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Vollständige Version anzeigen : UHL - PseudoRH


Libertin IRS
30.12.2003, 17:15
Hallo zusammen,


mein Eindruck ist, dass es ein Unterschied ist, ob einer UHL oder Pseudorechsthänder ist: Im ersten Fall ist sich der/die Betroffene eigentlich "schon immer" bewusst, LH zu sein und hat vielleicht "schon immer" fast alles mit links gemacht (außer das Schreiben natürlich) und braucht bei der Rückumschulung deshalb auch "nur" das Schreiben umzulernen. Von den 50% LH sind vermutlich ca. 5-10% linksschreibende LH, ca. 5-10% UHL und ca. 30-40% Pseudorechtshänder die meist überhaupt nicht wissen, dass sie von Geburt an eigentlich LH sind (wie z.B. bei mir). Hätte jemand mich nicht "zufällig" auf meine LH hingewiesen, vielleicht wäre ich den Rest meines Lebens als RH rumgelaufen und hätte nie verstanden, womit viele meiner "merkwürdigen" Schwierigkeiten zusammenhängen. Bei der Rückumschulung macht es denn auch ein Unterschied, ob ich "nur" das Schreiben umtrainieren muss oder wirklich jeden einzelnen meiner Handgriffe, vom Zähneputzen angefangen bis Nägeleinschlagen mit dem Hammer links. (Ich wäre ja total happy, wenn ich lediglich "nur" das Schreiben umpolen müsste...)


Aus meiner eigenen Erfahrung empfehle ich Pseudorechtshändern, NICHT mit Schreiben sondern zunächst nur mit einfachsten Handgriffen zu beginnen; das ist sonst zuviel auf einmal.

Auch ich kenne dieses Gefühl der "Müdigkeit", beim Schreiben mit links auf der Arbeit habe ich zudem Wörter ausgelassen, weshalb ich das auch erstmal zurückgestellt habe...


Ich kann mich nicht daran erinnern je auf RH gezwungen worden zu sein, ich denke ich habe es als Kleinkind einfach durch "Anpassung" gelernt und durch "Nachahmung" mit rechts gemacht. In der Schule hat sich die Frage linke oder rechte Schreibhand dann auch garnicht mehr gestellt. Auch meine Eltern haben sich "bewusst" wohl auch keine Gedanken darüber gemacht oder mich bewusst auf RH gezwungen. Auf die Idee, dass ich LH sein könnte, bin ich mit 6 Jahren nicht gekommen. Das Schreibenlernen war aber schon ein ziemliches Drama, an die ständig verbogenen Stahlfedern, die Tintenklekse und auch wenn ich mich noch so gut anstrengte an meine Krickelkrackelhandschrift, sowie meine auch heute noch vorhandenen Rechtschreibprobleme kann ich mich auch heute noch sehr gut erinnern. Und ich habe mich nur gewundern, warum die anderen Kinder diese Schwierigkeiten nicht hatten...


Wenn ich mit links schreibe ist meine Schrift auch viel gleichmäßiger, allerdings kann ich mit links bisher nur sehr, sehr langsam schreiben und da darf auch kein Stress dabei sein...


Mein Vorschlag: Neues Kürzel zur Unterscheidung UHL von Pseudorechtshändern: "PseudoRH".


Lieben Gruß




Euer Libertin

Birgit
30.12.2003, 17:51
Hallo Libertin,


>mein Eindruck ist, dass es ein Unterschied ist, ob einer UHL oder Pseudorechsthänder ist: <


Das ist sicher ein deutlicher Unterschied.


>Wenn ich mit links schreibe ist meine Schrift auch viel gleichmäßiger, allerdings kann ich mit links bisher nur sehr, sehr langsam schreiben und da darf auch kein Stress dabei sein...<


Ich stieß gestern in meiner Arbeit beim Aussortieren alter Akten für die Entsorgung auf Aktenvermerke aus meiner Anfangszeit beim Rückschulen, also ab Juni 1999. Es war so eine nette Kinderschrift, die ich da wiedersah. Mal purzelten die Buchstaben nach links, mal nach rechts, mal waren sie gerade, mal zittrig. Je nachdem, wie ruhig oder angespannt ich damals war. Ich bin froh, ein paar "Erinnerungsstücke" aus dieser Zeit aufgehoben zu haben. Erinnerungen an diese Zeit voller Hoffnung, Trauer, Anstrengung, Verspannungen und Erleichterungen, Unsicherheit und Freude, steigendem Selbstbewußtsein, alles durcheinander und doch so schön...


Laß' dir Zeit und freue dich an deiner ganz eigenen und persönlichen Schrift. Als PseudoRH ist Rückschulung umfassender als bei ULH.


Gruß

Birgit

Lotteflue
02.01.2004, 13:39
>Hallo zusammen,


Hi Libertin


>mein Eindruck ist, dass es ein Unterschied ist, ob einer UHL oder Pseudorechsthänder ist:


Im Grunde aber wohl nicht. Ich denke es liegt eher an der Bewusstheit dessen.


>Im ersten Fall ist sich der/die Betroffene eigentlich "schon immer" bewusst, LH zu sein


Ich denke als Kind-Teen ist man sich dessen noch nicht bewusst, weil einem die "Weitsicht" dafür fehlt.


>und hat vielleicht "schon immer" fast alles mit links gemacht (außer das Schreiben natürlich) und braucht bei der Rückumschulung deshalb auch "nur" das Schreiben umzulernen.


Ich kann mir nicht vorstellen, dass das viele Kinder "merken", dass es DAS ist. Sie spüren wohl eher nur, irgendwas stimmt nicht.


>Von den 50% LH sind vermutlich ca. 5-10% linksschreibende LH,


Die echten halt ;-)


>ca. 5-10% UHL


Meinst du echt Kinder sind sich dessen bewusst?


>und ca. 30-40% Pseudorechtshänder die meist überhaupt nicht wissen, dass sie von Geburt an eigentlich LH sind (wie z.B. bei mir).


Wer weiss das schon, wenn es ihm noch nicht bewusst ist?


>Hätte jemand mich nicht "zufällig" auf meine LH hingewiesen,


.......bis es einem "durch Zufall" bewusst (gemacht) wird.

Irgendwie muss ja was "an dir sein" was auf LH tippen lässt. Okay, manchmal spürt man das auch, auch wenn der andere nichts gemacht hat, was man sieht, wie etwas anfassen oder schreiben. Das fühlt man dann einfach an den Bewegungen etc. Bewusst oder bestätigt wird es dann, wenn etwas "linkes" passiert.


>vielleicht wäre ich den Rest meines Lebens als RH rumgelaufen und hätte nie verstanden, womit viele meiner "merkwürdigen" Schwierigkeiten zusammenhängen.


Biste nun Pseudorechtler oder ULH? Sowohl als auch oder? Pseudorechtler aber nur, solange du dir nicht bewusst bist oder?


Wenn einem was nicht bewusst ist, versteht man es meist nicht.


>Bei der Rückumschulung macht es denn auch ein Unterschied, ob ich "nur" das Schreiben umtrainieren muss oder wirklich jeden einzelnen meiner Handgriffe, vom Zähneputzen angefangen bis Nägeleinschlagen mit dem Hammer links. (Ich wäre ja total happy, wenn ich lediglich "nur" das Schreiben umpolen müsste...)


Klar, wenn es nur das schreiben ist, gibt es weniger zu tun und es ist davon auszugehen, dass der ULH nicht so viel Probleme hat wie die sehr viel umgepolten, manipulierten.


>Aus meiner eigenen Erfahrung empfehle ich Pseudorechtshändern, NICHT mit Schreiben sondern zunächst nur mit einfachsten Handgriffen zu beginnen; das ist sonst zuviel auf einmal.


Ja, step by step ist meistens gut :-)


>Auch ich kenne dieses Gefühl der "Müdigkeit", beim Schreiben mit links auf der Arbeit habe ich zudem Wörter ausgelassen, weshalb ich das auch erstmal zurückgestellt habe...


Da kann ich noch nicht mitreden.


>Ich kann mich nicht daran erinnern je auf RH gezwungen worden zu sein, ich denke ich habe es als Kleinkind einfach durch "Anpassung" gelernt und durch "Nachahmung" mit rechts gemacht.


Dann warst du vielleicht einfach so klein, dass du es nicht mehr weisst, es ist dir nicht mehr bewusst bzw. es ist dir noch nicht bewusst geworden.


>In der Schule hat sich die Frage linke oder rechte Schreibhand dann auch garnicht mehr gestellt.


Bei mir auch nicht.


>Auch meine Eltern haben sich "bewusst" wohl auch keine Gedanken darüber gemacht oder mich bewusst auf RH gezwungen.


Früher war es ja so, dass man einfach mit rechts malt und schreibt, was anderes einfach "falsch" war und wer das so mitgeteilt bekommt, setzt das dann beim Nachwuchs um, bewusst/unbewusst. So war es wohl bei mir.


>Auf die Idee, dass ich LH sein könnte, bin ich mit 6 Jahren nicht gekommen.

Das Schreibenlernen war aber schon ein ziemliches Drama, an die ständig verbogenen Stahlfedern, die Tintenklekse und auch wenn ich mich noch so gut anstrengte an meine Krickelkrackelhandschrift,


An sowas kann ich mich auch zur genüge erinnern. Schreiben Note 4.


>sowie meine auch heute noch vorhandenen Rechtschreibprobleme kann ich mich auch heute noch sehr gut erinnern.


Die hatte ich nicht.


>Und ich habe mich nur gewundern, warum die anderen Kinder diese Schwierigkeiten nicht hatten...


So ging es mir auch.


>Wenn ich mit links schreibe ist meine Schrift auch viel gleichmäßiger, allerdings kann ich mit links bisher nur sehr, sehr langsam schreiben und da darf auch kein Stress dabei sein...


Als ich es das erste mal probiert habe, ging es recht gut, natürlich langsam, aber erstaunlich gut lesbar für einen "Rechtshänder".


>Mein Vorschlag: Neues Kürzel zur Unterscheidung UHL von Pseudorechtshändern: "PseudoRH".


Ich denke das ist unsinnig, da es dort eher auf die Bewusstwerdung ankommt.


>Lieben Gruß

>Euer Libertin


Grüsse

Lotteflue