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Vollständige Version anzeigen : rechts schreiben


Andre
25.03.2005, 11:40
Ich glaube ich geb jetzt auf und schreibe wieder nur mit rechts. Die Maus lasse ich links, aber das mit dem Schreiben kriege ich nicht hin. Soll ich noch irgendwas beachten, wenn ich beim schreiben bei rechts bleibe? Findet ihr es schlimm, dass mir die Rückschulung zu anstrengend ist?

Libertin IRS
25.03.2005, 12:56
>Ich glaube ich geb jetzt auf und schreibe wieder nur mit rechts. Die Maus lasse ich links, aber das mit dem Schreiben kriege ich nicht hin. Soll ich noch irgendwas beachten, wenn ich beim schreiben bei rechts bleibe? Findet ihr es schlimm, dass mir die Rückschulung zu anstrengend ist?


Hallo Andre,


ich finde es nicht schlimm, auch bei mir gab es, oder gibt es noch immer Zeiten, wo mir das alles "zuviel" wird, und ich wieder angefangen hatte, Dineg doch wieder mit rechts zu machen - auch heute noch flipt das immer wieder hin und her. Allerdings BEWERTE ich es nicht mehr, sondern ich sage mir: das darf ganz einfach sein! Ich muss nicht mehr perfekt sein und ich muss auch nicht mehr immer alles "richtig" machen!"


Für mich war es deshalb gut, bei der Rückschulung hin und wieder Pausen einzulegen. Ich denke, es ist nicht gut, sich selber unter Druck zu setzen - wir ULH machen das häufig ("hart gegen sich selber und hart gegen andere"). Wichtig ist ein Gefühl dafür zu entwickeln, was einem gut tut - und da vertrauen ich inzwischen mehr und mehr auf meine eigene Wahrnehmung, als auf das was irgendwelche "Experten" zu mir sagen - die sich selber für ihre eigene Person noch nicht rückgeschult haben oder die Rückschulung für ihre eigene Person ablehnen und daher meines Erachtens auch garnicht mitreden können, oder andere (z.B. Wald und Wiesen Psychologen) die von der Thematik UHL sowieso überhaupt keine Ahnung haben. Vieles von dem was manche "Experten" behaupten ist meines Erachtens nicht immer der Weisheit letzter Schluß. Manchmal raten einem die gleichen Leute ein paar Jahre später genau das Gegenteil dessen, was sie einem ein paar Jahre zuvor als "Expertise" gesagt hatten. Das Vertrauen in die eigenen Gefühle und Empfindungen, ist deshalb oft der bessere Ratgeber...


Ich für meine Person habe mich auch von der Vorstellung gelöst, meine Rückschulung in Rekordzeit zu lösen (nachdem Motto: "Ätsch! Ätsch! Ich habe es in 3 Wochen geschaft!"), sondern habe für meine Person erkannt, dass das ein Prozess ist, der bei mir zumindest einen längeren Zeitraum bedarf. Entgegen weit verbreiteter Meinung finde ich es auch nicht schlimm einmal mit links und einmal mit rechst zu schreiben oder Dinge zu tun - warum soll man nicht wechseln? Viel, viel wichtiger ist es, nicht zu streng und nicht zu hart mit sich selber umzugehen. Ein Rückschlag ist für mich deshalb noch kein scheitern. Was diese so genannten "gescheiterten Rückschulungen" anbelangt, frage ich mich auch: Woran sind diese denn nun tatsächlich "gescheitert"? Die Frage ist auch: Was wäre, wenn diese Personen sich nicht zurückgeschult hätten? Vielleicht wären sie dann an etwas ganz anderen "gescheitert"? Hängt dieses "scheitern" denn tatsächlich mit der Rückschulung zusammen?


Von Außen betrachtet, mag manch einer meine Rückschulung bisher auch als "gescheitert" betrachten: seit fast einem Jahr bin ich nun arbeitslos und auch noch krankgeschrieben und kriege Krankengeld - nun gut ich nehme mir ganz einfach die Zeit, die ich für meine Rückschulung brauche und basta!

Ich merke einfach wie mein ganzes Denken und Fühlen sich verändert und ich diese Veränderungen als gut für mich empfinde. Was das Endeergebnis anbelangt, bin ich bei mir selber deshalb optimistisch. Vertraut in euch selber und last euch von irgendwelchen "Experten" bloß nicht ins Boxshorn jagen!!! Diese "Experten" sind auch nicht unfehlbar...


Zu deiner Frage:


1. ein Rückschlag ist kein "Scheitern"

2. ein Abbruch braucht nicht entgültig zu sein


3. du darfst selbstverständlich bei der Rückschulung sowohl mit links als auch mit rechts schreiben oder Dinge tun - solange es dir selber gut tut. Ich halte garnichts davon, sich erneut unter Druck zu setzen und alles unbedingt und sofort mit links tun zu "müssen" und ja nichts mehr mit rechts machen. z.B. LH schreiben, RH Gitarre spielen: Oh Gott! Oh Gott! Das kann die Rückschulung gefährden! So ein Quatsch!!! "Müssen", musst du überhaupt nichts...

4. eine Pause in der Rückschulung, kann durchaus sinnvoll sein, du "darfst", wann immer du willst gerne wieder mit links schreiben - wie gesagt, "müssen", musst du überhaupt nichts.


deshalb, alles Gute,

Libertin

Rosalind
25.03.2005, 13:47
>Ich glaube ich geb jetzt auf und schreibe wieder nur mit rechts. Die Maus lasse ich links, aber das mit dem Schreiben kriege ich nicht hin. Soll ich noch irgendwas beachten, wenn ich beim schreiben bei rechts bleibe? Findet ihr es schlimm, dass mir die Rückschulung zu anstrengend ist?


ich bin da auch anderer Ansicht als Matthias. Ich baue das Schreiben mit links zwar zunehmend weiter aus, weil ich merke, dass es mir gut tut, aber ich schreibe je nach Bedarf auch mit rechts. Ich würde zwar nie einem Kind das beidhändige Schreiben empfehlen, aber warum soll ich als Erwachsene auf eine Fähigkeit verzichten, die ich nunmal habe?

Psychisch empfinde ich das Schreiben mit rechts inzwischen so ähnlich wie das Nutzen einer Fremdsprache. Ich kanns, und wie Menschen, die lange im Ausland gelebt haben, kann ich manches flotter als in der Muttersprache. Putzigerweise ist meine rechtshändige Schrift besser geworden, seit ich mit links schreibe.

Grundsätzlich versuche ich, mein überzogenes (umschulungsbedingt) preußisches Pflichtbewusstsein auf Normalmaß zu reduzieren. Dabei passieren natürlich Pannen, oder freundlicher ausgedrückt, interessante Erfahrungen. Aber was mich nicht umbringt, macht mich stärker.

Rosalind

Rosalind
25.03.2005, 14:27
>Ich glaube ich geb jetzt auf und schreibe wieder nur mit rechts. Die Maus lasse ich links, aber das mit dem Schreiben kriege ich nicht hin. Soll ich noch irgendwas beachten, wenn ich beim schreiben bei rechts bleibe? Findet ihr es schlimm, dass mir die Rückschulung zu anstrengend ist?


Wie vorhin gemailt, denke ich nicht, dass die rechts schreiben ab Rückschulung verboten sein sollte. Aber: besonders um den Einstieg hinzukriegen, oder auch, um einen qualitativen Sprung vorzubereiten, kann es sinnvoll sein, eine Zeitlang wirklich nur konsequent mit links zu schreiben, bis sich diese Gewohnheit etwas etabliert hat. Umlernen ist viel schwieriger als neu lernen oder dazu lernen.

ansonsten, wenn es dich tröste, eine linkshändige Kollegin benutzt konsequent die Maus rechts. Sie sagt, sie hätte es so gelernt und es wäre ihr schlicht zu mühsam, umzulernen. Allerdings ist für sie der PC auch nicht so wichtiges Arbeitsmittel wie für manch andere.

Rosalind

Lotteflue
27.03.2005, 05:52
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>Ich glaube ich geb jetzt auf und schreibe wieder nur mit rechts. Die Maus lasse ich links, aber das mit dem Schreiben kriege ich nicht hin. Soll ich noch irgendwas beachten, wenn ich beim schreiben bei rechts bleibe? Findet ihr es schlimm, dass mir die Rückschulung zu anstrengend ist?
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Also ich hab bei mir mitgekriegt, dass es immer wieder Phasen gibt, wo ich nur mit rechts machen "will". Das ist vielleicht das implantierte Programm?

Andererseites ist es meist so, wenn man kurz vorm Bergipfel ist, gibt man gern auf, weil man meint, es nicht mehr zu schaffen. Meist gibt es vor dem wirklichen Durchbruch noch mal einen Rückschlag.

Ich bin jetzt auch noch nicht so richtig schlau draus geworden bei mir, da ich sehr wenig mit der Hand schreibe. Von daher schreibe ich weiterhin mit rechts, weil das so wenig ist, dass ich sozusagen für die Katz übe und dementsprechend auch sehr wenig übe.

Wenn ich jetzt z.B. oft und viel mit der Hand schreiben würde, wäre mir das auch lieber. Aber so habe ich nicht die nötige Motivation, weil am Computer schreiben gut geht und das benutze ich sehr viel öfter als handschreiben. Handschreiben brauche ich nur zum Entschuldigungszettel schreiben oder zum unterschreiben oder zum Formular ausfüllen auf der Post (selten) etc..


Ich bin mir noch unklar, ob sich das (jetzt schon) "lohnt".

Damals als der starke innere Impuls kam links zu unterschreiben habe ich das dummerweise verdrängt damit man die Unterschrift auch lesen kann *mir an den kopf klatsch*

Das ist mindestens ein Jahr her und ich habe nie wieder diesen Impuls bekommen. Fühl(t)e mich diesbezüglich immer noch irgendwie blockiert. D.h. ich muss irgendwie wieder von vorn beginnen beim schreiben. Mal schaun.


Das dir die Rückschulung zu anstrengend ist ist nun mal so. Vielleicht hast du später mehr Kraft dafür. Das heisst ja jetzt nicht, dass du es für immer und ewig abgehakt hast. Oder doch? Wie siehst du das?


Grüsse

Lotteflue

Elisabeth Ertl
28.03.2005, 23:23
Findet ihr es schlimm, dass mir die Rückschulung zu anstrengend ist?


Warum ist es so wichtig, wie wir darüber denken? Damals als Kind war es für dich wichtig, wie deine Erzieher über deine Linkshändigkeit gedacht haben, weil du ihnen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert warst. Jetzt brauchst du keine Erzieher mehr! Du entscheidest autonom. Die Aufarbeitung der Umschulung - sei es in Form von Rückschulung oder nicht, kann doch nur ein Ziel haben: dass du deine Maßstäbe endlich, endlich in dir selber findest!

Elisabeth Ertl
01.04.2005, 18:45
Ich glaube, dass weder Angst noch Ehrgeiz gute Ratgeber sind. Das Risiko einer Rückschulung ist nicht größer als das jeder Psychotherapie - vorausgesetzt, dass Du für alle Fälle einen kompetenten Begleiter zur Hand hast. Es ist eben ein seelisches Abenteuer mit ungewissem Verlauf und Ausgang. Man sagt, niemand lernt neue Kontinente kennen, der nicht den Mut hat, alle Küsten aus den Augen zu verlieren. Die Frage ist: Was reizt dich mehr - ins ungewisse Neue mitsamt deiner Angst hineinzugehen,oder sicherheitshalber dort weiterzusehen, wo du jetzt stehst, was durchaus auch was bringen kann. Wir hätten überhaupt kein Wissen über Chancen und Gefahren der Rückschulung, wenn es nicht schon viele auf gut Glück gewagt hätten. Wir gehören eben immer noch zu den Pionieren. Rückschuler tragen ebenso zur Wissenserweiterung bei wie Menschen, die ohne Rückschulung an der bewältigung der Folgen arbeiten.

Claudia
01.04.2005, 21:11
>Findet ihr es schlimm, dass mir die Rückschulung zu anstrengend ist?

>Warum ist es so wichtig, wie wir darüber denken? Damals als Kind war es für dich wichtig, wie deine Erzieher über deine Linkshändigkeit gedacht haben, weil du ihnen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert warst. Jetzt brauchst du keine Erzieher mehr! Du entscheidest autonom. Die Aufarbeitung der Umschulung - sei es in Form von Rückschulung oder nicht, kann doch nur ein Ziel haben: dass du deine Maßstäbe endlich, endlich in dir selber findest!>


Hallo Elisabeth,


ja, umgeschulte Linkshänder waren ihren Eltern, Kindergärtnerinnen, Lehrern etc. auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Man war einfach nicht O.K., so wie man war.

Diese Unsicherheiten bleiben oft noch über einen langen Zeitraum, das kann man doch nicht einfach abstellen.

Wenn ich von mir ausgehe, gerate ich auch heute noch öfters an Menschen, die zu spüren scheinen, dass ich unsicher bin, und das tierisch auszunützen versuchen.

Erinnert mich an die Spielchen meiner Eltern.

Bin so geprägt worden und muss da durch.

Deshalb bin ich froh, dieses Forum gefunden zu haben und zu wissen: Ich bin nicht alleine, anderen geht es ähnlich oder genauso.

Und auf die Meinungen der ebenfalls Betroffenen gebe ich sehr viel. Das gibt mir Kraft und Mut.

Aber es ist ein langer Weg...


Viele Grüße

Claudia

Elisabeth Ertl
02.04.2005, 17:06
>Deshalb bin ich froh, dieses Forum gefunden zu haben und zu wissen: Ich bin nicht alleine, anderen geht es ähnlich oder genauso.

>Und auf die Meinungen der ebenfalls Betroffenen gebe ich sehr viel. Das gibt mir Kraft und Mut.

>Aber es ist ein langer Weg...

>Viele Grüße

>Claudia


Hallo Claudia!


Ich gönne Dir ja die Beiträge der anderen! Wollte nur einen zusätzlichen Aspekt einbringen!


Liebe Grüße

Elisabeth