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Vollständige Version anzeigen : Tipps für "linkshändergerechtes Lernen"?


Tine
17.01.2004, 00:59
Hallo!


Linkshänder denken anders... lernen anders... das lese ich hier so oft und kann es durch das, was ich mit meinem Sohn (1. Klasse) erlebe, nur bestätigen.

Obwohl er ziemlich schlau ist, kommt er mit dem Lernen in der SChule nicht so richtig zurecht. Dinge, die für andere völlig logisch sind, bleiben ihm ein Geheimnis und anderes (von einem Fach zum anderen denken) Ist für ihn völlig normal.


Ganz konkret: In Mathematik z.B haben sie gerade "Aufgabenfamilien": Grundaufgaben, Umkehraufgeben und Tauschaufgaben. Ein Beispiel:

5+3=8

Tauschaufgabe: 3+5=8,

Umkehraufgaben: 8-5=3 und 8-3=5

Davon abgeleitet Rätselaufgeben wie: 3+x=8 oder x-5=3


Für die anderen in seiner Klasse ist es völlig verständlich und eine goße Hlfe, dann sie können sich ja immer die leichtete Aufgabe raussuchen, um zur Lösung zu kommen.

Mein Sohn begreift es nicht. Die Lehrerin begreift nicht, daß er es nicht begreift, denn er rechnet eigentlich sehr gut.


Und ich weiß nicht, wie ich es ihm noch erklären soll...


Das 2. Beispiel auswendig lernen (Gedicht oder eben die "Grundaufgaben") lernen: Er kann ganze Geschichten wortwörtlich auswendig und auch viele Gedichte sind beim hören einfach so "hängengeblieben". Aber wenn er für die Schule ein einfaches kurzes Gedicht lernen soll, geht gar nix. Die übliche Methode mit vorlesen und nachsprechen lassen funktioniert einfach nicht... (leider haben wir keine Möglichkeit, etwas auf Kasette aufzunehmen, sonst hätte ich es mal damit versucht).


Hat jemand ganz konkrete Tipps für mich zum "linkshändergerechten Lernen"? Zum Bücherlesen komme ich im Moment leider nicht.

Es tut mir so leid, zu sehen, wie er sich müht. Wenn er nach der 10 Aufgabe immer noch rechnet, wo die anderen Kinder schon lange begriffen haben, daß sie nur noch die Zahlen andersrum hinschreiben müssen ect. ...


Danke, Tine

Lotteflue
17.01.2004, 07:21
hallo tine


Die übliche Methode mit vorlesen und nachsprechen lassen funktioniert einfach nicht... (leider haben wir keine Möglichkeit, etwas auf Kasette aufzunehmen, sonst hätte ich es mal damit versucht).


wir haben mal so einen kindercassettenrecorder gekauft (lidl oder so, keine markenware, meist weisses gehäuse), der hat eine aufnahmefunktion (karaoke), vielleicht könnt ihr so einen besorgen oder gebraucht kaufen (second hand oder ebay) oder als geburtstags- oder weihnachtsgeschenk erbitten. ich glaube der kostete damals 30 dm, müssten jetzt etwa 15 euro sein, aber ich glaube, ich habe ihn auch schon für 10 € gesehen.


die sind recht robust und unserer hat trotz mehrere kids jahrelang überlebt .... und lebt immer noch.


ansonsten kann ich dir nicht helfen, kenne aber das problem .......


liebe grüsse

lotteflue

Susanne
17.01.2004, 19:32
(o.T.)

Sylvia
17.01.2004, 21:04
Liebe Tine, ich glaube nicht, daß die Probleme Deines Sohnes etwas mit der Händigkeit zu tun haben, bei mir war gerade anders herum, daß ich alles verstand, aber die rechtshändigen Mitschüler noch lange nicht.Ich denke eher, daß er Probleme mit Verknüpfungen hat, d.h."da ist eine Aufgabe, die kenn ich, da ist eine neue Aufgabe, die ich nicht kenne"

Die Verknüpfung alt mit neu macht Probleme, was sich evtl. auswächst, andereseits bekommt er vielleicht auch Lernmethoden vorgesetzt, die nicht hilfreich sind, sprich stumpfes Gedichtelernen...das ist öde, das nervt, eine Geschichte ist viel spannender, es fordert einen heraus.

Laß Deinen Sohn um die Matheaufgaben Geschichten erfinden, damit er Bilder vor sich hat, genauso wie Geschichten bildreich sind, Gedichte aber keine Bilder haben, wenn es um das Auswendiglernen geht.

Ich habe mir übrigens immer Bilder gemacht, bis heute, und das fördert ein gutes Gedächtnis.

Katja Allani
18.01.2004, 18:45
Hallo Tine,

Linkshändige Kinder lernen lieber über die konkrete Anschauung, das Anfassen und Bewegen, RH eher übers Hören und die Abstraktion (z.B. die Rechensymbole).

In der Schule sollte der Lehrer beide Lernwege anbieten.LH mögen häufiger Aufgabenstellungen, in denen sie selbst über den Lösungsweg entscheiden dürfen.


Vielleicht hilft deinem Sohn konkretes "Rechenmaterial" wie Knöpfe, Legosteine, Streichhölzer od.ähnliches weiter. Damit kann er Haufen legen, verkleinern, vergrößern und bekommt eine Vorstellung, wie die Aufgabenstellungen gemeint sind. Lass deinen Sohn ruhig immer wieder nachrechnen, dann braucht er diese Erfahrung noch. Irgendwann macht es "klick", dann kann er die Aufgabe lebenslänglich, andere "Schnelllerner" vergessen eher wieder.


Beim Gedichtelernen kenne ich zwei Wege, die deinem Sohn vielleicht weiterhelfen könnten (Ich hoffe, ich drücke mich jetzt verständlich aus, wenn nicht, frag ruhig nach)

1. Dein Sohn liest das Gedicht durch und erzählt dir den Inhalt des Gedichtes wie eine Geschichte und kann sie vielleicht auch nachspielen. Dann beim Lernen gehst du kleinschrittiger vor, lässt dir die Zeilen vorlesen und nacherzählen. Beim wiederholten lauten Vorlesen kann dein Sohn sich bestimmte Gesten und Bewegungen einfallen lassen, die er bei bestimmten Wörtern, Reimen oder mit dem Gedichterhytmus dann mit dem Aufsagen verknüpft. Er kann auch ruhig beim Lernen umherlaufen, wenn ihm das hilft.

2. Dein Sohn liest das Gedicht und erzählt dir den Inhalt des Gedichtes (wie bei 1.). Dann hat er die Aufgabe, die erste (oder ersten beiden Zeilen)vorzulesen und diese sich dann als Sprechblase über seinem Kopf vorzustellen (nicht den Inhalt, sondern ganz genau fotografisch das Bild der Zeile). Das wiederholt er mehrmals. Dann bekommt dein Sohn die Aufgabe, die Sprechblase über seinem Kopf zu lesen (mehrmals). Das gleiche geschieht mit den übrigen Zeilen bis das Gedicht "fotografisch" in seinem Kopf ist und abgerufen werden kann.


Euch beiden alles Gute.

Gruß Katja

Tine
29.01.2004, 17:40
Hallo!


Danke für eure Tipps.


Bei den Kinderrecordern habe ich bisher nur soche gesehen, wo man zur Kassette dazu singen, aber nicht aufnehmen kann. Ich werd mal dranbleiben.


Die Idee mit den "Bildern im Kopf" hat beim Gedicht den Durchbruch gebracht. Er hat nämlich immer die Zeilen vertauscht, aber als er es sich ein paar Mal als Bildergeschichte vorgestellt hat, ging es plötzlich :o)


Mit dem Rechnen... Da habe ich festgestellt, daß er bei Alltagssachen bis 10 überhaupt nicht nachdenken muß. (In einer Familie von 6 Personen mit häufgem Besuch gibt es ständig was zu zählen und zu rechnen).


Probleme gibt es erst dann, wenn die Sache "Rechnen" heißt. Da ist irgendwie sofort eine "Sperre" drin und nix geht mehr.

Ich habe noch mal mit der Lehrerin gesprochen. Sie arbeiten in der Schule sowieso mit Rechenmaterial (Montessori-Schule) und er darf sich jederzeit auch zu den Hausaufgaben Hilfsmittel holen *freu*. Sie meinte selber, daß die Art, wie die Aufgaben eingeführt wurden sehr ungünstig ist - Tausch- und Umkehraufgaben auf EINEM Arbeitblatt... der klassische Fall der "Ähnlichkeitshemmung" (ähnliche Lerninhalte hemmen sich gegenseitig im Kopf und führen zu Verwirrung).


Bin mal gespannt, wie es weitergeht.

Liebe Grüße, Tinka