier und gitarre gelernt (alles ganz "normal"). computermäuse benutze ich einfach beidhändig. mein rat an alle eltern: beobachtet euere kinder, wenn ihr die linkshändigkeit feststellt sagt ihnen, dass es ok ist und informiert die lehrer. und das wars dann auch schon. der rest wird von alleine klappen. je mehr man darum einen affentanz veranstaltet, um so schwieriger wirds doch für das kind. mich hat man einfach in ruhe gelassen und das war wohl das beste was passieren konnte. das zurechtkommen in einer "rechtshändigen" welt lernt man als kind doch von selbst. und außerdem sind wir dich sowieso ein wenig schlauer..... ;-)

>grüße

>frank

Hallo Frank,

habe auch mal so gedacht wie du, meine Tochter in Ruhe gelassen und als ihr Kinderarzt sagte, als sie so 5 Jahre alt war, sie würde ja alles beidhändig machen, na ja, sie wird ihren Weg schon finden. Ganz von alleine. Heute weiß ich, daß das leider nicht immer stimmt. Kinder lassen sich nicht nur durch die Eltern beeinflussen, sondern auch durch andere Kinder, Lehrer einfach durch alles um sie herum. Sie gucken wie andere was machen und so wird es dann auch gemacht. Kinder wollen nicht anders sein. Meine Tochter ist nie dazu angehalten worden mit rechts zu schreiben und tut es trotzdem, obwohl sie laut einem eingehendem, seriösen Test eindeutig Linkshänderin ist. Sie hat dadurch diverse Probleme, wie Konzentrationsschwierigkeiten, Rechtschreibprobleme etc. Ihre Lehrerin hatte sogar auf Legasthenie getippt. Auch daraufhin hat ein Test stattgefunden. Sie ist keine Legastenikerin. Sie ist bloß Linkshänderin und schreibt mit der "falschen" Hand. Erst daraufhin habe ich mich damit auseinander gesetzt, Bücher gelesen, hier auf der Seite gelesen und mir ist klar geworden, was ich vorher nie für möglich gehalten hätte: auch heute ist es immer noch ein Thema und nicht einfach für Kinder, bei denen es nicht so klar ist, welche Hand nun die dominante ist. Ich finde es schön, daß du so gar keine Probleme hast mit deiner Linkshändigkeit und es wäre wirklich wünschenswert, daß es jedem so geht, aber es ist leider nicht so. Du solltest nicht von dir auf die Allgemeinheit schließen. Es gibt leider nicht nur schwarz oder weiß.

Grüße Anne


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  #4  
Alt 09.12.2004, 17:29
Jeannine
 
Beiträge: n/a
Standard Re: linkshändigkeit ist doch kein problem

Hallo Anne,

ich kann Deine Meinung vollkommen bestätigen. Man kann eigene Erfahrungen nicht auf die Gesamtheit aller Linkshänder projizieren, die Menschen sind einfach zu unterschiedlich! Ein zurechtkommen in der "Welt" lernt niemand ganz von selbst, die meisten passen sich wirklich der Masse an! Was heutzutage in Pädagogenkreisen verbreitet wird, das man einem Kind volle Entscheidungsfreiheit gibt, finde ich nicht so optimal. Gewisse Grenzen muß es auch akzeptieren und auch auf Gefahren aufmerksam gemacht werden. Ich habe einige Jahre als Erzieherin gearbeit. Ein Kind wollte einfach nicht seine Brille tragen und der Augenarzt sagte dem Vater noch ironisch: "Wenn er die Brille nicht trägt, kann er in ein paar Jahren einen Blindenhund sich zulegen"! Lässt man in solcher Situation das Kind auch nach seinen Willen walten? Ich habe mit "Fingerspitzengefühl" das Kind dazu gebracht, die Brille zu tragen und auf einmal bastelte der Junge mit vergnügen, was er sonst gemieden hat. Heutzutage wird einfach zu leichtsinnig mit der Gesundheit umgegangen. Als ich letzten Monat in einem Kindergarten hospitierte, war ich erschrocken, das in den altersgemischten Gruppen Kinder unter 2 Jahren aufgenommen werden, die auf viel zu großen Stuhlen sitzen. Als ich das ansprach wurde gesagt: "Ach die sind so geschickt, die klettern schon ganz alleine da rauf"! Ich frage mich manchmal wo eigentlich das "Hintergrundwissen" geblieben ist?!


Ich lobe Dich für das Angagement, Deiner Tochter zu helfen, obwohl die Lehrerin abweisend reagiert! Mach weiter so, solche Menschen sollte es mehr geben (-:


Gruß von Jeannine

>Hallo Frank,

>habe auch mal so gedacht wie du, meine Tochter in Ruhe gelassen und als ihr Kinderarzt sagte, als sie so 5 Jahre alt war, sie würde ja alles beidhändig machen, na ja, sie wird ihren Weg schon finden. Ganz von alleine. Heute weiß ich, daß das leider nicht immer stimmt. Kinder lassen sich nicht nur durch die Eltern beeinflussen, sondern auch durch andere Kinder, Lehrer einfach durch alles um sie herum. Sie gucken wie andere was machen und so wird es dann auch gemacht. Kinder wollen nicht anders sein. Meine Tochter ist nie dazu angehalten worden mit rechts zu schreiben und tut es trotzdem, obwohl sie laut einem eingehendem, seriösen Test eindeutig Linkshänderin ist. Sie hat dadurch diverse Probleme, wie Konzentrationsschwierigkeiten, Rechtschreibprobleme etc. Ihre Lehrerin hatte sogar auf Legasthenie getippt. Auch daraufhin hat ein Test stattgefunden. Sie ist keine Legastenikerin. Sie ist bloß Linkshänderin und schreibt mit der "falschen" Hand. Erst daraufhin habe ich mich damit auseinander gesetzt, Bücher gelesen, hier auf der Seite gelesen und mir ist klar geworden, was ich vorher nie für möglich gehalten hätte: auch heute ist es immer noch ein Thema und nicht einfach für Kinder, bei denen es nicht so klar ist, welche Hand nun die dominante ist. Ich finde es schön, daß du so gar keine Probleme hast mit deiner Linkshändigkeit und es wäre wirklich wünschenswert, daß es jedem so geht, aber es ist leider nicht so. Du solltest nicht von dir auf die Allgemeinheit schließen. Es gibt leider nicht nur schwarz oder weiß.

>Grüße Anne


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  #5  
Alt 13.12.2004, 12:17
marco
 
Beiträge: n/a
Standard seh´ ich auch so

Hallo,


Ich sehe das ähnlich.Ich bin 30 Jahre alt und auch seit meiner Kindheit Linkshänder gewesen. Ich bin nie umgeschult worden, noch hat es irgendwelche blöden Bemerkungen deswegen gegeben. Einige Leute fanden es ziemlich interessant, weil es für sie völlig ungewohnt aussah, wenn jemand einfach flüssig mit links schreibt. Probleme gab´s bloß bei "Schrift und Form", da hatte ich immer eine Drei, weil ich beim Tintenschreiben oft leicht übers Blatt geschmiert habe. An den ganzen anderen Kram, wie Scheren, Dosenöffner,Kartoffelschäler, Pc Mäuse,etc. gewöhnt man sich sowieso von ganz alleine, das mache ich dann teilweise auch mal mit rechts.


Aber dieses ganze Philosophie, die einige Eltern drumherum zu stricken scheinen, find´ ich ehrlich gesagt heutzutage etwas übertrieben.In den Siebzigern gab´s tatsächlich noch viele ältere Lehrer mit teilweise merkwürdigen Ansichten an den Grundschulen, aber heute?! Ich halte es sogar für heikel, den Kindern zu suggerieren, sie wären nun irgendwie eine ganz spezielle Ausnahme, auf die man halt extra Rücksichten nehmen müsste, bloß weil sie für die meisten Dinge einfach die linke Hand verwenden. Das einzige Gemeinsame, was mir bei den meisten Linkshändern, die ich kennengelernt habe, aufgefallen ist, dass sie oft eine überdurchschnittliche musische Begabung haben. Ansonsten haben Kurzsichtige meiner Meinung nach wesentlich mehr Probleme in der Gesellschaft zurechtzukommen.


gruß,

marco








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  #6  
Alt 13.12.2004, 13:47
Tine
 
Beiträge: n/a
Standard Re: seh´ ich auch so

Hallo!


Postings wie diese stehen immer mal wieder.

Und ich kann es verstehen, wer nie im Leben Probleme hatte, wer Eltern hatte, die ihn unterstützt haben, kann sich nicht vorstellen, daß andere mit der gleichen Sache Probleme hatten.


Um bei deinem Beispiel mit der Kurzsichtigkeit zu beleiben: Jemand, bei dem die KS zeitig genug erkannt wurde, der eine wirklich schicke Brille gekommen hat und auch in seinem sozialen Umfeld keine negativen sondern interessiert-posistive Erfahrungen gemacht hat,...


... kann sich nicht vorstellen, wie es einem kurzsichtigen Kind (Jugendlichen) geht, das jahrelang dachte, es sei zu "dumm" die Aufgaben an der Tafel zu lesen (nein, als kleines Kind kommst du nicht auf die Idee, es könnte nur an den Augen liegen). Als dann endlich jemand merkt, daß es eine Brille braucht, bekommt es ein echtes "Nasenfahrrad" (aus Desinteresse? Geldgründen? Keine Ahnung) und wird in der Klasse richtig ausgelacht, weil ein paar Doofies das witzig finden und der Rest sich aus Angst, selber dran zu sein, mit reinhängt.... Richtige Unterstützung von zu Hause bekommst du nie, denn Kurzsichtigkeit sei doch nichts Besonderes, die Brille ist ja "heutzutage normal", "das Auslachen sicher nicht so gemeint", mit Brille sieht man doch richtig klug aus (Alber die Gleichaltrigen behaupten genaudas Gegenteil und die zählen nun mal ab einem gewissen Alter mehr...)


Der zuerst genannte kann sich nicht vorstellen, warum ein Kind seine Brille mutwillig kaputt macht und lieber mit einer 4 oder 5 nach Hause geht (obwohl es sonst einen einser/zweier Duchschnitt hat) ...


<i>In den Siebzigern gab´s tatsächlich noch viele ältere Lehrer mit teilweise merkwürdigen Ansichten an den Grundschulen, aber heute?! </i>


Aber heute?


- gibt es in einem Kiga mit 70 Kindern KEINE Erzieherin, die sich mit den Thema LH beschäftigt hat, also keine, die mal danach schaut, ob ein Kind nicht eventuell LH sein könnte. Gerade sehr kluge Kinder neigen dazu, sich in die (Rechts handtierende ) Masse zu integrieren und sich selber umzuschulen


-rückt eine Grundschullehrerin beim Einschulungstestr meinem Sohn das Blatt, daß er sich schräg gelegt hat, weil er so besser schreiben kann (er sollte l und U -ähnlichs Schwünge auf eienr Linie zeichenen).


-konnte keine der beteiligeten Lehrerinnen (unter anderem eine, die speziell für Kinder mit sprachlichem und feinmotorischem Förderbedarf ausgebildet ist) eine RH- von einer LH-Schere unterscheiden! Sie brschten den Pot zu mir, ich solle doch mal gucken, da sei wohl eine dabei (Also kann es genau so passieren, daß RH Kinder die LH-SChere erwischen und sich wundern, warum sie nicht schneiden können)


- äußert eine Mutter eines, in meinen AUgen eindeutlig LH-Kindes im Beisen einer Kindergärtnerin: "Na ja, eine LH-Phase haben doch alle Kinder mal, wenn man da ein bissel drauf achtet, gibt sich das meist wieder" - OHNE daß die Kigä

Einspruch erhob


-wurde mir im Kiga auf meine Frage nach der LH-SChere, die angeblich da sei gesagt, daß sie das nicht bräuchten, sie hätten ja schließlich "Beidhänderscheren" (= reine Rechtshänderscheren mit nicht-RH- anatomisch geformten Griffen).


-arbeiten in den Kindergärten und Grunschulen Leute, in deren Ausbildung die Händigkeit keine Rolle gespielt hat und die zum Teil immer noch denken, eine Umschulung sei besser, denn "Rechts schreiben geht doch viel leichter!" oder gar: "Als RH kommt das Kind doch später beser zurecht!".


- ist ein Bekannter der Meinung, seine Kinder sollten, falls sie LH seien, alles "gleich richtig" = rechts lernen, denn ihm hätte das ja auch nicht geschadet.


- hat die sehr engagierte Lehrerin meines Sohnes keine Idee, wie sie ihm helfen kann, beim Schreiben nicht zu verwischen


- und so weiter...


Das sind alles nur Beispiele, die ich persönlich mit meinem Kind erlebt habe...


Wer ein bissel hier im Forum stöbert, merkt schnell, daß es uns Müttern nicht darum geht,

<i>den Kindern zu suggerieren, sie wären nun irgendwie eine ganz spezielle Ausnahme, auf die man halt extra Rücksichten nehmen müsste, bloß weil sie für die meisten Dinge einfach die linke Hand verwenden. </i>


Mir persönlich ging (und geht) es darum, herauszubekommen, grundlegendes Wissen über die LH zu bekommen (also ich meine darüber, wie die Hirnfunktionen ablaufen), zu erfahren, welche LH-Materialien wirklich sinnvoll und hilfreich sind, mir auch mal Mut machen zu lassen wenn schwierige Zeiten kommen


Mein Sohn hatte z.B. eine Phase, wo er mit seiner Händigkeit beim Schreiben nicht zurechtkam und seine feinmotorischen Probleme auf die LH schob.

Er versuchte dann rechts zu schreiben (wobei er zum Glück recht schnell germerkt hat, daß es NOCH schwerer ging, aber zumindest verwischte nichts...


Ohne das Wissen hier aus dem Forum hätte ich ihn womöglich bei seinem Versuch noch unterstützt oer zumindest zugesehen.

Weil ich gaaaanz früher so dachte wie alle hier rundrum: Wenn er es freiwillig macht, kann ja nichts passieren, Umschulungsschäden entstehen ja nur durch den psychischen Druck, der den Kindern gemacht wird.


Tschüß, Tine
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  #7  
Alt 13.12.2004, 16:09
marco
 
Beiträge: n/a
Standard Re: seh´ ich auch so

hallo,


ich kann diesen riesigen Zinnober, den ihr hier mit Umschulungen und Ergotherapeuten und seriösen Tests, und EXTRA nur die Linskhänderschere! und oweiapopeia das gibt sonst aber psychische Schäden und alle wollen das Kind sowieso nur umerziehen, nur bedingt nachvollziehen. Da schlingt sich ja fast eine eigene Industrie drumrum, wenn Leute plötzlich nach zwanzig Jahren dann feststellen: Oh, ich bin ein umgeschulter Linkshänder, DAHER kommen also alle meine Probleme und dann partout anfangen wollen plötzlich mit links zu schreiben...ich hab´ damals einen Linkshänderfüller gekriegt, das war´s. Ich hab´ später auch mit regulären Füllern geschrieben, ging dann auch. Das mit dem Füller find´ ich rückblickend weniger entscheidend für eine tolle Schrift oder weil er zum Schreiben unerläßlich ist, sondern es ist eine ganz gute Möglichkeit dem Kind zu zeigen, dass es völlig okay ist, wenn es eben mit links schreibt. Mit dem Akzeptieren und Unterstützen durch die Eltern würd´ ich dir also völlig recht geben, aber das machen ja hier wohl sowieso alle Eltern mehr als genug. Und ich glaube auch kaum, dass heutzutage irgendein Lehrer überzeugungsresistent ist, wenn man ihm sagt, dass das Kind mit links schreibt, sondern darauf auch Rücksicht genommen wird. Ich kann vielleicht nicht unbedingt erwarten, dass es deswegen automatisch eine 1 in "Schrift und Form" oder Kunst und Musik kriegt.


Wo ich genervt gucke, ist dieses leicht hysterisch wirkende, was man denn jetzt wohl alles kaputtmachen könnte, wenn das arme Kind halt einmal keine Linkshänderschere abkriegt. Im Leben gibt´s auch nicht immer Linkshänderscheren, die Suppermarktkassen werden neuerdings auch andersherum angeordnet, alles ist gesellschaftlich auf rechts getrimmt, damit muss das Kind einfach umzugehen lernen. Und das schafft es auch, solange die Eltern da gelassen bleiben. Kinder sind doch keine Porzellanpüppchen, wo jede Schramme gleich ein lebenslanges Trauma auslöst. Damit bringen es die Eltern (!) doch erst in eine Sonderposition, die viel anstrengender ist, als einfach nur Sachen mit links zu machen. Ich hab´ nie wirklich verstanden, warum meine Lehrer und Mutter da schon diesen Zirkus mit dem Füller veranstaltet haben und manchmal auch die Feststellung (er ist ja Linkshänder...) von Lehrern kam. Ich fand das so normal und unwichtig wie irgendwas, mit welcher Hand ich schreibe.





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  #8  
Alt 13.12.2004, 16:55
Tilman Tilman ist offline
 
Beiträge: 146
Standard Re: seh´ ich auch so

Zitat:


>ich kann diesen riesigen Zinnober, den ihr hier mit Umschulungen und Ergotherapeuten und seriösen Tests, und EXTRA nur die Linskhänderschere! und oweiapopeia das gibt sonst aber psychische Schäden und alle wollen das Kind sowieso nur umerziehen, nur bedingt nachvollziehen. Da schlingt sich ja fast eine eigene Industrie drumrum, wenn Leute plötzlich nach zwanzig Jahren dann feststellen: Oh, ich bin ein umgeschulter Linkshänder, DAHER kommen also alle meine Probleme und dann partout anfangen wollen plötzlich mit links zu schreiben...etc etc


Also, ich glaube wirklich, daß in dem letzten Posting von Tine eine Menge Ansätze enthalten waren, die

1) weit über unreflektierten "Zinnober" bzw oweia-was auch immer hinausgehen und

2) seriös genug formuliert sind, daß man darauf direkt eingehen kann, statt da eine große Ansichtssoße einfach oben drauf zu kippen. Es ist ganz nett wenn man Kritik hat, aber wozu soll man sich so aufblähen, das schafft nur schlechte Stimmung.


Tines Beispiel mit der Brille ist besonders anschaulich, weil sich da sehr genau zeigt, wie ein an sich unkompliziertes Thema eventuell ein großes Problem werden kann - wenn in der Entwicklung von einem Kind was übersehen wird, wenn die Umwelt, die Eltern, die Lehrer sich unangemessen verhalten oder wenn das Kind sich aus allen möglichen Gründen gegen die Tatsachen sträubt. Andererseits zeigt sich bei dem Beispiel aber auch daß Linkshändigkeit tatsächlich "eigentlich" kein Problem sein sollte, weil es sich hierbei eben nicht um eine Beeinträchtigung (wie es Kurzsichtigkleit faktisch ist) handelt, sondern um eine gewisse Anlage, wie es die Rechtshändigkeit auch ist. Ich finde man sollte das in den Diskussionen durchaus trennen. Es kann in der Praxis enorme Schwierigkeiten mit LH Kindern geben (oft wird sich zeigen, daß diese Schwierigkeiten nicht vom Linkshänder, sondern von den umstehenden Besserwissern verursacht wurden), aber die Jugend eines Linkshänders kann genauso gut relativ problemlos laufen. Meine auch. ABER: wäre ich (1959) von meinen Eltern nicht unterstützt worden, wäre alles total den Bach heruntergegangen, weil: so weit waren meine Lehrer damals noch nicht.


Ein ganz anderer Themenkomplex ist die Frage, inwieweit, und mit welcher Legitimation umgeschulte Linkshänder versuchen, aus ihrem bisherigen Leben Schlüsse zu ziehen und mit Hilfe von gezielten Ansätzen (in Bezug auf ihre Linkshändigkeit) ihr Leben zu verbessern. Es gibt für Aussenstehende keine Berechtigung, das Interesse dieser Leute anzugreifen, oder deren Recht, in einem öffentlichen Forum Erfahrungen auszutauschen, anzufechten oder madig zu machen. "Industrie" - wo denn bitte?, was soll der Kram? Pfui Deibel.

Irgendwie verstehe ich die Motivation zu solch einer Kritik auch nicht ganz. Woher, bitte kommt bei einer ach-so-unkomplizierten-es-ist-doch-alles-kein-Problem-Person denn der Groll, der zu solch einem kategorisierenden Gegrummel führt?

Tilman
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  #9  
Alt 13.12.2004, 17:45
marco
 
Beiträge: n/a
Standard Re: seh´ ich auch so

hallo,


Erstmal bin ich kein Außenstehender, sondern wohl "Betroffener" (achgottchen), steht ja Linkshänderforum oben drüber, oder? Außerdem habe ich auch überhaupt keinen Groll gegen irgendjemanden hier, ich mag bloß diese vereinsmeiernden Selbsthilfegruppen-Veranstaltungen nicht, wenn Leute anfangen, sich beinahe sektiererisch irgendeine Identiät aus einer vermeintlichen Minderheitenposition zu zimmern. (nein, damit tue ich das "Leid" der Umgeschulten nicht einfach als papperlapapp ab...) Und wenn sowas dann auf Kinder projiziert wird, reagiere ich tatsächlich gereizt. Da wird etwas zum Problem gemacht, was heutzutage keins mehr sein sollte. Hauptsache erstmal zum Psychologen und zum Gutachter und zum Linkshänderfacharzt. Es ist halt nicht die Norm, aber das sind rote Haare, Segelohren oder Armut auch nicht. Diese Kinder sind aber schon zu meinen Schulbedingungen wesentlich mehr ausgegrenzt, unter Druck gesetzt oder gehänselt worden, als ich. Dass eine zwanghafte Umschulung, wie sie früher häufig durchgesetzt wurde, eine Schweinerei ist, bestreite ich überhaupt nicht, ich halte jede Art von Konformistenterror für falsch. Ich reagiere aber auch allergisch auf eine bestimmte Art von Elternkult, der in seinen Kindern fast zwanghaft irgendwas "Besonderes" amtlich bestätigt haben will und dann bei jeder Gelegenheit meint betonen zu müssen: "Aber unsere Tochter ist Linkshänderin! Bitte berücksichtigen Sie das!" Ja toll, na und? Deswegen wird sich die restliche Welt trotzdem weiter im Uhrzeigersinn drehen.


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  #10  
Alt 13.12.2004, 18:06
Tine
 
Beiträge: n/a
Standard Re: seh´ ich auch so

Hallo!


<i>Hauptsache erstmal zum Psychologen und zum Gutachter und zum Linkshänderfacharzt... Ich reagiere aber auch allergisch auf eine bestimmte Art von Elternkult, der in seinen Kindern fast zwanghaft irgendwas "Besonderes" amtlich bestätigt haben will </i>


Wenn du solche Leute kennst, kann ich deine Gefühle eher verstehen. bei den Müttern hier ist mir so etwas noch nciht aufgefallen.


<i>Dass eine zwanghafte Umschulung, wie sie früher häufig durchgesetzt wurde, eine Schweinerei ist, bestreite ich überhaupt nicht, </i>


Umschulung

-"weil es das Kind selber so will" (weil es andere nachahmt und nicht genug Unterstützung bekommt)

-weil es ein schlaues Kind ist uns sich abschaut, daß alle anderen mit Rechts arbeiten und keiner merkt, daß es eigentlich LH

-weil die Lehrerin meint, "so sehr link" sei das Kind doch gar nicht, und weil es ein "liebes Kind" ist, stäubt es sich auch gar nicht

- Weil keiner bemerkt, daß das Kind LH ist, weil es schon als Kleinkind den Löffel in die rechte Hand gedrückt bekommen hat, weil es mit einer RH-Schree nicht gut schneiden konnte usw)

-Weil Eltern immer noch nicht wissen, was sie ihrem Kind damit antun und denken "So habe es es doch später leichter...


... sind die gleiche Schweinerei. Und sie passieren noch ständig.


<i>Deswegen wird sich die restliche Welt trotzdem weiter im Uhrzeigersinn drehen.</i>

Mag sein, aber ein kleiner Linksdrall von Menschen, die selbstbewußt zu ihrer Händigkeit stehen und dort, wo es möglich ist auch ein Umfgeld gestalten und einfordern, in dem sie sich wohlfühlen und optimale Leistungen bringen können, wird ihr nicht schaden.


Tschüß, Tine
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