Vollständige Version anzeigen : muss mich immer absichern
Hallo!
Ich bin gerade beruflich gegen eine Wand geknallt. Ursprünglich wollte ich in den sozialen/medizinischen Bereich. Nur ja niemals ins Büro. Hab das Fachabi sozialer Zweig gemacht. Dann starb allerdings meine Mutter und mein Vater beschloss, dass er mich in der Firma fürs Büro braucht. Später hab ich dann (weil mein Mann die Firma übernommen hat) da weitergemacht. Und die letzten 5 Jahre hab ich damit verbracht (nachdem ich ja nix lernen durfte) mich durch den Bilanzbuchhalter zu pauken, den ich dann super geschafft hab. (Da war ich vielleicht stolz!!!!) Danach Steuerbüro und als die Lohnbuchhaltung zu langweilig wurde hab ich vor 1/4 Jahr in ein anderes gewechselt, weil ich dort in allen Bereichen eines Steuerbüros arbeiten konnte.
Und jetzt hab ich in diesem viertel Jahr festgestellt, dass mich dieser Beruf total annervt. Dann noch viele kleine Sticheleien vom Chef und jetzt hab ich alles hingeschmissen. Und jetzt frag ich mich, ob ich einen Knall hab. Da stress ich mich 5 Jahre rein und schnalle erst danach, dass ich das eigentlich gar nicht wollte. Und wenn ich genau hinsehe, dann mache ich seit 20Jahren einen Beruf, den ich nie haben wollte. Nur weil es praktisch oder logisch oder von anderen so gewünscht wurde. Wenn ich mich jetzt neu orientiere hab ich wie
immer das gleiche Problem. Egal was ich machen will, ich brauche immer Rückmeldung ob das jetzt auch ok ist. Ich kann mir selbst null vertrauen. Geht das anderen umgepolten auch so?
MatthiasW
23.09.2004, 21:04
Hallo Ruth,
in diesem Forum sind einige Beiträge zufinden, die ähnlich klingen wie deiner.
Auch einige der erwachsenen umgeschulten Linkshänder, die ich teste und/oder bei der Rückschulung begleite, erzählen häufig von ausgebranntsein im Beruf (Akku leer) oder von Unzufriedenheit mit dem ausgeübten Beruf, von chronischen Krankheiten und und und.
Durch eine Rückschulung lassen sich nicht alle Probleme lösen und schon garnicht von heute auf gestern aber viele berichten, das sie sich mit dem Beginn der Auseinandersetzung mit der erfahrenen Umschulung, der dadurch bedingten Folgen eine andere Sichtweise zu ihrer jetzigen Situation bekommen. Mit dem Beginn der Rückschulung, ich meine damit nicht in erster Linie das Malen und das Schreiben mit der linken dominanten Hand, sondern das bewusste Hantieren und fühlen mit der dominanten Hand, nehmen sich viele Rückschüler erst wirklich als sich selbst war: "Früher hatte ich immer das Gefühl nicht ich selbst zu sein." oder "Ich stand immer neben mir."
Durch die bessere Wahrnehmung des eigenen Körpers beim Hantieren mit der linken Hand beurteil der/die Rückschüler/in natürlich auch die nun neuen Situationen anders und fängt an sich neu zuorientiern.
Diese Neuorientirung kann alle Bereiche des Lebens betreffen. Gerade deshalb ist es wichtig mit seinem Partner/Partnerin aber eventuell auch mit den Arbeitskollegen/Chef über die Rückschulung zusprechen, damit diese/r vielleicht nachvollziehen kann was die Rückschulung auslöst und wie der Rückschüler damit umgeht.
Liebe Grüße
(Es ist jetzt dunkel und ich kann nicht sehen ob es regnet!)
Matthias
Guten Morgen,
also wenn ich deinen Bericht lese, denke ich, das muss nicht unbedingt mit "umgepolt" zu tun haben.
Ich kenne mich nun wirklich nicht mit Rückschulung etc. aus!
Aber ich hab eberuflich auch was anderes gemacht als ich wollte, weil mir eingeredet wurde, das sei besser. Und als ich merkte, dass es echt nicht mein Ding ist, habe ich trotzdem weitergemacht (irgendwie wurde das auch erwartet ...). Und als ich die Ausbildung fertig hatte, hatte ich mit pauken erstmal die Nase voll, also auch gearbeitet. Und dann habe ich nie den Absprung geschafft! Ich hatte immer im Kopf, was ich gerne machen möchte ... aber es nie gewagt. Im Beruf habe ich dann dreimal gewechselt, immer mit dem gleichen unzufriedenen Ergebnis. Irgendwann dachte ich, ich muss was tun!
Da ich auch Familie haben wollte, scheute ich davor noch ein Studium zu beginnen (ich kenne mehrere, die im Studium ein Kind bekommen haben, ich wusste, das macht mich auch nicht zufrieden!).
Nun habe ich drei Kinder und bis die so groß sind, dass ich ein Studium machen könnte, bin ich zu alt und träge *gg Oder wer weiß, vielleicht mache ich es doch noch! Nur mit dem Job wäre das hinterher mehr als fraglich ...
Ich habe mir also auch nie wirklich vertraut, immer auf die anderen gehört.
Schön blöd! Leichtgefallen ist mir die Zeit auch nicht! Und ich weiß, ich will NIE wieder zurück in den Beruf, ob ich das aber durchdrücken kann, zeigt sich dann, wie es finanziell aussieht. ...
Du siehst, bei mir ist es auch etwas verquert gelaufen, und dabei bin ich durch und durch RH.
Liebe Grüße
Katrin
Hallo Matthias!
Gewinnt man durch die Rückschulung in der ich ja auch grad stecke, mit der Zeit ein Selbstgefühl, Selbstsicherheit, Vertrauen auf den eigenen Bauch? Wie kann man auf den Bauch vertrauen wenn alles, was man aus dem Bauch raus gemacht hat erst mal ver- kehrt war? Und immer gegen sich selbst arbeiten musste?
Liebe Grüße
Ruth
Katja Allani
25.09.2004, 11:02
Hallo Ruth,
eigentlich passiert etwas ganz Tolles mit dir: Du kannst deine Bedürfnisse und Wünsche bewusst wahrnehmen und hast den berechtigten Wunsch, dein Leben so zu verändern, dass es dir gut tun wird. Dein Gefühl lügt nicht, es ist nur so ungewohnt, da (so vermute ich und bei mir war es auch lange so) der Verstand bisher gewohnt war, zu entscheiden. Es ist nur zu gesund, wenn Verstand und Gefühl in deinem Leben ins Gleichgewicht kommen wollen.
Übrigens: Meine Freundin ist 43,und hat jetzt angefangen, Sozialpädagogik zu studieren (sie arbeitet halbtags). Sie weiß auch nicht, wie ihre Arbeitschancen in diesem Bereich aussehen, fühlt sich aber recht wohl beim Studium. Der Weg ist das Ziel... .
Guten Mut und viel Kraft.
Viele Grüße
Katja Allani
Lotteflue
25.09.2004, 13:58
Gewinnt man durch die Rückschulung in der ich ja auch grad stecke, mit der Zeit ein Selbstgefühl, Selbstsicherheit, Vertrauen auf den eigenen Bauch?
Hallo Ruth
Du nimmst ja schon deine Wünsche wahr, wie Katja schon schrieb. Das ist der Anfang. Wenn man weitergeht und nicht mehr immerzu nur das macht, was andere von einem wollen, was andere meinen, was für einen gut sei usw., dann gewinnt man Selbstsicherheit, Vertrauen etc.
Vertrauen in den eigenen Bauch gewinnt man z.B. dadurch, wenn man das tut, was der Bauch will, fühlt ob das einen gut tut. Oder man sich fragt, will ICH das wirklich? Oder mache ich das nur für den Herrn oder Frau Ypsilon oder weil "es besser so ist"?
Was empfinde ich dabei, wenn ich das tue, wenn es beendet ist usw.
>Wie kann man auf den Bauch vertrauen wenn alles, was man aus dem Bauch raus gemacht hat erst mal ver- kehrt war?
Dann wars nicht der Bauch, sondern der Kopf / "Verstand" / die anderen.
>Und immer gegen sich selbst arbeiten musste?
Ja eben. Altbekanntes. Wenn man sich selbst findet, muss man eher selten gegen sich selbst arbeiten bzw. muss dann sehen, wie man damit umgehen kann, dass es einen doch letztendlich gut tut.
Nur Mut, das geht wirklich. Probiers nur mal Wirst sehen, ist nicht schwer.
Gutes Gelingen wünscht
Lotteflue
eigentlich passiert etwas ganz Tolles mit dir: Du kannst deine Bedürfnisse und Wünsche bewusst wahrnehmen und hast den berechtigten Wunsch, dein Leben so zu verändern, dass es dir gut tun wird.
So hoffe ich!!!
Dein Gefühl lügt nicht, es ist nur so ungewohnt, da (so vermute ich und bei mir war es auch lange so) der Verstand bisher gewohnt war, zu entscheiden. Es ist nur zu gesund, wenn Verstand und Gefühl in deinem Leben ins Gleichgewicht kommen wollen.
Der Verstand ist halt vom Verstand her greifbarer. Das Gefühl ist irgendwie schwammig, obwohl ich mich schon für einen Gefühlsmenschen halte. Meinem Mann sag ich immer: "hör auf deinen Bauch, der ist echt gut"; aber meinem eigenen Bauch trau ich nicht; nein, dem Bauch trau ich irgendwie schon, aber ich weiß nicht wie weit er vom Kopf beeinflusst wird. Ist das jetzt mein Bauch oder mein Kopf??? Echt chaotisch (;
>Übrigens: Meine Freundin ist 43,und hat jetzt angefangen, Sozialpädagogik zu studieren (sie arbeitet halbtags). Sie weiß auch nicht, wie ihre Arbeitschancen in diesem Bereich aussehen, fühlt sich aber recht wohl beim Studium. Der Weg ist das Ziel... .
Dann bin ich also wohl nicht verrückt wenn ich meinen Beruf hinschmeisse und komplett was anderes mache !?! Das gibt Hoffnung!!!
>Guten Mut und viel Kraft.
>Viele Grüße
>Katja Allani
Danke für deine Antwort!!!!!!!
Ruth
Hallo Katrin!
Ich wünsche dir, dass du nach den Kindern doch noch "den Hintern hochkriegst" um das zu tun was du immer tun wolltest!!!!
Liebe Grüße
Ruth
Hallo lotteflue!
>Vertrauen in den eigenen Bauch gewinnt man z.B. dadurch, wenn man das tut, was der Bauch will, fühlt ob das einen gut tut. Oder man sich fragt, will ICH das wirklich? Oder mache ich das nur für den Herrn oder Frau Ypsilon oder weil "es besser so ist"?
>Was empfinde ich dabei, wenn ich das tue, wenn es beendet ist usw.
>>Wie kann man auf den Bauch vertrauen wenn alles, was man aus dem Bauch raus gemacht hat erst mal ver- kehrt war?
>Dann wars nicht der Bauch, sondern der Kopf / "Verstand" / die anderen.
Ich meine damit, dass alles, was man als umgepolter spontan macht, also aus dem Bauch raus, für die anderen ver-kehrt ist, also falsch rum. Und das als Kind und über Jahre. Wie soll man da noch spontan sein ohne gleichzeitig auf andere zu schielen oder auf Rückmeldung zu warten, ob das jetzt so ok ist oder schon wieder falsch.
>>Und immer gegen sich selbst arbeiten musste?
>Ja eben. Altbekanntes. Wenn man sich selbst findet, muss man eher selten gegen sich selbst arbeiten bzw. muss dann sehen, wie man damit umgehen kann, dass es einen doch letztendlich gut tut.
>Nur Mut, das geht wirklich. Probiers nur mal Wirst sehen, ist nicht schwer.
>Gutes Gelingen wünscht
>Lotteflue
Naja, nachdem ich wieder mal volle kanne reingerast bin in die sch... bleibt mir schon gar nix mehr anderes übrig als zu probieren ((;
Ich muss sagen, mir hat es auch irgendwie spaß gemacht denen alles vor die füße zu knallen und zu sagen: ich nicht mehr!!
Ich hab blos Angst was Neues anzufangen (eigentlich was uraltes, nämlich das was ich immer wollte) und dann festzustellen, dass das jetzt auch nix ist. Und dann??? Ich frag mich halt da ob ich zu wankelmütig bin. Da kämpf ich jahrelang um was zu erreichen, erreiche das auch noch mit super Erfolg und dann schmeiß ich das einfach hin. Einfach so! Und freu mich noch drüber!!!! Hab da ein Schweinegeld und irrsinnig Energie reingesteckt. Allerdings keine Freude.
Da hammers wieder!!! Bin doch blöd. Steck so viel in was rein, was mich nicht freut!! Echt bescheuert!!
Danke fürs Mut machen!!!
Ruth
Lotteflue
25.09.2004, 21:45
Hallo ruth
>Ich meine damit, dass alles, was man als umgepolter spontan macht, also aus dem Bauch raus, für die anderen ver-kehrt ist, also falsch rum.
Wer sagt das, dass es verkehrt ist ?
Aber das kommt schon noch, dass du merktst, dass es richtig ist, was du machst und bisher gemacht hast. Das es einfach deiner Natur entspricht und entsprach. Für DICH war es richtig.
>Und das als Kind und über Jahre.
Das ist ja das Dilemma. Demütigungen etc. ohne Ende ..........
Den Schmerz muss man erst mal zulassen können, sich den bewusst machen und ihn verarbeiten.
>Wie soll man da noch spontan sein ohne gleichzeitig auf andere zu schielen oder auf Rückmeldung zu warten, ob das jetzt so ok ist oder schon wieder falsch.
Das wirst du schon irgendwann nicht mehr machen. Versuche bewusst zu merken, was willst du und was nicht.
Was du für dich vom Herzen her entscheidest, ist für dich immer richtig. Sonst war es nicht von Herzen.
Natürlich muss man auch den Verstand zum Bauch mit hinzunehmen. Aber das lernt man schon alles noch. Alles dauert seine Zeit.
>Naja, nachdem ich wieder mal volle kanne reingerast bin in die sch... bleibt mir schon gar nix mehr anderes übrig als zu probieren ((;
Na besser als in Depressionen zu versinken
>Ich muss sagen, mir hat es auch irgendwie spaß gemacht denen alles vor die füße zu knallen und zu sagen: ich nicht mehr!!
Na siehst du, was für ein prima Anfang!!! Weiter so!!!
Uuuund? Hast du es vom Herzen her entschieden?
Ja! Also brauchst du auch keine Rückmeldung von irgendwem, ob das jetzt angeblich richtig war oder nicht.
Für dich war es richtig so und fertig!
>Ich hab blos Angst was Neues anzufangen (eigentlich was uraltes, nämlich das was ich immer wollte) und dann festzustellen, dass das jetzt auch nix ist.
Na mein Gott, irren ist menschlich. Da schauste eben nach was anderem dann.
Macht doch nichts oder?
>Und dann???
Machste halt was anderes, wenn es wirklich nichts ist.
Du hast Angst das jemand sagt, dass du "falsch" gelegen hast, dass es nicht "richtig" war oder es dir doch nicht zusagt, obwohl du erst dachtest?
Wenn du es wirklich willst, ist es für dich richtig. Auch wenn es hernach nicht passt.
Manchmal muss man einfach probieren und muss ja noch lange nicht für immer und ewig mit dem Ende verbunden sein. Fertig.
Also Linkshänder ist man natürlich ein Leben lang, aber wenn man z.B. Seidenmalen lernt, muss man nicht sein Leben lang nur noch Seidenmalen. Oder?
>Ich frag mich halt da ob ich zu wankelmütig bin. Da kämpf ich jahrelang um was zu erreichen, erreiche das auch noch mit super Erfolg und dann schmeiß ich das einfach hin. Einfach so! Und freu mich noch drüber!!!! Hab da ein Schweinegeld und irrsinnig Energie reingesteckt. Allerdings keine Freude.
Schlimm genug! Und deshalb war die Entscheidung das hinzuwerfen wohl von ganzen Herzen.
Ich habe etwas ähnliches gemacht und bin nun auch glücklicher und kann wieder leben.
>Da hammers wieder!!! Bin doch blöd. Steck so viel in was rein, was mich nicht freut!! Echt bescheuert!!
Oh ja. Es ist dir bewusst geworden und du hast dem ein Ende gesetzt um neues zu beginnen.
Das ist chaotisch und macht gelegentlich Angst. So ist das, wenn man alte Wege verlässt und in unbekannte Richtung(en) geht.
Man muss dann erst "auspendeln" und man hängt in der Schwebe. Das ist manchmal beängstigend, aber wenn man darum weiss, geht es viel leichter.
>Danke fürs Mut machen!!!
Also ich glaube, du bist auf dem besten Weg zu dir selbst.
Lotteflue
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