Vollständige Version anzeigen : Praktische Fragen zur Schreibhaltungskorrektur
Hallo Leute,
erst mal vielen Dank für die vielen Tips und Ermutigungen.
Ich frage mich aber jetzt, wie man sowas in seinen Arbeitsalltag einbaut. Da kann man vielleicht Eure Erfahrungen aus der Rückschulung nutzen:
Die derzeitige Schrift in der korrekten Haltung ist grauenhaft. Das kann ich in der Arbeit eigentlich keinem zumuten. Andererseits sollte man aber wohl in etwas, das man sich abgewönhen will auch nicht immer wieder zurückfallen.
Wie habt Ihr das gemacht, was empfiehlt sich: wichtiges in der Hakenhaltung und dafür lesbar schreiben oder Schnitt, nur noch die korrekte Haltung und allen erklären, warum man im Moment so eine furchtbare Schrift hat?
Mir ist inzwischen aufgefallen, daß ich die Hakenhaltung nicht nur beim Schreiben verwende, sondern bei total vielen Arbeiten. (Wenigstens weiß ich jetzt, warum mir das Handgelenk oft auch dann weh tut, wenn ich gar nicht viel geschrieben habe.) Und seit ich versuche, sie mir abzugewöhnen, zieht es ganz schön im Arm. Ich habe den Verdacht, mein ganzer Arm hat sich an diese unkorrekte Arbeitshaltung angepaßt. Kennt vielleicht jemand ratsame Lockerungsübungen?
Noch eine andere, LH-praktische Frage: Wie zieht eigentlich ein Linkshänder korrekt eine Linie mit einem Lineal? Mir ist das Lineal irgendwie im Weg und der Strich landet nie wirklich da, wo ich ihn hinhaben wollte.
Danke und liebe Grüße
Cora
Hallo Cora,
> Da kann man vielleicht Eure Erfahrungen aus der Rückschulung nutzen:
>Die derzeitige Schrift in der korrekten Haltung ist grauenhaft. Das kann ich in der Arbeit eigentlich keinem zumuten. Andererseits sollte man aber wohl in etwas, das man sich abgewönhen will auch nicht immer wieder zurückfallen.
Kannst gerne meine Erfahrung von meiner Rückschulung nutzen.
Es ist schon so, daß am Anfang die Schrift nicht so toll ist. Das war mir aber egal. Weil es ist die Frage, was wichtiger ist: ob ich mir selbst etwas körperlich und auch geistig Ungesundes und Anstrengendes zumute, um auf andere Rücksicht zu nehmen. Oder ob ich verlange, daß die, die sich meinetwegen keinesfalls eine sinnlose zusätzliche Belastung aufbürden würden ( und es auch nie getan haben ) nach vielen Jahren zur Abwechslung mal zumute, vorübergehend auf mich Rücksicht zu nehmen. Das ist auch eine Form der Gleichberechtigung.
Also: Nur Mut und mit Selbstbewußtsein hinein ins Vergnügen. Nie vergessen: Es hat dir bisher kein Mensch dafür gedankt, daß Du dich selbst geschunden hast.
Birgit
Noch eine andere, LH-praktische Frage: Wie zieht eigentlich ein Linkshänder korrekt eine Linie mit einem Lineal?
Hmmmm. Ich würde sagen, so wie's für Dich selbst am bequemsten ist. (-;
Hallo Cora,
<i>Andererseits sollte man aber wohl in etwas, das man sich abgewönhen will auch nicht immer wieder zurückfallen.</i>
Ja, auf keinem Fall zurückfallen, auch wenn die Schrift die ersten Tage scheußlich aussieht, das gibt sich aber schneller als Du denkst. Vielleicht kanst Du ja auch im Urlaub anfangen, so dass Du schon Übung hast.
<i> Kennt vielleicht jemand ratsame Lockerungsübungen?</i>
Auf jedem Fall solltest du die Hand zwischendurch immer wieder ausschütteln und vielleicht auch etwas massieren und am Abend vielleicht mal warme Enspannungsbäder machen. Zur Kräftigung der Muskulatur ist es vielleicht ganz gut wenn Du ein wenig mit der linken Hand knetest (Knete).
<i> Wie zieht eigentlich ein Linkshänder korrekt eine Linie mit einem Lineal? </i> Ein LH zieht normalerweise (Du wirst es nicht glauben) den Strich von rechts nach links. Deshalb beginnt die Scaleneinteilung von LH-Linialen auch von rechts mit der Null. Wenn Du nämlich wie ein RH den Strich ziehst (also von links beginnend), so mußt Du schieben und das gibt immer (mehr oder weniger) ein Unglück.
Olli
Hallo Birgit,
Nur mal so meine Gedanken zu Deinen Äußerungen:
irgendwie klingt aus Deinen Kommentaren sehr viel Frust (ja vielleicht Zorn auf die Rechtshänderwelt) raus.
Gut, ich wurde nicht umgeschult und hatte von da her sicher viel weniger Probleme als Du.
Aber kann man den Leuten ihr damaliges Unwissen wirklich zum Vorwurf machen? Meine Eltern und Lehrer wußten eben nicht, daß es Probleme macht, wenn man die Hand so abknickt und sie wußten auch nicht, wo ich mich sozial anpasse und daß das ungesund ist.
Und letzteres wußte ich ja bis vor kurzem auch nicht. Das Hauptproblem ist wohl schlicht und einfach das mangelnde Problembewußtsein, sowohl bei der breiten Öffentlichkeit als auch bei den Linkshändern selbst. Gut, ein Linkshändertag mit seinen Zeitungsartikeln lenkt vielleicht noch die Aufmerksamkeit einiger Betroffener (wie mir) darauf. Aber es wird viel zu wenig über das Problem diskutiert. Das sieht man ja auch an den wenigen Büchern, die zu diesem Thema veröffentlicht wurden - zumindest was so bei Amazon zu finden ist (und dann beziehen sich noch 90% nur auf den Teilbereich Umschulung-Rückschulung und vielleicht noch etwas für Eltern linkshändiger Kinder - Linkshänder allgemein is nich).
Ich bin ja aus Unwissen oder nicht dran denken auch selbst rücksichtslos gegenüber den Rechtshändern. Z.B. habe ich oft kein Verständnis dafür, wenn ein Rechtshänder meiner Linkshänderlogik nicht folgen kann und unterstelle dem, daß er meinen Gedankengängen einfach nicht folgen will.
Was ich sagen will: wer nichts weiß kann weder Rücksicht nehmen noch Rücksicht einfordern. Deswegen komme ich jetzt auch mit vielen Fragen und suche immer noch nach einem allgemeinen Buch zum Thema. Und rede auch mit anderen drüber.
Das Thema ließe sich sicher noch ausführlicher diskutieren und wahrscheinlich habe ich jetzt auch noch die Hälfte von dem rausgelassen, was ich sagen wollte - liebe Grüße
Cora
Hallo Cora,
meiner Meinung nach spricht aus Birgits Äußerungen mehr der Frust über allgemeine Rücksichtslosigkeit und nicht nur über die der RH. Aber, im Grunde stimmt es schon, was Du so schreibst (muß ich Dir voll zustimmen).
Was Bücher betrifft, so denke ich, dass es im allgemeinen recht wenige Bücher gibt, die sich mit der LH beschäftigen und dass es eigentlich nur <b> ein </b> Buch gibt, das sich im Ganzen mit der Problematik Umschulung befasst und der Rest behandelt das mehr am Rande.
Aber, ein gutes Buch für Dich wäre vielleicht: "Die Phsyche des linkshändigen Kindes" von Barbara Sattler (auch wenn Du sicherlich kein Kind mehr bist), so befasst es sich doch ausführlich mit den Unterschieden der Denkweise, Verhaltensweisen, Charaktereigenarten zwischen Rh und LH.
Olli
Hallo Cora,
sorry, daß ich hier entgleist bin.
Zu meinem durchgeklungenen Frust: Ich arbeite im Sozialwesen und sehe oft kein Land mehr. Eben wegen der Unwissenheit, die Du zu recht ansprichst. Und den oft schlimmen Folgen.
Aber gut, dass Du's mir so direkt sagst. Tut mir leid, wenn ich dir zu nahe getreten bin. Denn der Frust ist der meine und gehört hier nicht hin. Werde künftig wieder besser drauf achten.
> Gut, ich wurde nicht umgeschult und hatte von da her sicher viel weniger Probleme als Du.<
Die Menge oder Schwere von Problemen ist letztendlich nicht so wichtig. Wichtig ist, dass man sich auf den Weg macht. Bitte kein Aufwiegen, wer der/die Ärmere ist. Das bringt keinen Vorteil.
Ich finde es schön, wenn du als Linkshänderin, die linkshändig schreiben lernen konnte, hier im Forum Deine Sicht der Dinge schreibst. Du kannst für umgeschulte oder zurückgeschulte Linkshänder vielleicht verloren gegangene "ursprünglichere" Sichtweisen wieder aufzeigen. Das wäre gut.
Nein, man kann Unwissenheit niemandem zum Vorwurf machen, wenn das gesamte Umfeld unwissend ist. Wer weiß, wie viele Fehler ich schon mit Linkshändern/ innen in der Arbeit gemacht habe, ohne sie zu erkennen. Und das, obwohl ich immer wusste, ich bin eine LH. So ehrlich muß ich sein.
Ja, die Probleme im Gespräch mit RH sind oft groß. Auch das stimmt. Wie gehst Du damit um?
> Das Thema ließe sich sicher noch ausführlicher diskutieren und wahrscheinlich habe ich jetzt auch noch die Hälfte von dem rausgelassen, was ich sagen wollte - liebe Grüße
Cora <
Wäre schön, wenn wir's weiter diskutieren würden. Weil lernen kann man allemal viel daraus.
Auch liebe Grüße
Birgit
Hallo Birgit,
>Aber gut, dass Du's mir so direkt sagst. Tut mir leid, wenn ich dir zu nahe getreten bin. Denn der Frust ist der meine und gehört hier nicht hin. Werde künftig wieder besser drauf achten.
So hart wollte ich eigentlich gar nicht sein. Manchmal muß der Frust halt auch mal raus, auch wenn man vielleicht weiß, daß man eigentlich ungerecht ist.
>Ich finde es schön, wenn du als Linkshänderin, die linkshändig schreiben lernen konnte, hier im Forum Deine Sicht der Dinge schreibst. Du kannst für umgeschulte oder zurückgeschulte Linkshänder vielleicht verloren gegangene "ursprünglichere" Sichtweisen wieder aufzeigen. Das wäre gut.
Ursprünglich? Naja, ich habe mich ja auch in vielen Bereichen angepasst. Ich gehöre zur "Machen-lassen" Generation. Man hat mich nicht darauf aufmerksam gemacht, daß ich auf irgendwas achten muß und ich habe die RH schon in vielen Fällen immitiert. Mir ist gestern erst aufgefallen, daß ich meine Schreibunterlage in einer totalen RH-Position liegen hatte, obwohl man sie einfach umdrehen kann. Und die Computermaus ist auch erst kürzlich nach links umgezogen.
>Ja, die Probleme im Gespräch mit RH sind oft groß. Auch das stimmt. Wie gehst Du damit um?
Nicht besonders gut. Wen ich dran denke, Abstand gewinnen, den anderen mal fragen, was eigentlich rübergekommen ist und versuche sich anders zu äußern bzw. beim anderen nachfragen, was der eigentlich meinte.
Aber die Zusammenarbeit mit RH kann auch absolut klasse sein. Wenn man im Team arbeitet, kommt viel mehr raus, als jeder einzelne produziert hätte. Das kann sehr viel Spaß machen. LH und RH können sich ja auch noch so schön zusammenneigen und - da war meine Hakenhaltung von Vorteil - sogar auf einem Blatt zusammen schreiben.
>Wäre schön, wenn wir's weiter diskutieren würden. Weil lernen kann man allemal viel daraus.
Es ist schön, sich da endlich austauschen zu können. Einmal habe ich mich bisher nicht wesentlich mit meinem LH-Sein beschäftigt und zum anderen kannte ich auch bisher gar keine anderen LHs.
Ich erlebe die Umstellung aus der Hakenhaltung und das Bewußtwerden des LH-Seins auch als eine interessante Selbsterfahrung.
Diese klitzekleine Schreibpositionsänderung führt dazu, daß ich nicht mehr weiß, wie ich die Buchstaben aufbauen soll (wohl die Hauptursache für die schlechte Schrift). Das fiel mir aber erst auf, als ich versuchte, das "O" von unten zu schreiben. Ich glaube, ich könnte derzeit am besten kopfüber schreiben. Jetzt ist eher Buchstaben malen angesagt. Außerdem fällt mir auf, in wie vielen anderen Bereichen ich die Hand total seltsam halte - da brauche ich mich wirklich nicht wundern, daß das Handgelenk wehtut und knirscht und knackt. Die Umstellung wird sicher noch ein langwieriger Prozeß. Und ich werde wohl noch viele andere Bereiche finden, wo ich mich angepaßt habe.
Ich habe mir heute Mittag das Buch "Das linkshändige Kind" gekauft. Interessant, wie man sich da schon beim Durchblättern selbst entdeckt. - Ach ja, das Buch stand zwischen "Autismus" und "Sprachstörungen" - schön, in welcher Ecke man sich findet.
Also, bis bald,
Cora
Hallo Cora,
wird Zeit, dass ich auch dir antworte. Habe mich in den letzten Tagen verstärkt den "weiblichen Kulturtechniken" gewidmet und ziemlich viel Obst verarbeitet. Der Winter kann meinetwegen kommen.
Zu deiner Antwort an mich:
> So hart wollte ich eigentlich gar nicht sein. Manchmal muß der Frust halt auch mal raus, auch wenn man vielleicht weiß, daß man eigentlich ungerecht ist. <
Mittlerweile hatte ich ja Zeit zum Nachsinnen. Ich denke, mein Frust an sich war nicht ungerecht. Was ich in der Arbeit erlebe, wenn es um umgeschulte Linkshänder geht, das ist frustrierend. Aber das ist vielleicht schwer vorstellbar, wenn man nicht in dem Bereich arbeitet. Daß ich meinen Frust ungerechterweise Dr. Kraft vor die Füße gekippt habe, das ist etwas anderes. Mich wundert, dass von ihm keine Gegenreaktion kam. Vielleicht, weil er lediglich Leute für seine Testgruppe will. Er wird es selbst wissen.
>>Ja, die Probleme im Gespräch mit RH sind oft groß. Auch das stimmt. Wie gehst Du damit um? << >Nicht besonders gut. Wenn ich dran denke, Abstand gewinnen, den anderen mal fragen, was eigentlich rübergekommen ist und versuche sich anders zu äußern bzw. beim anderen nachfragen, was der eigentlich meinte.<
Eingedenk dieser Info habe ich mich bemüht, im Gespräch mal darauf zu achten. Ehrlich gesagt, es war ein durchaus interessantes Gespräch, das mit der Rechtshänderin zustande kam. Gleichzeitig sah ich auch, es war für sie sehr angenehm. Was zu einer angenehmen Atmosphäre beitrug. Für mich war es kolossal anstrengend. Ich empfand es als ein Gespräch in Scheibchen-Einheiten. Ein Vorteil ist sicher, dass man, wenn man dann noch einer Meinung bleibt, garantiert vom Gleichen spricht.
>Aber die Zusammenarbeit mit RH kann auch absolut klasse sein. Wenn man im Team arbeitet, kommt viel mehr raus, als jeder einzelne produziert hätte. Das kann sehr viel Spaß machen. <
Da geht's mir anders. Ich arbeite am liebsten mit noch einem/r Linkshänder/in zusammen. Das ist in meinen Augen das effektivste. Klar, je mehr Leute an einem Strang ziehen, um so mehr kann man schaffen. Aber könnten LH das nicht auch in Gruppen? Wegen jahrzehntelanger, landesweiter Umschulung unserer Gattung kamen wir ja leider gar nicht mehr so recht dazu? Aber bei euch jüngeren, wie ist das da?
> LH und RH können sich ja auch noch so schön zusammenneigen und - da war meine Hakenhaltung von Vorteil - sogar auf einem Blatt zusammen schreiben.<
Das kann ich mir nicht so ganz vorstellen. Müßte eigentlich mit der Schreibhaltung die du jetzt übst, auch gut gehen.
> Es ist schön, sich da endlich austauschen zu können. Einmal habe ich mich bisher nicht wesentlich mit meinem LH-Sein beschäftigt und zum anderen kannte ich auch bisher gar keine anderen LHs.<
Ja, das hat mich wieder erstaunt. Ist denn in deiner Arbeit weit und breit kein LH? Hast du schon mal rumgefragt?
> Ich erlebe die Umstellung aus der Hakenhaltung und das Bewußtwerden des LH-Seins auch als eine interessante Selbsterfahrung. .... da brauche ich mich wirklich nicht wundern, daß das Handgelenk wehtut und knirscht und knackt.<
Da wollte ich noch mal kurz was besser erklären. Als ich schrieb, dir sagt keiner Danke, wenn du dir selbst das Leben schwer machst oder dir schadest, da meinte ich genau das, was dir jetzt so bewusst wurde: dass dein Handgelenk darunter gelitten hat. Bei den Umgeschulten hat noch einiges mehr gelitten. Nur ändert das nichts am Grundprinzip, das ich meinte. Du hast bisher beim Schreiben dein Handgelenk und damit auch Arm, Schulter, Nacken und Rückgrat in ziemlich angestrengter Haltung gehabt. Rechtshänder in deiner Umgebung brauchen sich nicht so anzustrengen. Die umgeschulten Linkshänder, die sicher um dich herum vorhanden sind, wissen noch nicht von dem Thema und fallen eventuell nur durch eine ziemlich schlechte Schrift auf. Egal, was die Anderen nun tun. Ich finde, für dich hat deine entspannte und gesunde Körperhaltung mehr Gewicht, als dass die Kollegen vorübergehend an deiner Schrift ein wenig rätseln müssen. Verstehst du jetzt, wie ich es meinte?
> Die Umstellung wird sicher noch ein langwieriger Prozeß. Und ich werde wohl noch viele andere Bereiche finden, wo ich mich angepaßt habe.<
Ja, das ist spannend, wenn man sein Leben mal genauer ansieht und schaut, was einem eigentlich wirklich entspricht. Ich wünsche dir viel Freude dran.
> ... "Das linkshändige Kind" ... stand zwischen "Autismus" und "Sprachstörungen" - schön, in welcher Ecke man sich findet.
Hmmm, da kann man ins Nachdenken kommen. Wenn ich mit jemandem zu tun bekomme, der/die die Diagnose Autismus hat, ich frage jetzt immer nach der Händigkeit und ob umgeschult. Das ist auch spannend, was da als Antwort kommt. Eigentlich frage ich jetzt immer, egal, mit wem ich zu tun habe. Und finde viele, viele, viel zu viele umgeschulte LH. Ach ja.
Dir noch einen schönen Sonntag.
Gruß
Brigit
Hallo Birgit,
>Mittlerweile hatte ich ja Zeit zum Nachsinnen. Ich denke, mein Frust an sich war nicht ungerecht. Was ich in der Arbeit erlebe, wenn es um umgeschulte Linkshänder geht, das ist frustrierend. Aber das ist vielleicht schwer vorstellbar, wenn man nicht in dem Bereich arbeitet.
Ich glaube, durch Deine berufliche Tätigkeit siehst Du die Sache vielleicht durch die "Problem-Konzentratorbrille". Wenn jemand Hilfe braucht und sucht, dann hat er im allgemeinen größere Probleme. Und wer größere Probleme hat, hat wohl auch mit einer ganz besonders intolleranten und rücksichtslosen Umgebung zu kämpfen. Aber das muß nicht zwingend heißen, daß das repräsentativ für die Mehrheit der LH ist. Ich glaube nach wie vor, daß die meisten Fehler im Umgang mit LH durch "unschuldiges Unwissen" gemacht werden. Wenn es sich nicht gerade um die Schule handelt, wird man mit der Thematik ja auch kaum konfrontiert.
>Daß ich meinen Frust ungerechterweise Dr. Kraft vor die Füße gekippt habe, das ist etwas anderes. Mich wundert, dass von ihm keine Gegenreaktion kam. Vielleicht, weil er lediglich Leute für seine Testgruppe will. Er wird es selbst wissen.
Ich fand Deine Fragen an Dr. Kraft durchaus gerechtfertigt und wenn er sie beantwortet hätte, hätte ich vielleicht drüber nachgedacht, an seiner Studie teilzunehmen. Aber so nicht. Aber ich schätze, der wird gar nicht mehr auf die Seite geschaut haben.
>>>Ja, die Probleme im Gespräch mit RH sind oft groß. Auch das stimmt. Wie gehst Du damit um? << Für mich war es kolossal anstrengend. Ich empfand es als ein Gespräch in Scheibchen-Einheiten. Ein Vorteil ist sicher, dass man, wenn man dann noch einer Meinung bleibt, garantiert vom Gleichen spricht.
Das ist eigentlich so eine Technik aus dem Bereich Kommunikation Mann-Frau. Da staunt man auch oft, was eigentlich rüberkommt. Das hat dann oft gar nichts mit dem zu tun, was man sagen wollte.
>Da geht's mir anders. Ich arbeite am liebsten mit noch einem/r Linkshänder/in zusammen. Das ist in meinen Augen das effektivste.
Der Reiz liegt hier eigentlich in der unterschiedlichen Denke von RH und LH. Da kann man zusammen das Problem wirklich von den verschiedensten Seiten beleuchten.
Klar, je mehr Leute an einem Strang ziehen, um so mehr kann man schaffen. Aber könnten LH das nicht auch in Gruppen? Wegen jahrzehntelanger, landesweiter Umschulung unserer Gattung kamen wir ja leider gar nicht mehr so recht dazu? Aber bei euch jüngeren, wie ist das da?
Zumindest in Bayern (besser gesagt, in meiner Umgebung und meinem Bekanntenkreis) gibts immer noch total wenig LH in meinem Alter. Ich glaube, hier wurde damals noch ziemlich radikal umgeschult. Ich hatte das Glück, daß meine Mutter umgeschulte LH war und sich geschworen hat, das ihrem Kind nie anzutun. Und dann kam ich auch noch in USA in die Schule. Die waren da schon weiter. Als ich dann in der 2. Klasse nach Bayern kam, hat man mich gelassen.
>Ja, das hat mich wieder erstaunt. Ist denn in deiner Arbeit weit und breit kein LH? Hast du schon mal rumgefragt?
Doch, unser EDV-Azubi scheint auch LH zu sein, hat aber offensichtlich nicht die geringste Lust, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Bin bei ihm abgeprallt. Früher hatte ich schon hin und wieder mal LH Schul- und Studienkammeraden, aber da war uns die Problematik als solche gar nicht bewußt. Noch nicht mal die andere Denkart.
>Da wollte ich noch mal kurz was besser erklären. Als ich schrieb, dir sagt keiner Danke, wenn du dir selbst das Leben schwer machst oder dir schadest, da meinte ich genau das, was dir jetzt so bewusst wurde: dass dein Handgelenk darunter gelitten hat. Bei den Umgeschulten hat noch einiges mehr gelitten. Nur ändert das nichts am Grundprinzip, das ich meinte. Du hast bisher beim Schreiben dein Handgelenk und damit auch Arm, Schulter, Nacken und Rückgrat in ziemlich angestrengter Haltung gehabt. Rechtshänder in deiner Umgebung brauchen sich nicht so anzustrengen. Die umgeschulten Linkshänder, die sicher um dich herum vorhanden sind, wissen noch nicht von dem Thema und fallen eventuell nur durch eine ziemlich schlechte Schrift auf. Egal, was die Anderen nun tun. Ich finde, für dich hat deine entspannte und gesunde Körperhaltung mehr Gewicht, als dass die Kollegen vorübergehend an deiner Schrift ein wenig rätseln müssen. Verstehst du jetzt, wie ich es meinte?
Ja, sicher. Aber diese Handhaltung habe ich ja vermutlich von selbst eingenommen. Ich hatte gar keine aktiven LH als Vorbild. Und natürlich auch niemanden, der mich davor warnen konnte.
Mit der schlechten Schrift lockt man sich auch gelegentlich selbst in die Falle. Manchmal kann ich sie nämlich selbst nicht mehr lesen. Kann mich nicht erinnern, wann mir das zuletzt passiert ist. Von entspannt kann zur Zeit auch noch nicht so recht die Rede sein. Uff, ist das schwer. Hätte ich gar nicht gedacht. Letztens sah ich in der Stadt einen kleinen LH-Jungen beim Füller ausprobieren. Der machte das so lässig und natürlich in der richtigen Haltung *Neid*.
Es wird spannend bleiben. Und dieses Forum ist auf jeden Fall auch ziemlich spannend für mich.
Cora
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