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Vollständige Version anzeigen : 10 Jahre Gitarre mit rechts...


Maxi
14.03.2009, 12:16
Hallo,

ich bin Linkshänder und spiele jetzt seit ca. 10 Jahren mit Rechts Gitarre.
Ich habe mich damals Bewusst dazu entschieden, da der Vorteil dass beinah
jede Gitarre die ich auf der Welt antreffen würde eine Rechtshändergitarre
sein würde und ich so auch auf ihr spielen könne sehr verlockend klang ;-)

Der Nachteil, dass meine rechte Hand schwächer ist war mir damals noch
garnicht bewusst ...

Jetzt habe ich das Buch "der Umgeschulte Linkshänder" gelesen und bin so
auf die Idee und dieses Forum gekommen... Da ich mich Mittlerweile gegen
ein Musikstudium entschieden habe und somit auch keinerlei Leistungsdruck
mehr in diesem Bereich habe würde mich der Versuch mit einer Linkshänder-
gitarre zu Spielen reizen...

Ich hatte schon immer große Schwierigkeiten Passagen oder gar ganze
Stücke auswenig zu lernen und habe somit eine enorme Fähigkeit entwickelt
selbst relativ schwierige Stücke "prima vista" zu spielen, da selbst intensiv
geübte Stücke nach einiger Zeit wie aus meiner Erinnerung gelöscht waren...

Außerdem drehe ich mich ab einem gewissen Schwierigkeitgrad in der Regel
im Kreis und komme auch noch regelmäßigen Üben keinen bedeutenden Schritt
weiter...

Ich bin mir bewusst, dass 10 Jahre Gitarrenstudium nicht so schnell aufzuholen
sind auch nicht mit der starken Hand! Jedoch würde mich alleine die Erfahrung
reizen, Stücke ohne übertriebene Anstrengung auswendig Spielen zu können.

Das erste Fallbeispiel aus dem oben beschrieben Buch, handelt von einem
Chirurg der nach einem Bruch des starken Arms seinen Anderen Ausgebildet
hat um im Beruf nicht erneut ausfallen zu müssen, diese "Beidhändigkeit" hat
ihm jedoch einige Nebenerscheinungen beschert, wie Konzentrationsschwierigkeiten
und vergleichbare "primäre Folgen".

Ich habe bereits meine Computermaus von der rechten in die linke Hand
gewechselt, da ich SEHR viel zeit am PC verbringe und dort auch sehr
feinmotorische Bewegungsabläufe ausführe, da ich "professionell" Spiele.
Anfangs hatte ich zwar Koordinationprobleme zwischen Tastatur und Maus
und habe im Spiel nichteinmal leichte Sprünge und Tricks bewältigen können.
Diese Probleme vergingen jedoch sehr schnell und ich merke eine enorme
Leichtigkeit auch nach längerem Spielen. Anstrengende, spannende Matches
machen mehr Spaß und ich nehme wesentlich besser gehörte Ereignisse wie
Laufgeräusche meiner Mitspieler wahr und kann diese räumlich genauer ein-
ordnen... Desweiteren bin ich mir sicher, dass auch beim Zielen bald ein
höheres Niveau erreichen werde, als es mit der rechten Hand jemals möglich
gewesen wäre!


Meine Frage ist also eigentlich, ob ein Umstieg nach so lange Zeit bei
der Gitarre auch Gefahren birgt, oder ob ein Wechsel der Schlaghand
ohne Leistungsdruck ungefährlich ist und eine entsprechende Verbesserung
bringen kann...

Gruß Maxi

lefthandgear
16.03.2009, 08:21
Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Umstellen auf deine starke Hand als Anschlaghand OHNE Leistungsdruck ernsthafte Probleme mit sich bringt. :)
Ich kenne das Phänomen, dass einige Linkshänder, die mal rechts angefangen haben Gitarre zu spielen, irgendwann an den Punkt gekommen sind, dass sie :cool: keine weitere Entwicklung in Richtung eines besseren Tons / Anschlags mehr erzielen konnten. Daher halte ich die Wahl der 'richtigen' Anschlaghand für extrem wichtig.

Also: ausprobieren.

Gruß Jens

Bernd
16.03.2009, 13:03
Hallo Maxi,

vielen Deiner Fragen werden hier
http://www.linkshaenderforum.org/forum/showthread.php?t=12810
schon ansatzweise beantwortet.

Meine Frage ist also eigentlich, ob ein Umstieg nach so lange Zeit bei
der Gitarre auch Gefahren birgt, oder ob ein Wechsel der Schlaghand
ohne Leistungsdruck ungefährlich ist und eine entsprechende Verbesserung
bringen kann...

Wenn Du Linkshänder bist, und Dich nicht unter Zeitdruck setzt, wirst Du merken wie wohltuend das ist, endlich die richtige Hand zu benutzen.

Probier doch einfach mal aus in einem Fachgeschäft, das Linkshändergitarren führt, wie es sich anfühlt.
Du weisst dann sofort, ob es richtig ist.

Von Bonn nach Essen ist ja auch nicht sooo weit.
www.lefthandgear.de - Gitarren für Linkshänder

nimm doch hier über P/N mal Kontakt auf mit lefthandgear (Jens)

Gruß, Bernd

Tina Lily
17.03.2009, 12:32
Hallo Maxi,

da habe ich Respekt vor Dir, dass Du 10 Jahre lang das Gitarrespielen durchgezogen hast, OBWOHL Du falschherum gespielt hast. Du hast Dich von diesem "handycap" nicht beirren lassen - das belegt doch, dass das Gitarre spielen Dir wirklich am Herzen liegt, oder? Hast Du denn die Idee, Musik zu studieren, verworfen, eben weil Du mit dem Knoten im Gehirn beim Spielen an Deine Grenzen gekommen bist?

Ich bin davon fest überzeugt, dass sich längerfristig das Spiel bei einer Rückschulung verbessert; man moduliert dann mit seiner "guten" linken Hand an den Saiten den Klang (Rhythmus, Lautstärke), während man mit seiner Rechten "nur" die Tonhöhe definierst. Die Linke kommt von Herzen :D.

Ich glaube auch nicht, dass Dir Gefahren bei einer Rückschulung zum Lefty-Gitarristen drohen würden, wenn Du es locker ohne Leistungsdruck angehen lässt.

Aus meiner persönlichen Rückschulungs-Erfahrung (beim Schreiben) heraus könnte ich mir vorstellen, dass Du aus lauter Begeisterung zuviel auf einmal übst. Wenn ich es beim Üben übertreibe, überfällt mich ein paar Tage lang die Müdigkeit. Du scheinst eine sehr gute Körperwahrnehmung zu haben und Dir würden harmlose Nebenwirkungen bestimmt auffallen:rolleyes:. Ich würde Dir nur empfehlen, es konsequent anzugehen und nicht ständig zwischen LH/RH-Gitarren zu wechseln, das macht einen ja sonst gaga :eek:

Außerdem fängst Du nicht bei Null an. In den 10 Jahren hast Du Dein musikalisches Gehör trainiert, Dein Rhythmus-Gefühl entwickelt, kannst Noten lesen und hast gelernt wie Du üben kannst. Das bleibt Dir bei einem Wechsel erhalten:p

Grüße von Tina Lily

PS: Möchte noch eine persönliche Erfahrung hier loswerden, auch wenn sie mit Deiner Frage nix zu tun hat: Ich habe in meiner Jugendzeit 10 Jahre intensiv Klavier gespielt. Auch wenn ich heute nicht mehr aktiv spiele, profitiere ich jetzt bei meiner Rückschulung (beim Schreiben) sehr davon. Damals beim Üben habe ich zum Beispiel monatelang alle Stücke im Staccato gespielt und auf einmal war die Geläufigkeit in den Fingern dar und die Töne purzelten mühelos aus dem Klavier. Oder ich habe wochenlang an einer schwierigen Stelle geübt, getüftelt, ausprobiert, bis es klappte. Manchmal habe ich ein Stück mal ruhen lassen und konnte es später von alleine besser spielen.
Diese Erfahrungen geben mir jetzt beim Schreiben die Zuversicht und das Selbstvertrauen, dass mir das Training was bringen wird und es irgendwann mit der Schreibgeschwindigkeit besser werden wird. Ohne die Klavierspiel-Erfahrung würde ich jetzt vielleicht vor Gram gebeugt über meinem Schreibheft hängen und mir würden beim Anblick meiner krakeligen Erstklässler-Handschrift die Tränen kullern...

Maxi
25.03.2009, 11:39
sooodele :)

ja dann hab ich gestern erst einmal meine jahrelang wohlgeformten
Fingernägel abgesägt^.^ Das hat mich schon ganzschön Überwindung
gekostet..naja jetzt ist es zu spät, hehe...

ich habe noch eine alte Gitarre, die kurzerhand auf links gespannt
wurde und schon hatte ich drei Fragezeiten überm Kopf^.^

Also direkt das richtige sitzen bereitet mir schwierigkeiten, da ich
mittlerweile von der "ur-"klassischen Sitzhaltung zu dieser spanischen
Haltung wie man sie bei Flamencospielern häufig sieht gewechselt
bin und die Sehnen des linken Beins, welches über das rechte
geschlagen wird, einfach nicht so gedehnt sind :]

Jetzt wird es sicherlich noch etwas dauern, bis ich mein erstes Stück
spielen kann^.^, da ich sogut wie garkein Gefühl mit meiner neuen
Greifhand habe... doch ich werde mich noch einmal Melden, sobald
ich die ersten leichten Stücke spielen kann :)

@Tina_lilly
nein, höchstens Unterbewusst. Ich wusste damals noch nicht, dass auch
mein Gehirn von dem Verdreher irritiert sein könnte. Ich hatte schon in der
11. Klasse aufgehört Gitarrenunterricht zu nehmen, da ich mich auf das
ABI konzentrieren wollte und mit der Gitarre wie gesagt keine motivierenden
Fortschritte mehr gemacht habe.
Meine erste Wahl für das Studium war kein reines Musikstudium, sondern eine
Mischung zwischen Tontechnik und Instrument. Tontechnik an einer FH
und Instrument eben an einer Musikhochschule. Jedoch sind von den Gitarristen
nur ca. 3% der Bewerber durchgekommen und nach meiner eigenen
Einschätzung waren das Leute die entweder kaum deutsch Verstehen
(geschweige denn Sprechen) konnten, garnichts mit Tontechnik am Hut
hatten und nur auf die Musikhochschule wollten oder mehr als 5 Jahre über
dem Alter an dem man sein erststudium beginnen Sollte waren.
Jede Kombination der oben genannten Situationen ist natürlich

mögich,
wahrscheinlich und
Tatsache ;-)


Gruß Maxi
und danke für die Antworten und Anregungen :)