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Vollständige Version anzeigen : In der Musik rechts und links unrelevant?


Seni
02.10.2007, 17:07
Hallo,

mein Sohn möchte einen Kurs für Melodika besuchen. Jetzt hat uns der Lehrer versichert, dass es in der Musik egal ist. ob Jemand Links oder Rechtshänder ist und dass dies alles Quatsch ist. Hat er recht? Er meinte sogar, dies könnte von Vorteil sein, für die rechte Hand und die rechte Gehirnhälfte.

Kennt sich Jemand damit aus, kann ich ihm glauben? Warum gibt es dann soviel umgebaute Musikinstrumente?


Gruß Seni

Ursula
02.10.2007, 17:57
Hallo Seni,
ich bin Linkshänderin und kann auf der Melodica nicht spielen.

Zitat aus:http://www.linkshaender.at/th_musikinstrumentenspiel.htm
Die Melodica ist ein ausgesprochenes Rechtshänderinstrument, das aufgrund der einhändigen Spielweise linkshändigen Kindern nicht zu empfehlen ist. Allenfalls könnte ein langes Rohr am Mundstück angebracht werden, welches erlaubt, das Instrument umzudrehen und die Tasten mit der linken Hand zu betätigen. Ein beweglicher Schlauch eignet sich dazu nicht, weil das Kind dann zum Atmen nicht absetzen kann, sondern den Schlauch ständig im Mund behalten und durch die Nase einatmen muss. Damit sind aber schnellere Passagen nicht spielbar! Das Instrument ist bei Kindern mittlerweile ohnehin nicht mehr sehr beliebt und längst vom Keyboard abgelöst worden. Selbstverständlich eignet sich die Melodica für linkshändige Kindern auch als Spielzeug nicht!


Der Lehrer hat sich wahrscheinlich noch nicht mit Linkshändigkeit beschäftigt, sonst könnte er eine solche Äußerung nicht machen.

Von einer für Linkshänder umgebauten Melodica habe ich noch nie gehört.

Emily
03.10.2007, 21:22
Ich finde es einen krassen Unsinn, der gerade von Musiklehrern behauptet wird. Wenn ich davon ausgehe, dass eine Hand die Führungshand ist, dann wird der umgedreht Spielende doch immer mit seiner Nichtführungshand auf einem Rechtshänderinstrument spielen müssen.

Und gerade bei Kindern, die sich so leicht noch verbiegen lassen, und sich dann an ihr Lebensende wundern müssen über ihren Lebensweg.

Leider wissen die Menschen da draussen immer noch viel zu wenig über das Phänomen der Händigkeit. Und leider meinen sie immer wieder, was zu wissen, was noch schlimmer ist, als nichts zu wissen.

Emily

Seni
04.10.2007, 11:00
Hallo Emiliy,

wie meinst du das denn, bist du jetzt dafür, dass mein Sohn auf der Melodika spielt? Zumal es ihm viel Spass macht und er sehr gut spielen kann, auch mit der rechten Hand. Also was soll ich jetzt machen?
Wenn er Klavier spielen würde müsste er doch auch zweihändig spielen, oder sehe ich das falsch?

Gruß Seni

lefthandgear
04.10.2007, 11:04
Liebe Leute,

ich habe verschiedene Instrumente gespielt - bin seit 30 Jahren linkshändriger Gitarrist und habe die Erfahrung gemacht, dass nicht bei allen Instrumenten die Händigkeit entscheidend ist.
Ich könnte jederzeit wieder Klavier / Blockflöten spielen, ohne Defizite durch die 'Falschlage' der Tasten / Löcher zu empfinden. Genauso halten es viele Schlagzeuger und Percussionisten, die nicht zwangsläufig ihr gesamtes Equipment 'linksrum' aufgebaut und eingekauft haben.
Im Fall der Melodica stimme ich allerdings zu; es sollte Quatsch sein, unbedingt zu behaupten, dass es egal sei mit welcher Hand gegriffen - also gespielt - wird; ich würde versuchen auf eine Alternative auszuweichen.

Gruß Jens

Seni
04.10.2007, 12:55
Hallo lefthandgear,

danke für deine Antwort. Die Alternative wäre ja nur Klavier oder Keybord. Das Problem ist, dass diese Kurse nicht wohnortnah laufen, deshalb wäre es ja auch so günstig, weil dieser Kurs an der Schule meines Sohnes statt findet.
Desweiteren ist eine Melodika einfach und preiswerter als ein Klavier oder ein Keybord.
Ich glaube aber ihr habt recht, dass die Melodika für Linkshänder nicht geeignet ist, zumal dies ein rein rechtshändiges Musikinstrument ist. Wahrscheinlich wollte er nur Geld verdienen und hat Angst dadurch Kinder zu verlieren oder nicht genügend Kinder zu bekommen.


Grüße Ines

lefthandgear
04.10.2007, 16:14
Hallo Ines,

vielleicht noch ein paar Aspekte zum Musizieren für Kinder:
Ich galt als komplett unmusikalisch, da ich (6-10 Jahre alt) mal so richtig nicht Singen konnte. Durch Zufall habe ich in einer Gruppe unter der Anleitung einer Kantoristin Blockflöten spielen gelernt. Ich will damit sagen, dass ich niemals im Einzelunterricht Spass daran gefunden hätte und empfehle von mir aus, Kindern erst einmal recht ungezwungen den Zugang zur Musik erforschen zu lassen. Wenn's gefällt, steht qualifiziertem Unterricht ja nichts im Wege.
Neben einigen Angeboten, die z.B. viele Gemeinden dazu anbieten, besteht evt. die Möglichkeit, Kinder in einer Kleingruppe musikalische Erfahrungen machen zu lassen. Ich glaube sogar, dass die Wahl des Instruments - sofern das Kind sich nicht schon 'festgelegt' hat - gar keine große Rolle spielt; der Spaß mit mehreren in einer Gruppe Musik zu erfahren, sollte viel entscheidender sein.
Zu guter Letzt: DAS Instrument Stimme ist gratis - macht einen höllenspass - und zusammen zu Singen ist eine großartige Erfahrung!! Inzwischen singe ich mit Freunden mehrstimmige Rock- und Folksongs - ich die 3. Stimme, was etwa 35 Jahre nach den ersten frustrierenden schulischen Musikerfahrungen dann mal geklappt hat.

Soweit mit Gruß aus Essen

Jens

Seni
05.10.2007, 14:11
Hallo lefthandgear,

mein Sohn singt schon im Chor, er singt sehr schön und gern. Trotzdem wäre es schön, wenn er noch ein Instrument erlernt. Später für die Schule wäre es von Vorteil und außerdem möchte er es selbst. Mein Sohnemann ist wirklich sehr musikinteressiert und soweit ich es einschätzen kann auch musikalisch. Er lauscht selbst klassischer Musik mit großer Begeisterung, deshalb fände ich es so schade, dieses nicht zu fördern.


Gruß Ines

Marina Neumann
05.10.2007, 14:43
Hallo allerseits,
grundsätzlich gilt nach meiner Erfahrung, dass man bei Musikinstrumenten die Händigkeit mitbeachten sollte.
Andererseits ist es aber immer auch wichtig, im Einzelfall genau hinzugucken und zu entscheiden.
Ich habe mal ein Mädchen, 13 Jahre alt, in der Rückschulung begleitet,
das schon seit mehreren Jahren Klavier gespielt hat. Durch die Rückschulung
ist die eigentliche Musikalität des Kindes derart erqwacht, dass es unwahrscheinlich gut zu spielen anfing.
Ich kenne auch einen Berufs-Cellisten, der sehr sehr gut rechtshändig Cello spielt, obwohl er Linkshänder ist.
Ich selber habe extrem darunter gelitten, Rechtshändergeige zu spielen.
Man sollte in diesem Bereich sehr sensibel vorgehen, finde ich.

Seni
08.10.2007, 14:50
Hallo allerseits,

hier ist nochmal Seni. ich habe also dem Lehrer mitgeteilt, dass dieses Instrument für meinen Sohn nicht geeignet ist. Er hat natürlich wiedersprochen, sie hätten nie Probleme gehabt und in der Musik gäbe es keinen Unterschied. ich habe ihm alles Gute gewünscht und mir meinen Teil gedacht. Immerhin verliert er ja nun einen potentiellen Kunden und wenn man bedenkt, dass der Kurs im Monat 40e kostet, ist das schon eine stattliche Summe.

Naja auf jeden Fall denke ich, dass ich mich richtig entschieden habe. ich denke ich werde mal über Keyboard oder Klavier nachdenken.


Liebe Grüße
Ines

lefthandgear
08.10.2007, 17:23
Hallo Ines,

Gratulation ...:D wer mit der Muse Geld verdienen will, sollte in diesem Fall anders reagiert haben. Gruß Jens