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Vollständige Version anzeigen : Müdigkeit bei der Rückschulung


Andrea L.
29.12.2003, 13:04
Liebe Forumler,


ich bin jetzt seit April 03 dabei, mich (mit Hilfe einer Linkshänderberaterin) zurückzuschulen, seit Mai schreibe ich nur noch mit links. Vieles hat sich seitdem schon verbessert, nur fühle ich mich seit Beginn der Rückschulung noch müder und weniger leistungsfähig als vorher. Zu Anfang war es extrem, da habe ich mit Hilfe von Urlaubstagen immer wieder für Pausen gesorgt, aber das geht ja nicht immer. Seit ein paar Monaten habe ich aber immer wieder neue Ideen, was ich alles ausprobieren möchte in meinem Leben, nur eben nicht die Energie, davon etwas umzusetzen. Meine Beraterin meinte, das sei ein gutes Zeichen und ich solle hauptsächlich Geduld haben, mich nicht unter Druck setzen, viel Pausen machen usw. Das versuche ich auch umzusetzen, aber ich kann meine häufig recht anstrengende Arbeit nicht so reduzieren, wie es vermutlich erforderlich wäre (jetzt im Urlaub fühle ich mich ganz gut). Sie hat wahrscheinlich trotzdem recht, aber es würde mich freuen, von Euch zu hören, ob Ihr auch solche Erfahrungen gemacht habt, wie lange das so gegangen ist und wie Ihr überhaupt damit klargekommen seid.


Liebe Grüße

Andrea L.

Barbara Elisabeth
29.12.2003, 16:49
Hallo Andrea,


ich bin ungefähr so weit wie du und es geht mir ganz genauso. Ich bin zur Zeit "nur" Hausfrau (unfreiwillig, da arbeitslos), schaffe es aber nicht einmal, wenigstens die ganze Arbeit daheim zu erledigen. Pausen kann ich mehr als genug einlegen, aber manchmal dauert so eine Pause halt ein paar Tage.


Neue Ideen? Die habe ich ständig! Aber auch mir fehlt die Energie, einfach etwas zu machen.


Ich spüre allerdings, wie anstrengend die Rückschulung ist und dass ich gerade dafür all meine Energie aufwende. Vielleicht ist das das "gute Zeichen". Ich bin zur Zeit völlig nach innen gewandt und sehr mit mir selbst beschäftigt. Es arbeitet in mir. Ich beobachte die Veränderungen, die in mir vorgehen und registriere wahrlich "seelische Kontinentalverschiebungen". Geht dir das auch so?


Laß uns in Kontakt bleiben. Ich wünsche dir einen ruhigen und erholsamen Start in das neue Jahr (falls dies trotz der unvermeidlichen Knallerei in der Sylvesternacht möglich ist).


Viele liebe Grüße, Barbara

Andrea L
30.12.2003, 12:37
Liebe Barbara,


danke für Deine Antwort, ich finde, die Schwierigkeiten der Rückschulung kommen hier im Forum manchmal ein bisschen zu kurz, vielleicht ist es einigen unangenehm, bei all den euphorischen Fortschrittsberichten auch mal Durchhänger zuzugeben. Dabei braucht man doch gerade dann ein bisschen Zuspruch von anderen Leuten.


Ich habe auch wirklich schon faszinierende Veränderungen festgestellt (zuletzt ein deutlich verbessertes Gefühl für meinen eigenen Körper, was mir bei der Heilung meiner chronischen Magenkrankheit sicher noch gute Dienste leisten wird, auch ein Bedürfnis nach äußerer Ordnung zuhause und im Büro, von Freude am Schreiben mal ganz zu schweigen).


Aber es gibt auch schwierige positive Veränderungen: ich habe früher alles was ich machen mußte oder wollte, vom Essen kochen bis zu Dingen bei der Arbeit, vorher vielfach gedanklich durchgespielt, es lief immer wieder der gleiche Film ab und manchmal hatte ich dann schon keine Lust mehr, das tatsächlich auch zu tun. Bei der Arbeit organisiere ich Seminare, meist mehrere gleichzeitg und dieses ständige Kino führte bei hoher Belastung zu Schlafstörungen und schließlich zu besagter Magenkrankheit. Anderseits brauchte ich mir fast keine Notizen zu machen, weil ich ja sowieso ständig alles im Kopf herumwälzte. Jetzt ist das seit etwa zwei-drei Monaten anders, und das bedeutet, dass ich viel besser schlafe, aber meine ganze Arbeitsweise neu gestalten muss, wie andere Leute auch mit Listen und Zeitplänen usw. Das ist auch nicht so einfach mit Mitte vierzig! Längerfristig ist das bestimmt sehr gut, nur jetzt wird es mir manchmal einfach zu viel und ich habe ständig das fiese Gefühl, etwas Wichtiges zu vergessen.


Überhaupt finde ich das schwierigste an der Rückschulung, dass man aus dem Prozess, wenn man ihn einmal gestartet hat, nicht mal zwischendurch aussteigen kann, zur Erholung und um alles in Ruhe zu verarbeiten. Es geht einfach immer weiter und wenn die Kontinentalverschiebung kommt, von der der Du sprichst, dann kommt sie eben, egal, ob ich gerade dazu bereit bin oder nicht.


Aber das Positive überwiegt eindeutig und die Rückschulung ist auch einfach eine so interessante Angelegenheit! Im Rückblick auf dieses Jahr würde ich sagen, dass es eines der spannendsten, wenn nicht sogar DAS spannendste meines Lebens war, das ist doch schon was!


Wenn Du mir mal ausßerhalb des Forums schreiben möchtest (fänd ich schön):

meine Adresse ist linden11@tiscalinet.de


Viele Grüße und alles Gute und viel Kraft für die nächste Wegstrecke

Andrea L.

Barbara Elisabeth
31.12.2003, 18:13
>Wenn Du mir mal ausßerhalb des Forums schreiben möchtest (fänd ich schön):

>meine Adresse ist linden11@tiscalinet.de


Liebe Andrea,


schau mal in deine Mail-Box; ich hoffe, meine Nachricht ist bei dir angekommen. Guten Rutsch und liebe Grüße,


Barbara