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Vollständige Version anzeigen : Erfahrungen mit Grundschullehrern


Conny
09.09.2005, 09:16
Hallo Ihr Lieben,

hat jemand von Euch eigentlich Erfahrung im Umgang mit Lehrern. Wie ich unlängs mitteilte, hat mein Sohn (der sich in der Rückschulung befindet) noch vor den Ferien die Schule gewechselt. Der Wechsel brachte viel positive Entwicklungen mit sich. Leider bekam er nun zu Beginn der dritten Klasse eine neue Lehrerin. Meine Ängste scheinen sich leider zu bestätigen. Die Frau ist zwar sehr nett und ich habe ihr in einem Gespräch auch alle Dinge geschildert, habe die Diagnosen (auditive Wahrnehmungsprobleme)ausgehändigt und vieles mehr. Sie machte einen sehr interessierten Eindruck und ich hatte anfänglich das Gefühl, das wird schon ... Nun sind 2 Wochen ins Land gegangen und wir haben wieder die ersten Probleme. Das fängt bei der Sitzordnung an, wo man leider nicht (so wie wir es bislang gewohnt waren) auf Wünsche eingeht und endet bei einem Umgangston, der bei mir "sauer" aufstößt. Selbst Mitteilungen an die Eltern lassen Höflichkeiten und Nettigkeiten außen vor und man hat schnell das Gefühl selbst noch ein Kind zu sein (von oben herab also).

Nun bin ich aufgrund der Vorgeschichte unseres Sohnes sehr verunsichert und habe natürlich keine Lust wieder Stress zu haben - und ich möchte nicht noch einmal meinen Sohn durch die Hölle gehen sehen. Bedauerlicher Weise bin ich nicht sehr diplomatisch. Vielleicht gibt es hier im Forum ja Eltern, die ebenfalls Kinder haben, die rückgeschult wurden - die viele Erfahrungen im Umgang mit Lehrern haben. Sollte dies so sein - wäre ich für Hinweise sehr dankbar. Vielleicht gibt es ja einen Trick, bei dem man einem Lehrer etwas mitteilen kann, ohne das er das Gefühl hat gleich kritisiert zu werden. Denn wenn das der Fall ist - findet keine Kommunikation mehr statt und man bewegt nichts mehr - dann ist mit Sicherheit an eine erfolgreiche Rückschulung nicht mehr zu denken. Also bitte, klärt mich auf.

Liebe Grüße Conny

Lotteflue
10.09.2005, 00:27
Hallo Conny


Sie machte einen sehr interessierten Eindruck und ich hatte anfänglich das Gefühl, das wird schon ... Nun sind 2 Wochen ins Land gegangen und wir haben wieder die ersten Probleme. Das fängt bei der Sitzordnung an, wo man leider nicht (so wie wir es bislang gewohnt waren) auf Wünsche eingeht und endet bei einem Umgangston, der bei mir "sauer" aufstößt. Selbst Mitteilungen an die Eltern lassen Höflichkeiten und Nettigkeiten außen vor und man hat schnell das Gefühl selbst noch ein Kind zu sein (von oben herab also).


Manche brauchen das um sich grösser zu fühlen.


Nun bin ich aufgrund der Vorgeschichte unseres Sohnes sehr verunsichert und habe natürlich keine Lust wieder Stress zu haben - und ich möchte nicht noch einmal meinen Sohn durch die Hölle gehen sehen. Bedauerlicher Weise bin ich nicht sehr diplomatisch. Vielleicht gibt es hier im Forum ja Eltern, die ebenfalls Kinder haben, die rückgeschult wurden - die viele Erfahrungen im Umgang mit Lehrern haben. Sollte dies so sein - wäre ich für Hinweise sehr dankbar.


Sprich doch mit den Elternvertetern aus der Klasse deines Sohnes und erzähle ihnen was du/ihr empfindet. Sie sind Ansprechpartner, dass solche Dinge mit der entsprechenden Lehrerin angesprochen und wenn es geht geklärt werden!


Vielleicht gibt es ja einen Trick, bei dem man einem Lehrer etwas mitteilen kann, ohne das er das Gefühl hat gleich kritisiert zu werden.


Wie kommst du auf die Idee, dass es eines Tricks (deinerseits?) bedarf?


viele Grüsse

Lotteflue

Petra-Gast
10.09.2005, 14:45
Bestimmt gibt es noch andere LH in der Klasse. Da würde ich mich mit den Eltern bekannt machen und über die Kinder austauschen. Vielleicht kann man gemeinsam etwas erreichen.


Viele Grüße

Petra

Conny
10.09.2005, 22:16
Hallo Lotteflue,

bzgl. Elternvertreter muss ich leider feststellen, dass ich selber sehr lange Elternvertreter war. Vier Jahre lang bei meiner Tochter und dann bei unserem Kurzen. Ich habe immer gelaubt, einen guten Draht zu haben. Als dann die ersten "wirklichen" Probleme auftraten, wurde ich eines besseren belehrt. Solange man von meinem Bemühungen profitierte (Sponsorensuche etc.) - solange war ich ein gern gesehener Gast. Ich hatte geglaubt, dass dann auch Problemlösungen kein Problem sind. Aber wie gesagt, ich wurde eines besseren belehrt. Ich war danach mehr als enttäuscht und das ist vielleicht auch der Grund, weshalb ich nun so meine Bedenken habe.

Du fragst, weshalb ich meine, Tricks zu benötigen. Der Grund liegt hierfür einfach auf der Hand. Ich war immer sehr ehrlich und direkt und habe die Erfahrung gemacht, dass Lehrer oftmals genau mit dieser Art ein Problem haben. Vieleicht gibt es ja eine Sprache, die Lehrer verstehen. So dass es dazu kommt, dass sie merken, dass es nicht gegen den Lehrer geht - sondern nur um das Kind. Das Ziel ist immer das Kind. Aber genau diese Botschaft habe ich bislang nicht vermitteln können.

Liebe Grüße Conny

Conny
10.09.2005, 22:23
Bestimmt gibt es noch andere LH in der Klasse. Da würde ich mich mit den Eltern bekannt machen und über die Kinder austauschen. Vielleicht kann man gemeinsam etwas erreichen.

Viele Grüße
Petra

Hallo Petra,

du hast recht, in der Klasse gibt es noch mehr LH, sogar einen sehr hohen Anteil. Die Eltern sind im Moment sehr angesprannt. Beim letzten Elternstammtisch "steppte der Bär". Die Reaktionen waren teilweise sehr agressiv. Genau dies möchte ich nicht. Eine sachliche, ruhige Klärung ist mein Ziel - nur dies ist leider im Moment nicht möglich. Grund hierfür ist sicherlich, dass die anderen Eltern bereits Sturm laufen. Druck erzeugt nunmal Gegendruck. Ich hätte es dieses Mal gern auf die sanfte Tour geklärt.

Gruß Conny

Petra-Gast
11.09.2005, 12:50
Mittlerweise sind die Kinder, die in den Schulen mit links schreiben durften, erwachsen und werden selber Lehrer. Vielleicht findet auf diesem Weg ein Umbruch statt. In der Klasse meiner Tochter (4. Klasse) hospitiert z.Zt. eine linkshändige Lehramtsanwärterin. Die Kinder sind fasziniert von einer erwachsenen linksschreibenden Person.


Viele Grüße

Petra

Lotteflue
12.09.2005, 00:28
Hallo Lotteflue,

bzgl. Elternvertreter muss ich leider feststellen, dass ich selber sehr lange Elternvertreter war. Vier Jahre lang bei meiner Tochter und dann bei unserem Kurzen. Ich habe immer gelaubt, einen guten Draht zu haben.


Geglaubt ist leider nicht gehabt zu haben :-(


Als dann die ersten "wirklichen" Probleme auftraten, wurde ich eines besseren belehrt. Solange man von meinem Bemühungen profitierte (Sponsorensuche etc.) - solange war ich ein gern gesehener Gast.


Warum nur war es so? Hast du immer viel gegeben und der andere nur genommen? Da kommt es leider vor, dass wenn der gebende plötzlich was will ("aufmuckt") nichts bekommt. Es liegt immer an beiden. Schau doch mal was es bei dir sein könnte (vielleicht dieses immer nur geben?)


Ich hatte geglaubt, dass dann auch Problemlösungen kein Problem sind. Aber wie gesagt, ich wurde eines besseren belehrt.


Man bekommt nicht immer gleich viel zurück wie man gibt. Dieser Satz ist hart, tut manchen weh, aber es ist so.


Ich war danach mehr als enttäuscht und das ist vielleicht auch der Grund, weshalb ich nun so meine Bedenken habe.


Und die jetzigen Elternvertreter erreichen auch nichts? Sind auch nur fürs geben da? Dann sind es vielleicht nicht die richtigen Posten für sie?


Du fragst, weshalb ich meine, Tricks zu benötigen. Der Grund liegt hierfür einfach auf der Hand. Ich war immer sehr ehrlich und direkt und habe die Erfahrung gemacht, dass Lehrer oftmals genau mit dieser Art ein Problem haben.


Vielleicht war es eher die Art und Weise die nicht geklappt hat.


Vieleicht gibt es ja eine Sprache, die Lehrer verstehen.


Die gleiche die sie sprechen am ehesten.


So dass es dazu kommt, dass sie merken, dass es nicht gegen den Lehrer geht - sondern nur um das Kind. Das Ziel ist immer das Kind. Aber genau diese Botschaft habe ich bislang nicht vermitteln können.


Ich wünsche dir viel Kraft zu finden, wie du das erreichen kannst.


Meine LH-Tochter achtet schon selbst darauf und weist darauf hin, dass sie links sitzen muss damit sie genügend Platz hat. Wenn sich die Situation bei uns wie deine schildern würde, hätte ich mittlerweile kein Problem mehr das in die GEV einzubringen falls die EV nichts erreichen! Man kann sich evtl. auch an die (über)bezirklichen Stellen wenden.

Nur nichts gefallen lassen!


Gruss

Lotteflue

Lotteflue
12.09.2005, 00:31
Hallo Petra,

du hast recht, in der Klasse gibt es noch mehr LH, sogar einen sehr hohen Anteil. Die Eltern sind im Moment sehr angesprannt. Beim letzten Elternstammtisch "steppte der Bär". Die Reaktionen waren teilweise sehr agressiv. Genau dies möchte ich nicht. Eine sachliche, ruhige Klärung ist mein Ziel - nur dies ist leider im Moment nicht möglich.


Dann wäre z.B. eine emotional unbeteiligte Person die dem Treffen beiwohnt gut, die diese Sache etwas beruhigen könnte.


Grund hierfür ist sicherlich, dass die anderen Eltern bereits Sturm laufen.


Was machen die denn? Nennen die es auch klar beim Namen?


Druck erzeugt nunmal Gegendruck. Ich hätte es dieses Mal gern auf die sanfte Tour geklärt.


Also musst du dich nun auch gegen die sturmlaufenden Eltern "wehren" und sie "besänftigen"?


Hm.

Joan
12.09.2005, 09:09
Hallo Conny,


ich kann verstehen, das Du die Angelegenheit gern auf ruhige Weise klären möchtest. Leider kommt man mit der sanften Tour leider oft nicht weit. Du hast

es versucht, aber offensichtlich keinen Erfolgt gehabt.

Wie sehen denn die Forderungen der anderen Eltern aus? Warum ist die Situation angespannt. Welche Probleme gibt es ?

Ich denke, wenn die Eltern bereits Sturm laufen, ist das sicher die Konsequenz daraus, das eine sachliche, ruhige Klärung nicht möglich war.


Bei uns ist heute der 1. Schultag und ich habe auch kein gutes Gefühl.

Leider sind ja hier selbst die Lehrer und Erzieher nicht über die Problematik der Umschulung und Bedürfnisse der LH Kinder informiert.

Ich habe letzte Woche schon mal die Gelegenheit gehabt kurz mit Alinas neuer Lehrerin zu sprechen und habe sie daraufhingewiesen das Alina möglichweise LH ist, und das man sie in ihrer Händigkeit nicht beeinflussen darf. Wenn ich dann schon höre : Mach Dir keine Sorgen, das finden wir schon heraus...! " sträuben sich bei mir die Nackenhaare. Genauso hat man auch im Kindergarten reagiert.


Ich werde mir jetzt noch einmal eine Sprechstunde bei der Lehrerin holen, um sie entsprechend informieren zu können. Von Vorteil könnte sein, das sie selbst eine Tochter in Alinas Alter hat, die scheinbar die Händigkeit wechselt. Sie hat Zwillinge...!

Ich hoffe Du findest für Dich einen Weg mit der Lehrerin zurechtzukommen. Wenn man allerdings uneinsichtig ist, bleibt Dir wohl nur eine radikalere Methode.

Mich macht soetwas echt wütend.


Ich drück Dir die Daumen


liebe Grüsse

Joan

Conny
12.09.2005, 09:55
Hallo Lotteflue,

das Problem was ich sehe, ist das die Eltern sich gegenseitig hochpuschen. Dabei kommt im Regelfall nichts Brauchbares raus. Konstruktive Kritik und Lösungsvorschläge wären besser. Auf so einem Elternstammtisch läuft es aber oft anderst. Leider ist dann ja auch die betroffene Lehrerin nicht da. Und schon wird es zu einer Nullnummer. Ich muss mich nicht gegen die sturmlaufenden Eltern wehren und ich muss sie auch nicht besänftigen. Aber ich habe schon einmal die "harte" Tour durch und ich bin ein gnadenloser Optimist - ich glaube echt noch an das Gute im Menschen und es muss doch möglich sein, Probleme auch sachlich zu klären (auch mit Lehrern). Dazu kommt, dass die Lehrerin neu ist. Sie muss sicherlich auch noch ihre Erfahrungen mit den Kindern und den Eltern machen. Dafür sollte man ihr sicherlich eine Chance geben. Sie ist jedoch schon leicht gereizt. Ich nehme an, die ersten Auseinandersetzungen mit Eltern gab es schon und ich vermute, dass diese nicht friedlich abliefen. Und mal ganz ehrlich, auch wenn ich mich schon wieder dabei ertappe, die Lehrerin, die ja auch in meinen Augen nicht so "funktioniert" wie gewünscht - in Schutz zu nehmen, so wie man in den Wald hinein ruft - so schallt es zurück.


Meine Erfahrungen haben gezeigt, das Lehrer auf jede Art von Kritik nachtragend reagieren. Die Suppe muss dann immer das Kind löffeln. Die Schulpsycchologin meinte mal zu mir, ich müsse viel diplomatischer reagieren und schön Wetter machen, dann klapp´s auch im Umgang mit den Lehrern. Und da schließt sich wieder der Kreis. Diplomatie war noch nie wirklich mein Ding.

Aber was solls, Augen zu und durch.

Conny
12.09.2005, 10:03
Mittlerweise sind die Kinder, die in den Schulen mit links schreiben durften, erwachsen und werden selber Lehrer. Vielleicht findet auf diesem Weg ein Umbruch statt. In der Klasse meiner Tochter (4. Klasse) hospitiert z.Zt. eine linkshändige Lehramtsanwärterin. Die Kinder sind fasziniert von einer erwachsenen linksschreibenden Person.

Viele Grüße
Petra


Ist ja interessant. Ich habe noch nie einen Lehrer getroffen, der LH ist. Vielleicht sollte man gezielt mehr LH in den Schuldienst bringen, denn wer auch betroffen ist - weiß worüber man redet.

Liebe Grüße Conny

Conny
12.09.2005, 10:12
Hallo Conny und alle Anderen

hier einen Link zur Tagesschau:

http://newsletter.tagesschau.de/re?l=o0r62I1r70o2Il

Es fehlen Landesweit 10000 Lehrer/innen, die Wartelisten sind leer.

Warum will denn keiner mehr Lehrer sein?

Fragt man nach der Meinung über den Lehrerberuf bekommt man häufig folgende Antworten:

Lehrern geht es doch gut!

Morgens Unterricht, nachmittags frei und dazu noch mehrmals jährlich lange Ferien. Dazu sind sie noch verbeamtet, Privatversichert und und und.

Angesichts der hohen Arbeitslosenzahlen frage ich mich dann, ja warum will denn dann kaum noch einer Lehrer werden.

Spricht man dann die Personen, die die oben geschilderte Meinung vertreten an, warum denn sie, bei all den Vorzügen nicht Lehrer geworden sind, bekommt man häufig folgend Anworten:

Bei diesen Kindern, die heute in die Schule gehen, ne, das würde man dort vor der Klasse nicht durchstehen und dann noch die anspruchsvollen Eltern, unbezahlte Durchführung von Klassenfahrten, Nachmittags Konferenzen, abends Elternabende und dann noch der öffendliche Druck (Pisa und Co.)

In der Schule kein eigenes Arbeitszimmer, in den Klassen ein Schallpegel, bei dennen in der Industrie der Arbeitsschutz und das Gesundheitsamt einschreiten würde usw.

Alle und das ist auch verständlich wollen (da schließe ich mich nicht aus, sonnst würde ich in diesem Forum nicht so engagiert Mitarbeiten) für ihre Kinder nur das Beste. Lehrer erst einmal auch!

Die Frage ist natürlich auf welchem Weg!

Da gibt es sicher Diskussionsbedarf.

An einer Grundschule soll jetzt eine Musikerklasse (Streicherklasse) eingerichtet werden, alle Kinder dieser Klasse bekommen Geigenunterricht.

Der Geigenunterricht wird von einer Musikschule auf RH-Geigen durchgeführt.

Ich finde Instrumentenunterricht gut, aber bitte entsprechend der Händigkeit der jeweiligen Kinder.

LH-Kinder = LH-Geigen, RH-KInder = RH-Geigen.

Diese Problematik wird aber von der Musikschule und deren Musikpädagogen nicht so gesehen, alle ob Links- oder Rechtshänder lernen auf RH-Geigen.

Meine Meinung kennt Ihr.

Ich lauf , weil ich mich für die linkshändigen Kinder einsetze, zur Zeit gegen eine Wand.

Ich würde unter diesen Umständen als Schulleiter dass Angebot der Musikschule ablehnen, aber ich bin nun mal nicht der Schulleiter und die Schule will ihr Angebot erweitern, was ich auch verstehen kann.

Ich kann nur allen Eltern raten, egal wo, ob in der Schule, im Sportverein, beim Musikunterricht oder ..., zufragen, wie in der Einrichtung ihr linkshändiges Kind händerigkeitsgerecht gefördert wird. Wenn die Antwort nicht zufriedenstellend ist, würde ich mich nach einem anderen Angebot umsehen.

Nur wenn wir freundlich, aber bestimmt und sicher auftreten, nicht als Bittsteller, sondern als gleichberechtigter und informierter Erziehungs- und Geschäftspartner, wird man uns Eltern linkshändiger Kinder ernstnehmen und sich mit unserem Anliegen befassen.



Liebe Grüße Conny

Rosalind
12.09.2005, 10:17
Ist ja interessant. Ich habe noch nie einen Lehrer getroffen, der LH ist. Vielleicht sollte man gezielt mehr LH in den Schuldienst bringen, denn wer auch betroffen ist - weiß worüber man redet.

Liebe Grüße Conny


Ich bin Lehrerin und Linkshänderin. Ich habe mit Ende vierzig die Arbeiten von Dr. Sattler gelesen und daraufhin sofort mit der Rückschulung begonnen, bin damit auch sehr offensiv umgegangen. Da ich in der Benachteiligtenförderung arbeitete, wurden mir einige der Probleme meiner Süßen schlagartig klarer - obwohl ich immer viele LinkshänderInnen und, wie ich jetzt glaube, auch umgeschulte LinkshänderInnen hatte. Aber bei etlichen meiner Kollegen und Kolleginnen wird die Linkshänderproblematik leider noch als mein persönliches Hobby angesehen.


Wer umgeschult wurde und trotzdem im Leben ganz erfolgreich wurde, hat mit Sicherheit gelernt, unter Schwierigkeiten nicht aufzugeben. Diese nützliche Fähigkeit hilft, die dicken Bretter zu bohren, die vor einer angemessnen Förderung linkshändiger Kinder stehen.

Conny
12.09.2005, 10:24
Hallo Rosalind,

du hast sicherlich selber sehr viel durchstehen müssen. Kannst du mir nicht mal einen "Tipp" für den Umgang mit Lehrern geben? Ich möchte nämlich nicht ständig falsch verstanden werden, dass bringt so viele Blockaden mit sich - und macht Problemlösungen schwierig. Was haben deine Kollegen denn eigentlich zu deiner eigenen Rückschulung gesagt? War man dir gegenüber denn ehrlich in der Meinungsäußerung zu dem Thema?

Liebe Grüße Conny

Rosalind
12.09.2005, 12:56
Also, Tipps geht nicht. Lehrer und Lehrerinnen sind Sensibelchen (ist nicht von mir, der Spruch, aber trotzdem wahr).


...dass der nächste Lehrermangel ansteht, aus gutem Grund will kein vernünftiger Mensch hier und jetzt Lehrer werden.


Aber im Ernst: ich weiß es nicht. Helfen könnte Einfühlungsvermögen in die Situation der Lehrkraft. Der Unterricht ist oft noch der am wenigsten belastende Teil der Arbeit, viel schlimmer sind Konferenzen etc. Wenn dann noch Erfahrungen mit Eltern dazukommen, die das Lehrerdasein nur aus ihrer eigenen Schulzeit kennen, und Eltern, die ihr durchschnittlich begabtes Kind für ein verkanntes Genie halten, ist der Lehrerschutzmechanismus schnell aktiviert. Das macht die Kommunikation ziemlich mühsam.


Ich habe mich seinerzeit auch mit den Lehrern und Lehrernnen meiner Tochter herumgestritten - es hat auch genützt, manches haben sie sich dann nicht mehr getraut. Andererseits hatte ich auch schon die einschlägigen Eltern.....


Vielleicht hilft es, Material zum Thema Linkshändigkeit mitzubringen, oder mal öfter passende Bemerkungen fallen zu lassen.


Ws auch hilft, sich selbst das dicke Fell anzuziehen, wenn die entsprechenden abwiegelnden Bemerkungen kommen. Gerade die umgeschulten Linkshänder unter meinen Kollegen können ganz schön bissig werden, wenn sie auf die Linkshänderproblematik angesprochen werden.

Lotteflue
12.09.2005, 14:10
Hallo


das Problem was ich sehe, ist das die Eltern sich gegenseitig hochpuschen. Dabei kommt im Regelfall nichts Brauchbares raus. Konstruktive Kritik und Lösungsvorschläge wären besser. Auf so einem Elternstammtisch läuft es aber oft anderst.


Was geht nur ab bei euch?

Warum ist das so?


Leider ist dann ja auch die betroffene Lehrerin nicht da. Und schon wird es zu einer Nullnummer.


Wenn alle gegen sie Sturm laufen, bringt es ja auch nichts.

Auf so einem Elternstammtisch kann man sich beraten wie man vorgeht, was man (erreichen) will und die EVs sprechen dann mit der Lehrerin. Wenn sie neu ist, tut es ihr auch gut, wenn sie nicht alleine da sitzt, sondern auch eine 2. Person an ihrer Seite hat :-)


Ich muss mich nicht gegen die sturmlaufenden Eltern wehren und ich muss sie auch nicht besänftigen. Aber ich habe schon einmal die "harte" Tour durch und ich bin ein gnadenloser Optimist - ich glaube echt noch an das Gute im Menschen und es muss doch möglich sein, Probleme auch sachlich zu klären (auch mit Lehrern). Dazu kommt, dass die Lehrerin neu ist. Sie muss sicherlich auch noch ihre Erfahrungen mit den Kindern und den Eltern machen. Dafür sollte man ihr sicherlich eine Chance geben. Sie ist jedoch schon leicht gereizt. Ich nehme an, die ersten Auseinandersetzungen mit Eltern gab es schon und ich vermute, dass diese nicht friedlich abliefen.


Man oh man, da gehts wohl nur mit hau drauf oder was?


Und mal ganz ehrlich, auch wenn ich mich schon wieder dabei ertappe, die Lehrerin, die ja auch in meinen Augen nicht so "funktioniert" wie gewünscht - in Schutz zu nehmen, so wie man in den Wald hinein ruft - so schallt es zurück.


Dann frage ich mich, warum sie so herausschallt......


Meine Erfahrungen haben gezeigt, das Lehrer auf jede Art von Kritik nachtragend reagieren. Die Suppe muss dann immer das Kind löffeln.


Ich glaube die haben dann ihren Beruf verfehlt.


Die Schulpsycchologin meinte mal zu mir, ich müsse viel diplomatischer reagieren und schön Wetter machen, dann klapp´s auch im Umgang mit den Lehrern. Und da schließt sich wieder der Kreis. Diplomatie war noch nie wirklich mein Ding.


Fällt dir was auf? ...wie es in den Wald hineinruft...... (bist du nicht dipolmatisch, ist es die Lehrerin auch nicht).....

Aber was solls, Augen zu und durch.


Das bringt es ja anscheinend auch nicht, die harte Tour.

Was bleibt also?

Diplomatie lernen :-)


Gruss Lotteflue

Lotteflue
12.09.2005, 14:17
Hallo Rosalind


Gerade die umgeschulten Linkshänder unter meinen Kollegen können ganz schön bissig werden, wenn sie auf die Linkshänderproblematik angesprochen werden.


Ich glaube gestern hab ich das auch geschrieben, dass das sicher ein Punkt ist, wo gern abgewiegelt wird und man "nichts damit zu tun" haben will. Es bedeutet viel Arbeit, verletzte Gefühle etc. Dafür haben die Lehrer bei ihrem stressigen Job auch gar keine Zeit. So rutscht das Thema LH immer wieder nach hinten.


Grüsse

Lotteflue

Conny
13.09.2005, 13:12
Hallöchen,

Diplomatie? Lies mal mein Statement von heute morgen, dann weißt du, weshalb die Eltern Sturm laufen. Es kann doch nicht sein, dass man Kinder niederbrüllt. Ich habe heute morgen zumindestens telefonisch mit Ihr gesprochen. Ich für meinen Teil war sehr freundlich (immer noch)obgleich ich wegen der neuen Vorfälle letzte Nacht kaum geschlafen habe. Verblüfft war ich allerdings, dass die Lehrerin gar kein Problem damit zu haben scheint, die Kinder anzuschreien. Da kommt nicht einmal der Gedanke - dass diese Kinder Angst bekommen könnten. Wir reden hier schließlich von 7 bis 8 jährigen Kindern. Auf der einen Seite versichert sie mir, dass mein Sohn nie den Unterricht stören würde, nicht vorlaut ist etc. - aber "er ist einfach zu langsam, reagiert nicht schnell genug - das bringt sie völlig aus der Ruhe." Mir ist schon bewusst, dass Kinder einen schnell zur Weißglut bringen können, aber mal ehrlich - es sind 20 Kinder in dieser Klasse, das muss doch auch anderst gehen. Ich habe jetzt für Therapien runde 3000 Euro bezahlt (Ergo/Logo/LHB - Krankenkasse hat nicht alles übernommen - selbst bei Ergo und Logo nicht, der Junge hat die Schule gewechselt und wir hatten richtig gute Erfolge. Ich bin nicht gewillt, mir das kaputt machen zu lassen. Dann hätte ich den Kleinen auch an der alten Schule lassen können - wäre billiger gekommen, denn ich musste dort ja auch kein Schulgeld zahlen.

Ich habe noch mal darüber nachgedacht, wie diplomatisch ich in der letzten Zeit so war und ich glaube, im letzten halben Jahr (als es mit Chris akut wurde) war ich sehr diplomatisch. Ich bin nie laut oder gar ausfallend geworden - aber vielleicht habt ihr recht - ich habe vielleicht viel zu sehr den Bittsteller dargestellt. Vielleicht war ich zu zurückhaltend. Erst ganz zum Schluss, als ich nicht mehr weiter wusste, habe ich die sogenannte "harte Tour" gefahren. Aufgrund der überraschten Reaktion der letzten Direktorin (und selbst im letzten Gespräch war ich noch freundlich und habe keine Anschuldigungen formuliert) - bin ich mir sicher, dass man in vielen Dingen mehr Selbstbewusstsein ausstrahlen muss.

In diesem Sinne.

Gruß Conny

Tilman
13.09.2005, 13:52
Zitat der Lehrerin:

"er ist einfach zu langsam, reagiert nicht schnell genug - das bringt sie völlig aus der Ruhe"


Da habe ich in meinem ersten Posting eine psychologische Mutmaßung unterdrückt die hier nun aber doch hingehört. Es gibt Leute, die lassen sich von in-sich-selbst-ruhenden Menschen total aus der Bahn werfen. Die Gründe seien mehr oder weniger dahingestellt, liegt es nun daran, daß sie selbst diese Ruhe nicht besitzen und sie daher der "ruhenden" Person neiden, oder daß sie in ihrem Anspruch, Einfluß auszuüben, von der ruhenden Person frustriert werden (was Lehrer wohl häufig tun, daher das ewig junge Geschrei über den passiven Widerstand in höheren Gymnsialklassen), ist egal.


Man kann ja kaum beurteilen, _wie_ langsam in diesem konkreten Fall "zu" langsam wirklich ist. Langsamkeit ist relativ. Alles was langsamer ist als (aus welchen Gründen auch immer) "vorgeschrieben", ist "zu" langsam. Der Informationswert dieses Vorwurfs ist nicht existent; in dieser Form ist er daher kein Argument!


Ich rieche förmlich, daß der Schuh eigentlich bei der Demonstration innerer Unabhängigkeit des Kindes klemmt. Warum rieche ich das: weil da unmotiviert das Argument "er stört zwar nicht, aber..." dazwischenfunkt. Das ist eine Rechtfertigung für eine (im Stillen eingestanden) irrationale Reaktion der Lehrerin.

Was hier wichtig ist: es ist niemals der Fehler des _Kindes_, wenn seine in Freundlichkeit dargebotene Langsamkeit der Leherin das Blut unter den Nägeln hervorholt. Der Fehler ist die inkorrekte intuitive Verurteilung seitens der Lehrerin, die "Langsamkeit" mit "Provokation" gleichsetzt. Gegen diesen Fehlschluss sollten alle beteiligten mit Elan protestieren.


Dann denke ich noch über den Elternstammtisch und den steppenden Bären nach. Die Gruppe der Eltern macht zwar gewichtiger, aber die Argumente werden im allgemeinen Geschrei leicht stumpf.

Nur im Fall eklatanter Inkompetenz seitens der Lehrerin ist massaler Elternprotest wirklich notwendig. Ich habe einen solchen Fall hinter mir (noch dazu als Schulelternsprecher!), und das war nicht witzig, believe me, obwohl es eine schwedische Dorfschule mit relativ wenigen engagierten Eltern betraf (allerdings ziemlich deutliche Inkompetenz - übrigens auch mit Geschrei).

Ansonsten ist es wohl eine Frage der kühlen Gemüter, erst einmal den individuellen Weg zu suchen, man erreicht mehr im Detail.

Na denn...

Tilman

Lotteflue
13.09.2005, 14:43
Hallo Conny


Hallöchen,
Diplomatie? Lies mal mein Statement von heute morgen, dann weißt du, weshalb die Eltern Sturm laufen.


Diplomatie braucht es trotzdem. Und insbesondere, wenn jemand Sturm läuft ;-) Es war ausserdem eher für dich gemeint, damit du eure Dinge mit der Lehrerin klären kannst.


Grüsse
Lotteflue

Lotteflue
13.09.2005, 14:47
Zitat der Lehrerin:

"er ist einfach zu langsam, reagiert nicht schnell genug - das bringt sie völlig aus der Ruhe"

Da habe ich in meinem ersten Posting eine psychologische Mutmaßung unterdrückt die hier nun aber doch hingehört. Es gibt Leute, die lassen sich von in-sich-selbst-ruhenden Menschen total aus der Bahn werfen. Die Gründe seien mehr oder weniger dahingestellt, liegt es nun daran, daß sie selbst diese Ruhe nicht besitzen und sie daher der "ruhenden" Person neiden, oder daß sie in ihrem Anspruch, Einfluß auszuüben, von der ruhenden Person frustriert werden (was Lehrer wohl häufig tun, daher das ewig junge Geschrei über den passiven Widerstand in höheren Gymnsialklassen), ist egal.


Danke Tilman das du das geschrieben hast. So empfinde ich das auch. Ich wollte gerade gleiches schreiben.


Grüsse
Lotteflue

Conny
13.09.2005, 14:50
Ich wollte nur mal Danke sagen. Ihr habt es echt geschafft und mich wieder auf den Boden zurück gebracht. Jetzt geht es mir gleich wieder besser. (und das meine ich wirklich ehrlich)

Liebe Grüße Conny

Tilman
13.09.2005, 15:26
Conny, ich habe den Anfang der Story verpasst. Was, kurz, gibt es für Befunde bzw. Atteste, die diese Lehrerin einsehen durfte, und wo sie sich "interessiert" zeigte? Würde mich mal interessieren.

Liegt eigentlich ein IQ Test vor?


Grob gesagt spukt im Lehrerfach die Angst vor Eltern die ihre eigenen Kinder irgendwie "speziell" finden. Klar: Alle Eltern finden ihre eigenen Kids speziell, da gibt es keine Frage. Ich persönlich finde daß man als Lehrer das einfach akzeptieren sollte und dann individuell hinhören. Bei einer Klasse von zwanzig kindern ist das doch selbstverständlich!

Aber da geht die Praxis oft anders lang. Es kostet einen Leher nichts, im Anfang beim Elterngespräch "auf erwachsen" zu schalten und tatsächlich (also echt, nicht geheuchelt) interessiert zu sein, wonach aber das tägliche Geschäft ohne weiteres tortzdem nach Schema F laufen kann. Das erste ist keine Garantie gegen das zweite.


Und dann noch: wer schreit hat oft Angst (und hört eventuell deswegen auf zu denken). Angst vor dem eigenen Versagen, Angst, die kiddies "nicht in den Griff zu bekommen", oder irgendwas privates. Man sollte den Druck, under dem diese Tante offenbar steht, wenn ich das so zusammengefasst betrachte, wirklich nicht unterschätzen. Es geht im Grunde darum dass eine solche Angst sich nicht in den kids fortpflanzt...

Oder so ähnlich..

Tilman

Conny
13.09.2005, 16:10
Hallo Tilman,

hier nun kurz die Zusammenfassung. Chris ist ein umerzogener LH und befindet sich in der Rückschulung. Bevor wir mit der Rückschulung begonnen haben - hatten wir ganz viele Arztbesuche. Chris hat immer gesagt, er hört es nicht. Da er als Kleinkind oft Ohrnentzündungen hatte - nahmen wir an, dass das sogenannte Spätfolgen waren. Ich weiß nicht bei wie vielen HNO-Ärzten wir waren, aber er war organisch immer zu 100 % gesund. Nach langer Zeit trafen wir eine ganz alte Ärztin die dann vermutet, dass der Junge auditive Wahrnehmungsstörugnen hat. Sie überwies uns an eine Logopädin, die sich auf diese Dinge spezialisiert hatte. Bei der Diagnostik kam folgendes raus:

- er nimmt nur 40 % von dem Gehörten war (bei Störgeräuschen)

- ohne Störgeräusche sind es 50 %

- dichotisches Hören - 0 %

- Richtungshören - 0 %

- Hochtonvertehen - 100 %

Diese Diagnose wurde ausgehändigt und es wurde die Gesprächsbereitschaft der

behandelnden Logopäden signalisiert (zwecks Abstimmung etc). Daraufhin folgte 1/2 Jahr Therapie (2 x Woche + tägliche Übungen zu Hause). Zu Hause deshalb, da wir ein Gerät ausgehändigt bekommen haben. Dazu kamen auch noch die wöchentlichen Ergotherapietermine (über 1/2 Jahr lang)- Auge-Hand-Koordinationsprobleme. Es wird vermutet, dass diese Warnehmungsprobleme auf die Umerziehung zurück zu führen sind. Außerdem liegt ein Bericht der LHB vor. Desweiteren hatte ich diverse Unterlagen zu dieser LH-Sache von der LHB erhalten und der Lehrerin ausgehändigt. In diesem Zusammenhang bot es sich an, sofort einen Gesprächstermin zu vereinbaren. Dieser fand auch statt. Bei diesem Gespräch machte sich die Lehrerin diverse Notizen. Was mir im Nachhinein jedoch auffiel war - sie hinterfragte nicht. Im Gegenzug dazu tat dies jedoch die Horterzieherin. Die Erzieherin erkundigte sich danach, wie das abläuft, ob ich Infos gebe, aus denen hervorgeht wann, wie und womit sie untersützend helfen kann. Jetzt wo du das so ansprichst, von wegen eventuell "geheucheltem" Interesse fällt mir ein Punkt im heutigen Telefonat auf. Als ich im Telefonat meint, dass ich mir ja durchaus vorstellen kann, dass der Umgang mit Chris manchmal nicht so einfach ist - zumal sie ja die ganze Vorgeschichte nicht miterlebt hat - folgte eine Reaktion ihrerseits: "Das haben Sie mir ja alles erzählt und das habe ich mir auch notiert. Da habe ich ja genug Hintergrundwissen." Die Art, wie sie das sagte .. tja, ich glaube .. die will nicht, weil das macht ja zusätzliche Arbeit. Und wenn sie wirklich Interesse hätte - hätte sie auch nicht erst in ca. 2 Wochen für mich Zeit. Ich nehme mal an, dieser Frau ist die Tragweite dieses Problems nicht bewusst. Ach ich habe übrigens noch eines vergessen. Chris musste mehrfach, aufgrund der Schulängste, zum Kinderpsychologen. Vor jedem Test der anstand haben wir morgen "die Angst rausgeworfen". Er hat nachts oft geweint und wollte nicht mehr in die Schule. Diese Psychospielchen mussten wir nach dem Schulwechsel nur zwei mal machen. Das war bei den ersten zwei Arbeiten. Danach war Ruhe. Er ging nun endlich gern in die Schule (erstmals) und er freute sich auch nach den Sommerferien erstmals auf die Schule. Mal sehen wie lange noch.

Gruß Conny

Tilman
13.09.2005, 17:37
Gut, danke für die Neuerzählung der Geschichte.


Jetzt Zitat:"...habe ich daraufhin das Gespräch mit meinem Sohn geführt. Nebenbei machte er mühelos seine sehr vielen Hausaufgaben."

Hoppla. "Mühelos??"

und: "Zensurendurchschnitt 2,0"

Eben kurz einsinken lassen. Eine _Durchschnitts_ Zwei!!


Ich wiederhole meine Frage: ist eigentlich auf irgendeine Weise während der Untersuchungen auf seine Begabung angesprochen worden, bzw. liegt ein Intelligenztest vor oder so was? Siehe weiter unten...


"Am Abend saß er weinend vor mir und meinte: "Mama du hast mir doch gesagt, dass man mich nicht mehr anschreit, nur weil ich langsam bin. Ich bin doch nicht böse. Ich habe Angst, dass ich das nicht schaffe ... "

So. Welcher ART von Anforderungen soll der Knabe denn nun gerecht werden? Ist eine Zwei im Durchschnitt nicht eigentlich viel mehr als man bei all dem Stress noch erwarten kann? In seinen Leistungen entspricht er dann doch wohl den Anforderungen des Lehrplans, nicht? Hier scheint doch wirklich etwas ganz anderes zu spielen: dass er in seinem _Verhalten_ den _Wünschen der Lehrerin_ zu entsprechen hat.


Ich glaube daß es außerordentlich wichtig für euch ist, hier in beiden Punkten Klarheit zu schaffen.

Noch einmal aus meiner eigenen Geschichte: das Problem, diverse verhaltensorientierte Erwartungen erfüllen zu müssen, neben der sowieso-en Schularbeit, ist mir selbst noch allzu bekannt. Die abendliche Heulerei diesbezüglich ist durch Zufall durch Bandaufnahme erhalten geblieben und hat mir noch viel später einige ganz böse Stunden bereitet. Das Problem ist wohl, daß man als (so ein) Kind oft nicht einsehen kann warum man sich verhalten muß wie jemand anderes einem vorschreibt. Teilweise auch liegen die Anforderungen so weit außerhalb des eigenen Erfahrungshorizontes, daß vielleicht Dein Chris einfach nicht verstehen _kann_ was da _eigentlich_ von ihm erwartet wird: Unterordnung. Es ist dann leicht (und billig) für einen Pädagogen, von "Unreife" zu sprechen.

Die Heulerei kommt da hinein, wo der innere Konflikt zwischen dem "nicht böse", "nur langsam", "durchschitts 2,0" (das heißt, dem Okay-Aspekt)einerseits, und dem Gefühl des _grundsätzlichen_ "nicht schaffens"(dem nicht-Okay-Aspekt)andererseits Form annimmt. Das Doppelsignal der beiden Aspekte ist nämlich: mein Gefühl sagt mir irgendwo dass ich nicht doof bin, aber ich kann den Ansprüchen nicht gerecht werden, ich werde deswegen sogar ausgeschimpft, also ich bin doch doof (erst mit über vierzig habe ich mal einen IQ Test gemacht; ich will nicht gerne sagen wie undoof ich eigentlich bin, aber ich hatte bis zu dem Zeitpunkt keine Ahnung davon). Das ist eine ganz böse Situation, weil sie für psychischen Stress sorgt, ohne daß sich ein realer Ausweg bietet.


Lösungen zu diesem Problem finden sich noch am ehesten in der Hochbegabtenpädagogik wo dergleichen Konflikte sattsam bekannt sind. Eine Internetsuche sollte da wohl helfen.

Tilman

Winja, IRS
14.09.2005, 05:12
"... Das Doppelsignal der beiden Aspekte ist nämlich: mein Gefühl sagt mir irgendwo dass ich nicht doof bin, aber ich kann den Ansprüchen nicht gerecht werden, ich werde deswegen sogar ausgeschimpft, also ich bin doch doof (erst mit über vierzig habe ich mal einen IQ Test gemacht; ich will nicht gerne sagen wie undoof ich eigentlich bin, aber ich hatte bis zu dem Zeitpunkt keine Ahnung davon). Das ist eine ganz böse Situation, weil sie für psychischen Stress sorgt, ohne daß sich ein realer Ausweg bietet.

Lösungen zu diesem Problem finden sich noch am ehesten in der Hochbegabtenpädagogik wo dergleichen Konflikte sattsam bekannt sind. Eine Internetsuche sollte da wohl helfen."

Tilman


Hallö`chen Tilmann !


Nachdem ich mit Mitte Dreißig kapiert habe, dass ich meine ganze Biographie neu bewerten kann, habe ich mich auch diesem inneren Gefühl gestellt und habe einen IQ-Test machen lassen ... bin bald vom Stuhl gefallen. Professorin will ich zwar nun nicht mehr werden - abgesehen davon, dass ich von der "Scheinwelt" und "Scheingeilheit" hier in Deutschland eh nicht viel halte - will ich mich nach meiner eigenen RS, die bisher phänomenal gut läuft, für Aufklärung sorgen und Betroffene beraten.


Manchmal breche ich hier im Forum in schallendes Gelächter aus oder in ungläubiges Staunen, wenn ich über solch sich ähnelnde Erfahrungen und Leidensgeschichten stolpere. Manches Mal packt mich auch eine blanke Wut und ich würde den ein oder anderen Kandidaten aus Vergangenheit und Gegenwart zur Zwangslektüre hier im Forum zerren.


Nun aber einen wunderschönen guten Morgen in einer hoffentlich wundervollen Zukunft !


LG von Winija.

Conny
14.09.2005, 08:24
Guten Morgen Tilman,

natürlich entspricht Chris den Anforderungen - meinen und auch seinen (seinen stimmt nicht ganz - siehe unten). Bei seinen Warnehmungsproblemen ist es eine super Leistung (vor der ich auch den Hut ziehe). Zumal man dabei beachten muss, dass wir zu Hause nie die Möglichkeit hatten (aufgrund der vielen Therapietermine) Lehrstoff aufzuarbeiten und zu festigen. Du fragtes nach einem IQ-Test. Wir haben eine hochbegabte Tochter und das Wissen darüber hat uns nicht wirklich weitergebracht. Ich weiß, dass Chris sehr intelligent ist, da er sich aber aufgrund seiner Verträumtheit und auch seiner Langsamkeit so oft selber im Weg steht, wollte ich nie wirklich wissen, wie intelligent er ist. Unsere Tochter hatte sogar Probleme an ein wirklich gutes Gymnasium zu kommen (Zensurenschnitt 1,0). Nur auf Umwegen war es mir dann möglich, sie an ein Privatgymnastium zu geben. Seit dem weiß ich, dass Intelligenz in diesem Maße auch nicht vorteilhaft ist. Dies ist sicherlich auch der Grund, weshalb ich bislang froh war, dass Chris nicht den 1,0er darstellt. Obgleich ich weiß, dass er darunter immer gelitten hat. Kinder nehmen sehr viel im Unterbewusstsein war. Bei uns werden die Kinder nie mit einander verglichen (da ich das aus meiner eigenen Kindheit kenne - lehne ich dies strickt ab). Zensuren sind kein Thema und es wird auch nie geschimpft, wenn man mal daneben liegt. Dennoch setzte er sich selbst immer so sehr unter Leistungsdruck, dass er daran fast kaputtging. Es war furchtbar für uns, mit ansehen zu müssen, wie er sich quälte (bis hin zu Äußerungen seinerseits "ich bin dumm, ich bin dumm"). Froh bzw. erleichtert (auch wenn das sicherlich nicht die richtigen/passenden Ausdrücke dafür sind)waren wir, als wir dann so manche Erkennis bzgl. umgeschulter LH und Warnehmungsstörung hatten. Seit dem sehe ich viele Dinge viel entspannter, weiß an welcher Stelle ich mich zurücknehmen kann. Außerdem gelingt es mir immer mehr, ihn zu beruhigen und zu motivieren.

Falls du mich jezt fragen willst, weshalb ich keinen Test macht und meine Kinder zur Begabenförderung schicke, hier einige kurze Erklärungen:

- bei uns gibt es nicht so viele Möglichkeiten

- aus Zeitmangel

- mein Mann kommt erst nach 19:00 Uhr heim (arbeite 90 km entfernt)

- habe niemanden, der die Kinder hin- oder zurückbringt

Gelegentlich gehen beide zur Kinderuni (obgleich Chris diesbezüglich auch nicht immer Lust hat - erinnert ihn vielleicht zu sehr an Schule.

Was die Lehrerin angeht; ich hatte gestern dann einen Eintrag er da lautete: "Ein guter Draht untereinander wäre sicherlich wichtig." und "Sind Sie damit einverstanden, das Chris in meinen Förderunterricht kommet (Dienstag 6. Std.)?" - Noch Fragen?? Und da kommen wir wieder darauf, dringender Gesprächsbedarf. Aber wer jetzt glaubt, dass ein Termin benannt wurde -- Fehlanzeige. Ich darauf hin nochmals um Terminangabe gebeten (letztmalig). Zumindestens weiß ich jetzt, dass ihr das Thema offensichtlich nicht wichtig genug erscheint und sie den Jungen in die falsche Schublade gelegt hat.

Gruß Conny

Conny
14.09.2005, 12:24
Mahlzeit,

ich habe noch einmal nachgedacht, bzgl. eines Intelligenztestes. Wenn ich ehrlich bin, ... ich glaube fast (nein, ich weiß es), ich habe Angst davor. Da Chris sich sowieso schon ständig mit seiner Schwester vergleicht (Zensurenvergleich)- wird er auch alles daran setzen, zu erfahren wie "schlau" seine Schwester ist. Was mache ich, wenn der Wert darunter liegt (auch wenn es nur geringfügig ist und immer noch überdurchschnittlich). Er wird es wieder für eine Form von Versagen halten. Und da Motivation schon jetzt oft sooooo schwierig ist - habe ich Angst. Das mag mitunter falsch sein - aber in diesem Punkt drehe ich mich im Kreis und bin "wirklich" ratlos. Ich weiß, das er nicht schlechter ist als seine Schwester (Test hin oder her) - viele Dinge beherrscht er schneller und sein Orientierungsinn ist unschlagbar. Es gibt so manche Sache, wo er Marie glatt im Regen stehen läst - aber leider ist er nicht bereit, dies auch für sich so zu sehen. Und ich suche seit Jahren nach dem "warum". Wenn ich das gefunden habe - kenn ich sicherlich den Auslöser für viele Dinge.

Bis dann Conny

Tilman
14.09.2005, 12:25
Hallo nochmal


1)> da er sich aber aufgrund seiner Verträumtheit und auch seiner Langsamkeit so oft selber im Weg steht, wollte ich nie wirklich wissen, wie intelligent er ist.<

2)> Seit dem weiß ich, dass Intelligenz in diesem Maße auch nicht vorteilhaft ist. <

3)> Dies ist sicherlich auch der Grund, weshalb ich bislang froh war, dass Chris nicht den 1,0er darstellt. <


1)Ich will aber doch noch einmal mit Nachdruck eine Lanze brechen für Verträumtheit und scheinbare Langsamkeit: das sind, so wie es hier erzählt wurde, keine Fehler sondern Charaktertistika. Der Veränderungsspielraum ist da eher gering; die Umwelt muß sich jedenfalls in gleichem Maße darauf einspielen.

An sich ist solch eine Anlage auch kein Nachteil, sie wird es erst dann, wenn _dauernd_ _alle Leute_ etwas anderes von einem verlangen. Ich habe in meinem Beruf, der 50% aus selbständiger wissenschaftlicher und 50% aus künstlerischer Arbeit besteht, nur Vorteile von meiner Arbeitsweise, die zwar eventuell _für andere_ langsam scheint, aber in vielen Fällen zu schnelleren und genaueren Resultaten führt.

Das "sich oft im Wege stehen" sehe ich so: wenn die Anforderungen von außen grundsätzlich von schnellerem (oder anders strukturiertem) Handeln ausgehen, wird dem LH Kind nicht die für es passende Methode beigebracht, die hilft, optimal mit der eigenen Begabung umzugehen. Lerntricks, die für Rechtshänder fantastisch funktionieren, haben oft für uns gar keinen Sinn. Stattdessen geht alle Energie verloren, weil man immer irgendetwas "anders" machen soll. Da gibt es dann in der Folge Kurzschlüsse, die von außen besehen so wirken als wenn man sich selbst im Wege steht.

Und richtig: Kinder nehmen viel im Unterbewußtsein an, so auch leider das Gefühl "anders" oder "nicht richtig" zu sein - ob das nun berechtigt ist oder nicht. Danach kann es durchaus sein, daß Chris sich _selbst_ ein "nicht anderes" oder "richtiges" Ziel setzt, was aber ihm eigentlich nicht entspricht.

Dies nur zur Seite, hat mit der Lehrerin nix zu tun.


2) Naja, es war nach meinen Andeutungen wohl klar, daß auch mir bewußt ist, daß Hochbegabung "in diesem Maße nicht vorteilhaft" ist: auch sie passt nicht in den "normalen" Schulbetrieb und stört das Abhandeln der Kinder nach einem Maß. Was zu komplexen individuellen Folgen führen kann.

Denn leider

3) lesen sich viele Hochbegabtenlebensläufe ganz und gar nicht so, daß man sagen kann 1,0 ist gleich Hochbegabt, und nicht-1.0 ist (in diesem Kontext) "nochmal Glück gehabt". Im Gegenteil, viele hochbegabte sind mäßig oder sogar ausgesprochen schlecht in der Schule. Die _unerkannte_ Hochbegabung scheint das durchaus typischere Erscheinungsbild zu sein. Genau hier stellen sich die Stresssymptome ein unddie psychischen Probleme etc. etc. und genau hier ist Förderung angesagt. Förderung setzt Erkennen voraus. Egal ob man da nun einen Test macht, oder nur hinsieht oder was.


Und jetzt noch was zu der Frage die hier irgendwo kam, ist denn Schreien so schlimm? Ja was denn, natürlich ist es schlimm!

Erstens ist es schlechtes Benehmen, und hat als solches keinen Vorbildcharakter.

Okay, dann macht es eventuell Angst (doof genug), aber vor Allem ist es (in diesem konkreten Fall) eine unerträgliche Verletzung der persönlichen Integrität, wenn jemand für seine Eigenarten angeschrieen wird. Ich möchte mal sehen was für einen Aufstand es gäbe, wenn ein Lehrer ein Kind anschreit nur weil es Sommersprossen hat, oder (auwei) eine dunkle Hautfarbe, oder meinetwegen auch nur, weil es eine Zahnspange tragen muß...


Und man muß nicht einmal einen speziellen Befund der Ohren zu haben um das Geschrei eines Lehrers als schmerzhaft zu empfinden:

Die Schulhefte aus der Zeit wo wir gerade mit Tinte zu schreiben begannen (1967) haben lauter verschmierte Wasserflecken. Fragte damals meine Mutter, "ja was ist, haste geheult oder so?" - "Ja, die xxx schreit immer so" - "Ja, schreit sie denn Dich an" - "nein gar nicht, aber ich erschrecke immer so". So war das. Es kam unvorbereitet, und es tat weh an den Ohren.

Tilman

Rosalind
14.09.2005, 14:21
eigentlich für Chris...


Langsamkeit ist eine Stärke, Schnelligkeit auch. Mein Mann (Naturwissenschaftler) und ich sind seit über 30 Jahren zusammen, er ist ordentlich, ich bin pünktlich. (obwohl wir uns inzwischen etwas angeglichen haben) Wir können gegenseitig die Arbeitsweise des anderen bis heute nicht ertragen, nutzen sie aber zun gegenseitigen Vorteil aus.


Einer meiner Standard - Lehrerinnensprüche ist: "LANGSAM! Erst richtig, das Tempo kommt von alleine!"


Was bei Verträumtheit und Abdriften auch manchmal hilft: das Kind dafür sensibilisieren, wenn die Aufmerksamkeit nachlässt. U.U. nach jeder Aufgabe bewusst eine Pause machen (Augen zu und dreimal in den Bauch atmen, bis 10 zählen, innerlich ein Lied singen....) und dann weitermachen.


Und sich immer wieder klar machen, dass jeder Mensch seine spezielle Mischung von Stärken und Schwächen hat - und dass das gut so ist.