Vollständige Version anzeigen : Komm hab deine Mami mal lieb!
Libertin IRS
18.03.2005, 17:13
Komm, hab deine Mami mal lieb!
Hör auf zu heulen, sonst kriegst du noch ’ne Trachtprügel hinterher, dann weißt du warum du heulst!
Ich muss ja wohl eine schlimme Mutter gewesen sein!
Du weist ja gar nicht, wie gut es dir geht!
Du weist ja nicht, wie weh Hunger tut!
Stell dich nicht so an!
Du bist stinke faul!
Lerne, leiste, schaffe was, dann bist du, hast du kannst du was!
Du schwimmst schon wieder in der Schule!
Wenn du so weiter machst, schaffst du das nie!
Schluck, schluck, schluck, kauen kannst du hinterher!
Iss nicht immer so langsam! Iss schneller!
Du frisst wie ein Schwein!
Ich weiß gar nicht, was ich für dich noch kochen soll!
Du warst schon immer so schwierig!
Stell dich nicht so an und beiß die Zähne zusammen!
Kann ich nicht gibt’s nicht und will nicht liegt daneben!
Du kriegst was auf deine unegalen Finger!
Du brauchst wohl wieder mal eine ordentliche Tracht Prügel!
Du kriegst gleich was links und rechts hinter die Moppen!
Du kriegst gleich einen Jack voll!
Aus Nick-Nacken wird Jick-Jacken und aus Jick-Jacken wird Popoklappen.
Du kriegst was hinten drauf!
Morgen tut mir die Hand weh!
Wer seine Eltern schlägt, dem wächst die Hand aus dem Grab!
Die Männer sind alle Verbrecher!
Komm den Frauen zart entgegen!
Frauen schlägt man nicht! (Warum eigentlich nicht?)
Guten Morgen – ich bin die Milch!
Die Tasse hat einen Henkel!
Das Messer gehört in die rechte Hand!
Fass den Löffel ordentlich an!
Kannst du nicht mal aufpassen?
Du hast schon wieder gekleckert!
Die Tischdecke ist frisch gebügelt!
Setz dich gerade hin!
Du siehst verboten aus!
Was sollen die Nachbarn denken!
Da sind schon wieder Krümel in der Küche!
Wie sagt man? Das heißt Dankeschön!
Hast du Herrn... (Frau...) auch ja die Hand gegeben?
Du läufst rum wie ein Schlunz!
Räum dein Zimmer auf!
Mach das ja ordentlich!
Streng dich besser an!
Auch die Kindergärtnerin hat gesagt, du seiest ein kleiner Teufel!
Nimm die Finger da unten weg, sonst kriegst du später mal keine Kinder!
Hör auf zu trödeln!
Sei froh, dass du keine Sorgen hast!
Wenn ich mal viel Zeit habe, dann hab ich vielleicht Mitleid mit dir!
Wir plagen und Mühen uns ab, und du weist gar nicht wie gut es dir geht!
Mach keinen Blödsinn!
Mach keine Dummheiten!
Ständig muss ich mir deinetwegen Sorgen machen!
Du weißt gar nicht, wie das ist:
Ich hab dich neun Monate im Bauch getragen unter Mühen und Qualen groß gezogen und jetzt so was!
Ich hab dich doch lieb!
Ich hab dich doch immer lieb gehabt!
Du bist und bleibst doch immer mein Kind!
Weiß du? Ich hab dich lieb!
Komm, hab deine Mami mal lieb!
Im Rahmen der Rückschulung meiner Händigkeit sehe ich meine Mutter in der Tat nunmehr mit ganz „anderen“ Augen. Ich brauche keine „Brille“ mehr – die Dioptrienzahl meiner Augen bessert sich im Rahmen meiner Rückschulung kontinuierlich...
Was diesen Missbrauch meiner Person durch meine Mutter anbelangt, so mancher Vater säße wohl hierfür im Maßregelvollzug. Inzwischen denke ich, was Missbrauch anbelangt, dass Frauen als Täterinnen wohl viel häufiger auftreten als Männer – nicht weil Frauen an und für sich schlechtere Menschen sind, sondern weil Frauen naturgemäß mehr Kontakt zum Kind haben. Sexuelle Übergriffe finden dann versteckt – im Rahmen der Körperpflege – statt. Der emotionale Missbrauch steht meines Erachtens dem sexuell vollzogenen im nichts nach – zumal der emotionale Missbrauch häufig sexualisierte „Untertöne“ enthält. Meiner Mutter die Muschi lecken zu müssen – wäre dann wohl bloß nur noch reine „Formsache“ gewesen...
Inzwischen habe ich den Kontakt zu meiner Mutter abgeschnitten.
Weiterhin denke ich, dass Missbrauch statistisch häufiger mit PseudoRH assoziiert sein könnte: Durch Umschulung kommt es nicht nur zur Verdrehung der Händigkeit, sondern zu einer Verdrehung der Person als ganzes. Wer nicht weiß, wer oder was er wirklich ist, der weiß auch nicht wer oder was sein Kind ist.
Und später dann als Erwachsener, wen oder was er begehren soll. Bezeichnenderweise: Perversere = Verdrehen – der Volksmund sagt es bereits: „linksgestrickt“...
In diesem Sinne Libertin - der "Perverse"
Lotteflue
19.03.2005, 01:00
Boah, so viele heftige Sachen wie du hier schreibst. So viele Faustschläge in den Magen, so viel Nichtanerkennung, Nichtachtung.....
Danke das du von deiner Rückschulung berichtest und an ihr teilhaben lässt.
Alles Gute
Lotteflue
Bernhard
21.03.2005, 15:22
Hallo Libertin,
habe Deinen Text mit starken Emotionen gelesen. Die Sprüche kamen mir sehr, sehr vertraut vor.
Hätte noch einen hinzuzufügen: " Dich haben sie im Krankenhaus vertauscht, Du bist eigentlich gar nicht mein Kind. Das wäre nicht so!"
Seit August mache ich Rückschulung und sehe meine Mutter, mit der ich 43 Jahre Krieg hatte, heute anders. Unser Verhältnis ist nicht sehr gut, mehr sachlich. Bin mir sicher, dass sie auch umgepolte Linkshänderin ist, viele Ihrer Verhaltensweisen rechtfertigen diesen Schluß im Nachhinein. Darauf angesprochen bestreitet sie es heftig.
Der größte Hit in den Diskussionen seit Beginn meiner Rückschulung: Der zweite Mann meiner Mutter ( seit 25 Jahren ) ist ebenfalls ein mit massiven Mitteln umgepolter Linkshänder, was sie und wir alle vorher nicht wußten. Das erklärt auch viele merkwürdige Dinge an dem Mann, die ich früher als ausgesprochen komisch empfand.
Meine Mutter war bei meiner Geburt noch sehr jung und unerfahren, sie war klar überfordert. Ich verstehe sie jetzt besser, aber dass sie mich sehendes Auges seelisch verstümmelt hat, kann ich ihr nicht nachgeben. Lieben kann ich sie nicht mehr.
Viele Grüße
Bernhard
Libertin IRS
21.03.2005, 22:53
Hallo Bernhard,
später vielen mir noch einige weitere dieser Sprüche und Redensarten ein, die einzig und allein bezeugen, dass ich – egal was auch immer ich damals machte – ich als Kind einfach nicht OK war so wie ich war, oder es für meine Mutter nie gut genug war, wie sehr auch immer ich mich anstrengte...
Meiner Mutter empfinde ich eine Mischung zwischen Hass und Mitleid. Doch eigentlich habe ich meinen Eltern inzwischen vergeben und verziehen. Meine Eltern sind beide Posttraumatiker was die Kriegserlebnisse anbelangt und selber als Kind durch die Kriegserlebnisse wohl schwerst traumatisiert. Neben wahrscheinlicher eigener Pseudorechtshändigkeit meiner Eltern (insbesondere diese Pingeligkeit und Zwanghaftigkeit – sowohl bei meinem Vater, als auch bei meiner Mutter – deutet m. E. darauf hin; wie überhaupt PseudoRH wohl häufiger in Paarbeziehungen zu einander finden werden: Ein „echter“ RH oder ein nichtumgeschulter LH, wird es mit einem ULH oder einem PseudoRH vermutlich kaum „aushalten“...) Das alles mag vielleicht eine Erklärung für das Verhalten meiner Mutter mir gegenüber sein – das ist allerdings kein Freibrief für Missbrauch und Misshandlung. Es ärgert mich auch, dass diese ganze Missbrauchsdiskussion von „Feministinnen“ funktionalisiert wird, und dass Frauen als Täterinnen und Söhne als Opfer immer noch unter dem Teppich gekehrt werden. Mütter sind mit ihren Säuglingen und Kleinkindern mit sich und der Welt alleine. Vieles geschieht bereits vor Sprachentwicklung und ist später dem einzelnen dann bewusst kaum wirklich zugänglich. Männer oder Jungs werden immer nur unter dem Aspekt des Triebtäters und Vergewaltigers oder abgemildert zumindest unter dem Aspekt des „potentiellen“ Triebtäters und Vergewaltigers betrachtet, was dann für den Betroffenen Mann als Junge als Opfer von Frauengewalt dann auch noch eine Retraumatisierung durch diese feministisch bornierten Therapeuten bedeutet. Ich habe noch nie eine Frau vergewaltigt und auch noch nie derartige Intensionen verspürt (ich könnte das garnicht, ich würde bei sowas überhaupt keinen „hoch“ kriegen!!!). Ich selber, ich musste mich allerdings schon gegen derartige Unterstellungen während therapeutischer Settings seitens von Therapeuten und Therapeutinnen erwähren. Das war einziger Albtraum für mich!!! Im Nachhinein empfinde ich dieses als einen erneuten Missbrauch meiner Person und eine sehr üble Beleidigung seitens von vielen Frauen gegenüber uns Männern. Das alles hat dann zu einer „Verschlimmbesserung“ mit Depressionen und Selbstverletzungen bei mir geführt. Früher war ich immer der „Frauenversteher“, seit der Rückschulung meiner Händigkeit werde ich in mancher Hinsicht immer mehr und mehr zum „Maskulinisten“... Vieles was da behauptet wird ist einfach nur Lug und Trug. Männer sind statistisch ganz eindeutig viel, viel häufiger Opfer von Gewaltdelikten, Mord und Totschlag als Frauen. „Tötet-den-Mann-und-rettet-die-Frau-Filme“ als kurzweilige Feierabendunterhaltung im Abendfernsehen. Und weil’s so „schön“ ist, zeigt man die Gewaltorgie im Showdown auch noch mal in der Wiederholung, in vielfältigen Kameraeinstellungen, in Zeitlupe nach – „tötet endlich den Mann, stecht ihn ab, dieses elende Schwein!“, als filmkünstlerischerer, ästhetisierter Lustmord an Männern... Wobei zugegeben – im realen Leben wie im Film – die Männer sich meist gegenseitig killen – allerdings unter den wohlwollenden Blicken von Frauen, und... erst nach dem Mami die Gewaltbereitschaft in den kleinen Jungen zuvor ja auch ordentlich, anständig und tüchtig hineingeprügelt hat („Morgen tut mir die Hand weh!“)... Die Personengruppe die in unserer Gesellschaft am allerwenigsten geschützt ist, das ist m. E. nicht das kleine Mädchen, sondern der kleine Junge. Das fängt bereits schon im frühesten Kleinkindalter an: Wenn ein kleines Mädchen schreit, heißt es sofort: „Es will getröstet werden!“ Wenn ein kleiner Junge schreit, heißt es dagegen: „Er ist wütet, lasst ihn ruhig mal schreien, damit er gleich von Anfang merkt, dass er damit nicht durch kommt“!
Selbst wenn meine Eltern selber Opfer von Gewalt und Krieg sowie PseudoRH sind, eine Versöhnung ist mit meinen Eltern für mich nicht möglich, solange meine Eltern überhaupt keinerlei Einsicht zeigen, ihr Verhalten wirklich mal ernsthaft zu reflektieren. Anscheinend ist das für meine Eltern nicht möglich. Da werden die alten Lebenslügen weiterhin gepflegt und die Wahrheit wird auch weiterhin verdreht und verleugnet. Den Kontakt habe ich abgeschnitten, nicht um meine Eltern damit zu strafen, sondern um mich SELBER vor ihnen zu schützen, um mich selber nicht immer wieder deren Einfluss auszusetzen, damit bei mir nicht immer wieder und wieder die alten Knöpfe gedrückt werden. Selbst wenn meine Mutter mich heute nicht mehr schlägt, sondern versucht im Rahmen ihrer Möglichkeiten freundlich zu sein, es ist für mich jedoch immer noch der gleiche Klang ihrer Stimme, die gleiche Mimik, die gleiche Gestik, der gleiche ekelhafte Geruch den sie immer noch ausdünstet – es reicht einfach! Ich will mich dem einfach nicht mehr aussetzen müssen. Ich habe keinerlei Rachegelüste meinen Eltern gegenüber und ich unterstelle meinen Eltern auch keinerlei Vorsatz, es gilt für mich im Wesentlichen darum, eine Ebene zu finden, wo es mir einfach nicht mehr weh tut. Und in dieser Hinsicht ist eine Versöhnung ist um den Preis der Lüge mit mir nicht möglich. Ich habe keinerlei Verpflichtungen meinen Eltern mehr gegenüber. Ich will eigentlich bloß nur in Ruhe und Frieden endlich mein eigenes Leben leben können...
Libertin
Bernhard
22.03.2005, 09:55
Hallo Libertin, Deine Antwort war ja sehr umfangreich, und Du hast viele Dinge angesprochen, über die ich mir so noch keine Gedanken gemacht hatte.
später vielen mir noch einige weitere dieser Sprüche und Redensarten ein, die einzig und allein bezeugen, dass ich – egal was auch immer ich damals machte – ich als Kind einfach nicht OK war so wie ich war, oder es für meine Mutter nie gut genug war, wie sehr auch immer ich mich anstrengte...
Genau so erging es mir auch. Wobei allerdings damals die Erziehung doch anders war als heute: was gut gelang wurde zur Kenntnis genommen, das Mißlungene bestraft. Gelobt wurde nicht.
Meiner Mutter empfinde ich eine Mischung zwischen Hass und Mitleid. Doch eigentlich habe ich meinen Eltern inzwischen vergeben und verziehen. Meine Eltern sind beide Posttraumatiker was die Kriegserlebnisse anbelangt und selber als Kind durch die Kriegserlebnisse wohl schwerst traumatisiert. Neben wahrscheinlicher eigener Pseudorechtshändigkeit meiner Eltern (insbesondere diese Pingeligkeit und Zwanghaftigkeit – sowohl bei meinem Vater, als auch bei meiner Mutter – deutet m. E. darauf hin; wie überhaupt PseudoRH wohl häufiger in Paarbeziehungen zu einander finden werden: Ein „echter“ RH oder ein nichtumgeschulter LH, wird es mit einem ULH oder einem PseudoRH vermutlich kaum „aushalten“...)
Speziell der letzte Satz hat mich sehr nachdenklich gemacht. Mein Vater hat es nicht sehr lange mit meiner Mutter ausgehalten. Ich verstand es gut als er ging, trotzdem war ich sehr enttäuscht, weil er ja auch mich verlassen hat. Unser Verhältnis war eigentlich gut, er war immer mein Vorbild. So wie er wollte ich werden.
Das weitere hat mich bisher noch nich tbeschäftigt, auch wenn in meiner Erinnerung Dinge auftauchen, die einer näheren Betrachtung bedürfen. Was ich voll unterstriechen kann ist die Veränderung vom "Frauenversteher" zum...Ja was denn eigentlich? Du hast es Maskulinisten genannt. Ich stelle einfach fest, das mein Selbstbewußtsein ein anderes ist. Früher bin ich eigentlich imer mehr oder weniger angesprochen worden, ich selbst war meistens zu feig. Das ist heute ganz anders.
Das alles mag vielleicht eine Erklärung für das Verhalten meiner Mutter mir gegenüber sein – das ist allerdings kein Freibrief für Missbrauch und Misshandlung. Es ärgert mich auch, dass diese ganze Missbrauchsdiskussion von „Feministinnen“ funktionalisiert wird, und dass Frauen als Täterinnen und Söhne als Opfer immer noch unter dem Teppich gekehrt werden. Mütter sind mit ihren Säuglingen und Kleinkindern mit sich und der Welt alleine. Vieles geschieht bereits vor Sprachentwicklung und ist später dem einzelnen dann bewusst kaum wirklich zugänglich. Männer oder Jungs werden immer nur unter dem Aspekt des Triebtäters und Vergewaltigers oder abgemildert zumindest unter dem Aspekt des „potentiellen“ Triebtäters und Vergewaltigers betrachtet, was dann für den Betroffenen Mann als Junge als Opfer von Frauengewalt dann auch noch eine Retraumatisierung durch diese feministisch bornierten Therapeuten bedeutet. Ich habe noch nie eine Frau vergewaltigt und auch noch nie derartige Intensionen verspürt (ich könnte das garnicht, ich würde bei sowas überhaupt keinen „hoch“ kriegen!!!). Ich selber, ich musste mich allerdings schon gegen derartige Unterstellungen während therapeutischer Settings seitens von Therapeuten und Therapeutinnen erwähren. Das war einziger Albtraum für mich!!! Im Nachhinein empfinde ich dieses als einen erneuten Missbrauch meiner Person und eine sehr üble Beleidigung seitens von vielen Frauen gegenüber uns Männern. Das alles hat dann zu einer „Verschlimmbesserung“ mit Depressionen und Selbstverletzungen bei mir geführt. Früher war ich immer der „Frauenversteher“, seit der Rückschulung meiner Händigkeit werde ich in mancher Hinsicht immer mehr und mehr zum „Maskulinisten“...
...Jungen zuvor ja auch ordentlich, anständig und tüchtig hineingeprügelt hat („Morgen tut mir die Hand weh!“)... Die Personengruppe die in unserer Gesellschaft am allerwenigsten geschützt ist, das ist m. E. nicht das kleine Mädchen, sondern der kleine Junge. Das fängt bereits schon im frühesten Kleinkindalter an: Wenn ein kleines Mädchen schreit, heißt es sofort: „Es will getröstet werden!“ Wenn ein kleiner Junge schreit, heißt es dagegen: „Er ist wütet, lasst ihn ruhig mal schreien, damit er gleich von Anfang merkt, dass er damit nicht durch kommt“!
Meine Mutter war auch grob, aber geschlagen hat sie selbst nur wenig. Dafür hat sie meinen Vater gewissermaßen als "Vollstrecker" verwendet. Nach dem Motto."Warte, bis der Papa heim kommt, dann gibt´s aber was." Und so war es dann auch.
Dabei empfand ich sie als Petze, als echte Verräterin. Das Warten auf die Strafe war schlimmer als die Strafe selbst, das hat mich noch lang verfolgt.
Selbst wenn meine Eltern selber Opfer von Gewalt und Krieg sowie PseudoRH sind, eine Versöhnung ist mit meinen Eltern für mich nicht möglich, solange meine Eltern überhaupt keinerlei Einsicht zeigen, ihr Verhalten wirklich mal ernsthaft zu reflektieren. Anscheinend ist das für meine Eltern nicht möglich. Da werden die alten Lebenslügen weiterhin gepflegt und die Wahrheit wird auch weiterhin verdreht und verleugnet. Den Kontakt habe ich abgeschnitten, nicht um meine Eltern damit zu strafen, sondern um mich SELBER vor ihnen zu schützen, um mich selber nicht immer wieder deren Einfluss auszusetzen, damit bei mir nicht immer wieder und wieder die alten Knöpfe gedrückt werden. Selbst wenn meine Mutter mich heute nicht mehr schlägt, sondern versucht im Rahmen ihrer Möglichkeiten freundlich zu sein, es ist für mich jedoch immer noch der gleiche Klang ihrer Stimme, die gleiche Mimik, die gleiche Gestik, der gleiche ekelhafte Geruch den sie immer noch ausdünstet – es reicht einfach! Ich will mich dem einfach nicht mehr aussetzen müssen. Ich habe keinerlei Rachegelüste meinen Eltern gegenüber und ich unterstelle meinen Eltern auch keinerlei Vorsatz, es gilt für mich im Wesentlichen darum, eine Ebene zu finden, wo es mir einfach nicht mehr weh tut. Und in dieser Hinsicht ist eine Versöhnung ist um den Preis der Lüge mit mir nicht möglich. Ich habe keinerlei Verpflichtungen meinen Eltern mehr gegenüber. Ich will eigentlich bloß nur in Ruhe und Frieden endlich mein eigenes Leben leben können...
In Ruhe sein eigenes Leben leben... Das ist wohl war. Ich habe mit meinen Elterm Kontakt, mit meiner Mutter nur das notwendigste, echte Pflichtveranstaltungen. Ich habe, nachdem ich halbwegs klar war über meine Händigkeit, den Eltern einzeln die Meinung gesagt. Und zwar in Form eines einseitigen Vortrages, ohne Chance zur Widerrede. So, wie ich es mir früher immer anhören mußte. Damit war das Thema dann durch, ich mache keine weiteren Vorhaltungen mehr, aber ich will auch keine Rechtfertigungen, Entschuldigungen oder ähnliches mehr hören, wenn doch das schlechte Gewissen plagt. Meinen Vater stzúfe ich als "Mitläufer", er hat mitgemacht, aber nur halbherzig, weil´s ihm auch nicht wirklich gefiel. Und er ist einsichtig gewesen, gleich von Anfang an.
Aber ich bin halt noch groß worden mit Pflicht und Gehorsam, speziell den Eltern gegenüber. Meine Mutter hat allen Respekt und alle Liebe eingebüßt, wie schon gesagt, eine sachliche Beziehung, die tatsächlich nur auf dem Pflichtbewußtsein gegenüber der alten, uneinsichtigen Frau beruht. Meinen Vater verehre ich nach wie vor. Seit ich rückschule merke ich erst, wie ähnlich ich ihm in vielen Dingen schon immer war, aber es nicht rauslassen konnte, weil der böse Geist die Überhand hatte.
Ich denke, dass Dein Weg genau so gut ist wie meiner. Jeder hat seinen eigenen, und das ist doch auch schon eine positive Erscheinung der Veränderung, dass wir uns trauen.
Bernhard
Seit August mache ich Rückschulung und sehe meine Mutter, mit der ich 43 Jahre Krieg hatte, heute anders. Unser Verhältnis ist nicht sehr gut, mehr sachlich. Bin mir sicher, dass sie auch umgepolte Linkshänderin ist, viele Ihrer Verhaltensweisen rechtfertigen diesen Schluß im Nachhinein. Darauf angesprochen bestreitet sie es heftig.
Meine Mutter war bei meiner Geburt noch sehr jung und unerfahren, sie war klar überfordert. Ich verstehe sie jetzt besser, aber dass sie mich sehendes Auges seelisch verstümmelt hat, kann ich ihr nicht nachgeben. Lieben kann ich sie nicht mehr.
Hallo Bernhard,
hat Dich Deine Mutter umgeschult, gibt sie es zu?
Finde es sehr positiv, daß Du nach 43 Jahren Krieg sie besser verstehst und sachlich mit Deiner Mutter umgehst.
Alles Gute
Viele Grüße
Claudia
Bernhard
22.03.2005, 14:09
Hallo Claudia,
sie hat es sogar sehr vehement zugegeben und war auf ihren Umerziehungserfolg auch noch stolz.
"Ich habe Dir das aber ausgetrieben."
Ich war mit rechts immer ein guter Zeichner, das hat sie in ihrer Überzeugung immer bestätigt. Dass ich allerdings eine ständig wechselnde, teilweise recht schöne, dann wieder saumäßige Handschrift hatte, und nicht nur beim "Schönschreiben" in der Schule die größten Probleme hatte, kam bei ihr nicht so an.
Aber wie gesagt, das Verhältnis ist sachlich, und sonst gar nichts mehr. Ich werfe ihr nichts mehr vor, sie hat´s nicht besser gewußt, trotzdem war es grausam und gegenüber einem leiblichen Kind schon ein merkwürdiges Verhalten. So hätte man sich eher das Verhalten einer bösen Stiefmutter vorgestellt. Daran hat es mich damals auch oft erinnert, da wurden Märchen Realität.
Ist vorbei, ich sehe positiv in die Zukunft, und ich verändere mich in die richtige Richtung.
Viele Grüße
Bernhard
Libertin IRS
22.03.2005, 15:04
Hallo Bernhard,
vielen Dank für Deine Antwort – es tut gut Zuspruch zu erhalten.
Ich denke, was emotionalen Missbrauch anbelangt, dass es einem als PseudoRH auf der Opferseite noch viel, viel tiefer reinhaut, weil die Möglichkeiten der Abgrenzung für einem selber viel, viel schwierig sind. Da dass eigene Ich ja kaum wirklich vorhanden ist, ist man von vorneherein prädestiniert sich von Kindheit an als Projektionsfläche, für was auch immer, für andere anzubieten...
Ich habe Jahre gebraucht, um die Schuldgefühle loszuwerden: Ich dachte, ich sei tatsächlich böse, weil ich meine Mami ja nicht „genügend“ lieb hatte. Heute weiß ich, dass meine Gefühle angemessen sind. Da war Seitens meiner Mutter einfach keine echte, wirklich Liebe mir gegenüber – sondern nur verdrehte „Pseudoliebe“. Auch heute noch, meine Mutter fragt noch nicht einmal, wie es mir denn geht oder was mich denn so bewegt. Wenn ich meine Eltern besuche, da werden nur Allgemeinplätze ausgetauscht, die reden noch nicht einmal mit mir! Ich könnte da genauso gut eine aufblasbare Puppe anstatt meiner selbst hinstellen. Auch ich hatte meiner Mutter mal gesagt, wie ich die Sachen so sehe, und dass wenn der Kontakt weiter bestehen soll, sie in ihrem Verhalten mir gegenüber dringend etwas ändern müsse. (z.B. schickt meine Mutter mir heute noch „Valentinsgrüße“ mit „Herzchen“ oder versucht mich auch heute noch ständig zu küssen und umarmen zu wollen, das letzte Mal hat sie mir sogar an den Hintern gelangt – man stelle sich vor, ein Vater würde derartiges seiner Tochter abverlangen!!!) Mein Vater hat jedoch gemeint ich würde „Mobing“ betreiben, seitdem ist „Sendepause“. Letztendlich habe nicht ich, sondern meine Eltern haben den Kontakt abgeschnitten. Ich muss mir immer wieder selber sagen: Nein, ich brauche kein Schuldgefühle zu haben. Nein, ich muss meine Mami nicht mehr lieb haben. Nein, ich brauch meine Eltern nicht anzurufen. Ja, ich darf meine Mutter ganz einfach bloß nur „sein“ lassen. Mögen meine Eltern glücklich und in Frieden ihrer eigenen Wege gehen und auch ich gehe jetzt ganz einfach glücklich und in Frieden selber meiner eigenen Wege...
Früher – vor meiner Rückschulung – hatte ich den Blödsinn, den meine Mutter mir immer vermittelt hatte sogar auch noch geglaubt: Ich sei halt eben ein schwieriges Kind gewesen, ja meiner Mutter sei zwar „mal“ die Hand „ausgerutscht“, aber schließlich hatte sie es ja auch nicht „einfach“ gehabt, der Krieg war doch so schlimm gewesen und meine Mutter hatte sich doch immer so viel Mühe mit mir gegeben, als schwieriges Kind hatte ich ihr doch immer so viel Kummer und Sorgen bereitet, usw. usf.
Auch später, als junger Mann im Studium habe ich ebenfalls den Blödsinn geglaubt, den feministisch angehauchte Kommilitonen, mir ständig erzählten: Ja, die Männer sein alle „Verbrecher“, und auch ich als Mann sei ja schließlich auch so ein „Verbrecher“, auch ich sei als Mann ja ebenfalls ein „potentieller Vergewaltiger“, usw. usf. Es hat mich allerdings gewundert, warum diese Frauen mich einerseits, um sich bei mir ausheulen als „Softi“ sehr gerne frequentierten und ausnutzten (auch meine Mutter hatte sich als ich Kind war, auch ständig immer wieder bei mir ausgeheult - „Komm hab deine Mami mal lieb!“), wenn es ums Vögeln ging, dann haben diese Kommilitoninnen allerdings doch eher sehr grobe Männer bevorzugt. Ja das sei zwar alles wahr, aber ich müsse das doch einfach verstehen, auch diese Frauen sein schließlich nur „Opfer“ patriarchialer Strukturen und sie „könnten“ deshalb einfach nicht anders, als immer wieder und wieder auf solche Männer „hereinzufallen“... Wisst ihr was: F***t euch selber und heult euch in Zukunft bei euren „Vergewaltigern“ aus!!! Letztendlich habe ich in meinen Frauenbeziehungen genau immer wieder und wieder den gleichen Missbrauch reproduziert, den ich von meiner Mutter her ja bereits kannte...
Inzwischen mache ich um solche Frauen einen sehr großen Bogen. Als PseudoRH ist man vermutlich dafür prädestiniert, sich ständig Schuhe anzuziehen, die einem eigentlich nicht passen, da das eigene Ich, ja gar nicht vorhanden ist. Besonders schmerzlich war die Erkenntnis, dass meine Freundinnen mich als Person auch nie wirklich gemeint und wirklich geliebt haben, weil ich als eigene Person, ja gar nicht wirklich vorhanden war – sondern immer nur als „Pseudoperson“, als PseudoRH, als Stellvertreter für irgendetwas anderes benutzt worden bin, was mit meinem wahren Ich nicht wirklich etwas zu tun hatte. Aber auch meine bisherigen Freundinnen waren mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls PseudoRHinnen. Meine nächste Freundin wird entweder eine echte RH oder eine echte LH sein, weil ich auf diese ganze Pseudokacke einfach keine Lust mehr habe – das muss ich mir nicht mehr antun!
Was meinen Vater anbelangt, habe ich ihm gegenüber sehr ambivalente Gefühle. Einerseits hat er mir das Studium finanziert und mir eine gesicherte, materielle Existenz ermöglicht. Und er hat es nicht nur getan, sondern er hat es GERNE getan – was nicht unbedingt selbstverständlich ist. Hierfür empfinde ich ihm gegenüber große Dankbarkeit. Andererseits war sein eigener Vater ein strammer Nazi und bereits in den 20er Jahren NSDAP-Mitglied. Mein Großvater hat hier Schuld auf sich geladen. Mein Vater hat sich von seinem eigenen Vater aber nie wirklich abgegrenzt. Er hat die Schuld und Scham hierüber abgespalten und auf mich projiziert. Ein Teil meiner Kindheit habe ich in Frankreich verbracht und ich musste dort in der Krachledernen Spießruten laufen. Meiner Kleidung nach, in die meine Eltern mich gesteckt hatten, sah ich aus, als wäre ich gerade vom Führerhauptquartier, vom Obersalzberg herabgestiegen. In der Grundschule wurde ich von Mitschülern und LehrerInnen verprügelt und als „Nazi“ beschimpft. Die LehrerInnen, die unter der deutschen Besatzung wohl gelitten hatten, haben sich dann an mir schadlos gehalten und mit mir sadistische „Nazispiele“ getrieben. Mit fünf, sechs, sieben Jahren, ich wusste damals gar nicht, was Nazis denn überhaupt sind... Letztendlich habe ich die Prügel kassiert, die eigentlich meinem Großvater gegolten hätten. Auch hierüber ist ein Gespräch mit meinem Vater nicht möglich, er versucht heute noch seinen eigenen Vater zu exkulpieren. Letztendlich hat auch er mich Missbraucht, um seine verdrängten Schuldgefühl an mir abzuladen. Mich in die Krachlederne in Frankreich auf die Schule zu schicken, war für ihn so zu sagen seine Art der „Wiedergutmachung“ der Naziverbrechen des eigenen Vaters...
Interessant ist nur, dass durch die Rückschulung meiner Händigkeit, die ganzen Erinnerungen bei mir hoch kommen. Und ich endlich die Dinge jetzt so betrachten kann, wie sie auch „wirklich“ waren – schonungslos und offen, ohne Abspaltung und ohne „Pseudowirklichkeit“...
Libertin
Aber wie gesagt, das Verhältnis ist sachlich, und sonst gar nichts mehr. Ich werfe ihr nichts mehr vor, sie hat´s nicht besser gewußt, trotzdem war es grausam und gegenüber einem leiblichen Kind schon ein merkwürdiges Verhalten.
Hallo Bernhard,
wie lange hast Du gebraucht, bis Du es so sehen konntest?
Hab immer noch eine Sauwut auf meine Eltern, da sie es nicht zugegeben haben und sogar bei jeder Gelegenheit behaupten, ich würde mir meine Linkshändigkeit einbilden und ich wäre Rechtshänder.
Kann es nicht verstehen, warum so viele Leute sich ihren Kindern gegenüber so grausam verhalten haben, auch viele Sätze von Libertin, die Dir auch bekannt vorkommen, musste ich oft hören.
Echt traurig.
Man könnte als Eltern doch zugeben, dass man Fehler gemacht hat, und mit Respekt aufeinander zugehen.
Viele Grüße
Claudia
Bernhard
23.03.2005, 07:34
Hallo Claudia, naja, dass sie zu jung zu unerfahren und überfordert war, das war mir schon ziemlich lange klar, nur warum das so ausarten mußte, das hat mich schon stark beschäftigt. Meine Beziehung zu ihr hatte sich schon länger versachlicht, ich konnte sie halt nicht mehr ertragen, oder zumindest nur kurze Zeit. Das ging bestimmt schon seit 10 Jahren so.
Seit dem August des vergangenen Jahres, seit Beginn meiner Rückschulung glaube ich ja zumindest die Hintergründe zu kennen, das hat´s für mich leichter gemacht und ich wußte nun endlich, warum ich so war wie ich war.
Das Verleugnen der Fehler spielt natürlich eine große Rolle, meine Mutter sieht`s halt gar nicht ein, da besteht kaum noch Hoffnung. Die hat sich so oder so in ihr Schneckenhaus zurückgezogen und lebt wie auf einer Insel, Kontakte tatsächlich nur noch die notwendigsten, Stichwort Pflichtbewußtsein (!).
Mein Vater hat früher auch keine Fehler in der Erziehung eingestanden ("Dresche hat noch keinem geschadet, hab ich ja schließlich auch reichlich gekriegt!")
"Ja," hab ich dann geantwortet," wenn ich Mist gemacht hab, dann kann man es ja noch versehen, aber für`s Nägelkauen einmal pro Woche 2 Holzbügel auf dem Hintern zerdroschen zu kriegen, das fand ich nicht in Ordnung. Ich wußte ja noch nicht einmal, dass ich es tat, geschweige denn warum."
Das fand er dann schon nachvollziehbar, und es tat ihm auch leid. Den Fehler mit der Umerziehung hat er allerdings, nachdem ich das Thema vehement angesprochen hatte, schnell eingesehen, auch wenn er seine Rolle dabei etwas klein reden wollte. Tatsächlich war meine Mutter die treibende Kraft.
Fassen wir´s zusammen: die Wut hat sich gelegt, die Enttäuschung über das Versagen der Eltern weicht dem Optimismus. Bei mir hat sich mittlerweile eine Haltung des Unzerstörbaren eingestellt, nach dem Motto: Ihr habt versucht mich kleinzukriegen, mit allem was ihr drauf hattet, aber es ist bei einem Versuch geblieben. Ich bin viel besser als ihr gedacht habt und werde, wie ich es will und soll.
Zu meinen Eltern habe ich gesagt: "Ich mache euren mißlungenen Versuch einer Erziehung jetzt rückgängig". Das war zwar etwas großspurig, traf aber genau mein Empfinden und tut es auch heute noch.
Schön finde ich, dasss es hier im Forum noch zusätzliche Unterstützung gibt. Ich denke schon , dass das sehr hilft zu wissen, dass man mit seinen Gefühlen und Gedanken nicht allein auf der Welt ist und hoffe, dass es Dir auch etwas hilft.
Viele Grüße
Bernhard
Bernhard
23.03.2005, 08:09
Hallo Libertin,
vielen Dank für Deine Antwort – es tut gut Zuspruch zu erhalten.
Das gebe ich genau so zurück, es tut wirklich gut.
Ich habe Jahre gebraucht, um die Schuldgefühle loszuwerden: Ich dachte, ich sei tatsächlich böse, weil ich meine Mami ja nicht „genügend“ lieb hatte. Heute weiß ich, dass meine Gefühle angemessen sind. Da war Seitens meiner Mutter einfach keine echte, wirklich Liebe mir gegenüber – sondern nur verdrehte „Pseudoliebe“.
Das kenne ich gut, als Junger Mensch habe ich mir das Hirn zermartert, warum ich so bin und meine Mutter so ärgere. Andererseits hatte ich zwischendurch die Wunschvorstellung tot und im Himmel zu sein und auf die Erde zu blicken und zu sehen, ob sie um mich weinen.
Auch heute noch, meine Mutter fragt noch nicht einmal, wie es mir denn geht oder was mich denn so bewegt. Wenn ich meine Eltern besuche, da werden nur Allgemeinplätze ausgetauscht, die reden noch nicht einmal mit mir! Ich könnte da genauso gut eine aufblasbare Puppe anstatt meiner selbst hinstellen. Auch ich hatte meiner Mutter mal gesagt, wie ich die Sachen so sehe, und dass wenn der Kontakt weiter bestehen soll, sie in ihrem Verhalten mir gegenüber dringend etwas ändern müsse. (z.B. schickt meine Mutter mir heute noch „Valentinsgrüße“ mit „Herzchen“ oder versucht mich auch heute noch ständig zu küssen..
Meine Mutter fragt zwar, aber man könnte auch ein Tonbandgerät laufen lassen. Wenn man etwas sagt, nimmt sie´s zur Kenntnis und das hat sich dann. Allerdings macht sie allsonntäglich ihren Pflichtanruf bei mir.
Früher – vor meiner Rückschulung – hatte ich den Blödsinn, den meine Mutter mir immer vermittelt hatte sogar auch noch geglaubt: Ich sei halt eben ein schwieriges Kind gewesen, ja meiner Mutter sei zwar „mal“ die Hand „ausgerutscht“, aber schließlich hatte sie es ja auch nicht „einfach“ gehabt, der Krieg war doch so schlimm gewesen und meine Mutter hatte sich doch immer so viel Mühe mit mir gegeben, als schwieriges Kind hatte ich ihr doch immer so viel Kummer und Sorgen bereitet, usw. usf.
Naja, da hat meine Muter dann immer relativiert, ich wäre halt manchmal schwierig gewesen. Naja, kein Wunder, wenn ich an den ganzen Berg von Löffeln, Bügeln, etc. aus Holz denke, die damals mindestens allsonntäglich, manchmal auch in noch kürzeren Abständen über meinen Hintern wanderten, da konnte man dann schon "angepasster" werden.
Was meinen Vater anbelangt, habe ich ihm gegenüber sehr ambivalente Gefühle. Einerseits hat er mir das Studium finanziert und mir eine gesicherte, materielle Existenz ermöglicht. Und er hat es nicht nur getan, sondern er hat es GERNE getan – was nicht unbedingt selbstverständlich ist. Hierfür empfinde ich ihm gegenüber große Dankbarkeit. Andererseits war sein eigener Vater ein strammer Nazi und bereits in den 20er Jahren NSDAP-Mitglied. Mein Großvater hat hier Schuld auf sich geladen. Mein Vater hat sich von seinem eigenen Vater aber nie wirklich abgegrenzt.
Mein Studium war, nach einer praktischen Ausbildung, für die ich mich gegen den ausrdrücklichen Willen meines Vaters entscheiden hatte (dabei ging´s allerdings nicht um eine Ausbildung als solche, sondern diesen speziellen Beruf!) der erste echte Ausbruch aus den ständigen Bevormundungen und "guten Ratschlägen". Ich habe mein Studium selbst finanziert, ohne Bafög ( mein Vater verdiente zuviel) und ohne finanzielle Unterstützung vom Vater ( die von ihm angebotetene 100DM/Monat habe ich kaltlächelnd abgelehnt) und es hat im normalen Zeitraum geklappt( würde ich heute aus rein finanziellen Überlegungen vielleicht so auch nicht mehr mache, eher Anspruch einklagen!)
Als ich mein Diplom vorzeigt, sagte er wörtlich zu mir:"Ich hätte nicht gedacht, dass Du das schaffst." Das war einerseits ein Schock, andererseits ein Erfolg, der mich tatsächlich die ganzen Jahre der Irrungen und Wirrungen, der verzweifelten Suche nach dem echten Ich, immer wieder aufgerichtet hat. Zu wissen, dass ich was kann, dass ich es gegen sie kann, das war wichtig.
Und zum Großvater: eine interessante Parallele. Mein Großvater war auch ein strammer Nazi, allerdings nur ein kleiner ( als Geschäftsmann mußte man das damals blablabla..) und mein Vater war lange so angehaucht ( ...ein kleiner Adolf wär doch gar nicht so schlecht, bei den diesen Entwicklungen heutzutage usw...)Ulkig dabei: mein Großvater hatte nach Aussage einer glaubwürdigen Verwandten bereits früh vor dem negativen Einfluß meiner Mutter gewarnt.
Interessant ist nur, dass durch die Rückschulung meiner Händigkeit, die ganzen Erinnerungen bei mir hoch kommen. Und ich endlich die Dinge jetzt so betrachten kann, wie sie auch „wirklich“ waren – schonungslos und offen, ohne Abspaltung und ohne „Pseudowirklichkeit“...
So ist es. Es kommen Dinge ins Bewußtsein, die wohl lange Zeit verdrängt worden sind- mnachmal ist es auch ein kleiner Schock, aber ich hoffe, ein heilsamer.
Viele Grüße
Bernhard
Rosalind
23.03.2005, 11:42
Spannend, die Debatte um die Erziehungsfehler umgeschulter Linkshänder. In etlichen Beschreibungen von Bernd und Libertin habe ich meine Mutter, aber auch mich selbst als Mutter wiedererkannt: Fordernd, Perfektionistisch, blind gegenüber physischen Unmöglichkeiten
Meine Mutter: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg, du willst nur nicht!
Ich: unsicher im Urteil, mich lieber auf (aus heutiger Sicht) schwachsinnige Erziehungsratgeber verlassend als auf mein eigenes Empfinden. Das bedauere ich sehr. Ich mir so viel Mühe gegeben habend, und mit viel weniger Aufwand hätte Einiges viel besser laufen können!
Auch, aber nicht nur aus dieser Erfahrung ist für mich die Forderung nach frühzeitiger außerfamiliärer Kinderbetreuung sehr wichtig. Untersuchungen zeigen, dass Kinder immer dann eine Chance haben aus ihrem Leben auch unter widrigen Umständen etwas zu machen, wenn ein(e) verständnisvolle(r) Erwachsene(r) das Kind begleitet. Im Privatleben ist so etwas Glücksache, in einer guten Krippe bzw Kindergarten sollte es selbstverständlich sein. Natürlich läuft auch da nicht immer alles optimal, wie hier die Kämpfe der Eltern linkshändiger Kinder zeigen. Trotzdem denke ich, hat ein Kind, auch zusammen mit anderen Kindern, eine Chance gegen seine Eltern.
@ Libertin: Ich weiß natürlich nicht, von welchen Leuten du dich dich unter feministischem Etikett hast ärgern lassen: Meine Emanzenfreundinnen und ich sind haben festgestellt, dass eine ehrgeizige Mutter, die nichts tut als sich um ihr einziges Kind kümmern, nicht gut ist für den Zwerg. Ferner haben wir festgestellt, dass Männer in der Kleindkinderziehung unbedingt mitmischen sollen, es bekommt allen Beteiligten besser. Ich selbst verdanke meinem Vater (uner anderem) den Weg aus der Umschulungsmisere. Er hat zwar seinerzeit mit dazu beigetragen, mich umzuschulen, aber er hat mir auch beigebracht, genau zu beobachten, meine Fähigkeiten zu entwickeln und mir klar gemacht, dass ich mich gegen Übergriffe auch körperlich wehren darf (im Gegensatz zu meiner Mutter). So habe ich die beiden Vergewaltigungsversuche meines Lebens erfolgreich abwehren können).
Rosalind, bekennende Emanze, In Rückschulung begriffen, seit Jahzehnten mit dem gleichen Mann zusammen (Fußballspieler, Katastrophenfilmgucker, Hobbykoch, Babysitter..)
Libertin IRS
23.03.2005, 13:39
Hallo Rosalind,
@ Libertin: Ich weiß natürlich nicht, von welchen Leuten du dich dich unter feministischem Etikett hast ärgern lassen:>
ich denke, dass ist eine "Generationenfrage". Mein Eindruck ist, dass ältere Frauen, diejenigen, die durch die "sexuelle Befreiung" der 60er und 70er Jahre mitgeprägt sind, etwas "toleranter" sind. Ich selber, ich war in den 80er Jahren an der Uni und da waren manche "Feministinnen" schon ziemlich "hart" und "schräg" drauf. Schwanz-ab-Debate usw. usf. Bemerkenswert ist, dass damals in den Diskussionsgruppen, es immer um dem vermeintlich "potentiellen" und viel, viel seltener um den tatsächlich, realen Vergewaltiger ging: Jedewede Form von "Schwanzvögeln" sei schließlich eine "potentielle Vergewaltigung" der Frau, eine "patriachiale Machtergreifung" durch den Mann und Frauen die hierbei auch noch Lust empfänden, würden so zusagen "Klassenverrat" an ihren Mitfrauen betreiben. Ich komme sehr gut mit jüngeren oder mit älteren Frauen aus, bei Frauen aus "meiner" Generation suche ich nur noch das Weite...
Ferner haben wir festgestellt, dass Männer in der Kleindkinderziehung unbedingt mitmischen sollen, es bekommt allen Beteiligten besser.>
Fatal insbesondere für Jungs ist sicherlich, dass Kinder kaum Kontakt zum Männer in der Schule oder im Kindergarten bekommen - insbesondere diese perversen, prügelnden Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen in Frankreich haben mein Frauenbild als Mann sehr entscheidet mitgeprägt. Da waren auch sexuelle Übergriffe: So mussten wir Jungs vor der Lehrerin öfters die Hose runterlassen, oder sie hat im Schwimmuntericht uns Jungs in der Umkleidekabine auf die genitalien geglotzt und sich wohl daran erregt...
Libertin
Libertin IRS
23.03.2005, 14:24
Hallo Claudia,
Hab immer noch eine Sauwut auf meine Eltern, da sie es nicht zugegeben haben und sogar bei jeder Gelegenheit behaupten, ich würde mir meine Linkshändigkeit einbilden und ich wäre Rechtshänder.
Kann es nicht verstehen, warum so viele Leute sich ihren Kindern gegenüber so grausam verhalten haben, auch viele Sätze von Libertin, die Dir auch bekannt vorkommen, musste ich oft hören.
Echt traurig.
Man könnte als Eltern doch zugeben, dass man Fehler gemacht hat, und mit Respekt aufeinander zugehen.
Ich kann deine Sauwut sehr gut verstehen. Ich denke aber, solange ich mich davon abhängig mache, ob meine Eltern ihre Fehler zugeben oder nicht, tut es einem immer noch weh. Erst als ich begonnen habe, meine Eltern ganz einfach nur "sein" zu lassen, wurde es für mich leichter. Was passiert ist, ist passiert, die Vergangenheit kann ich nicht ändern. Ich kann nur meine Jetztzeit beeinflussen und damit meine eigene Zukunft, nach eigenen Bedürfnissen und Vorstellungen von nun an mir selber gestalten. Ich kann meine Eltern nicht zwingen, ihre Fehler zuzugeben. Meine Eltern sind vermutlich in ihrer eigenen PseudoRH "gefangen" und können vermutlich deshalb Fehler nicht zugegeben. Allerdings kann ich Bedingungen für einen weiteren Kontakt stellen. Die PseudoRH meiner Eltern ist nicht mein Problem, sondern da müssten meine Eltern an sich selber arbeiten. Wenn sie das nicht wollen - na schön, dann ist das halt so. Es ist nicht meine Aufgabe meine Eltern zu "therapieren", andererseits muss ich mir aber auch nicht mehr alles bieten lassen.
Kinder sind immer unschuldig und auch mir fehlt auch das Verständnis, wie man zu Kindern so grob sein kann.
In der Rückschulung kommen sehr viel alte Gefühle hoch - da fließen oft Tränen.
Wichtig ist, zu unterscheiden, ist ein Gefühl wirklich mein eigenes Gefühl oder eines das ich nur internalisiert habe und das ich eigentlich loslassen möchte?
Manchmal habe ich das Gefühl, nicht ich lebe meine Gefühle, sondern meine Gefühle leben mich. Quälend ist für mich insbesondere dieses Gefühl der Ohnmacht, dass ich damals als Kind dieser Gewalt und Ignoranz einfach völlig wehrlos und vollkommen hilflos ausgesetzt war. Doch was nützt es mir denn heute, wenn ich auf die einprügeln würde, die damals auf mich eingeprügelt haben?
Rückschulung hat für mich deshalb sehr viel mit loslassen, andere, die einen Verletzt haben ganz einfach nur sein zu lassen und zu sich selber zurückfinden zu tun.
Bei meinen Schreibübungen versuche ich ganz bewusst dem etwas ganz Anderes und Neues entgegenzusetzen. Ich überlege mir sehr bewusst, was ich schreibe. Ich schreibe nur positive Affirmationen in mein Übungsheft (inzwischen Liniatur 3) z.B.:
"Ich mag mich!" "Ich tue viele Dinge ganz einfach mit links!" "Ich schreibe Schönschrift!" "Ich habe Selbstbelohnungstendenzen!" "Ich beschenke mich selber!" "Ich nehme mein eigenes Leben mit Freude und voller Zuversicht in meine eigenen Hände!" "Ich lenke meine Aufmerksamkeit auf Dinge und Situationen, die schön und angenehm für mich sind!" "Ich gestalte meine eigenes Schicksal mir selber nach meinen beglückensten und ureigensten Erfüllungen!" oder: "Meine inneren und äußeren Augenmuskeln sind frei, locker und gelöst - die Welt ist wunderschön!" "Ich sehe die Welt jetzt immer besser, klarer und deutlicher!" "Ich sehe mein eigenes Gelingen und mich selber erfolgreich!"
Du wirst sehen - das funktioniert...
Libertin
Libertin IRS
25.03.2005, 13:00
Hallo Rosalind,
den Ausdruck "Zwerg" für Kinder finde ich allerdings nicht sehr glücklich und Kindern gegenüber diskriminierend - stell dir vor du bist ein Kind und irgendein ein Erwachsener würde zu dir sagen "du Zwerg!"???
nichts für ungut
Libertin
Rosalind
25.03.2005, 13:35
Hallo Rosalind,
den Ausdruck "Zwerg" für Kinder finde ich allerdings nicht sehr glücklich und Kindern gegenüber diskriminierend - stell dir vor du bist ein Kind und irgendein ein Erwachsener würde zu dir sagen "du Zwerg!"???
nichts für ungut
Libertin
Wieso ist der Ausdruck diskriminierend?????? Er beschreibt einen Sachverhalt - manche sagen auch "die Kurzen", wenn sie Kinder meinen. Information entsteht nunmal beim Empfänger, nicht beim Sender. Und Zwerge sind bekanntlich schlau, erfinderisch und hilfsbereit.
In dem Sinne tu ich (Göttin sei Dank nicht nur ich!) mich schwer mit Bezeichnungen, die eventuell abwertend aufgefasst werden könnten. Etliche Menschen, auch solche mit afrikanischen Vorfahren, haben z.B. die Bezeichnung "Neger" genausowenig als abwertend empfunden wie die Bezeichnung "Rothaarig".
Ich habe bewusst nicht das Wort: "diskriminierend" gewählt. Das bedeutet im ursprünglichen Wortsinn und auch noch in der Mathematik nichts anderes als unterscheidend, ohne jede Wertung. Unterschiede wahrzunehmen und sie zu benennen ist schließlich lebensnotwendig. Erst wenn irgendjemand die Chance bekommt, seine persönlichen Neurosen in diesem Zusammenhang plötzlich als allgemeingültig zu erklären, wirds abenteuerlich..
In diesem Sinne fand ich auch deine Probleme mit Frauen deiner Generation schade. Du hast nach deiner Darstellung von Frauen die Missachachtung/Misshandlung erfahren, die etliche die von dir geschmähten Frauen umgekehrt erfahren haben. Aus deinem Postings habe ich geschlossen, dass du leider auch nicht aus dem Teufelskreis raus kommst. (Oder, hoffnungsvoller ausgedrückt, bis jetzt nicht rausgekommen bist)
Frohe Ostern
Rosalind
solange ich mich davon abhängig mache, ob meine Eltern ihre Fehler zugeben oder nicht, tut es einem immer noch weh. Erst als ich begonnen habe, meine Eltern ganz einfach nur "sein" zu lassen, wurde es für mich leichter. Was passiert ist, ist passiert, die Vergangenheit kann ich nicht ändern. Ich kann nur meine Jetztzeit beeinflussen und damit meine eigene Zukunft, nach eigenen Bedürfnissen und Vorstellungen von nun an mir selber gestalten. Ich kann meine Eltern nicht zwingen, ihre Fehler zuzugeben.
Hallo Libertin,
weh tun wird mir die ganze Sache vermutlich noch Jahre lang.
Aber im Gegensatz zu der großen Zeitspanne, in der ich nicht wusst, was mit mir "nicht stimmt" und mich keiner verstanden, unterstützt oder einfach in Ruhe gelassen hat, tat es noch sehr sehr viel mehr weh.
Klar kann ich sie nicht zwingen es zuzugeben, dass sie mich umgeschult haben, das müsste schon von ihnen selber kommen.
Solange ich darauf noch warte, mache ich mich vermutlich selber schwach.
Meine Eltern sind vermutlich in ihrer eigenen PseudoRH "gefangen" und können vermutlich deshalb Fehler nicht zugegeben. Allerdings kann ich Bedingungen für einen weiteren Kontakt stellen. Die PseudoRH meiner Eltern ist nicht mein Problem, sondern da müssten meine Eltern an sich selber arbeiten. Wenn sie das nicht wollen - na schön, dann ist das halt so. Es ist nicht meine Aufgabe meine Eltern zu "therapieren", andererseits muss ich mir aber auch nicht mehr alles bieten lassen.
Hab mir schon oft überlegt, wer in meiner Familie PseudoRH ist, und wer einfach nur die Schwingungen umgeschulter Elternteile mit sich trägt...
Bedingungen für einen weiteren Kontakt zu stellen halte ich für fast unmöglich, da mein Vater außer seiner keine andere Meinung gelten lassen will.
Er findet auch, dass mein Sohn, der seit vielen Jahren eindeutiger LH ist, komisch aussieht, wenn er links hantiert, und er versucht ihn zu überreden, zumindest die Dinge, die er mit ihm macht, rechts zu erledigen.
Meine Mutter lügt mich noch heute an, indem sie mir sagt, dass wenn sie gewusst hätte, das ich LH bin, sie mich unterstützt hätte und zu den Lehrern gegangen wäre, und gesagt hätte, dass ich links schreiben darf (in meiner Klasse gab es nur eine LH). Alles gelogen!
Meine Schwester hat sich seit langen Jahren an die Rolle der "guten Tochter" gewöhnt, wird diesen Status wohl nicht aufgeben wollen und der Rechtswahn in meiner Familie geht sogar so weit, dass meine liebe kleine Schwester meinem Pferd die Mähne nach rechts gebürstet hat, obwohl er die Mähne schon immer links getragen hat und sie auch dahin gehört.
Habe so das Gefühl, dass die ganze Family (inclusive meiner Tante, die ihr Kind lieber mit Ritalin vollstopft, als in Erwägung zu ziehen, dass sie vielleicht einfach LH ist) ihre Probleme unter den Teppich fegt, meine hervorzerrt und ich mir doppelt verarscht vorkomme, weil ich trotz des langen Leidensweges und harter Arbeit an mir selber, ich sagen und machen kann was ich will; ich bin immer "abartig" in Augen der anderen.
[/uote]
Manchmal habe ich das Gefühl, nicht ich lebe meine Gefühle, sondern meine Gefühle leben mich. Quälend ist für mich insbesondere dieses Gefühl der Ohnmacht, dass ich damals als Kind dieser Gewalt und Ignoranz einfach völlig wehrlos und vollkommen hilflos ausgesetzt war. Doch was nützt es mir denn heute, wenn ich auf die einprügeln würde, die damals auf mich eingeprügelt haben?<
[/quote]
Wenn Sie nur endlich damit aufhören würden, aber sie machen immer weiter...
Rückschulung hat für mich deshalb sehr viel mit loslassen, andere, die einen Verletzt haben ganz einfach nur sein zu lassen und zu sich selber zurückfinden zu tun.
Der einzige Weg, sie einfach nur sein zu lassen, wäre für mich, sie nie wieder zu sehen. Wenn ich sie nämlich sehe tun sie mir auf der einen Seite leid, auf der anderen Seite finde ich sie einfach nur verlogen. Und Wahrheit ist mir sehr wichtig.
Ich schreibe nur positive Affirmationen in mein Übungsheft<
Das habe ich gleich nach erhalten Deiner Antwort getan, fühlte mich sehr viel besser, es hielt viele Stunden an und das ist eine wundervolle Möglichkeit, mehr ins Gleichgewicht zu kommen.
Die positiven Affirmationen, die ich mir seither vorgesagt habe, funktionieren lange nicht so gut, wie diese, die ich mit meiner dominanten Hand niederschreiben kann.
Herzlichen Dank :-)
und schöne Ostern.
Viele Grüße
Claudia
Libertin IRS
26.03.2005, 00:43
Hallo Rosalind,
Wieso ist der Ausdruck diskriminierend?????? Er beschreibt einen Sachverhalt - manche sagen auch "die Kurzen", wenn sie Kinder meinen. Information entsteht nunmal beim Empfänger, nicht beim Sender.
Spreche Kinder in Zukunft einfach nur noch mit "du Zwerg" oder " du Kurzes" an und schau einfach mal, wie Kinder sich dir dann gegenüber verhalten werden. Du kannst so zu sagen in einer Art Feldversuch ganz einfach an den Reaktionen der Kinder ablesen, ob und in wie weit es stimmt, dass Informationen nur beim Empfänger und immer völlig unabhängig vom Sender entstehen...
In diesem Sinne fand ich auch deine Probleme mit Frauen deiner Generation schade. Du hast nach deiner Darstellung von Frauen die Missachachtung/Misshandlung erfahren, die etliche die von dir geschmähten Frauen umgekehrt erfahren haben.
In der Tat, ich erlaube mir inzwischen, so manche Frau, die mir nicht gefällt ganz einfach zu verschähmen. Genauso wie ich selber auch nicht mehr jeder Frau gefallen muss und die eine oder andere Frau durchaus auch mich verschähmen darf. Das ist ja das schöne an der Rückschulung: Ich muss es niemanden mehr "recht" machen. Und ich komme endlich, endlich aus dem Teufelskreis heraus - ganz einfach in dem mich nun dejenigen Frauen hinwende, die ich attraktiv finde und die nett und freundlich zu mir sind. Früher - vor meiner Rückschulung - haben die Frauen mich ausgesucht und ausgenutzt(ich hatte immer geglaubt, ich müsse froh sein, wenn sich überhaupt mal eine für mich interessiert)- jetzt bin ich mir meines eigenen Wertes bewusst und ich drehe das ganz einfach um: Ich suche nun ganz einfach selber aus, wer mir gefällt und wer nicht.
ebenfalls frohe Ostern,
Libertin
Libertin IRS
26.03.2005, 01:34
Hallo Claudia,
Bedingungen für einen weiteren Kontakt zu stellen halte ich für fast unmöglich, da mein Vater außer seiner keine andere Meinung gelten lassen will.
Er findet auch, dass mein Sohn, der seit vielen Jahren eindeutiger LH ist, komisch aussieht, wenn er links hantiert, und er versucht ihn zu überreden, zumindest die Dinge, die er mit ihm macht, rechts zu erledigen.
Meine Mutter lügt mich noch heute an, indem sie mir sagt, dass wenn sie gewusst hätte, das ich LH bin, sie mich unterstützt hätte und zu den Lehrern gegangen wäre, und gesagt hätte, dass ich links schreiben darf (in meiner Klasse gab es nur eine LH). Alles gelogen!
Meine Schwester hat sich seit langen Jahren an die Rolle der "guten Tochter" gewöhnt, wird diesen Status wohl nicht aufgeben wollen und der Rechtswahn in meiner Familie geht sogar so weit, dass meine liebe kleine Schwester meinem Pferd die Mähne nach rechts gebürstet hat, obwohl er die Mähne schon immer links getragen hat und sie auch dahin gehört.
Habe so das Gefühl, dass die ganze Family (inclusive meiner Tante, die ihr Kind lieber mit Ritalin vollstopft, als in Erwägung zu ziehen, dass sie vielleicht einfach LH ist) ihre Probleme unter den Teppich fegt, meine hervorzerrt und ich mir doppelt verarscht vorkomme, weil ich trotz des langen Leidensweges und harter Arbeit an mir selber, ich sagen und machen kann was ich will; ich bin immer "abartig" in Augen der anderen.
Na und? Dann bist du eben "abartig" - herzlich willkommen im Club! Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich gänzlich ungeniert...
Traurig finde ich allerdings das mit dem Ritalin - ich bin froh, dass es so etwas zu meiner Zeit noch nicht gab und zumindest dieser Kelch an mir vorüber gezogen ist.
In meiner Familie sind auch alle zwiemlich mechugge. Ich muss mich dem aber nicht mehr aussetzen. Ich finde es auch furchtbar, was z.B. mit meinem Neffen in meiner Familie passiert (der wahrscheinlich auch UHL ist) - ich habe darauf allerdings keinen Einfluss und ich bin auch nicht der "Familientherapeut". Es ist vollkommen sinnlos für mich, solange meine Familie was manche Sachverhalte anbelangt überhaupt keinerlei Störungsbewusstsein besitzt. Ich habe mich deshalb da ganz einfach ausgeklingt und mich dieser ganzen mechuggenen Familie ganz einfach entzogen. Früher, vor meiner Rückschulung hatte ich immer die Fehler überwiegend bei mir selber gesucht, geglaubt, ich müsse mich noch "mehr" anstrengen. Ich hatte das Fehlverhalten meiner Familie zwar durchaus gesehen, aber mich persönlich immer für das Wohlbefinden anderer verantwortlich gefühlt, den Familienfrieden wieder herzustellen zu müssen, es den anderen "recht" machen zu müssen, Überzeugzungsarbeit leisten zu müssen oder Dinge auffangen zu müssen, usw. usf. - ich muss gar nichts!
Natürlich darfst du Bedingungen deinem Vater oder deiner Familie gegenüber stellen - wo kämen wir denn hin, wenn wir an andere keine Bedingungen mehr stellen dürften? Wenn diese nicht erfüllt werden, selbstverständlich darfst du dann ganz einfach gehen und sie mit ihren eigenen Mist ganz einfach "sein" lassen.
Manchmal habe ich das Gefühl, nicht ich lebe meine Gefühle, sondern meine Gefühle leben mich. Quälend ist für mich insbesondere dieses Gefühl der Ohnmacht, dass ich damals als Kind dieser Gewalt und Ignoranz einfach völlig wehrlos und vollkommen hilflos ausgesetzt war. Doch was nützt es mir denn heute, wenn ich auf die einprügeln würde, die damals auf mich eingeprügelt haben?<
Wenn Sie nur endlich damit aufhören würden, aber sie machen immer weiter...
Du darfst dich davor schützen und du brauchst dich dem nicht mehr auszusetzen. Sie machen nur so lange weiter, wie du dich ihnen als "Prügelfläche" auch selber anbietest. Es reicht voll und ganz, wenn du deine Aufmerksamkeit konsequent auf dein eigenes Wohlbefinden lenkst. Menschen die dir Weh tun oder deinem eigenem Wohlbefinden im Wege stehen, musst du nicht mehr ertragen, du darfst solche Menschen ganz einfach ignorieren, "sein" lassen und ganz einfach weg gehen und denen deine Aufmerksamkeit entziehen - am besten in dem du deine Aufmerksamkeit etwas anderen zuwendest. Ich habe meine Eltern seit ca. 1 Jahr nicht mehr besucht - davon geht die Welt auch nicht unter. Letztendlich, glücklicher Weise sind meine Eltern nicht von mir existentiell abhängig und ich umgekehrt nicht mehr von ihnen. Es hat mich allerdings ziemlich viel Kraft gekostet, die Schuldgefühle loszulassen, mir immer wieder zu sagen: Ich muss meine Eltern nicht besuchen, ich muss sie nicht anrufen, ich muss mich nicht mehr mit ihnen herumstreiten, ich "muss" gar nichts mehr - manche Menschen darf ich ganz einfach sein lassen und ich darf ganz einfach das tun, was mir Spaß und Freude bereitet und mich endlich dem zuwenden, was schön für mich ist...
Das ist genauso wie bei einem Alkoholiker - da verlangt auch kein Mensch, wenn er endlich und erfolgreich den Entzug geschafft hat, er solle sich nun wieder bei seinen alten Saufkumpanen eingliedern - und genauso muss ich mich selber auch nicht mehr in meine mechuggene PseudoRH-Familie einfügen...
In diesem Sinne - frohe Ostern,
Libertin
Rosalind
26.03.2005, 09:14
Uff, Libertin, schonmal mitgekriegt, dass der Ton die Musik macht? Und dass es auf den Gesamtkontext ankommt? Wenn für dich der Ausdruck "Zwerg" für ein Kind keine liebevolle, sondern eine herabsetzende Bedeutung hat, solltest du wirklich nicht Kinder als Zwerge titulieren Information entsteht tatsächlich beim Empfänger, allerdings spielt dabei, wie eben geschrieben, natürlich der Gesamtkontext und eine eventuelle gemeinsame Basis eine Rolle.
Daraus leiten sich auch Regeln für eine erfolgreiche interkulturelle Zusammenarbeit ab: einerseits erfordert es vom "Sender" viel Sensibilität, andererseits vom "Empfänger" die Fähigkeit, nicht schnell beleidigt/eingeschnappt zu sein. Die gemeinsame Basis, die Kommunikation innerhalb einer Kultur vereinfacht, muss ja erst geschaffen werden.
In vielen Gesellschaften (islamisch/manche afrikanischen z.B.) gilt es als ziemlich massive Beleidigung, etwas mit der linken Hand zu geben.
Rosalind
Lotteflue
27.03.2005, 05:52
Hallo Rosalind
Uff, Libertin, schonmal mitgekriegt, dass der Ton die Musik macht?
Von daher entsteht die Information nicht nur beim Empfänger, sondern es kommt schon auch drauf an, wie gesendet wird.
Und dass es auf den Gesamtkontext ankommt?
Wobei deine Sendung hier gar nicht abwertend gesendet erschien aufgrund des Gesamtkontextes (wie sonst manchmal).
Wenn für dich der Ausdruck "Zwerg" für ein Kind keine liebevolle, sondern eine herabsetzende Bedeutung hat, solltest du wirklich nicht Kinder als Zwerge titulieren Information entsteht tatsächlich beim Empfänger, allerdings spielt dabei, wie eben geschrieben, natürlich der Gesamtkontext und eine eventuelle gemeinsame Basis eine Rolle.
Ich denke hier sprechen wir von deutscher Basis. Das Wort Zwerg kann wie jedes in x-beliebigen Varianten ausgesandt werden. Auf welchen Boden es beim Empfänger fällt ist zudem sehr unterschiedlich. Das kann heute positiv sein, morgen verletzend, je nachdem wie der Mensch gerade drauf ist. Soweit gleichläufig.
Wenn es hingegen in immer dem gleichen Ton und Zusammenhang gesprochen wird und unterschiedlich aufgefasst wird entsteht die Information den Gefühlen des Empfänger entsprechend. Dann könnte es sein, dass du heute ein Kind damit zum lachen bringst, während es morgen traurig drüber sein wird.
Aber wer spricht immer den gleichen Ton mit dem selben Text? Das ist doch voll langweilig, zudem voll öde und es hört irgendwann auch niemand mehr wirklich.
Grüsse
Lotteflue
Lotteflue
27.03.2005, 05:52
Meine Mutter: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg, du willst nur nicht!
So ein hirnrissiger Spruch und so demütigend! Ich habe ihn auch oft gehört. Ich habe zwar damals gemerkt, das an dem Spruch was falsch ist, aber nicht was. Entziehen konnte ich mich dem als Kind natürlich auch nicht, ausser halt nicht mehr zu-hören.
Einen Weg beschreiten kann man nur, wenn man fähig ist zu sehen, zu fühlen und man muss sich zudem fortbewegen können!
Kannst du gut bei Muttern anwenden, wenn sie mal krank im Bett ist und etwas nicht "kann" z.B. zu schwach ist, sich eine Tasse Tee zu kochen. Dann sagst du zu ihr nur "Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg, du willst nur nicht!"
Ich: unsicher im Urteil, mich lieber auf (aus heutiger Sicht) schwachsinnige Erziehungsratgeber verlassend als auf mein eigenes Empfinden. Das bedauere ich sehr. Ich mir so viel Mühe gegeben habend, und mit viel weniger Aufwand hätte Einiges viel besser laufen können!
Das ist schon hart *dich drück*
Aber es war nun mal so. Sei es doch, wie es war.
Ferner haben wir festgestellt, dass Männer in der Kleindkinderziehung unbedingt mitmischen sollen, es bekommt allen Beteiligten besser. Ich selbst verdanke meinem Vater (uner anderem) den Weg aus der Umschulungsmisere. Er hat zwar seinerzeit mit dazu beigetragen, mich umzuschulen, aber er hat mir auch beigebracht, genau zu beobachten, meine Fähigkeiten zu entwickeln und mir klar gemacht, dass ich mich gegen Übergriffe auch körperlich wehren darf (im Gegensatz zu meiner Mutter). So habe ich die beiden Vergewaltigungsversuche meines Lebens erfolgreich abwehren können).
Das finde ich sehr wichtig. Es bringt nichts, wenn man immer nur lieb und positiv sein soll und nicht (zurück-)hauen darf.
Deine Worte haben in mir etwas Schmerz ausgelöst, weil ich es nicht lernen durfte, mit dementsprechenden Folgen.
Grüsse
Lotteflue
Unglaublich - viele der Aussprüche habe ich von meiner Mutter genauso gehört. Obwohl ich wahrscheinlich aus ganz einer anderen Ecke komme. Erstaunlich wie Miesheit und Bosheit doch überall gleich sind. Sogar die selben Wörter benutzen.
Alles Gute,
H.F.
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