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Vollständige Version anzeigen : Ich glaube, mein Sohn ist linkshändig


Nicky
07.02.2004, 13:59
Hallo und Guten Tag,


ich bin durch einen Tipp auf dieses Forum gestoßen, da ich woanders nachfragte ab wann man die Händigkeit bei einem Kind feststellen kann.


Mein Sohn Niklas, 11 1/2 Monate, macht alles mit links. Das hat sich schon sehr früh rauskristallisiert, schon als er ca. 6 Monate alt war.


Egal ob ich ihm die Dinge mittig, von rechts oder von links (weil ich da grad stehe) anreiche oder die Sachen einfach auf dem Tisch liegen: Er nimmt sie mit links.

Er isst Fingerfood mit links.

Er greift seine Spielsachen mit links.

Wenn er mit seinem Auto spielt und es auf den Rücken dreht um die Reifen zu untersuchen (das derzeitige Lieblingsspiel), dann hält er das Auto mit der rechten Hand und untersucht mit der linken.

Er winkt mit links.


Mein Mann und ich sind beide Rechtshänder, aber der Bruder meines Mannes war mal linkshändig. Leider wurde er umerzogen.


Eine Umerziehung unseres Sohnes wäre im Falle der Linkshändigkeit selbstverständlich völlig indiskutabel.

Allerdings fürchte ich, dass uns seine Linkshändigkeit vor einige Probleme stellen könnte die für andere Eltern komplett banal sind. Wie z.B. zeige ich ihm wie man einen Stift hält? Oder Messer und Gabel?


Können Sie mir sagen ob es schon feststeht das unser Sohn wirklich linkshändig wird bzw. ob ich bei den oben angegebenen Situationen davon ausgehen kann das er ein Linkshänder ist? Und wie kann ich als rechtshändige Mutter ihn in diesem Falle unterstützen?


Vielen Dank schon im voraus für Ihren Rat!


Nicole

Dr. Noll
07.02.2004, 15:07
Hallo Nicole,


es spricht schon einiges dafür, dass Ihr Sohn linkshändig ist, denn auch in diesem Alter kann man bei vielen Kindern schon eine eindeutige Bevorzugung einer Körperseite erkennen.

Das Wichtigste ist es vorerst, ihm nicht auf eine Körperseite (Hand) festzulegen, sondern ihn unbeschwert greifen lassen. Das heißt zum Beispiel, dass wenn er mit dem Löffel anfängt, ihn diesem nicht rechts oder links hinzulegen, sondern mittig.

Wenn eindeutig ist, dass er Linkshänder ist, und das sieht man in der großen Mehrzahl bei unbeeinflussten Kindern meist recht leicht, dann kann man beginnen, die dominante (hier dann die linke) Hand zu fördern.

Gute Tipps dazu wie Stifthaltung usw. findet man in dem Buch "Übungen für Linkshänder" von Dr. J.B. Sattler, erschienen im Auerverlag, zu einem erschwinglichen Preis.

Ich finde es gut, dass Sie so gut beobachten und sich jetzt schon Gedanken um die Händigkeit Ihres Kindes machen !


Gruß


Dr. Noll

Nicky
07.02.2004, 15:25
Hallo Dr. Noll,


Vielen Dank für Ihre Antwort.


Ich finde es selbstverständlich das ich meinen Sohn beobachte und ihn bei allen Begabungen und Neigungen fördere die er entwickelt. Das er sehr viel mit Links macht fiel uns, wie gesagt, schon sehr früh auf und seitdem achten wir drauf.


Interessanterweise haben sowohl mein Mann als auch ich automatisch damit angefangen ihm alles mittig zu reichen (es sei denn man steht wirklich mal neben ihm).

Wir achten auch sehr darauf das gerade seine Großmutter (die ja ihren ältesten Sohn umerzogen hat) garnicht erst mit den berühmten Sprüchen von der "schönen Hand" beginnt. Niklas ist wie er ist.


Etwas interessantes habe ich soeben noch beobachtet. Niklas, mein Sohn, bekam von mir etwas zu Essen auf den Tisch gelegt. Er näherte sich von der linken Seite (noch tastet er sich an den Möbeln entlang), nahm das Fingerfood in die rechte Hand (diese war näher), wechselte es in die linke Hand und steckte es sich in den Mund.


Das ist nur eines von vielen kleinen Beispielen, die wir täglich erleben.


Wir bemühen uns sehr, ihn weder in die eine noch in die andere Richtung zu beeinflussen, da wir schon oft gehört haben welch fatale Folgen eine Umschulung haben kann.


Ich danke Ihnen für Ihren Rat mit dem Besteck. Wir werden darauf achten ihm beim Essen lernen (womit wir demnächst anfangen) auch den Breilöffel mittig zu reichen.


Vielen Dank für Ihren Rat! Ich hoffe, das ich auch in Zukunft hier Ratschläge und Tipps erfragen kann. Wir, mein Mann und ich, sind sehr froh das wir dieses Forum gefunden haben.


Liebe Grüße

Nicole

Sonja ULH, IRS
07.02.2004, 16:13
Hallo Nicky


Zum Thema Unterstützung von Linkshändigkeit liegt mir der Hinweis auf linkshändertypische Denk- und Verhaltensweisen sehr am Herzen. Ich möchte Dir daher folgendes Buch von Fr. Dr. Sattler empfehlen:


Johanna Barbara Sattler


Die Psyche des linkshändigen Kindes


Von der Seele, die mit Tieren spricht




Inhaltsbeschreibung:


Links- und Rechtshändigkeit des Menschen sind nicht nur Ausdruck der motorischen Dominanz der jeweiligen Gehirnhälfte, sondern sie erscheinen mit bestimmten Persönlichkeitszügen und typischen Handlungsweisen verbunden, die Linkshänder von Rechtshändern unterscheiden. In diesem Buch werden verschiedene, bei Linkshändern häufig zu beobachtende Verhaltensansätze und Handlungsimpulse aufgegliedert, analysiert und an Fallbeispielen dokumentiert. Im kontrastierenden Vergleich dazu stehen Rechtshänder.


Dr. Johanna Barbara Sattler, Psychologin, approbierte Psychotherapeutin, die Leiterin der Ersten deutschen Beratungs- und Informationsstelle für Linkshänder und umgeschulte Linkshänder, München, wendet sich sowohl an Eltern linkshändiger Kinder, als auch an die Linkshänder selbst. Gleichzeitig möchte sie aber auch Pädagogen und Therapeuten auf unterschiedliche Reaktions- und Denkweisen von Links- und Rechtshändern aufmerksam machen. Anliegen des Buches ist es, mehr Verständnis für die Händigkeitsproblematik besonders bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen, zu vermitteln. So widmet sich auch ein Kapitel Fragen der Partnerschaft zwischen Links- und Rechtshändern.


Die eingeflochtenen Erzählungen aus dem Leben der Tiere und Menschen in der freien Natur, die Dr. Ivo-Kurt Cizek verfaßte, bilden eine neue identifikatorische Ebene für die Kinder. So sind sie ein Instrument, ihre Reaktionsweisen zu beobachten, zu analysieren und unter einem anderen Blickwinkel zu verstehen.




Auer Verlag, Donauwörth, 1998, 4., mehrfach überarbeitete und aktualisierte Auflage 2003, ISBN 3-403-03091-1, 328 Seiten




Gruß

Sonja

Nicky
07.02.2004, 16:27
Hallo Sonja,


die Inhaltsangabe dieses Buches klingt sehr interessant.


Ich habe mich auch schon nach einigen anderen Büchern umgesehen und bin dabei auf folgende Bücher gestoßen, die sich auch noch sehr gut anhören:


- Das linkshändige Kind - seine Begabungen und Schwierigkeiten (Johanna B. Sattler)

- Linkshändig? (Rolf W. Meyer) und

- Linkshändige Kinder richtig fördern (Sylvia Weber)


Nun meinte mein Mann das er es zwar prinzipiell gut fände wenn wir uns in die Thematik einlesen, allerdings würde er dafür plädieren das wir das erst täten wenn wir uns sicher sein können das Niklas linkshändig ist.


Was meinen Sie?


Für mich stellt sich dann natürlich noch die Frage: Ab wann kann ich wirklich sicher sein?


Ihren Literaturtipp werde ich mir sofort vermerken! Vielen Dank dafür!


Liebe Grüße

Nicky

Birgit
07.02.2004, 18:31
Hallo Nicole,


>Etwas interessantes habe ich soeben noch beobachtet. Niklas, mein Sohn, bekam von mir etwas zu Essen auf den Tisch gelegt. Er näherte sich von der linken Seite (noch tastet er sich an den Möbeln entlang), nahm das Fingerfood in die rechte Hand (diese war näher), wechselte es in die linke Hand und steckte es sich in den Mund.<


Dankenswerterweise machte uns vor einer Weile Libertin auf den Umstand aufmerksam, daß bei LH die bevorzugte Hand zum ergreifen und nehmen von Dingen die rechte Hand sein könnte und die Hand, die Dinge dann wieder abgibt ( hier das Fingerfood in den Mund ), bevorzugt die linke Hand sein könnte.


Es wäre interessant, von dir zu erfahren, ob sich dieses Verhalten bei deinem Kind öfter zeigt. Ich merke, daß diese Aussage von Libertin, für mich zutrifft.


Dein Sohnemann hat Glück mit dir und deinem Mann. Das freut mich für ihn.


Liebe Grüße und ein schönes Wochenende.

Birgit

Sonja ULH, IRS
07.02.2004, 18:52
Hallo Nicky


Also, ich bin keine ausgebildete Beraterin in Sachen Linkshändigkeit oder Erkennung von Linkshändigkeit. Ich bin im Sommer 2003 zufällig(?) auf das Thema Umgeschulte Linkshänder und die daraus resultierende Problematik gestoßen. Auf der Seite von Dr. Johanna Barbara Sattler: „Ersten deutschen Beratungs- und Informationsstelle für Linkshänder und umgeschulte Linkshänder e.V.“, http://www.linkshaender-beratung.de/index.htm (dort kann man auch Beratungsstellen finden und sich direkt informieren). Das hat bei mir einen gewaltigen Aha-Effekt ausgelöst und ich habe mich sofort entschieden mich auf meine Linkshändigkeit hin testen zu lassen um sicher zu gehen, um dann gleich meine sog. Rückschulung (ist bei mir eigentlich eine Neuschulung) beginnen zu können. Seitdem erlebe ich ständig Bestätigungen der Forschungsarbeit von Fr. Dr. Sattler. Sie ist die Vorreiterin auf diesem Gebiet und ihre Bücher sind daher meiner Ansicht nach besonders zu empfehlen (nicht ausschließlich ihre).


Meine Eltern haben meine Linkshändigkeit entweder nicht erkannt oder von Anfang an unterbunden. Ganz sicher waren sie in diesem Punkt einfach unwissend. In ihrem Buch: „Die Psyche des linkshändigen Kindes“ entdecke ich mich voll wieder. Ich denke, hätten meine Eltern dieses Buch früher gelesen, hätten sie mich in meinem Wesen von Anfang an besser verstanden und nicht nur für mich wäre vieles leichter verlaufen. Es gibt wie gesagt, im Vergleich zwischen RH und LH in deren Verhaltensweisen und Denkart ganz typische und markante Unterschiede, deren Kenntnis für jedermann persönlich, aber auch gesellschaftlich gesehen enorm bereichernd sein kann. Ich denke da vor allem an den Umgang miteinander und dem Verständnis füreinander.


Freundliche Grüße

Sonja

Nicky
09.02.2004, 14:05
>

>Es wäre interessant, von dir zu erfahren, ob sich dieses Verhalten bei deinem Kind öfter zeigt. Ich merke, daß diese Aussage von Libertin, für mich zutrifft.




Hallo Birgit,


ich achte da jetzt auch mal drauf und poste es dann hier. In den letzten Tagen, seit mir das auffiel, habe ich dieses Verhalten bislang noch drei- oder viermal erlebt. Aber genauso häufig ist es das er die Dinge direkt mit links greift.


Mit rechts macht er zwar auch einige wenige Dinge, aber niemals essen oder untersuchen.


Ich habe mir jetzt zwei Bücher bestellt und hoffe das ich so herausfinde wie ich ihn optimal fördern kann ohne ihn in eine bestimmte Richtung zu drängen.


Liebe Grüße

Nicky