Vollständige Version anzeigen : Einschulung
Unsere Tochter (linkshänderin)kommt jetzt in die Schule, was müssen wir beachten.
Hallo!
Unser Sohn kommt auch in diesem Sommer zur Schule.
Neben allen "praktischen" Überlegungen ist für uns ganz wichtig, daß unserem Sohn die Sachen mit der Händigkeit >bewußt< ist.
Er sieht kein Problem darin, sondern er ist sogar ein bischen Stolz darauf.
Aber wir haben ihm eklärt, daß es Menschen (auch Lehrer!!!) gibt, die noch nicht so viel über Linkshänder wissen.
Und das manche Leute sogar denken, es wäre besser für LH, wenn sie auch alles mit rechts machen.
Er achtet z.B. schon seit einer Weile von sich aus darauf, daß sein Besteck (für ihn) richtig herum liegt und antwortet auf Nachfragen ganz selbstverständlich: "Ich bin doch Linkshänder!"
Auch bei irgendwelchen Bastelangeboten fragt er nach einer LH-Schere. Ich staune immer wieder, wie oft (meist nach einer Suchaktion...)ja doch eine vorhanden ist.
Nächstes "Übungsfeld" ist wohl die richtige Blattlage...
Er legt es sich inzwischen von alleine ganz richtig hin, aber kriegt oft zu hören: "Leg doch mal dein Papier ordentlich (!) hin, SO kann man doch nicht malen/ schreiben!"
Selbst die Lehrerin bei der Einschulungsuntersuchung hat (wärend er vorgezeichnete Muster nachzeichnen sollte) dauernd sein Blatt gerade gerückt.
Er spielt zu Zeit gerne Schule. Das nutze ich aus, um mit ihm verschiedene Schreib-Vorübungen zu machen, aber auch für kleine Rollenspiele: Ich bin dann z.B. eine neue Lehrerin und sage: "Nanu, du hast aber den Stift in der anderen (Bewußt nicht "falschen") Hand, nimm ihn doch auch so wie ...(Name einer RH-Freundes) !"
Oder: "Dein Heft liegt ja ganz schief, so kannst du doch gar nicht richtig schreiben!"
oder"Warum nimmst du nicht einfach diese Schere, die schneidet doch auch gut!"... und was mir noch so an "Fallen" einfällt.
Alles spielerisch und "nebenbei". Nicht: So nun üben wir mal, was du sagst wenn...
Er darf mich dann "überzeugen", was er inzwischen sehr eindrucksvoll tut.
Natürlich weiß ich daß es fremden Personen gegenüber viel schwerer ist, aber ich hoffe, daß er so genug Selbstbewußtsein bekommt, NEIN zu sagen (wie wir unseren Kindern überhaupt viel Mut zum NEIN, auch gegenüber Erwachsenen machen....).
Umschulung in welcher Form auch immer ist Körperverletzung (auch wenn das jetzt ziemlich hart und militant klingt) und dagegen darf auch ein Kind sich wehren.
Klar liegt die Verantwortung trozdem bei uns Erwachsenen. Aber wenn einem Kind die Sachen nicht bewußt ist, merkt es ja gar nicht, was mit ihm geschieht und kann sich nicht wehren oder Hilfe bei den Eltern suchen.
Zumal viele Kinder besonders zu Beginn der Schulzeit allen Schul-Mitarbeitern mehr Kopetenzen zutrauen als den Eltern. (Meine Nichte sagte mal: "Mama, die Frau ... weiß das aber besser, die ist schließlich Lehrerin!" Ging um was ganz harmloses, aber die Lehrerin hatte eben NICHT Recht.)
So, ich hoffe, ich hab euch jetzt nicht "Erschlagen" mit meinem Text, aber es ist mit eben sehr wichtig.
Alees Gute und einen schönen gelungenen Schulstart, Tine
PS: Es lohnt sich übrigens auch sehr, hier mal im Archiv zu stöbern. Da gibt es auch viele gute Tipps für den Schulbeginn.
Katja Allani
03.03.2003, 15:59
Hallo Daniel,
wenn
- eure Tochter gerne in die Schule möchte
- sie sich wohlfühlt und gerne spielt
- sie sicher im linkshändergerechten Gebrauch des Stiftes ist
- die Gefahr der Umschulung der Hand nicht gegeben ist
- die Lehrerin / der Lehrer über die LH eurer Tochter informiert wird oder ist
kann eigentlich nicht viel schiefgehen.
Zwei Dinge fallen mir für die ersten Schulmonate spontan ein:
Wenn Symbole, Buchstaben oder Zahlen in Übungsbüchern, Arbeitsheften oder Arbeitsblättern geübt werden, darauf achten, dass das jeweilige Beispiel,was abgeschrieben werden soll, auch auf der rechten Seite der Zeile steht (da die linke Hand oft das auf der linken Seite stehende verdeckt).
Linkshändige Kinder lernen vor allem durch Anfassen, Anschauen und Bewegen weniger durch Hören. Deshalb helfen bei eventuellen Schwierigkeiten solche Dinge wie Buchstaben nachkneten, mit Seilen nachlegen oder nachlaufen, in die Luft schreiben usw. (aber erst später in der Schule).
Viele Grüße
Katja
Unsere Tochter (linkshänderin)kommt jetzt in die Schule, was müssen wir beachten.
Okay, bin gerade durch Zufall auf dieses Forum gestoßen und will mir nun nicht alles durchlesen, denke ich schreibe einfach mal meine Erfahrungen zum Thema Schule, auch wenn die ins gesamt recht frustrierend waren und auch wenn ich dadurch vielleicht Sachen schreibe, die hier schon ausgiebig durchgekaut wurden.
Denke das größte Problem war tatsächlich das Schreiben. Ich mußte mir eine Stifthaltung angewöhnen, in der es mir überhaupt möglich war, längere Zeit zu schreiben, nur war diese aus anderen Gründen nicht gerade vorteilhaft. Habe später gehört daß manche Linkshänder den Stift völlig anders halten (wobei ihr Arm auch völlig anders gehalten wird, was recht seltsam aussieht) und irgendwie so schreiben, daß sie mit dem Handballen das Blatt gar nicht berühren. Das ist mir jedoch nicht möglich, und so ist es häufig vorgekommen daß meine fein säuberlich geschriebenen Sachen mit der eigenen Hand wieder verwischt wurden kaum daß ich sie geschrieben hatte. Da man Inki oder Füller nicht einfach wegradieren kann, mußte ich rumlöschen oder neu schreiben oder etwas verschmiertes, häßliches abgeben, was von der Lehrerin entsprechend gerügt wurde. Habe noch heute solche Probleme, wenn ich mit "feuchteren" Stiften statt mit Kugelschreiber hantiere, obwohl ich mich wirklich bemühe mit der Hand nicht das frisch geschriebene zu berühren.
Was mir häufig empfohlen wurde war das Heft schief zu legen, doch habe ich nie herausbekommen was daran nun vorteilhaft sein soll, denn meine Schrift wurde dadurch nicht weniger schief sondern paßte sich der Schieflage des Heftes entsprechend an. Im Grunde ist mir nichtmal klar was schlimm daran sein soll, wenn die Schrift schräg ist, zumal sie das bei Rechtshändern ja auch ist, nur eben in die andere Richtung.
Ein anderes Problem war in der Tat das sitzen. In meiner Klasse gab es maximal ein/zwei andere Linkshänder, wenn ich mich recht entsinne, weshalb ich nicht einfach neben einen Linkshänder gesetzt werden konnte, und so kam ich mit meinem Banknachbar wirklich oft ins Gehege beim hantieren, daß die Ellenbogen zusammenstießen zum Beispiel beim Schreiben. Manchmal wurde sich dann noch umgesetzt, so daß ich links außen saß und keinen neben mir hatte beispielsweise, aber im Grunde war eine Extrawurst bzw. ein Extraaufstand wegen mir etwas, was mir im Allgemeinen doch immer eher negativ angelastet wurde, wenn ichs recht erinnere. Manchmal gab es auch einfach Vorwürfe von neben mir Sitzenden z.B. darüber daß ich meine Schultasche nun unbedingt auf jener und nicht der gegenüberliegenden Seite stehen haben wollte, etc.
Scheren mußte man eben eigene haben und gut darauf aufpassen. Es war schon fast nervig immer wieder Leuten erklären zu müssen, daß man seine Schere ihm nicht leihen wolle, weil es eine Linkshänderschere sei und er somit nicht gut damit schneiden könne, allerdings gibt es einen Trick, den ich als Linkshänder kenne und den auch manche Rechtshänder beherrschen, auch wenn es nicht mit allen Scheren gut funktioniert. Der Trick besteht einfach darin die Scherenblätter zusammenzudrücken, wärend man schneidet, wenn man mit einer Schere schneiden will, die nicht für die eigene Hand gedacht ist.
Computerzugang hatte ich in meiner Schulzeit noch nicht, aber später sollten sich auch hier Probleme zeigen. Ich lernte notgedrungenerweise sowohl mit für Rechtshänder als auch mit für Linkshänder eingestellten Mäusen umzugehen, wogegen jegliche anderen Leute immer ganz hilflos reagieren, wenn ich ihnen mal meine auf Linkshänder eingestellte Maus zumute. Normalerweise stelle ich eine Maus für meine Hand um, wenn ich sie benutzen will, weiß ja, wie es geht. Wenn das mal nicht drin ist, benutze ich sie auch mit Rechtshändereinstellungen, wobei dann allerdings mein linker Zeigefinger auf der linken Maustaste liegt, so daß der Rest von der Hand neben der Maus liegt. Da ich in meiner ersten Computerzeit nur auf diese Weise die Maus bedient habe, habe ich erst viel später (bzw. spätestens als ich meinen eigenen Computer bekam) kapiert daß die Hand eigentlich vollständig _auf_ die Maus gehört, was ich allerdings nach wie vor nur bei Linkshändereinstellungen praktiziere.
Ich habe mich längst daran gewöhnt, daß in solch einem Fall die linke Maustaste gemeint ist wann immer man auf dem Monitor etwas von der rechten Maustaste liest (rechter Mausklick, etc.), das einzig wirkliche Problem stellt daher die Lage der Maus dar.
Wenn ich einen Computer benutze, muß ich die Maus auf der linken Seite liegen haben, sonst funktioniert es nicht bzw. sonst finde ich es ne Zumutung. Oftmals ist allerdings auf der linken Seite nichtmal genug Platz um das Mousepad hinzuquetschen, weil das eigentlich nicht vorgesehen ist. In manchen Schulungsräumen sind zudem die Kabel von den Mäusen so festgezurzelt, daß es erstmal einem gewissen Aufstand bedarf, damit der Spielraum der Mouse groß genug ist um sie überhaupt auf die linke Seite rüberzurzeln zu können. Ein Spiel, das in der Regel jedesmal von vorne beginnt wenn man wieder in den Raum kommt, zumal manche Räume von verschiedenen Gruppen benutzt werden und auch Stammplatzreservierungen nicht immer möglich sind, und wenn der eine Platz nun auch noch so viel linkshändegerechter als die anderen sein mag.
Und dann gibt es sogar noch Räume, wo nichtmal richtige Mäuse vorhanden sind sondern irgendwelche Dinger, die so ähnlich funktionieren aber fest angebaut sind - natürlich auf der rechten Seite - und sich gar nicht dort weg bewegen lassen.
Okay, das waren erstmal meine 10 Cent zum Thema linkshänderfeindliche Welt. Mir würde sicher noch mehr einfallen, aber speziell zum Thema Schule und Probleme, die sie mit sich bringt, war das erstmal alles. Grundsätzlich kann ich nur sagen daß die meisten Leute sich gestört fühlen durch die "Eigenheiten" der Linkshänder, daß sie es selbstverständlich finden daß wir uns ihnen anpassen müssen, und wenn wir dabei mal Probleme haben und etwas entgegenkommen bräuchten, ist das unser Problem und die Umwelt reagiert oft ziemlich genervt, wenn man Wünsche vorbringt oder wenn man seine Linkshändigkeit für irgendwas als "Ausrede" benutzt.
Lex
Hallo allerseits!
ich hab das Forum hier durch Zufall entdeckt.
Und da wollte ich auch gleich für meinen Sohn zum Thema 'Einschulung' schreiben, als ich diese Diskussion hier fand.
WOW das war echt informativ! Vielen Dank! Da kann ich mir meine Frage gleich sparen.
Übrigens ist mein Sohn ein Zwilling. Er hat noch eine rechtshändige Schwester. Die beiden sind soooo unterschiedlich....unterschiedlich ginge es wohl nimmer...
Werde hier auch ab und an mal wieder reinschauen und mir Tips holen.
Viele liebe Grüße
Silke
Sind deine beiden Kinder eineiige oder zweieiige Zwillinge.
Hallo,
diese frage hat sich eigentlich schon beantwortet, denn:
Und da wollte ich auch gleich für meinen <b>Sohn</b> zum Thema 'Einschulung' schreiben, als ich diese Diskussion hier fand.
und:
Übrigens ist mein Sohn ein Zwilling. Er hat noch eine rechtshändige <b>Schwester
Eineiige Zwillinge haben immer das gleiche Geschlecht.
Olli
Dr. Noll
06.03.2003, 18:08
Na also ! Gentisch hat ein Mädchen XX als Geschlechstchromosomen, ein Junge XY und damit ist Eineiigkeit ausgeschlossen.
Aber noch eines: eineiige Zwillinge sind nicht immer LH/RH, allerdings ist die Kombination einer alleinigen Händigkeit eine Rarität, die es aber gibt.
Daher auch Vorsicht bei solchen Interpretationen !
Dr. Noll
ob die Kinder ein oder zweieiig sind hat mir den Geschlechtern relativ wenig zu tun. Auch gleichgeschlechtliche können 2 eiig sein....
LG Silke
Na also ! Gentisch hat ein Mädchen XX als Geschlechstchromosomen, ein Junge XY und damit ist Eineiigkeit ausgeschlossen.
Aber noch eines: eineiige Zwillinge sind nicht immer LH/RH, allerdings ist die Kombination einer alleinigen Händigkeit eine Rarität, die es aber gibt.
Daher auch Vorsicht bei solchen Interpretationen !
Dr. Noll
Dr. Noll
12.03.2003, 15:12
ob die Kinder ein oder zweieiig sind hat mir den Geschlechtern relativ wenig zu tun. Auch gleichgeschlechtliche können 2 eiig sein....
LG Silke
Aber nicht umgedreht. Gegengeschlechtliche können nicht eineiig sein.
Dr. Noll
Deshalb das kleine Wörtchen 'relativ'
Liebe Grüße! Silke
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