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Vollständige Version anzeigen : Rückschulung


Ursa
02.02.2002, 18:11
Wie lange dauert denn so eine Rückschulung?

Wer hat Erfahrung mit Kindern, die während der Schulzeit umgelernt haben?


Gruß

MatthiasW
02.02.2002, 21:13
Hallo Ursa,


es gibt keine Richtwerte, jedes Kind ist anders, jedes Kind empfindet auch anders, es gibt Kinder die lassen sich nicht rückschulen und es gibt Kinder die sind froh wenn die Eltern und Lehrer (Erzieher) sie entlich mit links machenlassen.


Hinzukommt, dass wenn nicht alle Handlungen rückgeschult werden es immer wieder zu Abbrüchen oder Verzögerungen kommt (Schreiben mit linkes aber Musizieren, Tennis usw bleiben rechts).


Ein Beispiel, ich habe meinen Sohn damals 8 Jahre anfang 2. Klasse und mich in Begleitung einer LH-Beraterin (Fr. Braun, Fr. von Rotberg und Fr. Dr. Sattler) zurück geschult. Bei meinem Sohn muss ich jetzt noch bei den Hausaufgaben auf die richtige Blattlage achten, er ist jetzt in der 4. Klasse und hat jetzt beim Halbjahreszeugniss einen Notenschnitt von 1,3 bekommen.


Seine guten Leistungen führen wir auf die konsequente Rückschulung in allen Bereichen, wie

- Musik (spielt seit 2 1/4 Jahren auf einer LH-Geige, LH-Gitarre, LH-Flöte),

- Sport (Abbruch des Judotrainings, da mit Beginn des Trainings seine schulischen Leistungen einbrachen und er wieder anfing zu Haspeln. Jetzt ist er in der Schwimm-AG und wir bemerken keine Auffälligkeiten.)

- Computer (Linkshändertastatur seit Weihnachten, da er Aufgrund der zuvor benutzten RH-Tastatur (Pfeitasten) wieder anfing Unruhig zuwerden und sich wieder der Beginn des Haspeln zeigte. Seit dem er die LH-Tastatur benutzt und die Mouse auf links eingestellt hat wirkt sich auch längeres Computerspielen nicht mehr negativ aus.

- Messer (LH-Taschenmesser und Schneideübungen mit LH-Brotmesser und Gemüseschäler)


Vorbereitet wurde die Rückschulung durch Schwungübungen, Nachspurübungen, einem ausführlichem Gespräch mit der Lehrerin und einem Elternabend zum Thema schreiben mit Links.

Mein Sohn wurde von den Herbstferien bis zu den Weihnachtsferien von den Hausaufgaben befreit (Freiwillig) und konnte den Schreiblehrgang ab den Weihnachtsferien nachholen.


Eine Rückschulung von Kindern, die in der Schule noch keine negativen Erfahrungen gesammelt haben (schlechte Noten, krakelige Schrift usw.) lassen sich in der Regel nur unwillig oder garnicht Rückschulen.


Bei älteren Kindern mit negativ Erfahrungen und Erwachsenen ist es in der Regel leichter. Aber immer in Begleitung und nach Testung durch einen LH-Berater, siehe Adressen im Internet

www.linkshaenderseite.de/ von Fr. Spreda oder

www.lefthander-consulting.org von Fr. Dr. Sattler.

Dort gibt es auch weitere Informationen die das ganze Thema Linkshändigkeit ausführlich beleuchten. Beite Seiten lassen sich herunterladen so das frau/man in Ruhe lesen und stöbern kann, ein Wochenende reicht nicht.


Gruß Matthias

Birgit
16.02.2002, 17:36
Hallo,


ich ( 40 J. ) bin rückgeschulte Linkshänderin. Nachdem ich Bücher von Frau Dr. Sattler gelesen hatte, habe ich den Absprung gewagt. Es hat etwa 6 Wochen gedauert, bis ich relativ flüssig linkshändig schreiben konnte ( 2 Wochen Urlaub am Anfang ). Begleitung hatte ich nur von einem linkshändigen Freund, der ein Jahr zuvor ebenfalls in Eigenregie, zurückgeschult hatte. Jetzt schreibe ich seit fast 3 Jahren nur noch links. Ich habe es keine Sekunde bereut, auch wenn es manchmal nicht einfach war. Im Sommer werde ich als nächsten Schritt einen Mal-Kurs machen.

Es heißt, die ganze Rückschulung dauert für Erwachsene 5 - 7 Jahre. Hierbei ist sowohl die körperliche als auch die seelische Umstellung und Verarbeitung des Erlebten eingeschlossen.

Mit Kindern habe ich leider keine Erfahrung.


Grüße aus Bayern

und ein schönes Wochenende


Birgit

Dr. Noll
17.02.2002, 10:58
Hallo Birgit,

mich würde interessieren, warum Sie die Rückschulung als gelungen empfinden, also was konkret sich bei Ihnen gebessert hat, wie es vorher war und wie es jetzt ist.

Vielleicht haben Sie ja auch Interesse, den Fragebogen von Dr. Sattler auszufüllen; sie sammelt Daten von Rückschulungen und hat den größten Datenpool überhaupt. Das würde der Erforschung der Rückschulung sicher helfen. Kontakt Dr. Sattler unter info@lefthander-consulting.org.


Mfg
Dr. Noll

Sahrah
17.02.2002, 19:40
hallo,

ich weiss nicht, ob das jetzt hier rein passt...

ich habe vor ca 2 wochen begonnen, mich zurückzuschulen.

mein problem dabei war (und ist) meine ambivalenz. meine eltern konnten sich nicht erinnern, ob ich als kleines kind linkshändig war, ich selber habe daran nur schwache erinnerungen, sowie daran, dass ich eben bei spontanen tätigkeiten den satz zu hören bekam "nimm die schöne hand!"

ich denke, alles andere hat sich dann auch durch modellernen ergeben.

naja, wie ich überhaupt darauf kam, linkshänder zu sein:

ich habe gemerkt, dass ich dinge, die ich neu erlerne und die geschick erfordern, automatisch mit links mache, dass ich auch viele unbeeinflussten dinge wie fensteröffnen, aufschliessen, cd-wechseln...usw. mit links erledige.

und ich erinnere mich, dass ich als kind immer mal wieder versucht habe, links zu schreiben, aber ich war einfach nicht schnell genug (vielleicht war es ja auch nur eine spielerei...)

die meisten händigkeitstests erfassen zum grossen teil tätigkeiten, die das kind von der umwelt abschaut und es als erwachsener automatisiert haben.

der "taping-test" ergab bei mir eindeutige linkshändigkeit.

ich habe mehr aus spass versucht, mit links zu schreiben und war erstaunt, wie gut es mir damit geht. inzwischen, nach 2 wochen, kann ich flüssig und fast so schnell wie mit rechts schreiben, wobei allerdings die gleichmässigkeit meiner schrift noch stimmungsanfällig ist.

was ich mit gut gehen meine:

ich hatte zum ersten mal das gefühl, dass ich eine verbindung zwischen meinem kopf und dem, was ich schreibe habe, ebenfalls eine verbindung zu meinem bauch, d.h....naja...zu mir selbst.

ich hatte immer das gefühl, dass eine mauer zwischen mir und meinem ich steht, nach ca einer woche des linksschreibens, war es, als würde diese mauer zerbrechen, ich fühlte mich mir selbst ganz nah.

seitdem ist mein bildliches vorstellungsvermögen extrem gewachsen, ich bin viel kreativer, brauche weniger schlaf und fühle mich irgendwie ganzheitlich.

tätigkeiten, die ich immer ziemlich bewusst gemacht habe-mit der rechten hand-geschehen jetzt aufeinmal ganz automatisch und ich kann mich nebenher auf anderes konzentrieren, schaue dann zu dem was ich mache und sehe den gegenstand in meiner linken hand...

die weniger gute seite des ganzen sind die erinnerungen, die aufsteigen.

nicht nur als erinnerungen, sondern gemeinsam mit den gefühlen die ich damals hatte. es ist ungefähr so, als hätte ich mein leben lang meine gefühle in einen topf gepackt und jetzt ist der deckel aufgegangen.

und dieses gefühl, etwas verbotenes zu machen, wenn ich vor anderen leuten auch nur die tasse mit links halte (denn die muss ja eigentl. rechts über dem teller stehen...)

naja...und so idiotisch das jetzt klingt, trotzdem eigentl. wirklich alles für meine linkshändigkeit spricht, habe ich irgendwie angst, es mir alles nur einzubilden.

denn ich habe mich mein leben lang (ich bin 25) als den tolpatschigen trottel begriffen, der die treppe hochfällt und dem man besser kein scharfes messer in die hand gibt, weil er sich sonst schneidet (das ist keine übertreibung....)

naja, und das was ich jetzt werde....ich stolpere kaum noch, mein leichtes stottern, das kam, wenn ich stress hatte, ist fast weg....

ich habe gerade ernsthaft probleme, denn dann wäre ich ja ganz anders, als ich mich die ganze zeit über begreifen gelernt habe...


ich hoffe, ich hab jetzt hier nicht viel zu viel geschrieben, was gar niemanden interessiert....


liebe grüsse,

sahrah

MatthiasW
17.02.2002, 22:02
Hallo Sahrah,


ich fand es richtig und gut, dass Du uns an deiner Rückschulung und deinen Gefühlen teilhaben läst. Ein Tipp ich habe bei meiner Rückschulung meine Mal- und Schreibübungen in Tagebuchform gehalten, zur Erinnerung und um sie Fr. Dr, Sattler für ihre Forschungen zugeben. Ebenso habe ich es bei meinem Sohn gehalten, alles in einem Ordner gesammelt und Fr. dr. Sattler gezeigt.

- Wer hat dich getestet, war es Fr. Dr. Sattler, die den "taping-test" durchführte?

- Wie hast Du dich auf das Schreiben mit links vorbereitet, durch Schwungübungen?


Viele Grüße, und weiter so.

Matthias

Birgit
18.02.2002, 06:11
Hallo Sarah,


was Du geschrieben hast, paßt ganz genau hier hin. Es war kein Wort zu viel. Ich kann jedes Wort, das Du über Deine Erfahrung mit der Rückschulung geschrieben hast nachvollziehen und gut verstehen.

Ich habe gestern lange darüber nachgedacht. Am meisten habe ich mich darüber gefreut, daß Du den Schritt zur Rückschulung 12 Jahre früher machen konntest als ich. Ich wünsche Dir dafür alles Gute und viel Freude bei all den Entdeckungen, die Du noch bei Dir machen wirst. Ich wünsche Dir viel Treue zu Dir selbst und daß Du allen Einmischungen von außen eine Absage erteilst. Folge weiter Deinem inneren Gefühl für das, was Dir wichtig und für Dich wesentlich ist. Dann kann es nur gut laufen.

Bei mir war die Entwicklung so ähnlich, wie die vom häßlichen Entlein zum schönen Schwan, der sich seiner Fähigkeiten endlich bewußt wird, sich mag und bei Seinesgleichen endlich einen Platz findet. Und genau das wünsche ich Dir auch. Laß wieder von Dir lesen.

Herzlich

Birgit

Sahrah
18.02.2002, 13:34
Hallo Birgit, hallo Matthias,

vielen Dank, dass Ihr mir geantwortet habt !

ich hab mich ganz doll gefreut.

es tut richtig gut, hier darüber schreiben zu können.

Matthias:

ich habe den Taping-Test selbst durchgeführt (nachdem ich mich genau informiert habe wie es funktioniert, auch wenn meine Methode etwas diletantisch war:mit einem Stift so rasch wie möglich 30sec auf ein Papier tippen, Punkte auszählen-

trotzdem meine linke Hand relativ untrainiert ist, lag sie mit 35 Punkten über der rechten; hab es mehrere Male an verschiedenen Tagen gemacht, um das Ergebnis zu validieren-es schwankte nur gering, aber immer mit linkshändiger Dominanz. ..ich hoffe, Ihr lacht jetzt nicht darüber, aber hier gibt es weit und breit keine Linkshänderberatung)


kennt Ihr das eigenartige Gefühl, wenn man in der öffentlichkeit etwas mit Links macht und irgendwie Angst vor einer negativen Sanktionierung hat...?


auf das Schreiben vorbereitet habe ich mich, indem ich mir ein Schreibheft aus der ersten Klasse raussuchte und Dinge, die mir durch den Kopf gingen, aufgeschrieben habe, zwischendurch auch einfach nur Buchstaben malte.

an einem Tag war ich dermassen frustriert, weil meine Schrift so langsam und kindlich ist, dass ich mich wirklich fragte, warum ich es eigentl. mache-schliesslich habe ich eine gute Schrift mit der rechten Hand (ich musste als Kind immer ganze Hefte abschreiben, wenn die Schrift geschmiert war).

ich schrieb dann, ohne auf die Schrift zu achten, irgendwas, ohne direkt darauf zu achten...es war (und ist)wie eine Verbindung zwischen meinen Gefühlen und meiner Hand. dann brach die Auer, von der ich schon schrieb.

ich weiss noch, dass wir im Kindergarten zu Vorbereitung auf die Schule Schlaufen zeichnen sollten. damals mit Rechts war es ein Ding der Unmöglichkeit für mich, jetzt mit Links ging es ganz einfach....


vor einigen Tagen habe ich mir ein Mandala-Buch gekauft...vielleicht kann man das auch als Schwungübungen bezeichnen...


was noch seltsam ist, ich habe nie´wirklich nachvollziehen können, wieso es das Lernen erleichtern soll, wenn man es nachträglich nochmal ausarbeitet, geholfen hat das bei mir erst, als ich es mit dem Rechner machte.

jetzt mit meiner linken Hand schreibe ich etwas auf und es ist sofort eingeprägt !


hmh...ich hör jetzt besser auf mit dem Erzählen...hoffe, es nervt Euch nicht, es passiert nur zur Zeit in mir so viel.


liebe Grüsse,

Sahrah

Jana
18.02.2002, 16:29
Liebe Sahrah,


Du nervst uns auf keinen Fall!!!

Ich wäre sehr froh gewesen, wenn ich bei meiner Rückschulung (ab Mitte 99) dieses Forum schon gekannt hätte.

Viele Dinge in Deinen Schilderungen kommen auch mir sehr vertraut vor.

Bis heute habe ich diesen Schritt nicht bereut und hoffe, daß auch Dir es damit gut gehen wird.

Nur bitte überstürze nichts.

Wenn es Dir im Moment noch bei einigen Tätigkeiten mit rechts besser geht, lass es dabei. Auch für diese Dinge kommt der Zeitpunkt, an dem Du sie "mit links" mit links machst.


liebe Grüße

Deine Jana

Birgit
18.02.2002, 18:10
Hallo Herr Noll,


den Fragebogen von Frau Dr. Sattler habe ich ziemlich am Anfang meiner Rückschulung schon ausgefüllt. Ich habe auch einmal länger mit ihr telefoniert. Zu dem Zeitpunkt hatte ich die Rückschulung schon weit vorangetrieben. Ich gebe den Fragebogen seither auch an umgeschulte Linkshänder weiter, die mir in meiner Arbeit begegnen. Ich begegne sehr vielen umgeschulten Linkshändern.


Die Veränderungen durch meine Rückschulung waren grundlegend. Ich fing an sich erst mit 37 Jahren an, mich selbst kennen und verstehen zu lernen und zu mögen.

Es war eine tiefgreifende Erfahrung für meinen persönlichen, oft schweren Lebensweg endlich den richtigen Kontext gefunden zu haben. Sowohl im Studium als auch im Beruf muß ich seit jeher viel schreiben. Ich war sozusagen chronisch überanstrengt. Nach einigen Monaten konnte ich gut links schreiben - zur großen Freude meiner Sekretärin bekam ich endlich eine lesbare Schrift. Seither fühle ich mich wesentlich entspannter und ruhiger. Meine Ausdrucksfähigkeit ist besser und ich kann endlich im Gespräch mit anderen sagen, was ich denke und meine. Der Zugang zur eigenen Agressivität und Durchsetzungsfähigkeit war für mich sehr befreiend - für meine Umgebung eher unangenehm. Wenn ich jetzt Rücksicht nehme, dann nur noch, weil ich es für zweckmäßig halte, und nicht mehr aus Minderwertigkeitsgefühlen. Gruppen finde ich leider nach wie vor zumeist gnadenlos anstrengend. Aber sonst fällt mir der Kontakt mit Menschen leichter.

Ich glaube, durch die Umschulung auf die rechte Hand ab dem Mal-Alter habe ich früh und lang anhaltend gelernt, mich überdurchschnittlich anzustrengen und perfekte Leistungen zu erbringen, ohne es andere merken zu lassen. Mit der Rückschulung wurde gebundene Energie frei. Ich bin kreativer geworden. Meine Leistungen sind nach wie vor sehr gut, was mich beruhigt. Ich arbeite gerne sehr gut. Das Leben als "Umgeschulte" hieß für mich letztendlich, mit einer großen seelischen Einsamkeit zu leben. Ich war immer Außenseiterin. Und ich habe gelernt es auszuhalten, wenn meine Umgebung vollständig über meine natürlichen Bedürfnisse und Veranlagungen weggeht und auch meine Not nicht im geringsten wahrnimmt. Hilfen gingen ja letztendlich alle am Kern der Sache vorbei. Nachdem ich nun bei meiner eigentlichen Natur wieder angekommen bin, glaube ich, einen sehr klaren Blick für die wirklichen Motive anderer Menschen für ihr Handeln und Reden zu haben. Ich durchschaue sehr schnell die guten Fassaden um mich herum. Und auch Gruppenprozesse, die ich ja bisher immer von außen betrachtet habe, kann ich gut erkennen. Das mögen viele nicht so gerne an mir. Aber meinen Klienten kommt es sehr zu gute.

Das Wissen, selbst aus einer sehr schweren und schmerzlichen Lage einen guten Weg in eine glückliche Lebenssituation gefunden zu haben, macht mich offensichtlich bei meinen Klienten sehr glaubwürdig - obwohl ich nicht darüber spreche. Sie merken es einfach, daß ich es wirklich gut mit ihnen meine. Ich staune, daß selbst die Menschen, bei denen kaum mehr jemand an Änderung glaubt, auf meine Anregungen eingehen und sich auf den Weg zu einem für sie liebevolleren Leben machen.

Es ist noch vieles mehr, aber einfach zu viel, um alles zu schreiben.

Es gibt insgesamt wenig, auf das ich in meinem Leben stolz bin. Die Rückschulung und was ich daraus an Hoffnung und Kraft an meine Klienten weitergebe, darauf bin ich allerdings wirklich stolz.


Wie ist das bei Ihnen? Sind sie um-/rückgeschult? Wie ist es Ihnen dabei ergangen?


Birgit

Birgit
18.02.2002, 18:24
Hallo Sarah,


die Unsicherheit, in der Öffentlichkeit mit der linken Hand etwas zu tun, war bei mir am Anfang auch da. Das kommt von den Sanktionen, die wir mit der Umschulung auf die Rechte ja tatsächlich lange erlebt haben. Vor allem, wenn ich bei Hausbesuchen linkshändig Notizen machte und meine Schrift anfangs wirklich wie eine Zweitklässler-Schrift aussah, war ich ängstlich, wie die Leute reagieren. Das Schöne war dann aber, daß ich auf diese Weise sehr viele umgeschulte Linkshänder kennenlernte, die sich darüber freuten, daß ich den Mut zur Linkshändigkeit aufbrachte.


Mir fällt auch jetzt noch manchmal das Schreiben mit links etwas schwer. Aber es wird immer seltener. Die Schönschreibübungen als Kind sind mir noch als dunkele Kapitel meines Lebens in Erinnerung. Bei mir waren sie zudem völlig sinnlos. Meine rechtshändige Schrift blieb weiterhin miserabel.


Erzähl ruhig davon, wie es dir so ergeht. Ich erinnere, daß das erste Jahr meiner Rückschulung wirklich sehr bewegt war. Ich freue mich, wenn ich von dir lese, daß es dir mit der Rückschulung auch gut geht. Zweifel und Unsicherheiten gehören dazu.

Denk dran: Den Mutigen gehört die Welt!

Gruß
Birgit

Dr. Noll
18.02.2002, 21:20
Hallo,

und vielen vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort.

Betreffs Ihrer Fragen können wir gern mal "unter uns" mailen, da ich momentan in einer sehr harten Phase menes Lebens stecke.

Ich finde Ihre Aussage ziemlich gut.


Mfg
Dr. Noll

MatthiasW
18.02.2002, 21:52
Hallo Sahrah,

da Du dir das Schreiben mit Links selbst beibringst möchte ich dir ein paar Tips geben mit denen Du die gröbsten Fehler beim Schreiben lernen mit Links verhindern kannst.

Vor jeder Schreibübung ein paar Schwungübungen um die Hand, den Arm und die Schulter zu lockern. Mit Schwungübungen meine ich große schwungvolle Kreise, Achten, Wellen, Schraffuren mit weichen Bund- oder Wachsmalstiften auf ein großes Blatt zu malen. Möglich sind auch Fingerfarben. Bei den Schwungübungen mit Stift immer auf die richtige Stifthaltung achten. Hat Dir dein Freund die richtige Stifthaltung gezeigt? Weiter unten findest Du eine Beschreibung dazu. Bilder dazu findest Du auf der Internetseite von Fr. Dr. Sattler: www.lefthander-consulting.org oder Inken Spreda: www.linkshaenderseite.de

Du solltest dir nicht eine Grundschulschrift angewöhnen, sondern gleich eine deiner alte Erwachsenenschrift ähnlichen Schrift.

Begründung: In einer Grundschulschrift sind alle Buchstaben eines Wortes mit einander verschliffen. Die i-Punkte und t-Striche werden erst zum Schluss gesetzt. Bei dieser Schreibweise verkrampft die Hand schon nach kurzer Zeit bei längeren Wörtern. Bei dem Schreibtraining von Schlaganfallpatienten hat man festgestellt, dass die Patienten schneller und flüssiger Schreiben lernten, wenn sie folgende Regeln beachteten:

- nicht mehr als zwei bis vier Buchstaben verschleifen
- jedes Abheben der Stiftes vom Blatt entspannt kurz die Hand und man verkrampft nicht so schnell

- alle Buchstaben, die mit einem Rückschwung anfangen werden neu angesetzt: a, o, d, c, g, q natürlich auch ä und ö.

- alle Buchstaben die hoch angesetzt werden, werden neu angesetzt, wie k, h, l, b und ev. auch das t.

- verschliffen werden: den, an, der und die, aber nicht: das und dann sondern man schreibt

d as oder d ann.

Auto = Aut o

Stifthaltung = S ti fth al tun g (das h würde ich wohl mit dem t verbinden da ich den t-Strich immer neu ansetze, auch beim f setzte ich den Strich neu an)


Sieh dir mal das Schriftbild von Vielschreibern an und Du verstehst was ich meine.


Schreibhaltung

Lage des Heftes:

Die Heftseite, die beschrieben wird, liegt links der Mittelachse, die durch Nase und Wirbelsäule festgelegt wird. Weder der Körper noch der Kopf weicht beim Schreiben davon ab.


Lage der linken Hand:

Die linke Hand stützt sich auf die Handkante bzw. die seitliche Fläche des kleinen Fingers. Handrücken und Unterarm bilden einen stumpfen Winkel


Lage der rechten Hand:

Die rechte Hand hält das Heft am rechten Blattrand, anfangs möglichst etwas über der Höhe der gerade beschriebenen Zeile.


Neigung des Heftes:

Die rechte obere Ecke ist im Vergleich zur linken oberen Ecke nach unten verschoben. Der Neigungswinkel kann variieren. Beim linkshändigen Schreiben ist ziehendes und stoßendes Schreiben grundsätzlich möglich. Beim ziehenden linkshändigen Schreiben wird die Schrift, bedingt durch die starke Neigung des Heftes, allerdings sehr linksschräg.


Haltung der Finger:

Alle Finger bleiben grundsätzlich unterhalb der Schreiblinie. Die Federspitze zeigt etwas nach rechts (beim stoßenden Schreiben) bzw. liegt flach auf dem Blatt. Die Fingerspitzen umfassen das Schreibgerät 2,5 cm - 3,5 cm von der Spitze entfernt. Das Schreibgerät liegt auf dem vorderen Glied des Mittelfingers und wird vom Daumen abgestützt. Der Zeigefinger ist leicht gekrümmt. Das hindere Ende des Schreibgerätes zeigt etwa in Richtung des linken Ellenbogens.


Häufigste Mängel:

Heben der linken Schulter; Vorschieben des linken Ellenbogens (führt zur Krümmung der Wirbelsäule), Drehung des Kopfes nach rechts; hakenförmige Handhaltung (Schreibhand über der Zeile); rechte Hand liegt so auf dem Blatt, dass um sie "herumgeschrieben werden muss"; Heft ist zu weit nach rechts verschoben; der rechte Rand des Heftes liegt höher als der linke.


Schreibhaltung nach Fr, Dr. Sattler

Lage des Heftes:

Die Heftseite, die beschrieben wird, liegt links der Mittelachse, die durch Nase und Wirbelsäule festgelegt wird. Weder der Körper noch der Kopf weicht beim Schreiben davon ab.


Lage der linken Hand:

Die linke Hand stützt sich auf die Handkante bzw. die seitliche Fläche des kleinen Fingers. Handrücken und Unterarm bilden einen stumpfen Winkel


Lage der rechten Hand:

Die rechte Hand hält das Heft am rechten Blattrand, anfangs möglichst etwas über der Höhe der gerade beschriebenen Zeile.


Neigung des Heftes:

Die rechte obere Ecke ist im Vergleich zur linken oberen Ecke nach unten verschoben. Der Neigungswinkel kann variieren. Beim linkshändigen Schreiben ist ziehendes und stoßendes Schreiben grundsätzlich möglich. Beim ziehenden linkshändigen Schreiben wird die Schrift, bedingt durch die starke Neigung des Heftes, allerdings sehr linksschräg.


Haltung der Finger:

Alle Finger bleiben grundsätzlich unterhalb der Schreiblinie. Die Federspitze zeigt etwas nach rechts (beim stoßenden Schreiben) bzw. liegt flach auf dem Blatt. Die Fingerspitzen umfassen das Schreibgerät 2,5 cm - 3,5 cm von der Spitze entfernt. Das Schreibgerät liegt auf dem vorderen Glied des Mittelfingers und wird vom Daumen abgestützt. Der Zeigefinger ist leicht gekrümmt. Das hindere Ende des Schreibgerätes zeigt etwa in Richtung des linken Ellenbogens.


Häufigste Mängel:

Heben der linken Schulter; Vorschieben des linken Ellenbogens (führt zur Krümmung der Wirbelsäule), Drehung des Kopfes nach rechts; hakenförmige Handhaltung (Schreibhand über der Zeile); rechte Hand liegt so auf dem Blatt, dass um sie "herumgeschrieben werden muss"; Heft ist zu weit nach rechts verschoben; der rechte Rand des Heftes liegt höher als der linke.


Entnommen aus:

I N F O R M A T I O N S B L A T T zum S C H R E I B E N M I T D E R L I N K E N H A N D von Fr. Dr. Sattler


Ich hoffe Du kannst etwas mit den Informationen anfangen.

Solltest Du mal Gelegenheit haben einen Linkshänderberater aufzusuchen, nutze die Gelegenheit und lass dich beraten und das Geschafte begutachten, vieleicht kann sie/er dir auch noch Tips geben.


Gruß Matthias

Sahrah
18.02.2002, 22:28
hallo Ihr,

vielen Dank für Eure lieben Antworten.


Matthias:

ich habe mir das Buch "Der umgeschulte Linkshänder oder der Knoten im Gehirn" von B.Sattler gekauft, von dort habe ich auch die Empfehlungen, die Du mir aufgeschrieben hast (mein Freund ist kein Linkshänder)

ich muss allerdings zugeben, dass ich tatsächlich gerade den Nacken sehr verspanne, vielleicht auch, weil ich den Kopf wirklich schräg halte, und dass meine Schrift stark linksschräg ist. dummerweise fällt mir das Schreiben schwerer, wenn ich versuche, ein gerades Schriftbild zu bekommen.

was die Schriftart betrifft: sie hat sich nach dem "Platzen des Knotens" automatisch in eine "erwachsenere " Schrift verwandelt und was ich als besonders schön empfinde ist zum einen, dass sie irgendwie (im Gegensatz zur rechthändigen, die ich immer willentlich beeinflussen und kontrollieren musste) ganz automatisch "Charakter"....inclusive aller Kringel, die ich immer versucht habe in mein Schriftbild einzubauen, die in mir sind, aber nie auf meine Rechtsschrift übergingen....


Birgit:

was Du schreibst über den Schwan, der aus dem hässlichen Entlein wurde und über Deine körperlichen und psychischen Probleme....

mir gehts da immer mehr genauso...

Dinge, die ich ganz lang als psychisch krank mit der Prognose "für immer" aufgefasst habe, beginnen sich jetzt zu lösen...

es ist, als wäre um mich ein Panzer aus Stein, eng verwachsen mit mir.

jetzt lösen sich Stücke, ich kann den Schmerz dabei richtig spüren und durchlebe nur allzuoft nocheinmal die Gefühle, die dafüt gesorgt haben, dass sich der Panzer aufbaute.

ich bin zur Zeit ganz nah am Wasser gebaut und fühle mich gleichzeitig wie ein Kind, dass sich selbst entdeckt, sich anschaut, sich fühlt und sich wundert...

ich habe das Gefühl, leichter zu werden...manchmal, wenn ich mit der linken Hand zeichne, rieseln Schauer durch mich durch...

ich verändere mich...was allerdings auch auf mein Leben Einfluss hat...


sogar die Texte (ich schreibe)...waren sie vorher sehr kopflastig, so sind sie jetzt...ich weiss nicht...es ist irgendwie, als wären sie dreidimensional...

und beim Zeichnen ist es genauso...auch wenn ich dabei noch nicht so geschickt bin...


mich würde sehr interessieren, wie Du das ganze damals empfunden hast....wenn Du vielleicht magst, auch per eMail...


Jana:

was hat Dich dazu gebracht, Dich rückzuschulen...?


noch mal ganz lieben Dank,

Sahrah

MatthiasW
19.02.2002, 21:39
Hallo Sahrah,


ich möchte auf einen wichtigen Punkt einer jeden Rückschulung, gerade bei Erwachsenen, aufmerksam machen.

Wenn wir umgeschulte linkshändige Erwachsene beraten ist auch immer die Beziehung in der er lebt ein Thema der Rückschulung. Wie Du schreibst, spürst Du wie Du dich veränderst. Du entdeckst dich neu, entwickelst Fähigkeiten von denen du vorher nur geträumt hast.


Hier Deine eigenen Worte:

">ich bin zur Zeit ganz nah am Wasser gebaut und fühle mich gleichzeitig wie ein Kind, dass sich selbst entdeckt, sich anschaut, sich fühlt und sich wundert...

>ich habe das Gefühl, leichter zu werden...manchmal, wenn ich mit der linken Hand zeichne, rieseln Schauer durch mich durch...

>ich verändere mich...was allerdings auch auf mein Leben Einfluss hat...".


Diese Veränderung kann aber, wenn in der Partnerschaft nicht offen darüber gesprochen wird, zu Irritationen führen, die im schlimmsten Fall zu einem Bruch der Beziehung führen. Der Partner, die Freunde und auch Arbeitskollegen und auch Du, alle haben sich auf dein bisheriges Wesen eingelassen. Nun veränderst Du dich. Für dich ist dass wundervoll, endlich bist Du nicht mehr ausgebremst, sondern Du bist mitten dabei, kannst zuhören und denken, antworten und vormulieren, keine Blackouts, wirst schlagfertig, wirst lebensfroh und aktiv. Für viele ist das wie der Ausbruch eines Vulkans, auf einmal bis zu 30% mehr Energie. Wenn jetzt nicht geredet wird, der Partner mit in das unfassbare mit einbezogen wird, ist eventuell schnell schluss, und wenn dann auch noch Kinder da sind....... .

Dies beschreibt Fr. Dr. Sattler auch in ihren Büchern, und warnt vor der Gefahr, dass sich beide neu orientieren, da sie miteinander nicht mehr klar kommen.


Ich will Dich nicht entmutigen, sondern ermutigen mit deinen neuen Gefühlen, neuen Wünschen aber auch deinen neuen Sorgen die durch deine Rückschulung hervor gerufen wurden und werden, mit Dir wichtigen Personen zusprechen und Lösungen zufinden.


Gruß Matthias

Sahrah
20.02.2002, 13:50
Lieber Matthias,

vielen Dank für Deine Hinweise, daran habe ich tatsächlich nicht so wirklich gedacht.

zum Glück scheine ich es automatisch "richtig" angefangen zu haben.

das bedeutet, dass ich meinen Freund von Anfang an einbezogen habe, einfach deshalb, weil ich meinen Gefühlen nicht vertraut habe (was wohl auch jetzt noch so ist.....) ich hatte so viel Angst, das ganze sei vielleicht nur eine Marotte, eine Spinnerei (so wie laut meiner Mutter alles was von ihrem Bild des rationalen, bodenständigen Menschen abweicht, Spinnerei ist....dummerweise bin ich tatsächlich alles andere als bodenständig....)

Und er ist es auch, der mich immer wieder darauf aufmerksam macht, dass es keine Marotte sein kann, da er die Veränderungen an mir mitbekommt...

ich wünschte nur, ich könnte mir tatsächlich glauben...

seltsamerweise scheint mein inneres Ich diese ganzen neurotischen Zweifel zu belächeln, denn sie ändern nichts an dem, was mit mir passiert.

was total komisch ist...ich habe aufeinmal ein Körpergefühl...ich kann tatsächlich substantiell mich und meinen Körper spüren....


und manchmal habe ich Angst, morgens aufzuwachen und alles beim Alten vorzufinden.

ein ungeschickter, angstbesetzter Trottel, der mit jeder Stressituation gnadenlos überfordert ist, der in Prüfungen versagt, weil er sogar sein Geburtsdatum vergisst und mit ner "befriedigenden" Note aus dem Prüfungszimmer geht und vor Erschöpfung in ne Depression fällt.


ich will damit nicht sagen, dass ich mich der Illusion hingebe, das alles werde sich wirklich grundlegend ändern, aber es ist einfach zu schön, jetzt, zum ersten Mal Kontakt mit mir zu haben und anzufangen, unterscheiden zu können, was zu mir gehört und was nicht....


vielen Dank nochmal

Sahrah

Sahrah
20.02.2002, 15:19
p.s: würde das alles bei mir auch dann passieren, wenn ich eigentlich Rechtshänder wäre ????

Jana
20.02.2002, 16:35
Hallo Sahrah,


eigentlich wollte ich mich nicht zurückschulen, gerade weil damit auch Gefahren verbunden sind.

Frau Dr.Sattlers Buch ("Der Knoten...") hätte mir auch so schon ungeheuer weitergeholfen, weil mir beim Lesen eine ganze Menge klargeworden ist und ich viele Schuldgefühle loswurde.

1999 habe ich eine Fortbildung gemacht und mußte auf einmal wieder sehr viel mit der Hand schreiben (nachdem ich jahrelang sogar sehr persönliche Briefe auf dem PC getippt hatte). Es ging mir von Tag zu Tag schlechter und schließlich konnte ich meine Schrift nicht mehr lesen, es waren nur noch gerade Striche.

Schließlich habe ich im Unterricht aus Verzweiflung erst wechselweise geschrieben (wenn eine Hand müde wurde, habe ich gewechselt) und schließlich nur noch links. Meine Konzentrationsfähigkeit ist schlagartig gestiegen, kaum noch Kopfschmerzen, kaum noch gestottert, freiwillig Vorträge gehalten, mit Seidenmalerei angefangen... und das waren nur die praktischen Auswirkungen.

Psychisch habe ich große Erleichterung und ungeheure Wut empfunden.

Diese Wut hielt noch über ein Jahr an, weil ich mich außer von meiner Mutter (war sehr erschüttert nach der Lektüre vom "Knoten im Gehirn") von niemandem verstanden fühlte. Dann stellte mir mein Arbeitgeber auf meinen Antrag ohne Disskussion und sehr schnell eine Linkshändertastatur, und dieses Akzeptieren war... für mich einfach wunderbar!

Das war im Dezember 2000, und seitdem bin ich laut Aussage meiner engsten Kollegen viel ausgeglichener geworden und empfinde das selbst auch so.


Das war ganz kurz meine Geschichte.


Alles Liebe, Jana

Birgit
20.02.2002, 20:11
Hallo Sarah,

leider komme ich erst jetzt dazu, dir zu antworten.

Zum Thema "psychisch krank" meine ich: was die Seele lange kränkt macht die Seele über kurz oder lang auch krank. Aber das "für immer" gibt es für mich nicht. In meinem eigenen Leben und bei meinen Klienten, die ich in meinen 17 Berufsjahren erlebt habe ( das waren dann doch einige ) gab es immer einen Weg zum Besseren und deshalb bin ich der Überzeugung: Hoffnung gibt's immer und überall - und sie ist sogar kostenlos.

Dein Bild von dem Panzer aus Stein, der jetzt abbröckelt, finde ich wunderschön und so zutreffend. Natürlich tut das auch weh, wenn man merkt, um was man betrogen wurde und wie lange man gefangen gehalten war. Vielleicht hilft es, sich vorzustellen, daß der Steinwall ja auch eine Art Schutz war und Du ihn jetzt nicht mehr brauchst. Dankend Abschied nehmen ist manchmal sehr heilsam. So habe ich es zumindest mit meiner rechten Hand gemacht. Ich habe ihr innerlich für die große Anstrengung gedankt, die sie 34 Jahre auf sich genommen hat, und daß sie mich nie im Stich gelassen hat. Das verdient, meine ich, auch große Anerkennung. Unser Körper leistete jahr(zehnt)elang Enormes!


Die Zeit, in der ich ganz nah am Wasser gebaut hatte, kann ich noch gut erinnern. Jede Träne war gut und eine Erleichterung.


>..... fühle mich gleichzeitig wie ein Kind, dass sich selbst entdeckt, sich anschaut, sich fühlt und sich wundert...


Dazu fällt mir ein Text ein, den ich vor längerer Zeit fand und für meine Rückschulung unendlich passend fand:


Vergiß' es nie:

Daß Du lebst, war keine eigene Idee,

und daß du atmest, kein Entschluß von dir.

Vergiß' es nie:
Daß du lebst, war eines anderen Idee,
und daß Du atmest, sein Geschenk an Dich.

Vergiss es nie:
Niemand denkt und fühlt und handelt so wie Du, und niemand lächelt so, wie Du's grad tust.
Vergiß es nie:
Niemand sieht den Himmel ganz genau wie Du, und niemand hat je, was Du weißt, gewußt.

Vergiß es nie:
Dein Gesicht hat niemand sonst auf dieser Welt, und solche Augen hast alleine Du.

Vergiß es nie:
Du bist reich, egal ob mit, ob ohne Geld,
denn du kannst leben! Niemand lebt wie Du.

Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls,
keine Laune der Natur, ganz egal, ob du dein Lebenslied in Moll singst oder Dur.

Du bist ein Gedanke Gottes, ( Anm.: Was immer man sich darunter vorstellt. )
ein genialer noch dazu.
Du bist Du.

( Jürgen Werth )




>und beim Zeichnen ist es genauso...auch wenn ich dabei noch nicht so geschickt bin...


Mit dem Zeichnen mache ich in diesem Sommer einen großen Schritt und nehme an einem 2-wöchigen Mal-Seminar teil. Ich habe am 27.1. mein erstes linkshändiges Bild, seit ich etwa 2 1/2 Jahre alt war, gemalt und war sehr berührt davon, was da aus meiner Seele entsprang.


Ich habe mir noch überlegt, was Dich weiter unterstützen könnte. Ich bin seit 2 Jahren in einer Rückschulungs-Mailingliste. Wenn du willst, kann ich dir die Adresse mailen und gerne auch meinen Platz abgeben, wenn wir zur Zeit voll sein sollten. Dann hast Du das Forum hier und noch eine gezielte Rückschulungs- email-Gruppe. Wir können auch mailen, wenn Du willst. Dann brauche ich Deine Adresse.


So viel für heute. Laß von Dir lesen. Alles Gute wünscht Dir


Birgit

MatthiasW
20.02.2002, 22:14
Hallo Sahrah,


ich freue mich darüber, dass Du einen Freund hast der dich trägt und bestätigt.

Deine Gefühle bei Prüfungen und ähnlichen Situationen kenne ich sehr gut.

Gestern abend habe ich beruflich an einer Sitzung einer Arbeitsgruppe teilgenommen, aus der ich nur 4 von ca 30 Personen kannte. Früher vor meiner Rückschulung habe ich in solchen Situationen still auf meinem Stuhl gesessen und immer gehofft, dass ich nicht angesprochen werde.

Gestern habe ich sofrei agiert als ob ich mein Leben lang nichts anderes getan hätte als in solchen Gesprächskreisen Rede und Anwort zu geben.

Diese Veränderung ist mit meiner Rückschulung (Beginn vor 2 1/4 Jahren) einher gegangen und setzt sich immer noch fort. Blackouts verschwinden und ich bleibe ruhig und kann beim Reden denken.


Gruß Matthias

MatthiasW
20.02.2002, 22:42
Hallo Sahrah,


Fr. Dr. Sattler schildert in einem ihrer Bücher den Fall einer rechtshändigen Studentin deren rechter Arm durch einen Unfall für einige Zeit gelähmt ist. Diese Studentin schreibt nun mit links und macht das durch was Linkshänder bei einer Umschulung auf rechts durchmachen. Sie verlieht ihr gutes ja perfektes Gedächnis, kann Lerninhalte nicht mehr abrufen und verzweifelt. Nach einiger Zeit geht die Lähmung zurück und sie fängt wieder an mit rechts zuschreiben und findet zu ihrer alten Leistungsfähigkeit zurück.


Da Du dich frei fühlst, nicht ausgebremst sonder neue Fahigkeiten entwickels kannst Du ja nicht von einem Rückschritt sprechen sondern musst von ein positiven weiter Entwicklung.


Glaube doch an Dich so wie dein Freund.

Aber ich kenn das, ich habe meine Frau (Lehrerin) immer gefragt, mache ich jetzt weniger Fehler, oder werden es mehr, drücke ich mich jetzt freier aus oder bewegt sich nichts.


Liebe Grüße

Matthias

MatthiasW
20.02.2002, 22:50
Hallo Jana,


hast Du schon den Frage Bogen zur Rückschulung von Fr. Dr. Sattler ausgefüllt?


Fr. Dr. Sattler sammelt Rückschulungserfahrungen um sie auszuwerten.


Gruß Matthias

Sahrah
21.02.2002, 10:26
Hallo Matthias,

wahrscheinlich sind meine Zweifel tatsächlich eher ein anderes Problem (das, mir grundsätzlich nicht zu vertrauen) und die LH nur das, an das sie jetzt anknüpfen, da ich mit ihr tatsächlich mich finde.


ich habe gestern Gipsplatten für ein Experiment abschleifen müssen. in der Schule war jede Art von Werkarbeiten immer ein Alptraum; naja, ist erstaunlich, dass sich sogar dort meine Ungeschicklichkeit verliert, wenn ich einfach mal die linke Hand benutze. das klingt zwar jetzt mit Sicherheit komisch, aber ich hatte beim Feilen das Gefühl, genau zu spüren, wie ich mit dem Material umgehen muss. Mit rechts in der Schule hab ich die Feile total verkrampft gehalten und Material, Werkzeug, Tätigkeit waren voneinander unabhängig.


was mich an all dem wundert ist, warum um alles in der Welt, man (oder insbesondere ich???) sich ohne weiteres in seine Umwelt fügt.

der kleine Satz "Du bist doch kein Linkshänder, also nimm .... in die richtige Hand" wurde von mir nur als netter Hinweis angesehen.


auch wenn das jetzt etwas philosophisch wird...

eigentlich ist es erschreckend, was Eltern bei ihrem Kind in ganz lieb gemeinter Absicht anrichten können.

ich habe irgendwo einen Satz gelesen, den ich total schön fand:

"Der I.Q. bleibt das ganze Leben lang gleich. Das Kind ist kein unfertiger Erwachsener, [es ist, was es wird], es fehlt ihm nur die Lebenserfahrung..."

warum müssen Eltern ihr Kind immer versuchen zu formen, in eine Form zu pressen, die sie als gut empfinden ??? Das Kind als Bonsai...

warum können sie es nicht unterstützen, das zu werden, was in ihm ist ...?


ich fürchte, ich schweife zu weit ab....


nochmal ein Danke, auch dafür, dass es dieses Forum gibt...


magst Du mir vielleicht näher beschreiben, wie es bei Deiner Rückschulung war, ich finde es unheimlich interessant....

Du schriebst, dass Du Linkshänder berätst....wie kann ich mir solch eine Beratungsstelle vorstellen...?


ist das Thema so neu, oder woran könnte es liegen, dass es in vielen Städten nichts derartiges gibt ???


liebe Grüsse,

ich freue mich schon auf Deine Antwort...

Sahrah

Jana
21.02.2002, 17:49
Hallo Jana,

>hast Du schon den Frage Bogen zur Rückschulung von Fr. Dr. Sattler ausgefüllt?

>Fr. Dr. Sattler sammelt Rückschulungserfahrungen um sie auszuwerten.

>Gruß Matthias


Hallo Matthias,


nein, habe ich nicht, würde ich aber gern machen. Leider ist mir entgangen, wie man da rankommt.


Schönen Abend noch,

Jana

MatthiasW
21.02.2002, 23:16
Hallo Sahrah,


ich werde bald 45 Jahre jung und bin, ziehe ich bezüglich meine Linkshändigkeit 38 Jahre als umgeschulter LH ab, gerade in die Schule gekommen.

Nach meiner Grund- und Hauptschulzeit mit vielen Tiefs und wenig Höhen habe ich den Beruf des Feinmechanikers erlernt. Ein rein rechtshändiger Beruf, da fast alle Werkzeuge und Maschinen sowie viele Arbeitsabläufe nur für Rechtshänder ausgelegt sind. Ich würde heute keinen LH raten einen Beruf im Metalverarbeitenden Bereich zuerlernen. Der LH bringt zwar das räumliche Vorstellungsvermögen mit aber selbst die Standartfeile ist ein Werkzeug für RH. Man steht sich bei der Arbeit selbst im Weg und weiß nicht warum.

Heute bin ich als Sozialpädagoge im Übergang von der Schule in den Beruf tätig und besuche seit 2 Jahren die Fortbildung zum Linkshänderberater bei Fr. Dr. Sattler.

Bedingt durch die Rückschulung meines jüngsten Sohnes der jetzt im Sommer aufs Gymnasium wechselt habe ich meine eigenen Rückschulung eingeleitet.

Da ich in Münster keine Hilfe bei der Rückschulung fand, entschloss ich mich zu der Fortbildung zum LH-Berater.


Wie die Tätigkeit als LH-Berater aussieht ist nicht fest umrissen. Es ist eine Zusatzausbildung, die einen befähigt nach der Methode von Fr. Dr. Sattler Vorträge zuhalten, Tests durchzuführen, LH zuberaten, Rückschulungen zubegleiten. Mein Schwerpunkt ist der Übergang von der Schule in den Beruf.

Nach der Umschulung in der Familie und/oder im Kindergarten und/oder Schule findet in diesem Übergang die vierte Umschulungsphase statt, da es kaum Maschinen und Werkzeug für LH gibt. Glück hat der LH, der nicht handwerklich arbeiten muss. Gut es gibt vereinzelt Berufe in denen der LH Werkzeuk für LH kaufen kann. Aber diese kann man fast an einer Hand abzählen.

Die Linkshänderberatungsstelle in München von Fr. Dr. Sattler ist in den 80er Jahren aufgebaut worden. Wenn Du dich für die Geschichte der Linkshänder interessierst kannst Du mal das Buch

Links und Rechts in der Wahrnehmung des Menschen
Sattler, Johanna B
Zur Geschichte der Linkshändigkeit
lesen.

Da ich schon immer mit links handiert habe und nur zum Schreiben und Schneiden umgeschult wurde sowie vor meiner Rückschulung fast nur noch am PC geschrieben habe und zu dem Zeitpunk auch Arbeitslos war konnte ich mich voll auf die Rückschulung stürzen. Aber deshalb ist sie nicht unbedingt schneller abgeschlossen. Was 37 Jahre lang durch einen Knoten behindert war ist nicht in 2 Jahren in Topform gebracht, sondern muss neu verknüpft und geübt werden. Ich hatte das Glück während meiner Rückschulung, unseren Jüngsten bei seiner Rückschulung und durch seine Grundschulzeit begleiten zukönnen. Übungsdiktate habe ich zusammen mit meinem Sohn geschrieben und mit ihm die Regeln der Rechtschreibung gemeinsam erarbeitet. Viele Regeln der Rechtschreibung kann ich erst jetzt anwenden, da ich sie jetzt beim Schreiben abrufen kann.

Ich muss jetzt aufhören, denn ich gehör ins Bett. Gute Nacht!


Liebe Grüße
Matthias

MatthiasW
21.02.2002, 23:30
Hier die Email Adresse von Fr. Dr. Sattler: info (@)lefthander-consulting. org


und Homepage:

www.lefthander-consulting.org


Gruß Matthias

Sahrah
22.02.2002, 17:11
Hallo Matthias,

ich mag Deinen Satz

">ich werde bald 45 Jahre jung und bin, ziehe ich bezüglich meine Linkshändigkeit 38 Jahre als umgeschulter LH ab, gerade in die Schule gekommen.",

auch wenn er mich gleichzeitig traurig stimmt.

ich kann es , glaub ich, ziemlich gut nachempfinden, auch wenn bei mir die Entdeckung und Entfaltung meiner Linkshändigkeit nur einen von vielen "Schritten" darstellt...

eine Bekannte, die mich auch bei meiner "Entfaltung" unterstützte, da sie sich selbst rückgeschult hat, formulierte mal auf nachdenklich machende Weise den positiven Aspekt unserer Umschulung:

"Wie haben immerhin auch die andere Seite kennengelernt..."

und irgendwo stimmt das-zumindestens, was mich betrifft, denn wäre meine Kreativität nicht so lange hinter der Mauer verborgen gewesen (und hätte sie sich nicht nur so selten hervorgewagt), dann hätte ich vielleicht weniger Aufmerksamkeit auf meine rationale Seite verwendet...und das wiederum hätte mich um einige Erfahrungen ärmer gemacht.

ich habe irgendwann erkannt, dass für mich der "Sinn" meines Lebens (rein subjektiv, ohne nach Grossem zu suchen) meine Entwicklung ist-zu sehen und bewusst mitzubekommen, wie ich mich entwickle und wachse.

und dabei sind es vorallem die negativen Dinge, die mich weiterbringen (so brutal das auch ist...)

ich kenne einige Linkshänder, insbesondere einen, den ich gerne habe- er ist nie umgeschult worden, hat deshalb auch nie die ganzen Umschulungsprobleme gehabt...

naja, was ich eigentlich sagen möchte- es ist oft das Auftauchen aus irgendetwas, das uns etwas bewusst macht, das für andere so selbstverständlich ist, dass sie es gar nicht mitbekommen....


Du klingst sehr verbittert bezüglich Deiner Vergangenheit, gleichzeitig aber spüre ich Deine Freude an Deinem jetzigen Beruf,

das finde ich schön....

es klingt so, als hättest Du tatsächlich das gefunden, was Dir mehr als nur liegt...


zur Linkshändigkeit hätte ich vorallem noch eine Frage:

man liesst eine ganze Menge Hypothesen über ihre Entstehung

(von genetischer Abweichung über Lage im Mutterleib bishin zu nachgeburtlichen Lernprozessen-was ich einfach mal stark bezweifeln möchte, schon wegen der Vererbungskomponente- und zur Hypothese, 50% der Bevölkerung seien eigenlich LH.)

so richtig plausibel erscheint mir keine, weisst Du eventuell aktuelles darüber ?

wie ist die Resonanz auf Deine LH-Beratung in Deiner Stadt ?

mich würden auch vorallem Deine eigenen Überlegungen dazu interessieren...


liebe Grüsse,

Sahrah

MatthiasW
22.02.2002, 23:37
Hallo Sahrah,


Fr. Dr. Sattler geht von bis zu 50 % Linkshändern aus. Die Frage: wie entsteht die Veranlagung der Händigkeit ist, finde ich, erstmal zweitrangig aber sicher Interessan.

Wichtig ist, das sie vor der Geburt schon manifestiert ist und nicht verändert werden kann.

Ich gehe davon aus das die Natur es so wie mit den Geschlechtern angelegt hat. Ohne Männer können wir uns nicht fortpflanzen und ohne Frauen auch nicht. Auch darf es kein zu großes Gefälle bei der Verteilung von Männern und Frauen geben.

Sellen wir uns mal vor es gäbe nur 15% Frauen (Links wie in den Religionen) und 85% Männer (Als rechte Vertreter der Gattung Mensch), oh wie wär das schrecklich.

Ich denke, das auch bei der Händigkeit sich der Linkshänder und der Rechtshänder ergänzen sollten und nicht den anderen unterdrücken. Leider werden die Linkshänder unterdrückt und das stimmt mich sehr traurig.

Alle Welt spricht von Taemfähigkeit, das ist aber nicht gerade unsere (LH) Stärke. Unsere Stärken liegen woanders. Im bildhaften Denken, in der räumlichen Wahrnehmung, im vernetzten und intuitiven Denken. Wir ziehen uns zum Denken zurück, müssen die Dinge auf uns wirken lassen. Manchmal muss ich Geduld haben die Ideen kommen dann wie von selbst. Aber in der Regel nicht auf Knopfdruck.

(Ich bin ja aber ein Rückgeschulter LH, vieleicht geht es Linkshändern die nicht Umgeschult wurden besser.)

Der Rechtshänder arbeitet nach Strukturen, in einem Ordnungssystem.

Nur in meinem PC herrscht Ordnung. Das hoffe ich jedenfalls. Denn sonst finde ich nichts wieder, ich kann ja keine Eselsohren an Verzeichnisse und Dateien machen.


Linkshändigkeit ist immer noch ein Stiefkind der Forschung und Lehre.

Ich habe gestern mit einer Studentin (Lehramt) gesprochen, die mir sagte, das sie über Linkshändigkeit in ihrem Studium noch nichts gehört hat und ihr Freund sei auch angehender Lehrer habe auch noch nichts von der Problematik vernommen.


So steht man fast alleine im Fluss und geht gegen die Strömung.


Liebe Grüße Matthias

Sahrah
23.02.2002, 20:30
hallo Matthias,

vielen Dank für das ausführliche Eingehen auf meine Frage.

--

>Ich denke, das auch bei der Händigkeit sich der Linkshänder und der Rechtshänder ergänzen sollten und nicht den anderen unterdrücken. Leider werden die Linkshänder unterdrückt und das stimmt mich sehr traurig.


>>ob es wirklich eine Unterdrückung ist....hmh...ich denke, es ist eher Unwissenheit.

dagegen scheint mir ein ziemlicher Trend dahin zu gehen, aus LH-Produkten Profit schlagen zu wollen.

so sind zwar einige Artikel genauso teuer, wie die für RH, andere aber dermassen überteuert, dass es mir fast die Schuhe auszieht.

Darin sehe ich allerdings weniger die Absicht einer Unterdrückung, als mehr eine clevere Strategie der Ausnutzung einer Marktlücke.


>Alle Welt spricht von Taemfähigkeit, das ist aber nicht gerade unsere (LH) Stärke. Unsere Stärken liegen woanders. Im bildhaften Denken, in der räumlichen Wahrnehmung, im vernetzten und intuitiven Denken. Wir ziehen uns zum Denken zurück, müssen die Dinge auf uns wirken lassen. Manchmal muss ich Geduld haben die Ideen kommen dann wie von selbst. Aber in der Regel nicht auf Knopfdruck.

Der Rechtshänder arbeitet nach Strukturen, in einem Ordnungssystem.

Nur in meinem PC herrscht Ordnung. Das hoffe ich jedenfalls. Denn sonst finde ich nichts wieder, ich kann ja keine Eselsohren an Verzeichnisse und Dateien machen.


Das geht mir ebenso

schon bei dem Wort "Teamarbeit" wird mir schlecht und meine Wohnung ist geprägt von kreativem Chaos. weniger, weil ich nicht aufräume, als mehr, weil ich zu viel gleichzeitig mache, in eine Art "Fliessen" gelange und wahrscheinlich das Chaos in einem gewissen Grad sogar brauche.

Allerdings kenne ich auch Rechtshänder, denen es genauso geht.


Versteh mich bitte nicht falsch:

auf der einen Seite tut es mir gut, mich in "typischen Linkshänderbeschreibungen" wiederzuerkennen, aber auf der anderen Seite widerstrebt mir dieser Versuch der klaren Persönlichkeitstrennung von Links- und Rechtshändern.

ich halte es für ziemlich riskant, so eine (noch wenig belegte) radikale Unterteilung zu treffen...


>Linkshändigkeit ist immer noch ein Stiefkind der Forschung und Lehre.


>> das ist sicher auch darin begründet, dass die Erkenntnis, dass Umschulung der Händigkeit schwerwiegende Folgen haben kann, noch recht jung ist und auch die Forschung wird aus Kostengründen (leider) meist am praktischen Bedarf ausgerichtet....oder an einem geldgebenden Interessenten ausgerichtet.

von daher denke und hoffe ich, dass wir diesbezüglich optimistisch sein können...


>So steht man fast alleine im Fluss und geht gegen die Strömung.


>> ganz so allein auch wieder nicht, ich finde es richtig schön, dass wir uns darüber unterhalten und hoffe, meine Äusserungen haben Dich nicht verschreckt.


Liebe Grüße

Sahrah


p.s.: bitte nicht wundern, wenn meine Äusserungen bei solchen Überlegungen ganz anders klingen, als wenn ich über meine Rückschulung oder meine LH allgemein schreibe...da unterscheiden sich bei mir Kopf und Bauch

(habe schon oft erlebt, dass es die Leute verschreckt ...hoffe, Dir geht es nicht genauso...)

MatthiasW
23.02.2002, 22:46
Hallo Sahrah,


>>>ob es wirklich eine Unterdrückung ist....hmh...ich denke, es ist eher Unwissenheit.


Wenn einer großen Gruppe der Bevölkerung nicht die Geräte, Hilfen beim Schreiben durch geschulte Lehrer, Erzieher usw. zu Verfühgung gestellt werden, ob wohl dieses Thema seit vielen Jahren bekannt ist, kann man nicht von Unwissenheit reden, sondern von nicht weiterleiten von Erkenntnissen (in der Lehrer, Erzieher, Ärzte, Krankenschwester und so weiter) und somit von Unterdrückung der Linkshändigkeit.

Ich weiß es ist hart formuliert, das gebe ich gerne zu, es bewegt sich auch etwas, aber leider nicht genug, denn sonst würdest Du in deiner Nähe einen Linkshänderberater finden. Ich bin aber auch ein Optimist, sonst würde ich mich nicht angagieren, nicht um zu meckern sondern um zu mutivieren und zu helfen.


>dagegen scheint mir ein ziemlicher Trend dahin zu gehen, aus LH-Produkten Profit schlagen zu wollen.

>so sind zwar einige Artikel genauso teuer, wie die für RH, andere aber dermassen überteuert, dass es mir fast die Schuhe auszieht.

>Darin sehe ich allerdings weniger die Absicht einer Unterdrückung, als mehr eine clevere Strategie der Ausnutzung einer Marktlücke.

Daran können wir nur etwas ändern wenn wir einen Markt schaffen und es mehr Anbieter gibt, und wir uns den günstigsten heraus suchen können.

Zur Zeit, das gebe ich zu, sind wir die zahlen.

>>Alle Welt spricht von Taemfähigkeit, das ist aber nicht gerade unsere (LH) Stärke. Unsere Stärken liegen woanders. Im bildhaften Denken, in der räumlichen Wahrnehmung, im vernetzten und intuitiven Denken. Wir ziehen uns zum Denken zurück, müssen die Dinge auf uns wirken lassen. Manchmal muss ich Geduld haben die Ideen kommen dann wie von selbst. Aber in der Regel nicht auf Knopfdruck.

>Der Rechtshänder arbeitet nach Strukturen, in einem Ordnungssystem.

>Nur in meinem PC herrscht Ordnung. Das hoffe ich jedenfalls. Denn sonst finde ich nichts wieder, ich kann ja keine Eselsohren an Verzeichnisse und Dateien machen.

>>>Das geht mir ebenso

>schon bei dem Wort "Teamarbeit" wird mir schlecht und meine Wohnung ist geprägt von kreativem Chaos. weniger, weil ich nicht aufräume, als mehr, weil ich zu viel gleichzeitig mache, in eine Art "Fliessen" gelange und wahrscheinlich das Chaos in einem gewissen Grad sogar brauche.

>Allerdings kenne ich auch Rechtshänder, denen es genauso geht.


Bist Du sicher, dass das Rechtshänder sind?


>Versteh mich bitte nicht falsch:

>auf der einen Seite tut es mir gut, mich in "typischen Linkshänderbeschreibungen" wiederzuerkennen, aber auf der anderen Seite widerstrebt mir dieser Versuch der klaren Persönlichkeitstrennung von Links- und Rechtshändern.

>ich halte es für ziemlich riskant, so eine (noch wenig belegte) radikale Unterteilung zu treffen...

Das waren Beispiele. Natürlich sind die Übergänge fliesen, denn auch wir denken ja mit der anderen Gehirnhälfte. Aber eben doch einbischen mehr mit der rechten.


>>Linkshändigkeit ist immer noch ein Stiefkind der Forschung und Lehre.

>>> das ist sicher auch darin begründet, dass die Erkenntnis, dass Umschulung der Händigkeit schwerwiegende Folgen haben kann, noch recht jung ist und auch die Forschung wird aus Kostengründen (leider) meist am praktischen Bedarf ausgerichtet....oder an einem geldgebenden Interessenten ausgerichtet.


Stell Dir mal vor es würde Aufgrund der Forschung ein Gesetz erlassen, welches vorschreibt, das jedes Gerät, wenn es nicht händigkeitsneutral gestalltet werden kann sowohl für Rechts- wie auch für Linkshänder angefertigt werden muss. Was meinst Du, die Industrie stöht doch jetzt schon über den Dosenpfand, und der ist händigkeits neutral.

>von daher denke und hoffe ich, dass wir diesbezüglich optimistisch sein können...

>>So steht man fast alleine im Fluss und geht gegen die Strömung.

>>> ganz so allein auch wieder nicht, ich finde es richtig schön, dass wir uns darüber unterhalten und hoffe, meine Äusserungen haben Dich nicht verschreckt.


Ganz im Gegenteil. Ich freue mich auf Deine Gedanken.


>>Liebe Grüße

>Sahrah

>p.s.: bitte nicht wundern, wenn meine Äusserungen bei solchen Überlegungen ganz anders klingen, als wenn ich über meine Rückschulung oder meine LH allgemein schreibe...da unterscheiden sich bei mir Kopf und Bauch

>(habe schon oft erlebt, dass es die Leute verschreckt ...hoffe, Dir geht es nicht genauso...)


Das kenn ich auch. Manchmal geht der Schuss auch nach hinten los, weil ich nicht die richtigen Worte finde, oder Gedankengänge nicht vollständig äußere und der Gegenüber so den Gedanken nicht nachvollziehen kann.


Liebe Grüße
Matthias

Sahrah
24.02.2002, 00:39
hallo Matthias,


>Wenn einer großen Gruppe der Bevölkerung nicht die Geräte, Hilfen beim Schreiben durch geschulte Lehrer, Erzieher usw. zu Verfühgung gestellt werden, ob wohl dieses Thema seit vielen Jahren bekannt ist, kann man nicht von Unwissenheit reden, sondern von nicht weiterleiten von Erkenntnissen (in der Lehrer, Erzieher, Ärzte, Krankenschwester und so weiter) und somit von Unterdrückung der Linkshändigkeit.

>Ich weiß es ist hart formuliert, das gebe ich gerne zu, es bewegt sich auch etwas, aber leider nicht genug, denn sonst würdest Du in deiner Nähe einen Linkshänderberater finden.


>> leider ist das ein generelles Problem, das sich hier zeigt:

die Forschung ist der Praxis immer weit voraus, was das betrifft, leben wir städnig in einer total "überholten Welt"

das hat industrielle, finanzielle, rechtliche, aber auch ethische Gründe ( stell Dir doch mal vor, jetzt würde eine Reihe von Studien eine total logisch klingende Erkenntnis über irgendetwas herausfinden-sie würde sofort praktisch umgesetzt und einige Zeit später würde man erkennen, das die Theorie total falsch war...

wenn Du Dir die Wissenschaftsgeschichte anschaust, dann ist das alles andere als abwegig)


und mal ganz pragmatisch überlegt- wer hätte denn wirklich was davon, LH ganz bewusst zu unterdrücken ?

was Pädagogik anbelangt- da wechseln ohnehin die Theorien und Meinungen wie am Laufband


was die ganze Hirnhälftenproblematik betrifft:

vielleicht bin ich nicht auf dem neusten Stand, aber ich kenne keine Untersuchung, die tatsächlich beweisst, dass die Händigkeit nicht nur eine motorische Dominanz darstellt, sondern die ganze Hemisphäre betrifft.

(berichtige mich bitte, falls ich falsch liege)


wäre allerdings das tatsächlich der Fall, dann wäre eine Überkreuz-Dominanz (Hand-Bein) unmöglich.


abgesehen davon, steckt unsere Hirnforschung noch immer in den Kinderschuhen und es ist noch mehr unklar, als bekannt.

und auch hier wechselt eine Theorie die nächste ab


und ich fürchte, in 10 Jahren wird man unsere heutigen Erkenntisse belächeln


selbst wenn wir bei aktuellen Erkenntnissen bleiben:

beide Hirnhälften kommunizieren miteinander.


Zudem...die Sprache ist links organisiert (bei 90% der RH und 60-70% der LH)

das würde bedeuten, dass im Durchschnitt RH sprachlich begabter als LH wären.

(?was zu beweisen wäre?)

musikalisch wäre es genau umgedreht


so langsam interessiert mich das Thema nicht mehr nur aus Eigeninteresse...


ich freue mich auf Deine Meinung

liebe Grüsse,

Sahrah

Dr. Noll
24.02.2002, 08:48
Hallo Sarah,

ich denke, Sie meinen bei den typischen Linkshänderpersönlichkeiten auch die umgeschulten mit. Hier muss ich Ihnen widersprechen, dass die Aussagen "nicht belegt" wären. In der Tat sind knapp 20000 Menschen in einer Untersuchung erfasst; man kann heute schon sagen, durch das Hinzukommen weiterer Untersuchter ändert sich die Ausssage nicht mehr, ist also statistisch gesichert. Und damit belegt !


Mfg

Dr. Noll

Sahrah
24.02.2002, 11:50
Hallo Dr.Noll,

vielen Dank für Ihre Antwort-wie gesagt, ich kannte die Studien dazu (leider) nicht und bin froh, das zu hören.


ich möchte nicht missverstanden werden, es ist nur irgendetwas in der Absolutheit der Trennung von RH und LH, das mir aufstösst.


das hat nichts damit zu tun, dass ich es schrecklich finde, LH umzuschulen.

und auch nichts damit, dass ich sehr froh bin über das, was durch meine Rückschulung mit mir passiert- es geht nur gegen die radikale Persönlichkeitstrennung aufgrund der Händigkeit.


ich weiss nicht, wie ich es genau beschreiben soll- ich sehe nur überall den Trend, alles klar zu trennen und in Schubladen einzuordnen.

ich denke allerdings, die Grenzen sind überall fliessend.


ich bezweifle damit nicht die Umschulungsfolgen (die habe ich ja an mir selbst erfahren), bei meinen Zweifeln geht es tatsächlich um ausgelebte Händigkeit und da sehe ich einfach in meinem Bekanntenkreis, dass eine solche scharfe Trennung nicht möglich ist


(ich kenne einen LH, der ein Computergenie ist und äusserst abstrakt denkt, aber auch RH, die schreiben, malen...)


vielleicht mag ja tatsächlich irgendwo eine Disposition an die Händigkeit geknüpft sein, gleichzeitig fliessen da aber so viele andere Faktoren mit ein, dass man sie später nicht mehr so ohneweiteres trennen kann...


ich hoffe, jetzt nicht verwirrend zu klingen...


mfG

Sahrah

Dr. Noll
24.02.2002, 13:20
Hallo,

natürlich sind die Grenzen fließend, und Begabungen oder Durchsetzungsvermögen spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle.

Trotzdem gibt es einen Unterschied zwischen rechts- und linkshirnig dominierten Denken. Aber daraus sollte keine Religion gemacht werden, denn beide Denkarten haben ihre Vor- und Nachteile.

Gemein ist und bleibt, wie Sie ja schreiben, die Umschulung, und die Schäden, die daraus resultieren, sind sehr einheitlich und gut beschrieben im "Der Knoten im Gehirn" von Dr. Sattler. Dagegen gilt es etwas zu tun. Unbedingt.

In diesem Sinne


Dr. Noll

Sahrah
26.02.2002, 11:21
hy,

um Euch auf dem Laufenden zu halten- meine Zweifel bezüglich meiner LH haben sich erledigt, dank Kinderphotos (ich mit Löffel, Stift in der linken Hand)


irgendwie ein wirklich gutes Gefühl, zu erkennen, dass mein Bauchgefühl richtig war und ist.

weniger toll ist, was zur Zeit alles an gefühlsbeladenen Erinnerungen hochsteigt...


nach dem Motto:

wenn du planst, deinem Kind wehzutun, dann schule es zusätzlich auf seine nichtdominante Hand um, damit es später die Chance hat, während seiner Rückschulung das ganze zu verarbeiten...


in diesem Sinne,

Sahrah

MatthiasW
26.02.2002, 20:25
Hallo Sahrah,


ich glaube nicht, dass deine Eltern oder Lehrer dir wehtun wollten. Sie waren wahrscheinlich sogar der Ansicht dir damit einen Gefallen zutun, damit Du es im Leben leichter hast und mit der rechten Welt zurecht kommst.


Gruß Matthias

Dr. Noll
27.02.2002, 11:15
Also an einen Gefallen glaube ich kaum, zumal darunter auch viele selbst umerzogene linkshändige Eltern sind, die um ihre Probleme wussten. Es hat eher etwas mit absoluten Nicht-nachdenken und Unwissen sowie Tradition zu tun; die Geschichte der westlichen Kultur jedenfalls zeigt eine ständige Diskriminierung der linken Hand, überhaupt von Linkshändigkeit.


An einen Gefallen kann ich da nur schwerlich denken...


Mfg

Dr. Noll

Sahrah
27.02.2002, 15:06
mein Sarkamsmus bezog sich weniger auf meine Umschulung, als mehr auf die Dinge, die jetzt erneut hochkommen.

zudem war es als ironische Überspitzung gemeint, da meine Rückschulung Verarbeitungsprozesse in Gang gesetzt hat.


ich denke, für meine Umschulung kann ich weniger meine Eltern verantwortlich machen, als mich selbst und eventuell noch Kindereinrichtungen, in denen das ja Gang und Gebe war.

meine Eltern hatten viel zu sehr mit sich zu tun, als dass sie sich auch noch um meine LH hätten kümmern können, ganz abgesehen davon, dass ich ohnehin ziemlich schwierig war.

demnach hätten sie sich ihr Leben mit mir wahrscheinlich eher erleichtert, wenn sie zumindestens meine Händigkeit akzeptiert und unterstützt hätten.

aber in dem Punkt lebe wohl die damalige Unwissenheit.


naja, und wenn ich es so sehe...sollte ich irgendwann mal ein Kind bekommen, bei dem ich Linkshändigkeit bemerke, dann bekommen alle Krieg mit mir, die auch nur im Ansatz versuchen, mein Kind umzuschulen oder mit so blödsinnigen Sätzen kommen wie "nimm die schöne Hand"

was mich betrifft, so ist meine schöne Hand ganz eineindeutig meine linke


ich mag auf dem Thema irgendwie hier auch nicht weiter herumreiten...denn ês hat nicht wirklich was mit dem Thema Linkshändigkeit zu tun.


mfG

Sahrah

Jana
27.02.2002, 15:20
Hallo Dr.Noll,


nach meinen Erfahrungen wußte damals in meiner Kindheit (bin 35) wohl kaum jemand etwas.

Da außerdem damals wie heute das Märchen von der Beidhändigkeit und der leichten Linkshändigkeit existiert, glaubten und glauben viele Eltern( meine z.B.), das Richtige zu tun, wenn sie ein Kind umschulen, daß sehr leicht lenkbar ist (wie ich zum Beispiel bis zum Alter von ca.10 Jahren. Erst danach kann ich mich an teilweisen Widerstand meinerseits erinnern).

Ich kenne mittlerweile (da ich jede Gelegenheit beim Schopfe packe, drüber zu reden) viele umgeschulte Linkshänder, die fest glauben, keine Probleme zu haben bzw. sagen "ich war früher (!) auch Linkshänder" und auch einige, die gar nicht wissen, daß sie Linkshänder sind und es auch abstreiten würden.

Mein Vater gehört dazu, ob wohl es für jeden, der sich mit der Thematik beschäftigt, offensichtlich ist, und obwohl er akzeptiert hat, daß die meine Umschulung ein Fehler war.

Ich denke, daß irgendwelche Schuldzuweisungen die Fronten nur verhärten würden.

Das Gemeine ist freilich, daß die Umschulung bestehende andere psychische oder soziale Probleme noch verschlimmert, und genau das ist wohl bei Sahrah der Fall und war es auch bei mir.


Schöne Grüße aus MeckPomm

Jana

Dr. Noll
27.02.2002, 19:10
Hallo Jana,

mir geht es nicht um Schuldzuweisungen, sondern einfach darum die damals wie heute große (!) Gedankenlosigkeit aufzuzeigen.

Und das hat nicht immer etwas wie "das Beste für das Kind wollen zu tun", da es auch damals beretis Autoren gab, die auf die Problematik umgeschulter Linkshänder hinwies, mit allen Folgen wie Stottern etc.!

Es geht mir aber auch nicht um "Bewertung", sondern einfach darum, dass damals wie heute kaum einer darüber nachgedacht hat, was er tut (bei der Umschulung).

Denn ehrlich gesagt: haben diese Umerzieher sich gefragt, was es wirklich bringen sollte ? Bei mir war es so, dass ich die Schrift auf meinem Täfelchen verwischte, aber kann das ein Grund sein, wenn man die z.B. in den USA korrekte Schreibhaltung denkt ?

Um gegen die Gedankenlosigkeit von damals anzugehen, gebe ich hier einige Antworten; diejenigen aber, die aber, die die Gedankenlosigkeit von heute akzeptieren, wenn wir nichts tun, das sind w i r, wir Väter und Mütter der heutigen Generation.

Und deshalb müssen wir dagegen halten und manchmal auch den Schmusekurs verlassen und sagen : Nein !

Aber das tun immer noch viel zu wenige, und immer noch umerziehen viele viele Eltern mit den Sprüchen von gestern...

Tut mir leid, etwas emotional, aber vollkommen so gemeint.

Mfg
Dr. Noll

Birgit
27.02.2002, 20:02
Hallo Sarah,


jetzt muß ich mich doch noch einmal melden.


>mein Sarkamsmus bezog sich weniger auf meine Umschulung, als mehr auf die Dinge, die jetzt erneut hochkommen.


Klar kommen jetzt viele Gefühle hoch und dazu gehören Sarkasmus, Wut, Traurigkeit, etc. ebenso wie die Befreiung. Da kenne ich gut. Die ersten Monate geht wohl bei den meisten Rückschülern gefühlsmäßig die Post ab. Wie du richtig feststellst, gehört das zum Verarbeiten dessen, was du erlebt hast.

Ich persönlich halte es für sinnvoll, dieser Wut einen guten Platz zu geben ( Malen, Schreiben, Reden mit Freunden, was immer man möchte ). Mir hat es jedenfalls gut getan. Ich darf ja auch wütend sein, wenn mir jemand mit dem Fahrrad über meine Zehen fährt, selbst wenn das nicht absichtlich war. Es wäre absurd, von mir zu verlangen, daß ich dann trotz gebrochener Zehen erst einmal Mitleid mit dem Radfahrer hätte und noch Entschuldigungen für sein Verhalten suche. Entschuldigen ist an sich Sache dessen, der Unrecht getan hat.


>ich denke, für meine Umschulung kann ich weniger meine Eltern verantwortlich machen, als mich selbst und eventuell noch Kindereinrichtungen, in denen das ja Gang und Gebe war.


Für deine Umschulung kannst du eine ziemlich unsinnige, gesellschaftliche Regel verantwortlich machen. Aber bitte nicht dich selbst! Wenn du selbst mitgewirkt hast, dann eben deshalb, weil du als Kind einfach zu den anderen dazugehören wolltest. In dem Alter war das überlebenswichtig.




>meine Eltern hatten viel zu sehr mit sich zu tun, als dass sie sich auch noch um meine LH hätten kümmern können, ganz abgesehen davon, dass ich ohnehin ziemlich schwierig war.


Ich war auch ein schwieriges Kind und eine noch schwierigere Jugendliche. Jedes Kind ist schwierig, wenn es sich in einem Zustand dauerhafter Überlastung befindet und ständig im Zwiespalt zwischen eigener Natur und Bindung an die Eltern/Gruppe/Erzieher ist. Außerdem wurde uns ziemlich früh klar, daß wir uns nicht unbedingt auf die verlassen können, die es besser wissen müßten, weil sie die Älteren sind. Ich habe vor kurzem zu meiner Lehrtherapeutin gesagt: "Ich habe keine Kinder und kann deshalb nicht mitreden. Und dennoch ist mir völlig schleierhaft, wie man als Eltern derart über die Not des eigenen Kindes hinwegsehen kann." Irgendwie fiel ihr keine Antwort dazu ein.


>demnach hätten sie sich ihr Leben mit mir wahrscheinlich eher erleichtert, wenn sie zumindestens meine Händigkeit akzeptiert und unterstützt hätten.


Das mit absoluter Sicherheit.


>aber in dem Punkt lebe wohl die damalige Unwissenheit.


Sie haben es wirklich nicht gewußt.

Ich vergleiche das manchmal mit der Regel, daß in China den Mädchen früher die Füße bandagiert wurden, damit sie "schön" klein bleiben. Das war aus unserer Sicht völliger Unsinn und Körperverletzung. Für die damalige Gesellschaft war es ein Ideal und alle bemühten sich, es einzuhalten. Das Bewußtsein für den Schaden und die Sinnlosigkeit der Sache war einfach nicht da.




>naja, und wenn ich es so sehe...sollte ich irgendwann mal ein Kind bekommen, bei dem ich Linkshändigkeit bemerke, dann bekommen alle Krieg mit mir, die auch nur im Ansatz versuchen, mein Kind umzuschulen oder mit so blödsinnigen Sätzen kommen wie "nimm die schöne Hand"


Stark. Das hätte ich mir von meiner Mutter in jedem Fall gewünscht!


Mach's weiter so gut.


Birgit

Sahrah
28.02.2002, 06:54
hallo Birgit,

es tut mir unglaublich gut, wenn Du schreibst, dass in den ersten Monaten "gefühlsmässig beim Rückschüler die Post abgeht", denn momantan stecke ich in einem derartigen psychischen Chaos, dass ich teilweise ehrlich an mir zu zweifeln beginne.

teilweise habe ich nicht einmal einen Schimmer, was da gerade in mir vorgeht, ich spüre nur blind den rasenden Kampf, ich merke, dass ich schreien möchte, weil es mich innen zerlegt.


so seltsam das klingt- es ist im Grunde aber auch ein Beweis, dass ich nicht im Ansatz so krank bin, wie ich dachte-sonst wäre nämlich jetzt genau der Zeitpunkt gekommen, wo ich psychotisch werden würde, das Bewusstsein und die "Normalität" meiner Wahrnehmung, meines Realitätsbewusstseins verlieren würde und wahrscheinlich komlett abdrehen.

das soll nicht schockieren...

es ist nur seltsam, festzustellen, dass ich mehr gesunde Kraft in mir habe, als mir jemals jemand (mich eingeschlossen) zugebilligt hätte...


herrjeh, ist "man selbst werden" immer ein so schrecklicher Prozess...


warum ich teilweise nicht einfach das Handtuch werfe, liegt wohl daran, dass ich mich immer mehr spüre, mir immer näher komme und dass die Verbesserungen von Konzentration, Merkfähigkeit (ich hatte bei meiner Prüfung gestern absolut keinen Blackout, ich war sogar in der Lage, zu sehen, wie nett die Prüferin ist-sonst war ich immer viel zu eingesponnen in meine Prüfungsangst-und bin rausgekommen mit ner Eins !) und kreativem Zugang immer noch andauern...


und dass ich mich mir noch nie so nah gefühlt habe, wie in den Momenten, wo ich mit Links schreibe...

(mal ganz abgesehen davon, dass ich mit der linken Hand inzwischen sogar manchmal schneller und vorallem fliessender schreibe, als ich es mit rechts je konnte)


so, ich hoffe, Dich-Euch jetzt nicht total vor den Kopf gestossen habe...


liebe Grüsse,

Sahrah

Birgit
28.02.2002, 18:02
Hallo Sara,

kurz ein paar Zeilen zu deiner email


> ......denn momantan stecke ich in einem derartigen psychischen Chaos, dass ich teilweise ehrlich an mir zu zweifeln beginne.


Gehört dazu und ist normal. Selbstzweifel hatte ich allerdings auch schon vor der Rückschulung ganz gewaltig, danach änderte sich die Qualität der Selbstzweifel und jetzt - sind sie weg.


> teilweise habe ich nicht einmal einen Schimmer, was da gerade in mir vorgeht,



Woher auch? Du lernst Dich ja gerade erst wieder selbst kennen.


> ich spüre nur blind den rasenden Kampf, ich merke, dass ich schreien möchte, weil es mich innen zerlegt.


Kenne ich auch, vergeht wieder. Wenn du schreien willst, dann tu's - ins Kissen, in freier Natur etwas abseits, oder an einem Ort, wo es sowieso höllisch laut ist. Alles ist erlaubt, was dir gut tut und niemand anderem schadet.


>so seltsam das klingt- es ist im Grunde aber auch ein Beweis, dass ich nicht im Ansatz so krank bin, wie ich dachte-


Du warst vielleicht gar nicht krank sondern eher tief gekränkt.


>sonst wäre nämlich jetzt genau der Zeitpunkt gekommen, wo ich psychotisch werden würde,


Das habe ich mir auch manchmal gedacht. Aber dann war mir klar, daß ich eigentlich gerade dabei bin, aus einer für mich verrückten Welt abzuhauen.


>das soll nicht schockieren...


Tut's nicht. Wie sollte die Wahrheit schockieren.


> es ist nur seltsam, festzustellen, dass ich mehr gesunde Kraft in mir habe, als mir jemals jemand (mich eingeschlossen) zugebilligt hätte...


Tolles Gefühl, nicht wahr. Genieße es und sei dir sicher: Darauf kannst du immer bauen.


>herrjeh, ist "man selbst werden" immer ein so schrecklicher Prozess...


Ja, schrecklich aufregend. Ich würde keine Sekunde zurück wollen.


>warum ich teilweise nicht einfach das Handtuch werfe, liegt wohl daran, dass ich mich immer mehr spüre, mir immer näher komme ...


Das war das Gefühl, das auch mir Kraft gab schwere Zeiten durchzustehen.


>....-und bin rausgekommen mit ner Eins !


Gratulation!


> und dass ich mich mir noch nie so nah gefühlt habe, wie in den Momenten, wo ich mit Links schreibe...


Sarah, ich freue mich wirklich für dich und mit dir.


>so, ich hoffe, Dich-Euch jetzt nicht total vor den Kopf gestossen habe...


Mich absout nicht.


Herzlich
Birgit

Birgit
28.02.2002, 19:40
Hallo Matthias,


in meinen Gesprächen mit Eltern von umgeschulten LH in den vergangenen 3 Jahren mußte ich erkennen, daß es tatsächlich so ist. Eltern wußten zwar, daß sich ihr Kind irgendwie schwer tut und Minderwertigkeitsgefühle hat, aber fanden keinen Zusammenhang mit der Umschulung. Da war u. a. ein Lehrer mit zwei umgeschulten Söhnen, eine RH die ihren Sohn ab dem Greif-Alter umgeschult hat, indem sie "alle Spielsachen bewußt auf die rechte Seite des Babys legte, damit es gleich die richtige Seite trainiert" ( diese Methode kenne ich nur von halbseitig gelähmten Patienten nach Schlaganfall, womit man die gelähmte Seite wieder aktivieren möchte ), und eine umgeschulte LH-Mutter, die ihrer Tochter die Erniedrigungen und Züchtigungen ersparen wollte, die sie selbst als Kind erlebt hat. Lehrer und LH-Mutter waren sehr betroffen, als ich ihnen erklärte, was bei der Umschulung passiert. Die andere Mutter war so stolz auf ihre Erziehungsmethode, daß es mir einfach die Sprache verschlug.


In Soz.-päd.-Kreisen finde ich übrigens auch wenig Gehör. Jemand aus der Jugendhilfe meinte nach einem Vortrag Frau Dr. Sattlers im Radio zum Internat. LH-Tag: "Naja, es gibt ja wohl auch noch andere Möglichkeiten, Probleme im Leben zu bekommen." Die Tochter hat Sprachstörungen. Mir verschlug es dann auch die Sprache.


Wenn RH-Eltern ihre LH-Kinder umschulen, dann stimmt aus ihrer Sicht, daß man rechtshändig leichter in der Welt zurecht kommt absolut. Das macht es vielleicht so schwer, bei ihnen ein Bewußtsein und Respekt für die ihnen fremde LH-Welt zu wecken.


Gruß

Birgit

Birgit
28.02.2002, 19:53
Hallo Herr Noll,


ich kann Ihnen in dem Punkt nur zustimmen.


Erschütternd finde ich, daß im Gegensatz zu unseren Eltern, die in der Regel tatsächlich unwissend - aber leider oft genug blind für unsere Not - waren, auch heute noch Eltern die Umschulung ihrer Kinder wollen, selbst wenn die Kinder bereits in Frühförderstellen oder heilpädagogischen Praxen wegen Verhaltensauffälligkeiten behandelt und die Eltern genau über die Probleme informiert werden. So die Information, die ich von meiner Cousine erhielt, die eine eigene Praxis hat und manchmal schier verzweifeln möchte.

Daß man als Betroffene/r bei dem Thema emotional wird finde ich persönlich nur normal.

Gruß


Birgit

armin
01.03.2002, 11:03
ich habe eine anfrage:

kann mir jemand tipps geben bzw. seine/ihre erfahrungen mitteilen, wie eine rückschulung gut ablaufen kann, wenn man selber grafiker oder architekt ist oder in diesen berufsfelder arbeitet?


zu meiner person:

ich wurde vor 30 jahren von der linken auf die rechte schreibhand umgeschult/umgezwungen; das schriftbild danach war schön (sagte man),

Ich entschied mich aus verschiedenen gründen ab januar dieses jahres die computermaus (auch cad) von rechts auf links zu wechseln, und ab ca. februar die schreibhand zu wechseln, und links zu schreiben und zu zeichnen, was ich auch tue.

Allerdings tauchten trotzdem innerliche bedenken auf:

soll ich 30 jahre erfahrung mit rechts einfach so verschwinden lassen?

das neue schriftbild mit links schaut noch völlig laienhaft aus, und die zeichnungsskizzen erst, ist das eines architekten würdig?


armin

Ursa
01.03.2002, 11:50
Hallo Armin,


nimmst du nur noch die linke Hand? Ist dass nicht schrecklich anstrengendß? Ich habe es nur ´mal mit der Maus versucht und hatte den Eindruck, meine jahrelange Gewohnheit ist stärker als meine unterdrückte Linkshändigkeit. Es macht mich total nervös, dass es nicht so klappt.


Gruß

Ursa

Sahrah
01.03.2002, 12:01
hallo Birgit,

vielen Dank für Deine mutmachende Antwort...


wenn es tatsächlich so ist...dann müsste die Zeit für mich laufen...


immerhin ist das irgendwie der erste Kampf, den ich mit erhobenem Kopf kämpfe...

seltsam-schönes Gefühl...


liebe Grüsse,

Sahrah

armin
01.03.2002, 13:20
Hallo Ursa,

das Wechseln der Maus von der rechten auf die linke Hand war ganz einfach (man muß ja nur Tasten drücken); interessant fand ich dass sich mein Gehirn "meldete", in dem es auf der linken Kopfseite kitzelte (klingt vielleicht etwas komisch, war aber so), auf jeden Fall ein angenehmes Gefühl. Ich mußte mich nicht zwingen, nur es tun. Ich wußte: links, das ist mein Ding. Vielleicht hat es damit zu tun, dass ich während meiner Jugendzeit auch Möglichkeiten hatte, "links" zu sein, vor allem im sportlichen Bereich (z.B. Tischtennisverein, Tennisverein, Dartspielen, Leichtathletik, Fußball spielen....), links zu schreiben war aber damals kein thema mehr.


Grüße,

Armin

Jana
01.03.2002, 15:10
muß Ihnen nicht leid tun, das Emotionale. Geht mir oft genauso.

Ich meinte das ganze weniger auf die heutige Elterngeneration bezogen, da denke ich genauso wie Sie (und suche immer noch nach Wegen, meiner Nichte die Umschulung zu ersparen - bleibt aber schwierig),sondern auf unsere Elterngeneration. Stottern und Bettnässen oder Nägelkauen brachte man sicher auch mit LH in Verbindung, aber weniger "auffällige" psychische oder soziale Probleme waren doch schwer einzuordnen und wurden schnell auf andere Ursachen zurückgeführt. (Bei mir z.B.)

Ich kann das Ganze einfach nicht so hart sehen, wenn ich weiß, daß meine Eltern sich immer wieder gefragt haben, was sie falsch machen und wie sie mir helfen können und einfach nicht auf diesen Zusammenhang gekommen sind, erst durch einen Zeitungsartikel mit dem Hinweis auf Frau Dr.Sattlers "Knoten im Gehirn", den sie übrigens nicht von mir hatten.


schönes Wochenende

Ihre Jana

Bine
01.03.2002, 19:10
Hallo Armin,


ich schreibe seit Oktober nur noch mit links. Das Schriftbild ist nicht so schön wie mein rechtes, aber ich kann mich nicht mehr dazu überwinden, nochmals mit rechts zu schreiben. Links schreiben fühlt sich einfach gut an. Und ich nehme inzwischen automatisch den Stift in die linke Hand und das trotz 30jähriger Rechtshändererfahrung. Für mich bin ich sicher, dass ich das richtige tue.


Gruss

Bine

Sahrah
02.03.2002, 09:02
ich bin bei der ganzen Diskussion irgendwie ambivalent:


auf der einen Seite bin ich wütend und traurig, weil ich erst jetzt dabei bin, mich selbst zu finden. ich denke, dass meine Probleme sicher nicht nur mit meiner Umschulung zusammenhängen, sondern wahrscheinlich mit vielen anderen Faktoren, bei denen meine Umschulung allerdings einer davon war.

es macht mich wütend und traurig, wenn ich merke, dass sicher vieles einfacher gewesen wäre, würde ich nicht erst jetzt meine linke Seite anerkennen

(die Ungeschicklichkeit, die Distanz zu mir selbst, das Wissen, immer alles falsch zu machen und eine völlig falsche Wahrnehmung zu haben...)


andererseits weiß ich nicht, ob wir es uns nicht vielleicht zu einfach machen, wenn wir so gut wie jedes Problem auf unsere Umschulung zurückführen...

wir sind einfach geprägt durch so viele Faktoren, dass es im Nachhinein oft schwerfallen könnte, die genaue Kausalität festzustellen...


ich hoffe, ich drücke mich verständlich aus...


ich hätte noch eine Frage:

diese Selbstentdeckung, diese sich entfaltende Kreativität, dieses plötzliche Gefühl, anzufangen, mich gern zu haben...

bleibt das, oder verliert man es wieder (vielleicht indem man wieder in alte Muster reinrutscht, die man ja sein ganzes Leben lang geöhnt ist...) ???


ich habe schreckliche Angst, das gefundene wieder zu verlieren...


das klingt wahrscheinlich ziemlich blöd...


liebe Grüsse,

Sahrah

Sahrah
02.03.2002, 12:15
hallo Armin,

ich kann Deine Bedenken gut nachvollziehen.

ich stecke selbst noch mitten in der Rückschulung (seit ca 3Wochen), viel ist in der Zeit passiert, aber manchmal, gerade an Tagen, an denen mir das Schreiben etwas schwerer fällt, zweifle ich oft an mir.

auch das Problem mit dem Zeichnen kenne ich, auch wenn es bei mir keine technischen Zeichnungen sind.

wenn ich jetzt mit Links zeichne, dann ist zwar wesentlich mehr Lebendigkeit drin (einfach dadurch, dass ich lebhaftere Bilder im Kopf habe), aber vom Geschicklichkeitsaspekt sehen sie heftig diletantisch aus.


was mir immer wieder hilft:

stell eine Art Pro/Contra Liste auf- was bessert sich unter Deiner Rückschulung (vorallem in Dir) und wo erwächst Unzufriedenheit aus der noch kindlichen Ungeschicklichkeit Deiner linken Hand.


ich wünsche Dir ganz viel Glück,

Sahrah

Jana
02.03.2002, 17:03
Hallo Sahrah,

viele Deiner Probleme können sicherlich andere Ursachen haben, aber durch die Umschulung werden diese Probleme laut Frau Sattler unverhältnismäßig verstärkt.

So ähnlich war es bei mir.

Nachdem jetzt nach 2 Jahren Rückschulung eine ganze Menge rechtshandverursachter Streß weggefallen ist, kann ich allmählich zuordnen, welche meiner Probleme andere Ursachen haben und lernen, mit ihnen umzugehen.


Genau diesen Vorwurf, nur alles auf die LH zurückzuführen, habe ich übrigens schon oft von Rechtshändern und Umgeschulten zu hören bekommen. Er wurde und wird sehr gern genutzt, um eine Diskussion zum Thema zu beenden.


Dein Gefühl, Dich gern zu haben, wirst Du nicht verlieren, wenn Du ein bißchen aufpaßt und es nicht als selbstverständlich hinnimmst. Das ist es nämlich nicht, es gibt so viele Menschen, die sich selbst nicht leiden können und es auf die eine oder andere Weise an ihrer Umwelt auslassen.

Ich glaube aber, nach allem, was Du bisher geschrieben hast, daß Dir das nicht passieren wird. Und Deine Kreativität wird vielleicht eher noch zunehmen, je mehr Übung Du mit der linken Hand bekommst.

Vertrau einfach Deinem Gefühl und brich nichts übers Knie.


Herzliche Grüße,

Jana

Birgit
02.03.2002, 18:32
Hallo Sarah,


sei gut zu dir und erkenne an, daß du dich jetzt auf den Weg machst. Wer weiß, ob es früher der richtige Zeitpunkt gewesen wäre? Ich habe auch lange viel betrauert. Es gehört dazu. Es ist ja auch traurig.

"Alles auf die Umschulung schieben" kann man sicher nicht und ich habe nie das Gefühl gehabt, daß ich oder jemand anderer das bei der Rückschulung getan hat. Vielleicht ist es so: Wenn man endlich den richtigen Kontext für sein Leben und Empfinden bekommt, dann spult man noch einmal den gesamten Lebensweg ab und prüft, was gewesen ist und ob es mit der Umschulung zusammenhängt. Und weil es ja etwas sehr grundsätzliches ist, ob man in seinem natürlichen Wesen angenommen wird oder nicht, findet man ziemlich viel, das von der Umschulung negativ beeinflußt wurde. LH - RH ist wohl ein so grundsätzliches Persönlichkeitsmerkmal wie weiblich - männlich, nehme ich an.

Nachdem du dir selbst doch mißtrauisch gegenüber stehst ( was alle mir bekannten Rückschüler tun ), wirst du kaum ein Problem der Umschulung zuschieben, das nicht wirklich dorthin gehört.


Du drückst dich nach wie vor für mich sehr verständlich aus. Es hört sich nichts blöd an. Und glaub mir: alles, was du jetzt gewinnst, bleibt dir. Keiner kann es dir mehr nehmen. Ich zumindest habe alles behalten, was ich seit drei Jahren dazugewonnen habe. Ich lasse es mir auch nicht mehr nehmen. (-;


Birgit

Sahrah
03.03.2002, 11:16
hallo Birgit, hallo Jana,

Ihr habt wohl vollkommen Recht mit dem, was Ihr schreibt...

so sehr wie ich dachte, haben sich meine Zweifel wohl doch noch nicht erledigt.

ich merke, dass sie immer mal wieder ganz heftig aufflackern-so im Sinne von "Ich bilde mir das alles nur ein..." und "nun hör mal mit der Spinnerei auf !"

habe gestern in solche einer Phase den Stift wieder in die rechte Hand genommen, auch weil mal wieder eine Phase war, wo meine linkshändige Schrift katastrophal aussah.

naja, seltsam...sicher war die Schrift mit rechts fliessend und schöner, aber in mir kam eine solche Abwehr hoch...

also schreibe ich weiter mit links.


was mich etwas (naja, eigentlich ziemlich arg) stört ist, dass ich mit der linken Hand einfach noch nicht geschickt genug bin, um zu zeichnen.

ich meine, mit dem Bleistift geht es seit Anfang an ziemlich gut, aber ich hatte kurz vor meiner Rückschulung endlich den Drech raus, mit dem Pinsel so umgehen zu können, wie mit dem Bleistift (rechte Hand)

ich war darüber unglaublich glücklich (bisher hatte ich max. Kreidezeichnungen angefertigt), habe mir grosse Presspappe und Acrylfarben gekauft.

(im übrigen fing ich da an, an meiner RH zu zweifeln, weil ich, sobald ich "weggetreten" war- also nur noch fliessend im Zeichnen), den Pinsel in die linke Hand nahm.

aber feinmotorisch fehlt ihr einfach noch die Geschicklichkeit.


mir ist so sehr nach Malen-könnte Ihr nachvollziehen, dass ich mich einfach nicht an die Farbe und die grossen Blätter traue, weil ich Angst habe, dass mich das Ergebnis total entäuscht...?


das klingt wahrscheinlich albern banal, aber zeichnen und schreiben sind für mich einfach Dinge, die ganz stark mit meinem Ich verbunden sind...und gerade jetzt, wo soviel passiert, brauche ich sie...


naja, das klingt wirklich albern und ungeduldig...


wie ist das eigentlich...erreichen wir mit der linken Hand jemals ihre eigentliche Geschicklichkeit, nachdem wir doch unser ganzes Leben lang sämtliche Kraft auf das Trainieren der rechten verwendet haben ?


diese Zweifel...gelingt es irgendwann, dass man tatsächlich für sich annehmen kann, dass man eben LH ist ?

bei mir kämpfen immer noch Bauchgefühl und Kopfzweifel gegeneinander...


das, was alles unterdrückt worden ist, indem wir unsere LH nicht ausleben konnten...hat das nach all den Jahren Umschulung noch eine Chance, sich voll zu entfalten oder müssen wir uns damit zufrieden geben, dass es nur im Ansatz hochkommt, einfach weil es zu lange unterdrückt wurde ?


Birgit, Du schreibst über diesen Unterschied zwischen LH und RH (als PSK-Merkmal), ich habe einiges davon auch schon gehört...

würde mich allerdings näher dafür interessieren...vielleicht fände ich dann sogar eine teilweise Erklärung für mein lebenslanges Gefühl, anders zu sein.

Diese immer vorhandene Kluft zwischen mir und anderen...dieses Gefühl, fremd unter ihnen zu sein...

kennt Ihr das ?????


vielen Dank

und ich hoffe nachwievor, Euch nicht zu nerven, bitte sagt mir rechtzeitig Bescheid, falls es so sein sollte, denn das habe ich absolut nicht vor...


Sahrah

Jana
03.03.2002, 13:22
Hallo Sahrah,


bitte hab mehr Geduld mit Dir!

Deiner linken Hand fehlt schlicht und einfach die Übung.

Aber Du kannst nicht in wenigen Wochen erreichen, wofür man normalerweise Jahre braucht, eine ausgeschriebene Handschrift zum Beispiel.

meine Schrift sieht nach zwei Jahren auch immer noch eigenartig aus, aber es ist meine! Und wenn ich sehe, daß ich mühelos ein bis zwei Seiten schreiben kann, ohne ein mich einziges Mal zu verschreiben, wo ich früher Blut und Wasser geschwitzt habe, und daß auf unliniertem Papier alle Zeilen grade und in gleichmäßigem Abstand gelingen, dann ist es mir sch... egal, wie es aussieht, sofern es andere Leute lesen können.

Was die Malerei betrifft, ich habe kurz vor meiner Rückschulung mit Seidenmalerei angefangen und mit rechts so einige Tücher verdorben. Dann habe ich noch eine ganze Weile die Konturen mit rechts gemalt und die Flächen mit links (also mit Pinsel) gefüllt. Inzwischen mache ich auch die Konturen mit links. Ich weiß nicht, ob Dir das irgendwie weiterhilft. Aber beim Malen und Zeichnen würde ich an Deiner Stelle die Hand nehmen, nach der Dir grade zumute ist. Das wird vielleicht noch ab und zu die Rechte sein, aber immer seltener.

Ich kann mir nicht vorstellen, daß Dir mit links ein Bild eher mißlingen sollte, als mit rechts. Vielleicht werden sie einfach nur ein bißchen gewöhnungsbedürftiger sein, weil sich mit Deiner Persönlichkeit auch Deine Art zu malen ändert.Wie gesagt, ich habe Pinselerfahrung nur auf Seide, aber es fällt mir sehr viel leichter als vorher mit rechts.

Insgesamt kann ich nach über zwei Jahren sagen: es wird nie so werden, wie es ohne Umschulung geworden wäre, aber es ist schon jetzt sehr viel besser, als wenn ich mit rechts weitergemacht hätte.

Vor allem freue ich mich, daß ich ausgeglichener geworden bin, selbstbewußter, weniger ängstlich und dadurch besser mit anderen Menschen umgehen kann. Das hat aber Monate bis Jahre gedauert, und ich habe auch zwischendurch einmal einen ziemlich heftigen Rückschlag erlebt.

Allerdings werden mir wohl bis an mein Lebensende die 30% Energie fehlen, die ein umgeschulter LH für alles mehr aufwenden muß.

Bitte überstürze nichts, Sahrah, damit würdest Du Dir eher schaden als nützen.


Alles Gute

Deine Jana

Birgit
03.03.2002, 14:16
Hallo Sarah,


das Gefühl, daß man sich alles bloß einbildet, kennen wohl alle Rückschüler. Es liegt daran, meine ich, daß man sich ja selbst erst kennenlernt und die eigene Wahrnehmung und Empfindung einem einfach noch fremd ist. Gleichzeitig können wir uns nur auf unsere eigene Einschätzung verlassen. Letztendlich - glaube ich - gibt uns unser Körper die Impulse, wo es lang geht. Und das ist bei jedem/r Rückschüler/in individuell. Verwirrend ist das aber im Lauf der Zeit bekommt man ein sicheres Gespür für die eigene richtige Richtung. So hast du wohl deshalb innere Abwehr empfunden, als du wieder mit deiner rechten geschrieben hast. Dann bleibt die Rückkehr zur Linken und daß man Geduld mit sich selbst hat.


Mit dem Malen hatte und habe ich auch noch Probleme. Seit Schulende habe ich nichts mehr in der Richtung gemacht, weil es mich quälte. Kurz: dieser Bereich ist noch einer meiner wundesten Punkte. Aber: Ende Januar habe ich dann doch mein erstes Bild gemalt. Ich hatte wirklich Angst davor, es zu wagen. Was dann am Sonntag vormittag auf dem Papier erschien war kindlich aber - und das berührte mich zu tiefst - es entsprach in Dimension ( 1,20 x 0,8 m ), Farbe und Inhalt genau dem inneren Bild und den Empfindungen, die ich hatte. Jetzt habe ich mich erneut zu einem Mal-Seminar angemeldet und denke, die Technik kommt schon. Immerhin habe ich, ohne jemals links zeichnen gelernt zu haben, ein erkennbares Bild hingebracht, das sogar meine Freundinnen anspricht und auch meine Lehrtherapeutin sehr ausdrucksstark fand.

Deshalb glaube ich, daß es bei dir mit dem linkshändigen Malen und Zeichnen noch viel schneller gehen wird. Du hast die Technik ja an sich gespeichert und wirst bald wieder darauf zurückgreifen können. Hab doch etwas Geduld mit dir. Und bitte bezeichne das, was dich beschäftigt nicht als albern. Dir ist es wichtig und damit hat es seine Berechtigung.


Ob ich jemals die Geschicklichkeit mit meiner linken Hand erreiche, die ich ohne Umschulung erreicht hätte, das weiß ich ehrlich gesagt nicht. Ich weiß nur, daß ich insgesamt mit Ergebnis meiner Rückschulung sehr zufrieden bin und andere Rückschüler/innen, die ich kenne, auch. Was wir alle in der Zeit lernten war, Geduld, Geduld, Geduld mit uns selbst. Von den Rückschülern/innen, die ich kenne, hat keine/r mehr Probleme damit, sich als Linkshänder anzunehmen. Alle haben wir uns sehr gut in unserer natürlichen Veranlagung wiedergefunden und eingerichtet. Es dauert halt ein wenig. Du wirst sehen, in ein paar Wochen geht es dir schon besser und du siehst klarer.


Wenn Bauchgefühl und Kopfzweifel gegeneinander kämpfen ist es anstrengend. Frag mal die beiden, ob sie miteinander kooperieren könnten, z. B. daß dein Bauchgefühl die Richtung vorgibt und Kopfzweifel schaut, ob es Hindernisse gibt, die du aus dem Weg räumen kannst, ob du mehr Zeit brauchst oder ob es einfach nur richtig ist, was Bauchgefühl sagt und du stolz auf dich sein kannst.


Die Frage, wie weit ich das, was mir durch Umschulung verloren ging, wieder entfalten und nachholen kann, die ging mir auch lange nach. Ich glaube, man kann schwere Zeiten und tiefe Verletzungen im Leben nicht ungeschehen machen. Narben bleiben, selbst wenn man sie nicht offen sieht. Aber aus dem Wissen, schwere Zeiten durchgestanden zu haben, wächst aber eine Kraft, die eine Lebensweise möglich macht, die andere Menschen, niemals ganz erfassen und leben können. Heute denke ich mir, daß das Leben seine eigenen Gesetze für Gerechtigkeit hat.


Wenn du mal Muße hast, dann magst du vielleicht "Die Wüstenrose" lesen. Es ist die Geschichte einer afrikanischen Frau. Ich fand das Buch und ihre Lebenserfahrungen für mich sehr hilfreich.


Die Tabelle mit den Persönlichkeitsmerkmalen von Links- und Rechtshändern in Frau Dr. Sattlers Buch "Knoten im Gehirn" öffnete mir die Augen. Ich habe es mit RH- und LH-Kolleginnen und Freundinnen ausprobiert, ob die Zuordnung stimmt. Wir erreichten sozusagen 100% Übereinstimmung.

Heute fühle ich mich mit LH pudelwohl und bei RH wohler als früher aber dennoch mich selbst eben anders. Nur Mut zur Individualität.


Ich sage dir rechtzeitig, wenn du mich mit irgendetwas nerven solltest. Ich übernehme für mich die Verantwortung, nichts zu tun, was ich nicht will. Abgemacht?


Und nun noch eine gute Zeit und laß es dir gut ergehen.


Birgit

Olli
03.03.2002, 23:16
Hallo Armin,


ich kann Dich beruhigen, denn nach einigen Wochen (ca. 4 - sieht das Schriftbild schon garnitcht mehr so diletantisch aus und das zeichnen müßte eigentlich sogar schon eher klappen. Ich spreche hier aus Erfahrung, denn auch ich habe mich nach fast 30-jähriger pseudo-rechtshändigem Dasein (und ich habe wirklich fast alles mit rechts gemacht) vor ca. zweieinhalb Jahren wieder zurückgeschult.


Übrigens, das kribbeln im Kopf ist mir auch bekannt. Auch ich hatte - und habe es auch heute noch mitunter - so ein Gefühl in der rechten Gehinhälfte und habe es immer damit verglichen, dass es mir so vorkäme, als ob mir jemand ein frisches , belebendes Duschgel in den Kopf gegossen hätte.


Olli

Sahrah
04.03.2002, 10:16
hallo Birgit,

danke für Deine Antwort, auch für den Nachsatz bezügl. meiner Angst, zu nerven.

das erleichtert.

>das Gefühl, daß man sich alles bloß einbildet, kennen wohl alle Rückschüler. Es liegt daran, meine ich, daß man sich ja selbst erst kennenlernt und die eigene Wahrnehmung und Empfindung einem einfach noch fremd ist. Gleichzeitig können wir uns nur auf unsere eigene Einschätzung verlassen. Letztendlich - glaube ich - gibt uns unser Körper die Impulse, wo es lang geht. Und das ist bei jedem/r Rückschüler/in individuell. Verwirrend ist das aber im Lauf der Zeit bekommt man ein sicheres Gespür für die eigene richtige Richtung. So hast du wohl deshalb innere Abwehr empfunden, als du wieder mit deiner rechten geschrieben hast. Dann bleibt die Rückkehr zur Linken und daß man Geduld mit sich selbst hat.


irgendwie macht mir das total Mut !

auch weil der wichtigste Grund für mein Schreiben in diesem Forum ja der ist, dass es mich brennend interessiert, wie es bei anderen Rückschülern ist / war.

sozusagen der soziale Vergleich


Was dann am Sonntag vormittag auf dem Papier erschien war kindlich aber - und das berührte mich zu tiefst - es entsprach in Dimension ( 1,20 x 0,8 m ), Farbe und Inhalt genau dem inneren Bild und den Empfindungen, die ich hatte. Jetzt habe ich mich erneut zu einem Mal-Seminar angemeldet und denke, die Technik kommt schon. Immerhin habe ich, ohne jemals links zeichnen gelernt zu haben, ein erkennbares Bild hingebracht, das sogar meine Freundinnen anspricht und auch meine Lehrtherapeutin sehr ausdrucksstark fand.


das hört sich total schön an !

würdest Du mir eventuell beschreiben wollen, was genau bei dem Prozeß des Malens in Dir passiert ist... ?

bitte über diese Frage nicht wundern, ich kann sie nicht näher erklären, es ist nur so ein Gefühl...


ich weiss nicht, wie ich beschreiben soll, was in mir vorgeht, wenn ich Deine Antwort lese, es ist irgendwie so, als könne ich von fern eine Art Licht aufflackern spüren.

obwohl ich es noch nicht sehen kann, kann ich doch schon eine Wärme spüren.

noch ganz schwach, aber irgendwie als Ahnung, die dann Gestalt annimmt, wenn ich mit links schreibe oder auch ganz alltägliche Dinge ungestraft mit Links machen darf.

und mit dem, was Du schreibst, ist es, als könnte ich tatsächlich die Lichtgestalt als real und nicht als Trugbild ansehen...


vielen Dank...

Sahrah

Sahrah
04.03.2002, 10:29
hallo Jana,


>bitte hab mehr Geduld mit Dir!


stimmt wohl...Geduld mit mir selbst ist noch nie meine Stärke gewesen...


>meine Schrift sieht nach zwei Jahren auch immer noch eigenartig aus, aber es ist meine! Und wenn ich sehe, daß ich mühelos ein bis zwei Seiten schreiben kann, ohne ein mich einziges Mal zu verschreiben, wo ich früher Blut und Wasser geschwitzt habe, und daß auf unliniertem Papier alle Zeilen grade und in gleichmäßigem Abstand gelingen, dann ist es mir sch... egal, wie es aussieht, sofern es andere Leute lesen können.


das klingt richtig schön... !

irgendwie bewundere ich Deinen Mut, zu Dir selbst zu stehen...


>Was die Malerei betrifft, ich habe kurz vor meiner Rückschulung mit Seidenmalerei angefangen und mit rechts so einige Tücher verdorben. Dann habe ich noch eine ganze Weile die Konturen mit rechts gemalt und die Flächen mit links (also mit Pinsel) gefüllt. Inzwischen mache ich auch die Konturen mit links. Ich weiß nicht, ob Dir das irgendwie weiterhilft.


mit Seidenmalerei habe ich es vor einiger Zeit mal probiert, bin aber mehr oder weniger daran verzweifelt, weil ich (mit der rechten Hand) ständig über die Linienbegrenzungen rausgerutscht bin...

wenn ich es recht bedenke, dann kann ich da tatsächlich einen Fortschritt entdecken, denn als ich mit der linken Hand Manalas ausgemalt habe, da gelang mir das "innerhalb der Linien bleiben" ohne Probleme...


>Ich kann mir nicht vorstellen, daß Dir mit links ein Bild eher mißlingen sollte, als mit rechts. Vielleicht werden sie einfach nur ein bißchen gewöhnungsbedürftiger sein, weil sich mit Deiner Persönlichkeit auch Deine Art zu malen ändert.


das zeichnet sich tatsächlich schon beim Bleistiftzeichnen ab...die Bilder sind anders, dreidimensionaler...echter...


es macht mir unheimlich Mut, was Ihr schreibt....danke....

jetzt müsste ich nochmal das schreiben, was ich auf Birgits Antwort gepostet habe...ich habe es getrennt beantwortet, weil ich Angst hatte, wichtige Teile zu vergessen...sorry...


danke nochmal,

Sahrah

armin
04.03.2002, 12:17
hallo sarah, hallo bine!

erstmal finde ich es sehr gut, dass ihr erzählt, wie es euch so geht beim rückschulen; es hilft mir, zu wissen, dass es nicht nur mir so geht.


an sarah:

am besten gefällt mir von deinen äußerungen, dass du deine zeichnungen als lebendiger ansiehst. das habe ich bei mir auch festgestellt. meine skizzen sind ziemlich schräg und schief, aber ich glaube, das wesentliche kommt besser raus.


an bine:

dass du dich auf dein gefühl verlässt, dass du das richtige tust, bestätigt mich. Ich selbst versuche, mein rückschulen nicht so vom kopf her zusehen, auch wenn meine partnerin sagt, dass ich eher rational drauf bin. (aber vielleicht hängt das ja mit meiner umschulung im kindesalter zusammen).


grüße

von armin

armin
04.03.2002, 12:22
hallo olli,

deine zeile machen sehr viel mut,

ich hörte schon warnende stimmen, die sich auf frau dr. sattler berufen, und vor einer rückschulung warnen, wenn man einen job hat, in dem man viel zeichnen und schreiben muß, um nicht das risiko einer totalen unhändigkeit einzugehen.

Aber ich tue es trotzdem (das rückschulen), weil ich es will.


armin

MatthiasW
04.03.2002, 22:37
Hallo Armin,


hier kommt die warnenede Stimme:

Aber warum warnen wir?

Wir wollen nicht, dass sich jemand aus einer Laune heraus anfängt sich rückzuschulen und dann, wenn es schwierig wird abbricht.

Jede Rückschulung ist wieder ein unblutiger Eingriff ins Gehirn und nach dem Abbruch, wenn dann wieder mit Rechts weiter geschrieben und gezeichnet wird ist es wieder ein Eingriff.

Wir hatten hier das Thema PC-Mouse mit der linken Hand benutzen. Einige haben es versucht und wieder abgebrochen. Was mit diesen Personen? Der kurze Versuch ist sicher nicht so schwerwiegend wie die Rückschulung beim Schreiben, Zeichnen, Schneiden mit der Schere oder beim Hantieren mit Werkzeugen.

Seit ca. 4 Monaten fotografiere ich mit der Ricoh RDC-7, einer Kamera die sich einigermaßen mit links bedienen lässt. Wenn ich jetzt einen "Normalen Fotoaparat " in die Hand nehme ist es für mich ungwohnt und ich verstehe nicht mehr wie ich vorher fotografieren konnte. Die Umstellung hat ca 3 Wochen gedauer. Ich wollte es. Jemand der aber die Geduld nicht aufbringt, keine Zeit für Ruhe hat, was ist mit dem?


Ich bin froh, dass Du den MUT, die KRAFT und AUSDAUER hast, die notwendig ist eine Rückschulung durchzustehen.


Damit sich aber jeder vor der Rückschulung fragt: KANN ICH DAS LEISTEN und WILL ICH DAS AUF MICH NEHMEN? Zeigen wir die Risiken vor der Rückschulung schonungslos auf. Wir machen aber auch MUT, geben HILFESTELLUNG und FREUEN uns über und mit jedem der sich dann zu einer Rückschulung entschließt und durchhält.

Leider bekommen wir nach den Beratungen nur sporadisch Rückmeldung über den Verlauf einer Rückschulung.

Um aber gesicherte Rückschulungsergebnisse zuerhalten ist es wichtig, dass jeder seine Erfahrungen, egal ob mit Erfolg oder Abbruch Fr. Dr. Sattler zur Auswertung mitteilt.


Ich wünsche allen Rückschülern viel MUT, AUSDAUER, GLÜCK und ZUFRIEDENHEIT


Matthias

Birgit
05.03.2002, 20:24
Hallo Sarah,


ich freue mich, wenn dir das, was ich dir schreibe, hilfreich ist. Ich glaube, ein paar grundsätzliche Erfahrungen haben wir Rückschüler alle gemeinsam. Und dann ist noch sehr viel Platz für Individuelles.


Was beim Malen in mir vorging? Ich glaube, ich habe mich einfach meinen inneren Bildern überlassen. "Nicht verhindern" ist ja manchmal etwas sehr Gutes. Ich fand mit dem Bild zu meiner tiefen Liebe zur Natur und dem Leben an sich zurück. Sie hat mich immer wieder getragen und schwere Zeiten überstehen lassen.



>obwohl ich es noch nicht sehen kann, kann ich doch schon eine Wärme spüren.

>noch ganz schwach, aber irgendwie als Ahnung, die dann Gestalt annimmt, ....


Oft ist ja die Ahnung davon, wie sich etwas gut anfühlen könnte, ein sicherer Wegweiser. Du wirst sicher einen guten Weg an einen guten Platz für dich finden.


Birgit

armin
11.03.2002, 10:07
Hallo Matthias,


ich sehe ein, dass warnende stimmen notwendig sind, da gedankenloses vorgehen bzw. "du-bist-der-beste-und-ich bin-jürgen-höller"-methoden sicher zu undifferenziert sind.

ich bin mir ganz sicher, dass nur die eigene innere einstellung, die nicht wankelmütig ist, eine rückschulung back-to-the-roots mit erfolgt krönt.

Dennoch möchte ich folgendes erzählen:

ich machte am vergangenen wochenende ein zeichen- und aquarellseminar;

nachdem mittlerweile das schreiben mit links ganz gut klappt, war es das erste mal, dass ich 2 tage hintereinander mit links FAST UNUNTERBROCHEN 6 STUNDEN zeichnete und malte. Am seminarende war ich erstaunt, wie gut und unverkrampft das war, was durch die hand aufs papier floss, aber genauso spürte ich einen ziemlichen druck im gehirn, weder angenehm noch unangenehm, nur aufdringlich, und absolut bisher unbekannt. Mir kommt es so vor, dass sich die neuronenströme selbst regulierten, also zwischen linker und rechter gehirnhälfte ein ausgleich stattfindet, in etwa so, als wenn mann die hälfte eines vollen glases in ein benachbartes leeres glas schüttet. Kann das so sein? oder ist es nur überanstrengung durch zuviel "handarbeit"? Legt sich dieses kopfgefühl, das doch sehr stark, nicht unangenehm, ist, wieder nach einer gewissen zeit?

Oder muss es so sein, da der haptische handwechsel ja für einen rückschüler erlebbar und spürbar sein muss (wäre ja auch schlimm, wenn das völlig gefühllos und spurlos ablaufen würde).


armin

MatthiasW
11.03.2002, 23:44
Hallo Armin,


von solchen Gefühlen im Kopf berichten einige und können von einer Überbelastung kommen.

wir empfehlen auch keine Mamut Aktionen egal ob Schreiben, Zeichnen oder Malen (Schwungübungen) Ich weiß, einmal angefangen kann frau/man manchmal nicht mehr aufhöhren. Mein Vorschlag: Eieruhr und langsam die Zeit steigern. wir fangen bei einer Rückschulung mit kurzen Einheiten, je nach Belastbarkeit des Rückschülers an, und wenn es am Anfang "nur" 5 Minuten sind. Viele Lockerungsübungen helfen bei Verkrampfungen.


Ich hoffe das ich Dir helfen konnte.


Matthias

Sahrah
15.03.2002, 09:45
ich hatte Euch ja an meinen ganzen Zweifeln und Gefühlen, die mit meiner LH und Rückschulung zu tun haben, teilhaben lassen.

in der letzten Zeit ist enorm viel passiert-vorallem in mir...so eine Art "Systemklärung" schätze ich

da es mir ziemlich miss ging, war ich nicht in der Lage, irgendetwas zu machen-Übelkeit, Schwindelgefühl, Depression...dazwischen regelmässiges Aufsteigen von Erinnerungen.

gestern der totale Zusammenbruch...seit heute (ich bin noch vorsichtig) scheine ich wieder lebendig zu werden..

und was das komische dabei ist- in den letzten Tagen schien mein Körper sich immer mehr von ganz allein auf seine LH zurückzuschulen- das heisst, das ich inzwischen so gut wie alles mit links mache und mir nur nachträglich übel wird, weil ich mich erinnere, wieviel Mühe und Selbstzweifel es mich gekostet hat, die Dinge mit rechts zu erlernen.

ich weiss noch, wie meine Familie sich immer lustig machte, weil ich ewig gebraucht habe, um mit dem Messer die Butter einigermassen gleichmässig aufs Brot zu bekommen. ganz zu schweigen davon, dass ich bis heute zu blöd dazu (war), einen Faden in eine Nadel einzufädeln.

es ist erstaunlich, welche Begründungen ich für mich fand, warum mir das alles nicht so gelingt, wie anderen...ein regelrechtes Lügenkonstrukt über meine eigenen Unfähigkeiten....


ich glaube, ich werde gerade zu dem, was ich eigentlich bin....


danke, dass Ihr da seid...


Eure Sahrah

MatthiasW
15.03.2002, 17:48
Hallo Sahrah,


ich hoffe das es Dir bald wieder besser geht und Du falls Du berufstätig bis Dir für Deine Rückschulung Freiräume verschaffen kannst.


Während meiner Rückschulung habe ich erlebt wie mein rechter Arm eine Zeitlang wie blickiert schien. Ich konnte ihn nur noch bis auf Schulterhöhe ohne Schmerzen anheben wenn ich die Hände über den Kopf zusammen schlagen wollte. Auch war er nicht so beweglich und reaktions schnell. Dies hat sich aber nach einiger Zeit (ca. vier Monate) wieder gelegt.


Ich wünsche Dir viel Kraft, Ausdauer und Rücksichtnahme durch Arbeitskollegen und Freunde (Familie).


Gruß Matthias

Tilman
15.03.2002, 18:40
Hallo; dies klang so intensiv, "Vollumstülpung" innerhalb von ein paar Wochen, mit so eingreifenden Konsequenzen, dass ich aus Interesse die Archive darauf nachgesucht habe, wie's denn eigentlich angefangen hat bei dir.

Ich hab' selbst die Erfahrung, dass Erinnerungen an früher, vor allem solche, die einen wütend oder traurig machen, normalerweise ganz besonders schwer wieder echt 'authentisch' wachzurufen sind; vielleicht hat dir da die Entdeckung der Linkshändigkeit sogar eine Menge geholfen - Naja, "geholfen"... wenn's einem danach so mies geht, erscheint dass vielleicht erst nicht so positiv, aber man kann das Abarbeiten von altem Schrott ja auch nicht umgehen, und dann ist eine gut funktionierende Erinnerung wirklich eine ganz wesentliche Hilfe.

Jedenfalls wünsche ich dir viel Erfolg beim Weitermachen mit links.

Ciao, Tilman

Birgit
15.03.2002, 19:44
Hallo Sarah,


schön, daß du dich meldest. Ich habe die letzten paar Tage öfters an dich gedacht und begonnen, mir Sorgen zu machen, weil du dich doch lange nicht gemeldet hast.


Der Anfang ist phasenweise hart. Ich glaube, dein Begriff "Systemklärung" trifft sehr genau, was da passiert.


Ich kann mich auch an Übelkeit, Schwindelgefühl, Sehstörungen und das Pendeln zwischen Wut und Depression erinnern. Es war schon phasenweise sehr intensiv und es gab Zeiten, da dachte ich, ich werd' nicht mehr. Dennoch ging es nach jedem ordentlichen Tief wieder ordentlich bergauf. Und jedesmal hatte ich das Gefühl, viel seelischen Ballast zurückgelassen zu haben. Die Erinnerungen machen einerseits nun mal wütend, andererseits tut's wirklich weh, wenn man sich bewußt wird, wie mit einem umgegangen wurde und wie viel Lebensfreude und -energie verschwendet wurde. Das kann man nicht mehr zurückholen. Aber man kann wesentlich besser weiter machen, sei dir dessen sicher. Ich habe für mich oft das Gefühl, daß ich dafür jetzt intensiver lebe und mich tiefer am Leben freue.


Dein Körper sagt dir ja sehr genau, wo's langgehen soll. Jetzt brauchst du nur noch genügend Pausen einlegen und fürsorglich mit dir umgehen. Wenn du schreibst, daß du das Gefühl hast, gerade du selbst zu werden, dann fällt mir das Bild von einem Schmetterling ein, der gerade seine Puppenhülle verläßt. Das ist anstrengend aber lohnt.


Laß von dir hören.

Herzlich

Birgit

Sahrah
20.03.2002, 12:47
vielen Dank für Eure mutmachenden Antworten,

es tut mir leid, dass ich Euch nicht eher geantwortete habe.

ich bin mir momantan nicht ganz sicher, ob meine momantanen Probleme wirklich noch etwas mit miner Rücschulng zu tun haben. mir ist einfach inzwischen fast nonstop übel und schwindlig, habe mit meiner Hausärztin telefoniert, in der Hoffnung, mir vielleicht irgendein Virus eingefangen zu haben, aber sie meinte, dann hätte ich auch noch andere Symptome. Im besten Fall habe ich mir einen Nerv in der Halswirbelsäule eingeklemmt, im ungünstigsten nichteinmal das und weiss daher weder, was das momantan ist, noch, was ich dagegen machen kann...

was meine LH betrifft, so klappt momantan mal wieder irgendwie überhaupt nichts, das heisst, dass meine Schrift mal wieder schräg und schief ist, ich regelmässig rechts und links vertausche - irgendwie so, als hätte ich inzwischen zwei gleichwertig ungeschickte Hände....- das heisst, dass sie sich beide "gleich anfühlen" - also keine von beiden dominant ist, aber eben auch beide ungeschickt...

kann das alles ein Prozeß sein ???


danke,

Sahrah

Jana
20.03.2002, 17:55
Hallo Sahrah,


falls das nichts Organisches oder ein Virus ist, klingt es für mich fast so, als ob Du Dich überfordert hast.

Mir war auch gar nicht gut in den letzten Wochen meiner Fortbildung, als ich schon links geschrieben habe, aber die Prüfungsklausuren mangels Übung noch mit rechts schreiben mußte. Danach war mir immer schwindlig, ich bin gegen Wände gelaufen, habe die falschen Türen aufgemacht und ähnliches. Wenigstens war ich in einem Wohnheim und mußte in dieser Woche nicht noch meine Familie versorgen.

Ich habe dann mich nach jeder Klausur hingelegt und geschlafen und den Rest des Tages alle überflüssigen Tätigkeiten vermieden. Dadurch ging es, und die Noten waren nicht schlecht (2-3).

Vielleicht ruhst Du Dich eine Woche einfach aus und schreibst und malst überhaupt nicht, soweit es sich vermeiden läßt.Wenn Du Dich dafür krankschreiben lassen mußt, dann tu es einfach.

Bei allen unumgänglichen Tätigkeiten mache es so, wie Du Dich fühlst. Wenn Du etwas im Moment noch mit rechts machen willst, laß es erstmal dabei.

Ich schmiere heute noch meine Stullen mal mit links und mal mit rechts, wie mir gerade ist.

Liebe Sahrah, ich wünsch Dir alles Gute und hoffe, daß es Dir bald besser geht.


Deine Jana

MatthiasW
20.03.2002, 20:00
Hallo Sahrah,


wenn bei einer Rückschulung Schwierigkeiten auftreten, helfen heufig Schwungübungen.


Bei diesen Übungen wird ohne viel über den Inhalt, also was frau/man zu Papier bringen will, nachzudenken, lustvoll mit der dominanten Hand auf einem großen Zeichenblock mit viel Schwung Kreise, Achten usw. gemalt. Dies geht natürlich auch auf einem Spiegel mit Rasierschaum oder in Sand auf einem Tablett.


Rückschüler berichten nach diesen Übungen, dass sie weniger verkrampft sind und wieder freier und lockerer mit der linken Hand agieren können.

Häufig werden diese Übungen auch für einige Minuten vor großen Schreibarbeiten oder feinmotorischen Tätigkeiten durchgeführt um sich zulockern.


Probier es mal.


Ich hoffe, das Du Dein Tief überwindest und nicht aufgibst.

Kannst Du Urlaub nehmen und oder Dir anders Freiraum zuverschaffen?


Bis dann

Matthias

Birgit
21.03.2002, 11:59
Hallo Sarah,


ich glaube, du hast dich ordentlich überfordert. Die Schilderung von deinen Beschwerden, das kenne ich sehr gut.

Mir ging es die letzten Wochen ein paarmal ähnlich, weil ich einfach immer noch meine, für 1 1/2 Personen arbeiten, leisten und Verantwortung tragen zu müssen. Das Ergebnis ist immer wieder das Gleiche: Kopfschmerzen, das Gefühl zur Seite zu kippen, Muskelverspannungen, "verkeilte" Wirbel, weil ich nachts völlig verdreht und verkrampft schlafe, Übelkeit und Erbrechen. Ich finde dann offensichtlich einfach alles zum k.... . Heute habe ich mir deshalb Urlaub genommen.


Eine Kontrolle der Wirbelsäule ist manchmal nicht schlecht. Ich hatte diese Symptome schon vor meiner Rückschulung einmal sehr stark und ging zu einem - wohlbemerkt GUTEN - Orthopäden, der sein Handwerk versteht. Er hat mir meine Wirbelsäule gut "eingerenkt" und den Kopf "zurechtgerückt". Ich empfand damals wirklich eine große Erleichtung.


>was meine LH betrifft, so klappt momantan mal wieder irgendwie überhaupt nichts, ..........als hätte ich inzwischen zwei gleichwertig ungeschickte Hände....-.


Sei doch etwas gnädiger mit dir, Sarah. Du bist doch gerade im Übergang, bei dem deine Motorik sich wieder auf ihre natürliche Weise umstellt. Bis die Bahnen hierfür im Gehirn wieder ganz freigegeben sind und der Körper die Impulse wieder richtig verarbeitet, das braucht ein wenig Zeit. Es sind riesen Umstellungen. Und dein Körper macht das alles so richtig und so gut, braucht dafür nur ein wenig Zeit. Die Umschulung hat ja auch nicht innerhalb eines Monats stattgefunden.


Ich glaube, bei der Rückschulung verursachen wir umgeschulten LH mit unserem antrainierten Perfektionismus und überhöhten Leistungsvorstellungen die größten Probleme.


Mach's gut und nimm dir viel Zeit für Pausen. Manchmal ist ein Spaziergang besser als mit links zu schreiben. In diesem Sinne mache ich mich jetzt auf den Weg ins Naturschutzgebiet.

Paß auf dich auf.

Birgit

Tilman
21.03.2002, 12:22
Hallo Sahrah,

Ich würde natürlich den Rücken 'mal kontrollieren lassen, man weiss ja nie. Andererseits gehen Lernprozesse normalerweise folgendermassen vonstatten: da gibt es Perioden von sichtbaren sprunghaften Veränderungen, und Perioden wo es 'innendrin' weiterarbeitet, während nach aussen hin nichts zu passieren scheint [interessanterweise gibt es Entsprechungen zu diesem Prinzip in der Kreativitätsentfaltung...].

Während der scheinbar nicht-aktiven "Plateaus", oder, wenn man so will, während der "Inkubationszeit", in der neue Eindrücke, Erkenntnisse oder Fähigkeiten verarbeitet werden kann man sich leicht aus Ungeduld überfordern. Der Rat der anderen, dass du dich nicht zu hart 'ran nehmen solltest, hat einen wichtigen Grund: der unbewusste Verarbeitungsprozess während so einer "Wartezeit" lässt sich nämlich nicht von aussen beschleunigen, aber leider sehr wohl durch Verspannung, Ungeduld, und vor allem durch Zweifel verzögern. Ausserdem wird man nicht glücklicher von Zweifeln und Ungeduld...

Viel Erfolg, ciao, Tilman

Sahrah
22.03.2002, 19:06
hallo Ihr,

Eure Antworten haben mir sehr geholfen:

ich muß wohl bei mir selbst endlich mal lernen, auch Bremsen zu ziehen...

es ist nicht so, dass ich unbedingt Urlaub nehmen müßte- den habe ich nämlich schon seit drei Wochen - Semesterferien.

dummerweise bedeutet Urlaub bei mir noch lange nicht, dass ich mich wirklich erhole, denn was ich am wenigsten kann, ist, innerlich zur Ruhe zu kommen- weniger, dass ich mich nicht entspannen könnte, aber sobald ich wieder einigermaßen fit bin, powere ich erneut los - und wenn ich es nicht bin, frustriert mich mein Zustand.

vielleicht hat daher mein Körper auch einfach mal beschlossen, mir das Steuer aus den Händen zu nehmen (durch die Übelkeit und den Schwindel war ich nämlich zum Nichtstun gezwungen)

ich habe mich wahrscheinlich wirklich übernommen, denn nachdem ich vorgestern einen recht heftigen "psychischen Zusammenbruch" hatte, scheint es wieder aufwärts zu gehen- was auch beinhaltet, dass meine körperliche Symptomatik fast weg ist.

vielleicht ist die Rückschulung auch eine gute Gelegenheit für mich, einiges in meinem Lebensablauf zu verändern...

der Vergleich der Rückschulung mit einem kreativen Prozess klingt sehr schön-irgendwie fühlt er sich für mch warm an

es scheint tatsächlich unbewußt in der letzten Zeit sehr viel geschehen zu sein, nicht nur mein Rückfinden zu meiner LH, sondern auch andere Dinge, die scheinbar gearbeitet haben und jetzt "gelöst" wieder hochkommen.


wißt Ihr, was die schönste und zugleich angstmachenste Tatsache ist... dass man alles was geschieht, mehr oder weniger in den eigenen Händen hat. nichts ist wirklich von außen gesteuert, denn schließlich ist ja sogar unsere Wahrnehmung unsere ureigene...und damit von uns allein zu beeinflussen...

egal was mit mir passiert, ich schaue in den Spiegel und weiß, dass ich allein einen wesentlichen Anteil an allem habe...

das angstmachende und schwierige daran ist wohl für mich, dass ich trotz dieses Wissens immer noch bestimmt werde- durch etwas in mir, durch mich selbst-eigene Ängste, Stimmungen, Gefühle, Wahrnehmungen...


ich hoffe, ich drücke mich verständlich aus...


vielen Dank nocheinmal für alles, was Ihr geschrieben habt...


Birgit:

ich hoffe, Du hattest einen schönen Nachmittag im beginnendem Grünen und ich wünsche Dir einen ganz schönen Urlaub !

Du hast mal geschrieben, dass Du Dich in einem Malkurs anmelden wolltest- hast Du das schon gemacht ? und wenn ja, wie läuft es...?


Jana:

ich finde es bwundernswert, mit welcher Geduld Du an Deiner Rückschulung zu arbeiten scheinst...


Matthias:

ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich eigentlich fast keine Schwungübungen mache, da irgendetwas in mir, bei allem was ich mache, einen "Zweck" sehen muß (und sich schwer tut mit Dingen, die ich mache, nur um mir etwas gutest zu tun...)

verspreche, daran zu arbeiten


also nocheinmal vielen Dank,

Eure Sahrah

Birgit
23.03.2002, 06:51
Hallo Sarah,


>Eure Antworten haben mir sehr geholfen:


ich freue mich, wenn ich einen guten Beitrag geben konnte.


>ich muß wohl bei mir selbst endlich mal lernen, auch Bremsen zu ziehen...


Müssen tust du gar nichts. Weg mit dem Druck!

Du kannst, wenn du willst. Ansonsten sagt dir dein Körper ohnehin, wann Schluß ist.


>dummerweise bedeutet Urlaub bei mir noch lange nicht, dass ich mich wirklich > erhole, denn was ich am wenigsten kann, ist, innerlich zur Ruhe zu kommen- > weniger, dass ich mich nicht entspannen könnte, aber sobald ich wieder > einigermaßen fit bin, powere ich erneut los - und wenn ich es nicht bin, > frustriert mich mein Zustand.


Kenne ich auch. Es ist mittlerweile schon besser geworden. "Rückfälle" nicht ausgeschlossen. So habe ich mir am Donnerstag frei genommen, weil ich mich am frühen Morgen wegen Erschöpfung und migräneartigen Kopfschmerzen übergeben mußte.


>ich habe mich wahrscheinlich wirklich übernommen, denn nachdem ich vorgestern > einen recht heftigen "psychischen Zusammenbruch" hatte, scheint es wieder > aufwärts zu gehen- was auch beinhaltet, dass meine körperliche Symptomatik > fast weg ist.


Gut, daß es dir wieder besser geht.


>vielleicht ist die Rückschulung auch eine gute Gelegenheit für mich, einiges in meinem Lebensablauf zu verändern...


Die Rückschulung ist an sich eine riesengroße Chance, das eigene Leben in neue Bahnen zu lenken, die einem gut tun und mehr entsprechen, als alles andere, was man davor gelebt hat. Ich wollte keine Sekunde mehr in mein altes, umgeschultes Leben zurück.


>wißt Ihr, was die schönste und zugleich angstmachenste Tatsache ist... dass man > alles was geschieht, mehr oder weniger in den eigenen Händen hat. nichts ist > wirklich von außen gesteuert, denn schließlich ist ja sogar unsere Wahrnehmung > unsere ureigene...und damit von uns allein zu beeinflussen...


Schau, und du machst alles so gut. Dir bekommt die Autonomie hervorragend. Findest du nicht ?


>egal was mit mir passiert, ich schaue in den Spiegel und weiß, dass ich allein einen wesentlichen Anteil an allem habe...


Von wegen "Anteil". DAS IST ALLES DEIN UREIGENER ERFOLG. Darauf hast du alleine Urheber-Recht.


>das angstmachende und schwierige daran ist wohl für mich, dass ich trotz dieses Wissens immer noch bestimmt werde- durch etwas in mir, durch mich selbst-eigene Ängste, Stimmungen, Gefühle, Wahrnehmungen...

>ich hoffe, ich drücke mich verständlich aus...


LH verstehen LH in der Regel hervorragend.




>ich hoffe, Du hattest einen schönen Nachmittag im beginnendem Grünen und ich wünsche Dir einen ganz schönen Urlaub !


Ich oute mich jetzt, Sarah: Ich habe mir den Donnerstag so richtig zum erholen genommen und bin Freitag putzmunter erwacht. Dann habe ich in der Arbeit gewerkt und gewirkt mit unverminderter Kraft und mir dann für's Wochenende 4 dicke Akten mit Heimgenommen. Außerem unterbreche ich nächste Woche Dienstag meine Urlaubswoche wegen einem dringenden Termin und zudem sind die freien Tage nächste Woche das erste Drittel meines letztjährigen Resturlaubes. Du siehst, ich finde nach wie vor immer wieder Möglichkeiten, mich selbst in gewohnter "Umgeschulte-Linkshänderin-Manier" runterzuwirtschaften. (-:


>Du hast mal geschrieben, dass Du Dich in einem Malkurs anmelden wolltest- hast Du das schon gemacht ? und wenn ja, wie läuft es...?


Der Malkurs ist erst Ende Mai. Ich bin sehr gespannt drauf. Derzeit mache ich lauter nette Window-colour-Bildchen, z. B. Narzissen oder sonstige Frühlingsmotive, die ich dann als Osterpost an Freundinnen verschicke. So übe ich doch schon mal auf einfache Weise meine Fähigkeit ab- und auszumalen. (-:


Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende.

Birgit

Sahrah
27.03.2002, 08:44
hallo Birgit,


>Kenne ich auch. Es ist mittlerweile schon besser geworden. "Rückfälle" nicht ausgeschlossen. So habe ich mir am Donnerstag frei genommen, weil ich mich am frühen Morgen wegen Erschöpfung und migräneartigen Kopfschmerzen übergeben mußte.


ich hoffe, Dir gehts wieder gut...




>Die Rückschulung ist an sich eine riesengroße Chance, das eigene Leben in neue Bahnen zu lenken, die einem gut tun und mehr entsprechen, als alles andere, was man davor gelebt hat. Ich wollte keine Sekunde mehr in mein altes, umgeschultes Leben zurück.


das klingt, als hätte sich bei Dir sehr viel geändert....


>Dir bekommt die Autonomie hervorragend. Findest du nicht ?


sie ist mir auch extrem wichtig....


>>egal was mit mir passiert, ich schaue in den Spiegel und weiß, dass ich allein einen wesentlichen Anteil an allem habe...

>Von wegen "Anteil". DAS IST ALLES DEIN UREIGENER ERFOLG. Darauf hast du alleine Urheber-Recht.


wären es doch mal nur Erfolge....ich muß gestehen, dass mein Satz sich auch/eher auf meine Probleme (Stimmungen etc.) bezog...

den positiven Teil auf mich zurückzuführen tue ich mich wohl etwas schwer.

aber ich finde es schön, dass Du zuerst daran dachtest....


>Ich oute mich jetzt, Sarah: Ich habe mir den Donnerstag so richtig zum erholen genommen und bin Freitag putzmunter erwacht. Dann habe ich in der Arbeit gewerkt und gewirkt mit unverminderter Kraft und mir dann für's Wochenende 4 dicke Akten mit Heimgenommen. Außerem unterbreche ich nächste Woche Dienstag meine Urlaubswoche wegen einem dringenden Termin und zudem sind die freien Tage nächste Woche das erste Drittel meines letztjährigen Resturlaubes. Du siehst, ich finde nach wie vor immer wieder Möglichkeiten, mich selbst in gewohnter "Umgeschulte-Linkshänderin-Manier" runterzuwirtschaften. (-:


Dir scheint (selbstverursachter)Dauerstreß ziemlich bekannt zu sein...

ich erkenne mich in Deinen Schilderungen nur allzugut wieder...

dumm nur, dass nach dem berauschenden Höhenflug mit ziemlicher Sicherheit (bei mir) immer der gnadenlose Fall in die Tiefe kommt...


>Der Malkurs ist erst Ende Mai. Ich bin sehr gespannt drauf. Derzeit mache ich lauter nette Window-colour-Bildchen, z. B. Narzissen oder sonstige Frühlingsmotive, die ich dann als Osterpost an Freundinnen verschicke. So übe ich doch schon mal auf einfache Weise meine Fähigkeit ab- und auszumalen. (-:


Du weckst also Deine schlafende Kreativität (-;


mein Urlaub ist jetzt so gut wie vorbei, allerdings kann man die zwei Tage bis zu Ostern wohl als Kür bezeichnen und ich bin schon wieder aktiv genug, mich in sie hinein zu stürzen (muß gestehen, dass ich mir nicht recht vorstellen kann, Dinge gemächlich anzugehen und nicht immer über meine (Energie)Grenzen hinauszuschießen)


bis dann, freue mich, dass wir uns austauschen,

das tut unheimlich gut...


liebe Grüße,

Sahrah

Sahrah
01.04.2002, 11:05
Juchuh !!!!

zeichnen klappt richtig gut- zwar noch nicht mit Farbe, aber mit Kohle und Bleistift

es ist ein ganz anderes Gefühl: es kommt den Bildern in meinem Kopf viel näher als mit rechts, es sieht dreidimensionaler und dynamischer aus.

was das wichtigste ist: es entsteht beim Zeichnen eine Verbindung zu meinem Bauch, ich vergesse die Zeit und werde eins mit dem Bild.

und bis es fertig ist, zieht es mich immer wieder magisch an, ich kann gar nicht anders, als wieder einzutauchen, der Kopf schaltet sich fast aus....


ich bin so froh, meine Linkshändigkeit entdeckt zu haben....


liebe Grüße,

Sahrah

MatthiasW
01.04.2002, 22:53
Hallo Sahrah,


es ist richtig schön mit zu bekommen, das es Dir beim Zeichnen gut geht.

Versuch doch vorm Zeichen und Schreiben immer ein paar Schwungübungen auf Papier zu malen (Kreise, Achten, Wellen usw.) und auf die richtige Stift Haltung achten. Meistens ist sie beim Malen besser als beim Schreiben. Vieleicht hilft Dir auch eine Perle die Du mit dem Kleinen- und dem Ringfinger zusätzlich zum Stift in der linken Hand festhältst, dadurch liegt die Hand besser auf und ist lockerer.


Dein Gefühl von Freiheit beim Malen habe ich bei meiner Rückschulung nicht wahrgenommen, denn ich habe fast immer mit der linken Hand gemalt und gezeichnet. Bei meinem Sohn, mit dem ich mich zurückgeschult habe, stellte ich bei seinen Bildern die er nach unseren Schwung- und Nachspurübungen anfertigte eine bessere Raumaufteilung und Bildtiefe, größere Vielfalt der Farben und eine größere Aussagekraft seiner Bilder fest.


Ich wünsche Dir viel Spaß, Freude und Zufriedenheit weiterhin.


Matthias

Birgit
03.04.2002, 05:25
Hallo Sarah,


ich freue mich sehr mit Dir, daß Dir das Malen so gut gelungen ist. Ich freue mich mit Dir, daß du auch diese Freude erlebt hast, wenn Du das innere Bild auf dem Papier entwickelst, alles um Dich herum vergißt und mit Körper und Seele beim Malen bist. Es ist wirklich ein anderes Gefühl, als man es je zuvor kannte.

Es ist das, was ich mit dem "tieferen Empfinden" meinte, mit dem ich mich seit meiner Rückschulung für Vorangegangenes entschädigt fühle. Die Intensität erlebt man nur, wenn man lange Zeit auf etwas verzichten mußte, das an sich der eigenen Natur entspricht.

Mir ging es bei meinem Bild ähnlich. Ich mußte immer wieder die Pastellkreiden nehmen und es weiterentwickeln, bis es nicht nur dem ursprünglichen inneren Bild entsprach, sondern auch einen Hinweis auf die Lösung der dargestellten Frage beinhaltete. Es war schon irre.


Ich finde es schön, daß Du über "Die Entdeckung Deiner Linkshändigkeit" jetzt richtig glücklich bist. Vielleicht bist Du jetzt dort angekommen, von dem Du am Anfang Deiner Rückschulung erst einmal nur eine Ahnung hattest, wie es sein könnte. Wenn dem so ist, brauchst Du dich ja an Deinem neuen, guten Platz nur noch gut einrichten. Wie wäre das?


Mir geht es wieder gut. Ich habe mich in den Tagen vor und an Ostern wirklich von allen Verpflichtungen losgesagt und nur noch getan, was mir entsprach. Mit dem selbstverursachten Dauerstress, das ist so eine Sache. Manchmal strenge ich mich ja auch einfach gerne an und die Ergebnisse sind dann auch sehr gut. Das hat aber zur Folge, daß man mehr gefragt ist. Leider wälzen dann andere auch manchmal die eigene Verantwortung auf einen ab und machen sich selbst ein angenehmes, bequemes Leben auf meine Kosten. Das ärgert mich dann kolossal. Aber ich werde das schon noch in absehbarer Zeit gut für mich in den Griff bekommen.

In den fast drei Jahren meiner Rückschulung habe ich so viel für mich zum Guten geändert, warum nicht auch diesen Punkt?


So, jetzt muß ich mich aufmachen und meinen Morgen-Cappucchino machen. Und danach geht's ab in die Arbeit.

Guten Tag und bleib ganz oft in Deiner inneren Mitte. Jetzt hast Du sie wiedergefunden.

Birgit

Sahrah
05.04.2002, 04:22
hallo Matthias,

ich mache jetzt wirklich regelmäßig vorher Schwungübungen, denn die Uni ist wieder losgegangen und ohne "Vorbereitung" ist meine Schrift erst in der zweiten Vorlesung für mich annehmbar.

Muß sozusagen meine Hand erst wecken ... (-;


fürchte, das viele schreiben in den letzten Tagen war etwas viel, mir tut mein ganzer linker Arm weh, aber es ist ja gleich WE

(mit rechts mag ich nicht mehr schreiben)

vielleicht sollte ich das mit der Perle wirklich versuchen ...


vielen Dank,

Sahrah

MatthiasW
05.04.2002, 22:56
Hallo Sahrah,


wenn Du mit der Perle in der Hand schreibst, probiere dochmal unterschiedliche Größen aus.

Um Verkrampfungen der Finger und der Hand beim Schreiben vorzubeugen, ist es ratsam eine Schrift zu wählen in der Du nur maximal 3 Buchstaben verschleifst. Schau Dir mal Schriftproben von Vielschreibern an, dann siehst Du welche Buchstaben Du gut verbinden kannst und welche nicht.


Ich wünsche Dir viel Erfolg beim Schreiben in der UNI.


Gruß Matthias