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Vollständige Version anzeigen : Linkshändigkeit und Buddhismus


Ulrich
28.12.2009, 18:15
Hallo!

Ende November war ich zwei Wochen in Thailand unterwegs. Es war meine erste Reise nach Asien und ich hatte den Eindruck, dass es dort viele Linkshänder gibt. Besonders auf den Märkten sind mir ungewohnt viele Menschen aufgefallen, die mit links hantieren. Und was mich erstaunt hat ist, dass es auch viele Menschen gibt, die mit links schreiben. Und zwar in der „richtigen“ Handhaltung. Eine Hakenhaltung ist mir nicht aufgefallen. Woran könnte das liegen? Vielleicht an dem Einfluss der Engländer? Ein Gedanke, der mir gut gefällt ist, dass es am Buddhismus liegen könnte.

Jetzt kenne ich mich mit dem Buddhismus nicht gut aus. Was ich glaube verstanden zu haben ist, dass der Mensch dort nach seinem Wesen sucht, was ja bedeuten würde, dass man bei etwas so offensichtlichem wie der Händigkeit anfängt.

Hat jemand von Euch Wissen oder Erfahrungen über Linkshändigkeit und Buddhismus? Hat vielleicht jemand auf Reisen ähnliche Erfahrungen gemacht? Da ja jetzt in Asien Hochsaison ist, rufe ich die schon oder bald Reisenden unter Euch auf, mal zu beobachten und zu berichten.

Bin gespannt!

Grüße, Ulrich

Ursula
01.01.2010, 16:19
Hallo,
ich interessiere mich für die verschiedenen Religionen, was sie verbindet, was sie unterscheidet.
Deshalb habe mich auch mit dem Buddhismus befasst, weil er sich grundlegend von den monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) unterscheidet.
So benennt die buddhistische Lehre weder einen allmächtigen Gott noch eine ewige Seele.

Allerdings ist mein Wissen nicht so vertieft, dass ich dazu etwas zur Linkshändigkeit ableiten könnte.

Bei erneuter Recherche habe ich gegensätzliche Aussagen für verschiedene Länder gefunden.

Der heute gelebte Buddhismus besitzt zahlreiche Eigenschaften einer Religion, deren Formen sich je nach Tradition stark unterscheiden.
Im Unterschied zur abendländischen Form des Bogenschießens ist die indische Art - vom Yoga stammend - in den Übungsabläufen sehr unterschiedlich,[...]vor allem aber sowohl rechts als auch links schießend und zwar unabhängig davon, ob Rechts- oder Linkshänder. Das Ganze geschmeidig, flexibel, leicht, fließend. Das war für mich eine völlig neue Erfahrung, und der Widerstand, Altes aufzugeben und mich auf Neues einzulassen, war sehr heftig.
Quelle:
Buddhistische Montsblätter Nr. 3/2007, Juli - September, Seite 22-25
Zur Begrüßung in Nepal sagt man "Namaste" und legt dabei die Hände vor der Brust zusammen.
Die linke Hand ist unrein. Deswegen wird prinzipiell mit der rechten Hand gegessen. Für mich als Linkshänder war das ein Problem und ich weiß nicht, wie oft ich dagegen verstossen habe.
Quelle - Nepal Reisen (http://reisen.ciao.de/Nepal_Wissenswertes__Test_2594870)

[...]
Die meisten von uns sind Rechts- oder Linkshänder. Diese physikalische Ausrichtung auf Kontrolle und Kraft kommt gewohnheitsmäßig von einer einseitigen mentalen Neigung.

Es gibt den Glauben, dass Rechtshänder dazu neigen, engstirniger und rationaler zu sein. Über Linkshänder sagt man, sie würden mehr Kreativität und Emotionalität zeigen.
[...]
Wir alle haben unsere spezielle persönliche 'Händigkeit' oder Neigung - mental und physisch. Ein Rechtshänder zu sein impliziert nicht, dass du 'normaler' bist als ein Linkshänder. Gewissermaßen sind beide gleichermaßen unausgewogen.

Wir sollten lernen, mental ausgeglichen zu sein, ohne irgendeine Form von Neigung.

Dein Bemühen nach Balance ist das Praktizieren des Mittleren Weges.
Quelle: Kai Kensho (http://kaikensho.blogspot.com/2008/12/21-dezember-ambidextrie.html)
Als Lektüre kann ich empfehlen Der Buddhismus (http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3170090984/httpmengeccli-21/) - Wesen und Entwicklung
und Klang der Stille (http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3451238411/httpmengeccli-21/)

liebe Grüße, Ursula

Nina
18.02.2010, 23:58
Hallo,

diese These, dass Erleuchtung mit Beidhändigkeit einhergeht und ein Zustand ist, der erstrebenswert ist... Dem kann ich eigentlich nicht zustimmen.

Also, religionsunabhängig meine ich, denn ich habe mich noch nie mit 'Erleuchtung' beschäftigt, kann dazu nichts sagen.

Aber dass Beidhändigkeit als erstrebenswert gilt, das ist meines Erachtens ein Irrtum, der schon lange in den Gedanken der Menschen und Kulturen umherschwebt. Warum das so ist kann ich nicht sagen, vielleicht geprägt von vielen, vielen ULHs.

Ich selber habe Beidhändigkeit erfahren und mich für einen gehalten, bis ich gemerkt habe, dass es leichter ist, nur die dominante Hand zu benutzen. Irgendwo habe ich auch mal gelesen, Menschen, die eindeutig eine Hand bevorzugen, sind geschickter und leistungsfähiger als sogenannte Beidhänder.

Und was die Gehirnhemispheren angeht, so denke ich, es ist normal und natürlich, dass eine ausgeprägter und dominant ist.
Wie eine Freundin beim Autofahren gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern mal so schön im Affekt mitgeteilt hat: Links oder rechts, du musst dich entscheiden, beides geht nicht!

In diesem Sinne, gute Nacht
Nina

Micha.el
05.04.2010, 09:22
Hallo Ulrich,

auch ich weiß vom Buddismus noch viel zu wenig, meine nur soviel verstanden zu haben, daß es im Prinzip, wie Du ja auch sagst, die Suche nach dem eigenen wahren Wesen in einem selbst ist. Dem würde ich hinzufügen, daß man auch sagen kann, daß es Suche nach Gott in einem selbst ist.
Der Buddist zäumt also das Pferd von der anderen Seite auf. Nicht hoch hinaus zu Gott, sondern in sich selbst hinein zu Gott, --könnte besser sein.

Ich glaube, daß es in Asien viele Menschen gibt, die wesentlich harmonischer mit sich selbst und anderen umgehen. Ich selbst beherrsche leider keine asiatischen Sprachen, mußte aber in meinem Berufsleben sehr viel mit Koreanern und Japanern arbeiten. Wie wir alle wissen, sind diese Sprachen Bildersprachen mit sehr vielen Schrift/-Bildzeichen/Kürzeln.

Dies führt nach meinem Dafürhalten dazu, das diese Menschen eine völlig andere Denkweise haben als wir.
Ich werde nie die nicht enden wollenden Kommunikationsprobleme vergessen, die ich mit meiner Arbeit mit Asiaten hatte.
Auffallend war nur immer wie ungeheuer stark das soziale Miteinander auch mir als Europäer gegenüber war. Hilfsbereitschaft und Kollegialität waren immens und habe ich mit deutschen Kollegen nie so erlebt. Gleichzeitig waren auch der Respekt vor Älteren und höher gestellten, z.B. Vorgesetzten sehr groß.

Durch die Bildsprache hat die Händigkeit bei Asiaten eine völlig andere Bedeutung als bei uns, behaupte ich. Das halte ich für sehr wichtig. Denkart und Händigkeit sind sehr stark miteinander verknüpft.

LG Michael