Vollständige Version anzeigen : was geschieht mit unserem gehirn?
hallo zusammen! ich bin durch einen zufall (oder auch nicht:-)) auf diese seite gestossen und schreibe zurzeit für die schule eine sprachbiographie. ich bin eine umgeschulte linkshändlerin und würde gerne wissen, was genau mit dem gehirn geschieht, wenn man die "falsche" hand beim schreiben benützen muss. ich verkrampfe mich sehr beim schreiben und habe oft das gefühl, dass ich viele meiner gedanken, nicht aufs papier kriegen kann. wäre eine rückschulung sinnvoll? oder kann diese wiederum andere probleme hervorrufen? ich habe einen beitrag gelesen, indem es hiess, dass es der frau schwindelig wurde und sie starke kopfschmerzen bei der rückschulung hatte! wie kann ich mehr über umgeschulte linkshändler erfahren, kennt jemand von euche literarische werke zu diesem thema? kann es möglich sein, dass man aufgrund der umschulung probleme dabei hat, das leben zu ordnen und angefangene sachen oft stehen lässt? fühlt man sich zerfahren und überlastet und gibt man anfangs immer sehr viel, bis man merkt, dass man total ausgelaugt ist und anschliessend alles hinschmeisst? oder sind das charakterzüge die einen anderen ursprung haben? oder ist es eine mischung von beidem? ich wäre euch das draussen sehr dankbar, wenn ich eine antwort erhalten würde auf meine fragen!!!
MatthiasW
04.12.2003, 07:21
Hallo Mary,
mit der Beschreibung der Umschulungsfolgen liegst du richtig. Genauso beschreibt sie Frau Dr. Sattler in ihren Büchern, nennt aber noch weitere. Natürlich können einzelne Probleme auch einen anderen Ursprung haben, aber in der genannten Zusammenstellung liegt der Ursprung mit sehr großer Wahrscheinlichkeit in der Umschulung.
Informationen findest du hier:
http://www.linkshaenderseite.de/ (Internetseite von der Ärztin Inken Spreda)
http://www.linkshaender-beratung.de/deutsch/index.htm (Internetseite von Frau Dr. Sattler)
http://lefthandcorner.wtal.de/frame.html (Internetseite von Norbert Martin)
Auf all diesen Seiten findest du weitere Hinweise zu anderen Seiten und natürlich auch zur Fachliteratur.
Eins der wichtigsten Bücher zur Umschulung ist:
Der umgeschulte Linkshänder oder Der Knoten im Gehirn
Dr. Johanna Barbara Sattler (Psychologin)
Wenn du kontakt zu einer/m Linkshänder-Berater/in bezüglich einer Rückschulung aufnehmen willst findest du hier Adressen:
http://www.linkshaenderseite.de/adressen.html
Eine ganz große Bitte: Versuche die Rückschulung nicht alleine. Ein/e LH-Berater kann mit dir das Für und Wider einer Rückschulung klären, dich auf Probleme aufmerksam machen und dir Hilfestellung geben.
Noch eine Empfehlung.
Schreibe erst nach einer gründlichen motorischen Schulung der linken Hand und übe dann sofort eine Handschrift (Erwachsenenschrift), die sich aus Druck- und Schreibschriftbuchstaben zusammen setzt. Diese Schrift lässt sich schneller erlernen und beugt einer Verkrampfung der Schreibhand vor. Diese Schrift eignet sich natürlich auch für Rechtshänder oder umgeschulte Linkshänder die sich nicht zurückschulen wollen, aber ihre Schrift verbessern wollen oder müssen, da sie schlecht zu lesen ist.
Liebe Grüße
Matthias
Bin erst seit kurzem wieder im Internet und durch einfaches durchblättern auf dieser Seite gelandet.Ich kämpfe schon sehr viele Jahre mit meiner Umschulung
da ich ja auch besonders zum rechts schreiben gezwungen wurde.Die Folgen waren
mit ca. 12 Jahren furchtbare Kopfschmerzen.(Reaktion von meinem Gehirn).Meine Gehirnströme wurden gemessen.Angeblich war ja alles in Ordnung.Besonders schlimm empfinde ich die Konzentrationsstörung,Gedächnislücken,spreche keine Sätze richtig zu Ende,oft das Gefühl etwas falsch zu machen.Auch wäre ich stolz gewesen mit der linken Hand schreiben zu können.Trotdem Druck den ich immer bekommen habe hat sich
meine GUTE Hand durchgesetzt.AUch in meiner Arbeitswelt habe ich oft Probleme.
Wechsle das Werkzeug oft in der Hand.Es ist alles sehr anstrengend und ich ermüde schnell.Manchmal bin ich so wütend und traurig das es so ist.Ich habe auch schon an eine Rückschulung gedacht,bin aber wohl schon zu alt dazu.
Ich würde mich sehr freuen wenn mir mal jemand antwortet dem es auch so geht.
In der Rechtshänderwelt findet man kaum Verständnis.
Viele Grüsse Konny
Barbara Elisabeth
28.12.2003, 07:00
Hallo Konny,
hier findest du Verständnis, weil es uns allen mehr oder weniger genauso ergangen ist. Ich hatte auch schon als Kind (etwa mit Beginn der Pubertät) Beschwerden, die nicht ernst genommen wurden. Später habe ich ein Leben lang immer wieder unter schweren Depressionen gelitten; zahlreiche Therapieversuche haben nichts genützt.
Wie alt bist du denn?
Ich habe meine Rückschulung mit 48 Jahren begonnen und finde mich keineswegs zu alt. Es ist nur schade, dass ich nicht früher auf die Problematik gestoßen bin, aber das lässt sich ja nicht mehr ändern.
Die Umerziehung wirkt traumatisierend. Als ich das Trauma aufgedeckt hatte, waren die Depressionen - gleichsam über Nacht - verschwunden. Die (sehr schlechte) Alternative wäre gewesen, später vielleicht in einer Altersdepression zu versinken, die sich erst im Tod auflöst. Da finde ich es schon besser, wenigstens im Alter noch Lebensfreude zu empfinden.
Eine Bekannte, die gerade 60 Jahre alt geworden ist, staunt und überlegt jetzt, ob sie nicht auch noch zurückschulen sollte. Ich habe sie dazu ermutigt.
Dich möchte ich ebenfalls ermutigen, diesen Schritt in Erwägung zu ziehen. Vielleicht findest du einen Linkshänderberater in deiner Nähe, der dich begleiten kann.
Liebe Grüße, Barbara
Lotteflue
28.12.2003, 13:55
>Bin erst seit kurzem wieder im Internet und durch einfaches durchblättern auf dieser Seite gelandet.
:-)
>Ich kämpfe schon sehr viele Jahre mit meiner Umschulung
>da ich ja auch besonders zum rechts schreiben gezwungen wurde.Die Folgen waren
>mit ca. 12 Jahren furchtbare Kopfschmerzen.(Reaktion von meinem Gehirn).Meine Gehirnströme wurden gemessen.Angeblich war ja alles in Ordnung.Besonders schlimm empfinde ich die Konzentrationsstörung,Gedächnislücken,spreche keine Sätze richtig zu Ende,oft das Gefühl etwas falsch zu machen.Auch wäre ich stolz gewesen mit der linken Hand schreiben zu können.Trotz dem Druck den ich immer bekommen habe hat sich
>meine GUTE Hand durchgesetzt.Auch in meiner Arbeitswelt habe ich oft Probleme.
>Wechsle das Werkzeug oft in der Hand.Es ist alles sehr anstrengend und ich ermüde schnell.Manchmal bin ich so wütend und traurig das es so ist.
Und über die Demütigung, die du erfahren hast?
>Ich habe auch schon an eine Rückschulung gedacht,bin aber wohl schon zu alt dazu.
Ich denke, dafür ist man (fast) nie zu alt.
Als dafür "zu alt" empfinde ich dabei eher "nicht mehr in der Lage sein es tun zu können".
>Ich würde mich sehr freuen wenn mir mal jemand antwortet dem es auch so geht.
Als zu alt empfinde ich mich nicht (bisher lagen eher andere Sachen im Vordergrund), aber langsam liebäugel ich doch auch mit einer Rückschulung, bzw. tut sie sich langsam selbst den Weg bahnen(?). Das ist aber noch ganz ganz neu und ich kann und mag dazu noch nihcts weiter sagen.
Mir geht es noch relativ gut, wenn ich lese, mit welchen Symptomen sich andere herumschlagen müssen. Trotzdem merke ich, dass ich mich früher oft nicht "richtig herum" fühlte, vor allem beim Sport war immer eine Blockade da, beim Weitsprung, beim Bocksprung etc. Ich war ja Rechtshänder und musste mit dem rechten Bein abspringen, nur leider kam ich meist mit dem falschen Bein vorne beim Absprung an.
Seit ich draufgekommen bin, dass ich höchstwahrscheinlich umgeschulter Linkshänder bin (als ich etwa 25 J. alt war) und bewusst auf diese Dinge achte und achte, wie es sich links anfühlt und wie rechts, weiss ich warum das damals so war.
>In der Rechtshänderwelt findet man kaum Verständnis.
Dafür bist du ja jetzt hier gelandet
>Viele Grüsse Konny
Viele Grüsse zurück
Lotteflue
Katja Allani
29.12.2003, 16:36
Hallo Konny,
eine kleine Ermutigung aus der Rechtshänderwelt:
Meine Erfahrung: Es geht einem vor positiven Veränderungen erst so richtig mies. Die Wahrnehmung des eigenen Schmerzes ist ein notwendiger Teil, eine schwere Erfahrung und Chance im Finden des eigenen Weges. Trost, der mir geholfen hat: Wenn auch nicht sofort, auch nicht gleich, manchmal erst viel später wird einem der Sinn und der Nutzen klar, weshalb einem so etwas passiert (ist)und man so sehr viel Kraft und Mut investiert, um mit Schwierigkeiten fertig zu werden.
Gruß Katja und ein gutes 2004
Hallo Konny,
zu alt für eine Rückschulung ist man m. E. nie. Wichtig ist, sich darauf gut vorzubereiten und gut mit sich umzugehen. Ich fing mit 37 Jahren an, mich zurückzuschulen.
Konzentrationsstörungen und das Abreißen von Gedankengängen erinnere ich aus meiner umgeschulten Zeit auch noch gut. Und die Unfähigkeit, die Worte tatsächlich auszusprechen, die ich sagen wollte. Insgesamt fühlte ich mich intensiv nicht richtig und passend für diese Welt. In der Regel war ich spätestens gegen 22 Uhr so erschöpft, daß ich mit dem Einschlafen kämpfte, egal, wo ich gerade war.
Sei nicht mehr wütend auf dich. Du kannst nichts dafür, daß es dir bis jetzt so erging, wie es war. Du kannst ab jetzt für dich mehr Verständnis, Eigenliebe und Selbstbewußtsein im eigentlichen Sinn des Wortes entwickeln. Das ist eine wertvolle Möglichkeit.
Ich wünsche dir deshalb für's Neue Jahr alles besonders Gute und daß dir alles zufällt, was du brauchst, um mit dir selbst wieder eins zu werden.
Grüße
Birgit
Hallo Ihr LIEBEN,
vielen Dank für eure guten Ratschläge. Mir ist richtig warm ums Herz geworden.
Das ist der erste Kontakt mit Gleichgesinnten. Jetzt fühl ich mich nicht mehr
so allein. Im übrigen bin ich 48 Jahre und ich dachte eben zu alt für eine Rückschulung. Ich wohne im Raum Braunschweig und würde mich freuen, wenn jemand
weiß wo ich mich hier hinwenden kann. Auch habe ich mir das Buch ´" Der Knoten
im Gehirn" vor ein paar Jahren schon geholt. Es hat mir sehr geholfen mich in vielen Dingen wiederzuerkennen. So dieser Aha-Efekt.
Ich ermüde zum Beispiel sehr schnell. Alles ist mit größer Anstrengung verbunden. Auch das Gefühl immer alles richtig machen zu wollen. Also ist die Versagensangst sehr groß. Ich verwende so viel nutzlose Energie die dann irgendwann verpufft und wieder bin ich unzufrieden. Immer das Gefühl irgendwelche Erwartungen zuerfüllen und sie nicht umsetzen zu können.
Auch im privaten Bereich habe ich mit Beziehungen oft Probleme.Am liebsten würde ich mich an eine Sebsthilfegruppe wenden. Auch bin ich zeitweise sehr depressiv.Meine Psyche leidet sehr stark. Nach außen hin bin ich ein lustiger,
humorvoller Mensch.Nur wer mich besser kennt weiß wie es in mir aussieht.
Ich hoffe das ich noch mehr von Euch höre. Es hilft mir sehr und vielleicht kann ja auch ich helfen.
Gerade ist meine Freundin Petra zu mir gekommen. Sie ist 47 Jahre und ihr geht es genauso. Das haben wir erst vor kurzem festgestellt.
So, ich wünsche euch alles Gute für das neue Jahr.Bis bald.
Viele Grüße KONNY
Hallo Katja,
Danke für deine Ermutigung.Ich bin jetzt 48 J. und am überlegen ob ich die Rückschulung auf meine wirklich gute Hand machen werde. Ich habe Angst davor obwohl ich kein ängstlicher Mensch bin. Aber es belastet mich schon mein ganzes Leben nicht mit der linken Hand zu schreiben. Bin noch nicht lang im Internet.Hab jetzt erst richtig wahrgenommen das ich so direkt antworten kann.
Viele Grüße KONNY
Hallo Barbara,
Ich habe erst jetzt richtig wahrgenommen das ich hier ja gleich direkt antworten kann. Ich bin auch 48J. Denke an die Rückschulung seit ich das Buch "Der Knoten im Gehirn" gelesen habe. Ich habe starke Gemütsschwankungen und nehme seit einiger Zeit Johanniskraut. Obwohl mir das auch nicht hilft. Auch suche ich in Braunschweig eine Beratungsstelle. Ich bin noch recht neu im Internet und muß mich hier erst mal durchschlagen. Aber ich bin jetzt arbeitslos und habe ja Zeit. Ich hoffe du kannst mir weiterhelfen und du kannst mir noch mehr helfen wie du das alles erlebst hast.
Hoffentlich siehst du diese Nachricht.
Viele Grüße
KONNY
Hallo Birgit,
Auch bei dir möchte ich mich bedanken für deine lieben Worte. Ich werde mal schauen ob ich in BS eine Linkshänderberatungsstelle finde. MIt 48 J. bin ich ja vielleicht doch noch nicht zu alt für eine Rückschulung. Ich werde mich mal genauer informieren. Es belastet mich schon sehr. Ich finde es sehr schön auf Gleichgesinnte zu treffen.
Viele Grüße KONNY
Hallo Konny,
ich habe dir den Link von der Deutschen Linkshänderseite herausgesucht. Vielleicht findest du in der Adressenliste jemanden, der dich unterstützen kann.
http://www.linkshaenderseite.de/adressen.html
Wenn du noch irgendwas wissen willst, frag' einfach. Ich werde dir gerne antworten, wenn ich es kann.
Alles Gute noch mal. Du wirst deinen guten Weg finden. Umgeschulte Linkshänder sind enorm zäh und kreativ. Das ist eine gute Ausgangsbasis für Veränderungen im eigenen Leben.
Gruß
Birgit
Lotteflue
15.01.2004, 14:03
Hallo Konny
Schau doch mal im Link, ob es dort was für dich in der Nähe gibt. Diese Berater wurden von Frau Dr. Sattler ausgebildet.
Liebe Grüsse
Lotteflue
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