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holger
20.08.2003, 15:53
hallo,


ich schrei jetzt endlich mal um hilfe!


ich habe mich schon öfter hier geäußert und mich

vehement gegen rückpolungen gewehrt.

aber das nur aus einem grund:


im prinzip bin ich schon längst so eine art "rückbesinner"

oder vielmehr einer, der die restposten des "linken" nie

verloren hatte.


-ich male schon eh und je links

-auch essen und zähne putzen alles links


nur halt z.b. eingübte ballspiele und dieses verdammte schreiben

mit rechts.


aber jetzt habt ihr mich soweit, bitte helft mir:)


wenn da wirklich soviel dran ist, was hier behauptet wird,

warum hat mich dann bei all meinen Besuchen in der Psychiatrie

niemand daraufhin untersucht oder angesprochen??


selbst wenn ich eine eigene diagnose parat hatte, waren

es meist immer andere ursachen oder man sagte mir es sei schlicht

eine begabung und man könne sich eher darüber freuen!


also haben die jetzt alle keine ahnung oder was ist da los?

ich versteh das nicht?

also mich hat noch nie jemand versucht wegen der händigkeit zu

therapieren!!


kann mir jemand helfen und kennt ihr vielleicht berater im raum

düren? (liegt zwischen köln und aachen)


Danke!


gruß holger

Jana
20.08.2003, 18:31
Hallo Holger,


Du liegst schon richtig, die meisten Psychotherapeuten haben keine Ahnung. Linkshändigkeit und Umschulungsfolgen kamen im Studium nicht vor, wahrscheinlich ist das auch heute noch so.

Dann wird natürlich vorbeitherapiert, und man wundert sich, das nichts anschlägt.

Ich glaube, meine eigene Therapie 1998 hat mir nur deshalb geholfen, weil ich mich innerlich darauf eingestellt hatte, daß die Umschulung der Händigkeit vielleicht keinen vollständigen Therapieerfolg zulassen wird.

Derselbe Therapeut konnte ein Jahr später mit meinen Problemen der Linkshändigkeit und der Rückschulung gar nichts anfangen, meinte, ich würde mich in etwas verrennen, und er selbst hätte als rechts schreibender Linkshänder überhaupt keine Probleme.

Schön für ihn, schlecht für mich, weil ich wieder mal nicht ernst genommen wurde.

Es wird oft behauptet, daß unsereins sich sozusagen auf der Umschulung der Händigkeit "ausruht", um sich nicht den "wirklichen" psychischen Problemen stellen zu müssen.

Deshalb sind unsere Probleme aber nicht weniger wirklich.

Laut Frau Dr. Sattler sind viele der Menschen, denen mit Psychotherapie nicht mehr zu helfen ist, unerkannte umgeschulte LH.


Ich wünsche Dir, daß Du einen Berater findest, mit dem Du Deine LH-Probleme aufarbeiten kannst, auch wenn Du Dich vielleicht gegen eine Rückschulung entscheidest.


alles Gute wünscht Dir

Jana aus MeckPomm

Birgit
20.08.2003, 20:20
Hallo Holger,


>ich schrei jetzt endlich mal um hilfe!<


Gut, daß du's tust. :-)


>im prinzip bin ich schon längst so eine art "rückbesinner" oder vielmehr einer, der die restposten des "linken" nie verloren hatte.

-ich male schon eh und je links

-auch essen und zähne putzen alles links<


Schau, da hast du doch eine gute Ausgangsbasis auf der du aufbauen kannst.


>nur halt z.b. eingübte ballspiele und dieses verdammte schreiben mit rechts. <

Das Schreiben, glaube ich, ist letztendlich das, was uns Linkshändern am meisten schadet, weil es motorische und kognitive Hochleistungen in Verbindung fordert.


>aber jetzt habt ihr mich soweit, bitte helft mir:)<

Wird gemacht.


>wenn da wirklich soviel dran ist, was hier behauptet wird, warum hat mich dann bei all meinen Besuchen in der Psychiatrie niemand daraufhin untersucht oder angesprochen??<

Weil die Doktores dort von der Sache wirklich nichts wissen. Sie haben es im Studium und in der Facharztausbildung nicht gelernt und sich auch danach nicht in dem Bereich fortgebildet. Die Psychiatrie ist ohnehin eine Welt und ein Kapitel für sich. Ich werde morgen in eine Bezirksklinik fahren und dort mein Glück mit Info-Arbeit versuchen. Auf meine Frage, ob die Kenntnisse von Fr. Dr. Sattler schon in die Ausbildung der Psychiater eingeflossen ist, bekam ich von dort letzte Woche noch ein verdutztes "Nein" als Antwort. Mal sehen, wie verdutzt sie morgen reagieren.


>selbst wenn ich eine eigene diagnose parat hatte, waren es meist immer andere ursachen oder man sagte mir es sei schlicht eine begabung und man könne sich eher darüber freuen! also haben die jetzt alle keine ahnung oder was ist da los?

ich versteh das nicht?<

Das ist auch an sich nicht zu verstehen. Trotzdem ist es Realität.


>also mich hat noch nie jemand versucht wegen der händigkeit zu therapieren!!<

Weißt du was: sei froh drüber! Du weißt nicht, was in diesem Bereich inkompetente Leute vielleicht noch bei dir angerichtet hätten. Jetzt kannst du deine Rückschulung mit einem/r richtigen Linkshänderberater/in oder in Eigenregie so machen, daß es wirklich für dich paßt. Das ist das allerbeste, was dir passieren kann.


>kann mir jemand helfen und kennt ihr vielleicht berater im raum düren? (liegt zwischen köln und aachen)<

Da muß ich passen aber über die Linkshänderberatungsstelle von Frau Dr. Sattler (www.lefthander-consulting.org) kannst du Anschriften abfragen. Und Matthias wird ja auch bald wieder vom Urlaub zurücksein und dir als Linkshänderberater weiterhelfen können.


Wenn du sonst was brauchst, bitte wieder um Hilfe rufen. o.k.?


Ich wünsch Dir eine gute Reise zu dir selbst. Wirst sehen, die lohnt sich echt.

Gruß

Birgit

Andrea
21.08.2003, 08:39
>Hallo Holger,

>>

>>>kann mir jemand helfen und kennt ihr vielleicht berater im raum düren? (liegt zwischen köln und aachen)<

>Da muß ich passen aber über die Linkshänderberatungsstelle von Frau Dr. Sattler (www.lefthander-consulting.org) kannst du Anschriften abfragen.


Hallo Holger,


Du kannst auch auf die www.linkshaenderseite.de gehen und dort bei Adressen nachschauen, dort sind eine ganze Reihe von Linkshänderberatern aufgelistet, nach Bundesländern. Vielleicht findest Du da auch jemanden. Ich habe "meine" Beraterin auch über die Liste gefunden und bin sehr zufrieden.


Im übrigen alle Achtung! dass Du Deine inneren Widerstände und Vorbehalte überwunden hast und Dich der Thematik stellen willst. Das war sicher nicht leicht für Dich und bei weitem nicht jeder schafft es. Ich habe seit ich die Rückschulung mache, schon viele umgeschulte Linkshänder gefunden (z. B. 5 außer mir in meiner Firma (bei 21 Mitarbeitern - nebenbei gesagt, ein interessantes Ergebnis) und nur eine davon hat überhaupt Interesse gezeigt, sich mal mit der Sache rein informativ zu befassen. Also: sei tapfer, es bringt Dich bestimmt nach vorn bei Deiner persönlichen Entwicklung, egal, wie Du Dich in Sachen Umschulung entscheidest.


Viele liebe Grüße

Andrea

Jeannine
22.08.2003, 13:41
Hallo Holger,



>>..im prinzip bin ich schon längst so eine art "rückbesinner"

oder vielmehr einer, der die restposten des "linken" nie

verloren hatte.

-ich male schon eh und je links

-auch essen und zähne putzen alles links

nur halt z.b. eingübte ballspiele und dieses verdammte schreiben

mit rechts..>>


Die Ballspiele habe ich als erstes bei mir zurückgeschult...noch Jahre vor meinen Schreibhandwechsel. Tischtennis und Federball habe ich mit der rechten Hand gelernt und entsprechende Misserfolge erlebt (meistens nach den Ball gebückt, als getroffen {-: ). Beim Volleyball habe ich immer die Hand beim Aufschlag hin und her gewechselt...Sozusagen habe ich mich in meiner Kind- und Jugendzeit vor allerlei Ballspielen gedrückt -> sogar gehasst!!! Die Rückschulung ging dann relativ schnell, ich hatte schnell Erfolge erzielt. Vorher bin ich garnicht auf diese Idee der "Rückschulung" gekommen, weil alles verdrängt war!


>>..wenn da wirklich soviel dran ist, was hier behauptet wird,

warum hat mich dann bei all meinen Besuchen in der Psychiatrie

niemand daraufhin untersucht oder angesprochen??..>>


Wie schon von Jana, Birgit...berichtet, werden wohl die wenigsten Psychologen damit konfrontiert. An unserer FH habe ich auch kein einziges Buch über LH entdeckt, nur in Berlin! Es gibt eine Psychatrie in Wien, wo dieses Thema erforscht wurde. Dort sind auch 2 interessante Bücher erschienen von: Andreas Rett, Thadeus Kohlmann, Günther Strauch " Linkshänder, Analyse einer Minderheit", Jugend und Volk, Wien - München 1973 und: Olsson Bo und Andreas Rett "Linkshändigkeit, 1.Aufl. -Bern; Stuttgart; Toronto:Huber, 1989 ISBN 3-456-81727-4




>>..selbst wenn ich eine eigene diagnose parat hatte, waren

es meist immer andere ursachen oder man sagte mir es sei schlicht

eine begabung und man könne sich eher darüber freuen!

also haben die jetzt alle keine ahnung oder was ist da los?

ich versteh das nicht?..>>


Solche "Redewendungen" verstehe ich auch nicht! Soetwas habe ich auch zur genüge hören müssen. Und ich muss sagen, das solche "Vorurteile" sogar meine Situation verschlimmert haben. Von wegen Begabung und sich darüber freuen!? Die Händigkeit ist angeboren ( außer Krankheit, Umschulung) -> klingt ja fast so, als ob Rechtshänder dann unbegabt wären (-; und wieso sollst Du dich darüber freuen, schließlich wurde Deine Händigkeit umgeschult und sowas hinterlässt auch Spuren! Eine falsche Therapie kann einen Menschen sogar seelisch total zerstören...


>>..also mich hat noch nie jemand versucht wegen der händigkeit zu

therapieren!!

kann mir jemand helfen und kennt ihr vielleicht berater im raum

düren? (liegt zwischen köln und aachen) ..>>


Auf der Linkshänderseite stehen einige Adressen von LH-Berater in NRW.

Ich wünsche Dir auf deinen Weg viel Erfolg (-:


Gruß von Jeannine