Vollständige Version anzeigen : Wie macht man das mit dem Besteck?
Ich hab mich jetzt mal auf dem Weg gemacht in dein Linkshänderforum, weil, wie du vielleicht weisst, mein Jüngster (3) anscheinend Linkshänder wird. Viele brauchbare Tipps hab ich von dir schon erhalten.
Jetzt hab ich mal eine prizipielle Frage:
Wie macht man das mit dem Besteck? Er will, wie wir anderen auch, mit Messer und Gabel essen. Wir haben aber nunmal nur klassisches Rechtshänder-Kinderbesteck, mit der Sägekante links am Messer.
Isst man nur mit Gabel oder Löffel, hält man diese ja in der Schreibhand (rechts) und beim Essen mit Messer und Gabel in der anderen Hand (links) als Rechtshänder.
Bezüglich der Geschicklichkeit mit der Gabel erlernt man also den Umgang mit beiden Händen.
Wenn ich meinem Sohn jetzt das "spiegelverkehrte" Essen beibringe, hat er später eventuell Probleme in Kantinen, Mensen, Restaurant, wo es nur Rechthändermesser gibt. Diese schneiden halt andersrum nicht so gut (Als ob Mensamesser jemals scharf wären, aber egal).
Es ist auch so, das er selber bemerkt, dass wir anderen eventuell das Besteck anders halten als er und sein Bruder auch lauthals kräht: Der hat das Besteck in der falschen Hand, Mama!!!!
Und er fragt immer nach, in welche Hand er was nehmen soll.
Ist das also ok, wenn ich ihm beibringe, als Rechtshänder zu essen? Alleine mit der Gabel oder Löffel kann er ja dann links essen. Ich will ihn auch nicht mehr lange so ganz frei weiter machen lassen, weil er immer fragt, welche Hand richtig sei. Stifte und Schere bedient er konsequent links und da redet auch keiner rein und da fragt er auch nicht.
MatthiasW
17.10.2003, 16:26
Hallo Lotta,
es gibt Geschäfte für Messer, Scheren usw. die auch Messer umschleifen.
>Isst man nur mit Gabel oder Löffel, hält man diese ja in der Schreibhand (rechts) und beim Essen mit Messer und Gabel in der anderen Hand (links) als Rechtshänder.
Für den Linkshänder gilt, wenn Löffel, Gabel oder Messer alleine benutzt werden, das sie mit der linken Hand geführt werden.
Brot schneiden, Messer links.
Brot schmieren, Messer links.
Suppe löffeln, Löffel links.
Gemüse (Salat), Gabel links.
Gabel und Löffel:
Spaghetti, Gabel links, Löffel rechts.
Das jeweils wichtigere Besteck führt die dominante Hand.
Messer und Gabel:
Fleisch, Messer links, Gabel rechts (es gibt LH, die das Messer rechts führen und die Gabel als wichtigeres Besteck an sehen, da sie mit der Gabel essen und das Messer nur zum zerteilen benutzen).
>Bezüglich der Geschicklichkeit mit der Gabel erlernt man also den Umgang mit beiden Händen.
Natürlich lernt auch die nicht dominante Hand den Umgang mit Besteck, dies ist aber kein Grund zu sagen es sei egal mit welcher Hand das Besteck geführt wird.
>Wenn ich meinem Sohn jetzt das "spiegelverkehrte" Essen beibringe, hat er später eventuell Probleme in Kantinen, Mensen, Restaurant, wo es nur Rechthändermesser gibt. Diese schneiden halt andersrum nicht so gut (Als ob Mensamesser jemals scharf wären, aber egal).
Es soll schon Kellner geben, die auf die Händigkeit der Gäste achten und entsprechend eindecken.
>Es ist auch so, das er selber bemerkt, dass wir anderen eventuell das Besteck anders halten als er und sein Bruder auch lauthals kräht: Der hat das Besteck in der falschen Hand, Mama!!!!
Dein Sohn beobachtet sehr genau seine Umwelt, da musst du aufpassen, dass er sich nicht selbst umschult, nur weil andere mit der rechten Hand agieren. Also Aufpassen!!!!!!! Und den Jungen links Seitig fördern, wenn Händigkeit geklärt ist.
>Und er fragt immer nach, in welche Hand er was nehmen soll.
Na die linke Hand fürs Brot schmieren, Brot schneiden usw..
Es wird Zeit, dass der Linkshänder entsprechend seiner Händigkeit auch im Knigge seinen Raum, und sein Recht bekommt.
>Ist das also ok, wenn ich ihm beibringe, als Rechtshänder zu essen?
Nein und nochmals nein.
>Alleine mit der Gabel oder Löffel kann er ja dann links essen. Ich will ihn auch nicht mehr lange so ganz frei weiter machen lassen, weil er immer fragt, welche Hand richtig sei.
Die linke Hand ist die richtige, beim Essen, beim Musizieren, am PC, beim Basteln (Hammer und Säge).
>Stifte und Schere bedient er konsequent links und da redet auch keiner rein und da fragt er auch nicht.
Gut so!
Bitte entschuldige wenn ich so deutlich geworden bin, aber es besteht die Gefahr, dass sich dein Sohn sonst noch umschult.
Bitte nimm deinen älteren ins Gebet und bringe ihm bei, das er seinem Bruder nicht umschulen darf (Mama, der ist mit der falschen Hand. Woher hat er das? Von Oma Opa? Aggiert da einer im Hintergrund?)
Liebe Grüße
Matthias
Ich denke mal darüber nach.
Der Grossvater (mein Vater) ist Linkshänder und wurde auch nicht umgeschult. Aber er isst wie ein Rechsthänder und hat keine Probleme damit. Ich selber konnte mich als Kind lange nicht entscheiden und bin schliesslich nach lager Zeit schreibender Rechtshänder geworden, ohne Einfluss der Eltern. Ich bin aber fast eher Beidhänder, denn viele Dinge kann ich einfach mit beiden Händen gleich gut, wie nähen, Schraubenzieher bedienen, bügeln etc. Ich nehme einfach die Hand, die besser geht, ohne dass ich das Werkstück umdrehen muss.
Nur schreiben und schneiden mache ich ausschliesslich rechts.
Es ist wohl wirklich so, dass es Menschen gibt, bei denen die Händigkeit einfach nicht sehr stark ausgeprägt ist.
Mein Linkshändersohn isst dreimal in der Woche im Kindergarten, dort gibt es zwar Linkshänderscheren, aber kein Linkshänderbesteck.
In unserer Mensa gab es das auch nicht.
Ich kann auch nicht das ganze Kinderbesteck so einfach umschleifen lassen, weil ich ja rechtshändige Kinder auch habe. Und weisst du, was ein WMF-Kinderbesteck kostet? Ich lasse ihm eher ein oder zwei Garnituren zu Weihnachten schenken, wenns sein muss.
Ich kenne Linkshänder und umgeschulte Linkshänder in meinem Bekanntenkreis. Dabei beobachte ich eigentlich, dass die Linkshänder eigentlich mehr Probleme haben, als die umgeschulten. Auch einen amputierten Rechthänder, der sich notgedrungen umschulte, kenne ich. Woher kommt eure streng ablehnende Haltung?
Ich würde meinen Sohn nie komplett umschulen, nur beim Besteck halten betrachte ich es noch als eine sinnvolle Alternative, das so zu lernen, wie Rechtshänder auch, im Hinblick auf weniger Probleme im späteren Leben. Das hängt aber davon ab, wie stark sich die Händigkeit ausprägt. Das zu beurteilen ist es noch zu früh. Wenn er so wenig ausgeprägt händig ist wie ich, könnte ich das verantworten.
Im übrigen vermittele ich meinem grösseren Sohn selbstverständlich, das er sich aus der Erziehung seines Bruders rauszuhalten hat, das das unsere Sache ist, nicht seine, darauf zu achten, was der Kleine tut oder nicht tut
Birgit N.
20.10.2003, 16:02
Hallo Kirstin,
ich stimme mit Mathias (fast) überein:
Brot schneiden, Messer links.
Brot schmieren, Messer links.
Suppe löffeln, Löffel links.
Gemüse (Salat), Gabel links.
Gabel und Löffel:
Spaghetti, Gabel links, Löffel rechts.
Das jeweils wichtigere Besteck führt die dominante Hand.
Das mache ich auch so, nur wenn ich mit Messer und Gabel hantiere, habe ich das Besteck in der Hand wie ein Rechtshänder (Messer rechts, Gabel links) und komme damit gut zurecht. (Bin aber auch partiell umgeschult, sprich, schreibe mit rechts. Sonst mache ich fast alles mit links.)Ein Linkshänder Brotschneidemesser (mit Wellenschliff auf der anderen Seite), das musste aber für mich schon sein!
Aber wichtig: Wenn ihr bei Tisch eine feste Sitzordnung habt, oder auch wenn ihr ins Restaurant geht, setzt Euren linkshändigen Sohn so an den Tisch, dass die linke Hand frei agieren kann (also nicht rechts von einem Rechtshänder) denn das gibt sonst bei Suppe, Salat und Kuchen immer Zusammenstösse mit dem Ellenbogen
Gruss, Birgit
Jeannine
20.10.2003, 18:23
Hallo Lotta,
ich selber bin umgeschulte LH-derin und seit 2 Jahren zurückgeschult. Als Kind konnte bei mir das essen mit Messer und Gabel nicht umgeschult werden ( Willen durchgesetzt). Ich schneide mit der linken Hand. Probleme bekam ich als Kind und jetzt als Erwachsener nie mit dem RH-Besteck -> eher mit den Argumenten es „richtig ?“ zu lernen. Am besten du lässt Deinen Sohn so essen, wie er es am geschicktesten kann. Und da denke ich mal, das die linke Hand sicherer schneidet! Als Weihnachtsgeschenk ein LH-Besteck zu kaufen ist doch eine gute Idee! (-:
Gruß Jeannine
MatthiasW
20.10.2003, 19:28
Hallo Lotta,
und irgendwann will dein Sohn dann auch ein Taschenmesser benutzen und zum Schnitzen und Schälen sollte er schon bis dahin ein Gefühl für den Umgang mit dem Messer in der linken Hand erlernt haben.
Liebe Grüße
Matthias
Hallo!
Mein Sohn (6 J.) ist auch Linkshänder.
Auf das Besteck haben wir anfangs gar nicht so geachtet, irgendwann fiel mir auf daß er es "andersrum" (also linkshändertypisch) benutzte.
Er hat aber ein ganz normales Kinderbesteck und damit bislang keinerlei Probleme. Inzwischen nimmt er auch ab und zu ein großes.
Allerdings gibt es bei uns kein Fleisch, ich weiß nicht, ob das recht schwierig zu schneiden wäre. Alles andere, inklusive Brot abschneiden (mit dem großen Brotmesser) und Brötchen aufschneiden klappt problemlos.
Nur bei Wurst und Käse schneidet er "aus Versehen" ab und zu ziemlich dicke Scheiben. Aber das passiert der RH SChwester "eigenartigerweweise" auch ;o)
Wichtiger ist für ihn, daß es scharf ist, dann kommt er schon zurecht.
Und... wenn ich es richtig in Erinnerung habe sind Mensa-Messer sowieso nie scharf, da ist´s doch egal, ob sie rechts- oder linksrum stumpf sind.
Umschleifen lassen wäre aber auch kein Problem, denn unsere Kinder haben eh jeder ihr eigenes Kinderbesteck mit Namen drauf.
Inzwischen achtet er selber drauf, daß das Besteck bei ihm andersrum liegt und wo er am besten sitzt. Wenn (ganz selten) doch mal eine Frage kommt, sagt er: "Ich bin doch Linkshänder!" Oder er fragt, ob er dem Platz wechseln kann, damit er außen sitzt, falls "es dich stört, wenn wir uns immer mal verhakeln."
Ganz am Anfang war die eine Oma der Meinung, sie müsse ihm unbedingt den Löffel in die rechte Hand geben. "Dann hat er es doch später viel leichter! Guck, er kann es dach auch richtigrum!" Kurz drauf: "Kind, mußt du so kleckern? Du bist aber ungeschickt. Paß doch besser auf!"
Und das zu einer Zeit, als er schon anfing, recht ordentlich mit Messer und Gabel zu essen... nur eben in "seiner" Haltung.
Nachdem sich Oma damit abgefunden hat, daß wir es ihm NICHT "richtig rum, damit er es leichter hat" beibringen, ist es überhaupt kein Thema mehr. Ich denk nicht mal mehr darüber nach, wen ich den Tisch decke, leg seine automatisch andersrum.
Für die Schwester ist es ganz normal so, es gibt bei und kein "richitg-" und kein "falsch-" rum, sondern eben wie ein LH oder wie ein RH. Letztens war jemand platt als unsere 4-jährige ihn ("gründlich" umgeschult, bis auf das Essen) fragte: "Oh, bist du auch ein Linkshänder? Weil du hast ja das Besteck wie mein Bruder!"
Laß doch deinen Zwerg so essen, wie es seiner Händigkeit entspricht. Ab und zu mal irgendwo mit einem stumpfen Messer kämpfen zu müssen, ist doch weniger belastend als IMMER das Gefühl zu haben ungeschickt zu sein.
Tschüß, Tine
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