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Vollständige Version anzeigen : Psyche des linkshändigen Kindes, Gruppenverhalten


Rosalind
12.10.2004, 19:28
Jetzt habe ich in diesem Buch weitergelesen, und bei der Lektüre ist mir ein mehr als 10 Jahre zurückliegender beruflicher Konflikt wieder eingefallen. Vielleicht nützt die Schilderung ja jemand:


Benachteiligtenförderung, die Lerngruppe bestand aus mehr als 20 Menschen zwischen 16 und 25 mit den unterschiedlichsten Biographien und aktuellen Lebenssituationen.

Meine sozialpädagogische Kollegin, umgeschulte Linkshänderin wie ich, wollte unbedingt aus diesen sehr verschiedenen Individuen eine Gruppe formen. Ich sah den Sinn nicht ein, das Ziel Projektes war auch ohne Gruppenidentität gut zu erreichen. Ich sah auch kein Problem darin, das etliche der Süßen sich partout nicht an sogenannten fröhlichen Gruppenaktivitäten beteiligen wollten. Solange sie ihren Pflichten nachkamen, fand ich, war der Rest ihre Sache. Meine Kollegin beharrte auf ihrem Standpunkt. Auf meine Nachfragen, warum denn unbedingt eine Gruppe geformt werden müsse, bekam ich mehrfach lediglich zur Antwort, das sei doch klar. Irgendwann ist mir der Kragen geplatzt und ich habe gesagt, sie rede wie Mathe- und Physiklehrer, bei denen es denn öfter mal heißt: "wie man leicht sieht"... "nach einigen elementaren Umformungen", die SchülerInnen/StudentInnen würden von solchen Sätzen schließlich auch nicht schlauer. Danach war der Krach perfekt.


Rosalind

Katja Allani
14.10.2004, 17:39
Hallo Rosalind,

ich sehe das ähnlich wie du. Die Gruppenbildung ist oft ein Prozess, der aus gestellten und bewältigten Aufgaben und Heranforderungen entsteht. Ob und wie sich eine Gruppe bildet, hängt von so vielen verschiedenen Faktoren ab (nicht nur von gemeinsam verbrachter Zeit am gemeinsamen Ort). Gruppenprozesse lassen sich (und das find ich gut) nicht geplant steuern, sondern ergeben sich aus dem Zusammenwirken der einzelnen Menschen.


Vielleicht konnte deine Kollegin sich mit einer anderen Anschauung nicht so recht anfreunden, da sie das in eine tiefe Unsicherheit gestürzt hätte.


Viele Grüße

Katja

Rosalind
15.10.2004, 09:25
>Vielleicht konnte deine Kollegin sich mit einer anderen Anschauung nicht so recht anfreunden, da sie das in eine tiefe Unsicherheit gestürzt hätte.


Das vermute ich im Nachhinein auch. Wenn etwas und Druck und mit Angst verbunden gelernt wird, so sitzt das Gelernte bombenfest, und mensch tut sich sehr schwer, andere Standpunkte auch nur in Erwägung zu ziehen. Besagte Kollegin hatte sehr ausführlich von ihrer Umschulung auf rechts erzählt.

Wenn die Forschungsergebnisse von Frau Dr. Sattler zugrund gelegt werden, (Kurzfassung: LinkshänderInnen eher Einzelgänger, RechtshänderInnen eher Gruppenmenschen) so kann man sich gut vorstellen, wie rigide bei einer umgeschulten (Sozial)Pädagogin die angelernten Vorstellungen von richtigem pädagogischen Verhalten sind.


Es ist mir mit meiner Lerngruppe damals mehrfach passiert, dass wir das Unterrichtsende vergessen hatten (es gab kein Klingelzeichen), weil wir so in eine Problematik vertieft waren. Besagte Kollegin wollte mir unterstellen, ich überzöge mit Absicht. Das war natürlich Blödsinn, denn im Normalfall achten sowohl SchülerInnen als auch LehrerInnen auf pünktliches Ende.


Inzwischen arbeiten diese Kollegin und ich schon sehr lange nicht mehr zusammen.


Rosalind