Vollständige Version anzeigen : Erleichterung
Hallo Andreas,
es tut richtig gut, deinen Beitrag zu lesen!
Nachdem hier oft davon zu lesen ist, wie toll plötzlich und schlagartig mit der RS alles ist (es sei jeder und jedem, die / der es so erlebt, von Herzen gegönnt!!!), ist es wohltuend, auch mal zu hören, dass sich nicht schlagartig alles zum Besseren wendet.
Leider sind die oftmals beschriebenen Glücksgefühle und Euphorie bei mir ausgeblieben. Überhaupt hat sich wenig verändert.
Bislang habe ich auch noch keine Idee, was "Glücksgefühle" im Rahmen der RS bedeuten. Aber es ist, wie es ist. Und bei mir hat sich auch noch nicht viel geändert. Außer vielleicht, dass es mir seit Beginn der RS psychisch deutlich schlechter geht als vorher.
Meine Handschrift ist links nicht besser als rechts, aber da habe ich Hoffnung, dass es besser wird. Nach 35 Jahren Training mit der falschen Hand gegenüber 3 Monaten mit der linken sollte auf Dauer noch was zu verbessern sein.
Hm, kenn ich auch. Allerdings war meine rechte Handschrift auch nicht wirklich schlecht, scheine feinmotorisch eher geschickt zu sein...
allerdings wäre ich vorsichtig mit überzogenen Erwartungen.
Wie gesagt, danke für deinen nüchternen Beitrag; bei allen "Erfolgsmeldungen" der anderen (wie gesagt, ich gönne es jeder und jedem), fühle ich mich manchmal ganz schlecht.
Grüße
Q.
Petra-Gast
01.11.2004, 10:31
Ich kann auch nicht wirklich von Glücksgefühlen berichten. Vielleicht liegt es daran, daß ich gut und schnell mit der rechten Hand schrieb. Trotzdem bin ich froh, die Rückschulung angegangen zu sein. Die Tätigkeit mit der linken Hand passt eben besser zu mir.
Viele Grüße
Petra
Hallo Q. und Andreas
Leider sind die oftmals beschriebenen Glücksgefühle und Euphorie bei mir ausgeblieben. Überhaupt hat sich wenig verändert.
Als Pseudorechtshänder stand ich nicht nur immer unter enormen Anpassungsdruck, sondern mindestens ebenso unter extremen Erfolgsdruck. Ich wollte der Umgebung und noch mehr mir selber beweisen, dass ich nicht so dumm und ungeschickt bin, wie es für die anderen offensichtlich immer den Anschein hatte. Ich glaube, so geht es den meisten Pseudorechtshändern und ULH. Nichts, aber auch gar nichts, wollte mir früher als fast komplett ULH leicht von der Hand gehen, also kniete ich mich immer so dermaßen in alles hinein, nicht um alle zu überflügeln, sondern in der Hoffnung, das Routine mein Handeln irgendwann mal leichter machen würde. Es wollte sich aber nicht einstellen. Ich kannte wohl eine Art Euphorie, wenn es wieder einmal darum ging etwas völlig Neues zu lernen. Genau genommen was es dann aber nichts anderes, als die große Hoffnung mit dem Erlernen des Neuen nun die Sache vielleicht doch mal richtig angehen zu können. Ich kannte keine Glücksgefühle, keine Lust, hatte vor allem so überhaupt gar keine Geduld. Wie steht’s denn eigentlich mit eurer Geduld? Könnte es sein, ihr packt die Rückschulung ähnlich an, wie ihr vorher auch immer alles angepackt habt? Mit Hauruck und alter leidiger Selbstdisziplin? Tatsächlich scheint es ULH zu geben, die erstaunlich schnell ihre Schreibhand rückschulen konnten/können. Nur, wie viele Tätigkeiten waren bei denen vorher nicht umgeschult (z.B. Malen/Zeichnen...wodurch die Koordination ihrer linken Hand sicher schon ganz wesentlich trainiert ist)? Man sollte sich von solchen Berichten nicht allzu sehr beeindrucken lassen, sondern wirklich seinen individuell eigenen Weg finden. Das heißt für mich vor allem, Geduld mit sich selber lernen, die eigenen Individualität zu akzeptieren, sich die Zeit und vor allem die Pausen nehmen, die man braucht und sich endlich mal selber lieben lernen. Alles Punkte, die man als ULH meist völlig unterdrückt, bzw. nicht gelernt hat. Statt von Rückschulung und RückschülerIn würde ich persönlich lieber von Rückführung ... oder so ähnlich sprechen. Dann ist dieser leidige „Drill“ weg. Jetzt geht es doch wirklich nicht mehr darum, es irgendjemanden, oder sich selber beweisen zu müssen, sondern darum, endlich mit sich selber klar zu kommen! Auch das braucht bei jedem unterschiedlich viel Zeit! Mein erstes Glückgefühl war vielmehr ein großer Stolz auf mich selber. Und hat sich eingestellt, als ich das erste Mal mir ausschließlich was mit links geschneidert habe, was zwar extrem langsam und mit vielen und langen Pausen über mehrere Tage ging, in der Summe jedoch tatsächlich viel e n t s p a n n t e r war und sogar viel weniger Zeit in Anspruch nahm als früher. Weil ich mir die Ruhe und Zeit gegeben habe!!! Dadurch konnte mein Gehirn erstmals ohne Denkblockaden arbeiten. Das war meine erstes geschneidertes Teil, dass auf Anhieb saß! Ich musste kein einziges Mal auftrennen!!! Ich habe seither bei mir ein seltsames Phänomen festgestellt. Was ich mit links mache, ist zwar in der Ausführung „unperfekter“, d.h. man sieht eher, das es Handgemacht ist, aber im Gesamtausdruck dennoch „perfekter“, weil stimmiger und ich mich nun damit auch erstmals identifizieren kann! Früher war ich nie zufrieden. Heute stehe ich zu meiner Individualität und lasse sie zu. Die Welt geht auch nicht unter, wenn man „viel zu langsam“ ist, man muss für sich halt nur die richtige Nische finden und sie wird sich finden, weil man als Rückge“schulter“ lernt sich selber zu gehorchen.
Gruss
:- D.
Und bei mir hat sich auch noch nicht viel geändert. Außer vielleicht, dass es mir seit Beginn der RS psychisch deutlich schlechter geht als vorher.
Das finde ich völlig normal und sogar gesund! Ging mir auch so. Das erste Jahr hat es mich psychisch so was von gebeutelt... ich kann dir sagen! Nur dadurch ist auch wirklich alles heraus gekommen, oftmals sogar völlig unerwartet wie ganz heftige Eruptionen ausgebrochen - bis wirklich alles heraußen war. Nun fühle ich mich von diesem ganzen seelischen Müll und Dreck befreit wie noch nie!!! Ja, auf diese Art wird man alles los! (-: Nach dem Psychischen beutelt es mich nun körperlich ganz schön, habe aber auch hier die innere Gewissheit, das es sich um einen „Selbstreinigungsprozess“ handelt.
Hallo D.,
vieles aus deinem Beitrag kenne ich wieder. Schon wieder was, was gut tut, nachdem ich nicht zu den Begnadeten gehöre, denen mit sofortiger Wirksamkeit mit RS-Beginn alles gelingt und denen es so gut geht. Ich dachte schon, es geht nur mir so...
Wie steht’s denn eigentlich mit eurer Geduld?
Ist nicht so weit her damit, war es nie und ist es auch bislang noch nicht wirklich. Es fällt mir sehr viel leichter, mit anderen Menschen Geduld zu haben.
Könnte es sein, ihr packt die Rückschulung ähnlich an, wie ihr vorher auch immer alles angepackt habt? Mit Hauruck und alter leidiger Selbstdisziplin?
Wenn ich ganz ehrlich bin: Ein bisschen schon. Das wird bei mir aber langsam besser, zumindest, was das Schreiben angeht.
Tatsächlich scheint es ULH zu geben, die erstaunlich schnell ihre Schreibhand rückschulen konnten/können. Nur, wie viele Tätigkeiten waren bei denen vorher nicht umgeschult (z.B. Malen/Zeichnen...wodurch die Koordination ihrer linken Hand sicher schon ganz wesentlich trainiert ist)?
Ich habe wohl auch einen recht schnellen Start hingelegt, was das Schreiben angeht. Konnte nach 6 Wo schon leidlich gut schreiben. Seit dem hat sich aber nicht mehr viel getan. Bislang zumindest.
Ich gehöre auch zu denen, die recht gründlich umgeschult sind, habe also nicht wirklich viel mit der li Hand gemacht, demzufolge auch wenig Training.
Und bei mir hat sich auch noch nicht viel geändert. Außer vielleicht, dass es mir seit Beginn der RS psychisch deutlich schlechter geht als vorher.
Das finde ich völlig normal und sogar gesund! Ging mir auch so. Das erste Jahr hat es mich psychisch so was von gebeutelt... ich kann dir sagen!
Ab wann ging es dann aufwärts?
Grüße
Q.
Hallo Petra,
Ich kann auch nicht wirklich von Glücksgefühlen berichten. Vielleicht liegt es daran, daß ich gut und schnell mit der rechten Hand schrieb.
Ich habe es mit der re Hand auch zu einem ziemlich passabelen Ergebnis gebracht, kann auch nicht behaupten, dass ich ungern mit re geschrieben habe.
Trotzdem bin ich froh, die Rückschulung angegangen zu sein. Die Tätigkeit mit der linken Hand passt eben besser zu mir.
So ähnlich ergeht es mir gerade auch, ich merke immer mal wieder, dass das Agieren mit li ganz gut zu mir passt und sich recht stimmig anfühlt. Das ist ja schon mal was.
Grüße
Q.
Dr. Noll
07.11.2004, 21:59
Hallo Q.,
so wie Sie erleben auch einige die Rückschulung, wahrscheinlich sogar recht viele.
Nun ist es erfahrungsgemäß so, daß man sich wegen "Nichts" in der Hinsicht, daß bislang nichts passiert ist, was man vielleicht auch zu optimistisch erwartet hatte, eingetreten ist, kaum hier zu Wort meldet.
Ich kenne nun doch eine größere Anzahl umgeschulter Linkshänder und Rückschüler, und ich habe es eher ausgewogen erlebt, was die Erfolge der Rückschulung angeht, und ich habe auch rückschulbedingte Nebenwirkungen gesehen, die zweimal sogar regelrecht katastrophal ausfielen.
Ich wollte diese Fälle anonymisiert hier darstellen, habe jedoch in beiden Fällen keine Erlaubnis der Betroffenen dazu erhalten - leider, aber selbstverständlich halte ich mich daran.
Es bleibt zu bemerken, daß die Rückschulung sehr erfolgreich verlaufen kann, aber daß es keine Gewähr dafür gibt.
In den Fällen, wo eben nichts passiert, würde ich persönlich, nach so ca. 2 Jahren, mal "Inventur" machen und auch überlegen, die Rückschulung abzubrechen.
Ich finde es auf jeden Fall gut, daß sich hier auch mal Menschen zu Wort melden, bei denen nicht alles nur positiv verlaufen ist.
Liebe Grüße
Dr. Noll
Hallo Dr. Noll,
danke für Ihre Antwort.
Nun ist es erfahrungsgemäß so, daß man sich wegen "Nichts" in der Hinsicht, daß bislang nichts passiert ist, was man vielleicht auch zu optimistisch erwartet hatte, eingetreten ist, kaum hier zu Wort meldet.
Hm, sehe ich ähnlich, das ist ja auch nicht so spektakulär. Trotzdem wäre es aber immer wieder auch mal hilfreich...
In den Fällen, wo eben nichts passiert, würde ich persönlich, nach so ca. 2 Jahren, mal "Inventur" machen und auch überlegen, die Rückschulung abzubrechen.
Nachdem Sie ja nun ein bisschen mehr Erfahrung haben: Es kommt offensichtlich vor, dass RS - neben evtl. Nebenwirkungen, die aber hoffentlich wieder aufzufangen sind - nichts, aber auch gar nichts tut. Haben Sie eine Hypothese dazu, warum das so ist? Anscheinend gibt es Menschen, die nicht "rückschulbar" sind, woran liegt's? Gibt es bei denen, die Sie kennen, "hypothesen-relevante" Gemeinsamkeiten?
Ich finde es auf jeden Fall gut, daß sich hier auch mal Menschen zu Wort melden, bei denen nicht alles nur positiv verlaufen ist.
Sehe ich auch so (-;
Bin diese Woche unterwegs, freue mich dann aber auch Ihre Antwort.
Grüße
Q.
Dr. Noll
08.11.2004, 13:04
Hallo Q.,
meine Hypothese ist, daß sich bei den Menschen unterschiedlich stabile Engramme im Gehirn einbrennen.
Engramme sind z.B. Eiweißverbindungen, die das Gehirn bildet, ähnlich wie bei Erinnerungen, um langzeitgedächtnisanalog Eindrücke zu speichern.
Ebenso werden gedankliche Abläufe in Engrammen angelegt.
Nun denke ich tut das jeder Mensch gleich, auch die Zeit wird eine Rolle spielen. Außerdem sind die Umstände der Umschulung wichtig. Ähnlich, wie man spielerisch Gelerntes leichter erinnert können schlimme Erinnerungen an die Umschulung wohl das Engramm auch stärker fixieren.
Aber, das alles ist Hypothese und nicht belegt, sondern nur meine Gedanken zu dem Phänomen.
Liebe Grüße
Dr. Noll
Hallo Q.
vieles aus deinem Beitrag kenne ich wieder. Schon wieder was, was gut tut, nachdem ich nicht zu den Begnadeten gehöre, denen mit sofortiger Wirksamkeit mit RS-Beginn alles gelingt und denen es so gut geht. Ich dachte schon, es geht nur mir so...
Ganz sicher nicht. Die Versagensangst! Die Versagensangst, die Angst vor Schlägen, Schelte, Ausgrenzung... ist meiner Ansicht nach die Hauptmotivation, weshalb sich viele LH umschulen, bzw. umschulen lassen. Und sie bleibt auch umgeschult sicher eines der größten Probleme ULH. Sieh mal, wie viele LH es augenscheinlich gibt. Angeblich nur 10%. Und wie weit werden die sich wohl in einer 100%ig auf RH ausgerichteten Welt trotzdem weitestgehend angepasst haben? Es ist einfach Fakt, man kann nicht immer und überall anecken – da wird man derart attackiert, das hält man gar nicht durch! Ich persönlich bin so ein Modell ULH die immer darunter gelitten hat, vor allem innerlicht und oft sichtbar ständig gegen den Strom aller zu schwimmen. Ich bin davon überzeugt, eine der größten Motivationen sich zurückzuschulen ist, sich endlich nicht mehr ausgegrenzt zu fühlen und sich in die Gesellschaft besser einfügen zu können, damit man sich nicht mehr so allein und verlassen fühlt, sondern verstanden(!) und vor allem endlich mal nicht mehr immer zu versagen. Wir ULH sind solche zwanghaften Normpflichterfüller, das wir eine gescheiterte Rückschulung sicher wieder sogleich als ein weiteres persönliches Versagen einstufen. Kein Wunder, das diejenigen das dann natürlich tunlichst verschweigen.
Wie steht’s denn eigentlich mit eurer Geduld?
Ist nicht so weit her damit, war es nie und ist es auch bislang noch nicht wirklich. Es fällt mir sehr viel leichter, mit anderen Menschen Geduld zu haben.
Dachte ich mir schon - typisch ULH, meine ich.
Könnte es sein, ihr packt die Rückschulung ähnlich an, wie ihr vorher auch immer alles angepackt habt? Mit Hauruck und alter leidiger Selbstdisziplin?
Wenn ich ganz ehrlich bin: Ein bisschen schon. Das wird bei mir aber langsam besser, zumindest, was das Schreiben angeht.
Das geht auch nicht von heute auf morgen. Ich stecke selber noch mitten drin in dem Prozess. Dummerweise erhält man von anderen nur wenig bis gar keine Unterstützung, geschweige denn Verständnis.
Tatsächlich scheint es ULH zu geben, die erstaunlich schnell ihre Schreibhand rückschulen konnten/können. Nur, wie viele Tätigkeiten waren bei denen vorher nicht umgeschult (z.B. Malen/Zeichnen...wodurch die Koordination ihrer linken Hand sicher schon ganz wesentlich trainiert ist)?
Ich habe wohl auch einen recht schnellen Start hingelegt, was das Schreiben angeht. Konnte nach 6 Wo schon leidlich gut schreiben. Seit dem hat sich aber nicht mehr viel getan. Bislang zumindest.
Seit knapp über einem Jahr mache ich nun täglich meine Schreibübungen mit links. Und ich bin noch immer nicht ganz dort angekommen, wo ich anfangs hinwollte. Allerdings hatte ich von Anfang an gleich eine „natürliche Grenze“, die mich daran hinderte, mich in das „Projekt Linksschreiben“ wie sonst auch in alles andere gleich voll hinein zu stürzen. Schon nach 5 Min. Nachspurübung wurde mir extrem schwindelig im Kopf, manchmal war ich auch gedanklich wie benebelt. Ich konnte nicht von meinem Gefühl ausgehen, wie lange ich schreiben kann, sondern bemerkte mein Zuweitgehen lange Zeit immer erst, wenn es schon zu spät war. Einmal hielt dieser Zustand nach 10minütiger Übung sogar für eine ganze Woche an. Dabei merkte ich auch, wie sehr mein natürlicher Kontrollmechanismus gestört war. Ich war also wirklich genötigt, mich in Geduld zu üben und diese Sache ganz langsam anzugehen, und zwar mit Kontrolle von außen – ich stellte mir jedes Mal den Wecker. Bei mir lief die Umstellung des Schreibens und die psychische Aufarbeitung meines Umgeschultseins und deren Folgen auf mein ganzes bisheriges Leben parallel. Beides mit deutlichen, heftigen Schwankungen. Und ich stellte oft Wechselbeziehungen zwischen dieser psych. Aufarbeitung und dem Schreibfortschritt fest. So empfand ich beim Schreiben kurz vor oder während eines nächsten Psychoschubs immer extreme Rückschritte. Dann eckte meine Hand beim Schreiben, um anschließend wieder einen deutlichen Entwicklungsschub zu machen. Mittlerweile sehe ich aber, wie ich zuletzt gepostet habe, auch gewisse Grenzen des Machbaren. Ich weiß nicht, wie lange es dauert, bis ich sagen kann, nun bin ich beim Linksschreiben wirklich angekommen. Aber ich schrieb schon sehr schnell viel lieber mit links, als mit rechts.
Ich gehöre auch zu denen, die recht gründlich umgeschult sind, habe also nicht wirklich viel mit der li Hand gemacht, demzufolge auch wenig Training.
Geht mir ähnlich. Ich war sogar davon überzeugt 100% umgeschult zu sein. Meine ganze linke Seite hatte ich praktisch komplett verleugnet, d. h. bewusst nicht gebrauchen wollen – mensch! da fällt mir ein, wie ich als Kind oft allein gespielt habe, nur noch komplett alles mit rechts zu machen, mit der Vorstellung, meine linke Seite wäre gelähmt. – dass erschreckt mich nun richtig! Ja, solche alten vergrabene Sachen können plötzlich wieder hoch kommen, setzt man sich mit dem Umschulungsthema intensiv auseinander. Das kann einen psychisch richtig mitnehmen und das muss man dann erst einmal verarbeiten...
Und bei mir hat sich auch noch nicht viel geändert. Außer vielleicht, dass es mir seit Beginn der RS psychisch deutlich schlechter geht als vorher.
Das finde ich völlig normal und sogar gesund! Ging mir auch so. Das erste Jahr hat es mich psychisch so was von gebeutelt... ich kann dir sagen!
Ab wann ging es dann aufwärts?
s.o.
So habe ich es bisher erlebt: ca. 1 Jahr war es bei mir ganz heftig, ich war aber auch mächtig am Aufarbeiten – blieb mir auch nichts anderes übrig. Und noch immer fällt mir wieder „Neues“ ein, fällt aber seither in die Kategorie Ähnliches. Was ich damit sagen will ist, es gibt einen natürlichen Schutz- und Verdrängungsmechanismus, der uns scheinbar funktionieren und nicht zusammenbrechen lässt. Durch einen Aha-Effekt in Sachen Umschulungsfolgen weicht dieser Schutzwall auf und mit Beginn der Rückschulung bricht der Deich mit voller Wucht und man kann nur hoffen, dabei nicht unter zu gehen. Weiter kitten ist sinnlos, besser ist es, sich neu zu orientieren und eine neue Ausgangsposition zu schaffen, in der man diesen Deich nicht mehr braucht, als selbstbewusster LH! Ich bin sicher, dann lebt man viel gesünder.
Manchmal bin ich schon recht frustriert, wie allein man mit seiner Rückschulung ist, gerade auch weil sie individuell so höchst unterschiedlich und daher völlig unvorhersehbar verläuft. Wie ich schon schrieb, nachdem sich bei mir die Rückschulung vor allem erst einmal psychisch so heftig, aber heilsam verlief, beutelt es mich nun körperlich ganz heftig. Ich habe tatsächlich den Eindruck, es hierbei mit vormals unterdrückten Altlasten zu tun zu haben, welche erst jetzt richtig aufblühen, bzw. nun erst entdeckt werden. Ungeheuerlich finde ich beispielsweise, dass ich offenbar mind. sechs Jahren lang in Kiefer- und Kieferhöhle eine Zyste hatte, welche ich jetzt erst bemerkte und erst jetzt diagnostiziert worden ist, weil ich nun meinen Körper besser wahrnehme als früher. Ich habe ein altes Röntgenbild gefunden, auf der sie auch schon zu sehen war, aber nachdem ich keine Probleme hatte, wurde es vom Arzt nicht ernst genommen – unglaublich!!! Was ist nun also gesünder, umgeschult bleiben, oder sich mit allen Konsequenzen zurückzuschulen? Kann man Krankheiten weiter umgeschult soweit unterdrücken, dass sie niemals ausbrechen, oder wird man von ihnen, weil weiterhin unterdrückt, irgendwann komplett überrollt? Was bedeuten psychosomatische Störungen überhaupt? Als solche diagnostiziert werden sie von Ärzten immer abgetan und der Patient damit weiterhin alleine gelassen. Dadurch wurde ich komplett verunsichert. Noch heute weiß ich manchmal nicht, ob mich nun wirklich was zwickt, oder ich es mir nur einbilde! Sind psychosomatische Symptome am Ende vielleicht sogar nur unterdrückte Krankheiten?
Es ist unglaublich, wie viele ULH sich in meiner näheren Umgebung befinden, und wie leicht ich sie vor allem durch ein ganz typisches Verhaltensmuster erkennen kann (nachgefragt). Ich bin mir heute trotz meiner vielen unglaublich guten RS-Erfahrungen: Glücksgefühle, echte Fortschritte, wachsendem Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl... was mich endlich wehrhaft, durchsetzungsfähig und vor allem glücklich und Anteil an Gesprächen, Freude am Tun... haben lässt, oft nicht sicher, ob ich andere ULH auf ihre Problematik überhaupt aufmerksam machen soll. Es tut so unglaublich weh, zu erkennen, wie sehr das eigenen Leben tatsächlich falsch gelaufen ist! Und ich habe Angst davor, bei anderen Auslöser solch eines „Deichbruchs“ zu sein, weil ich nicht weiß, ob es denjenigen wirklich gut tut.
Gruß
D.
Lotteflue
08.11.2004, 18:42
Hallo Dr. Noll
Nun denke ich tut das jeder Mensch gleich, auch die Zeit wird eine Rolle spielen. Außerdem sind die Umstände der Umschulung wichtig. Ähnlich, wie man spielerisch Gelerntes leichter erinnert können schlimme Erinnerungen an die Umschulung wohl das Engramm auch stärker fixieren.
Aber, das alles ist Hypothese und nicht belegt, sondern nur meine Gedanken zu dem Phänomen.
Ich habe ein Büchlein aus Ostzeiten im Schrank wo es auch um "sanfte" Umschulung geht, eben spielerisch. Damit sollen wohl weniger Umschulungsfolgen auftreten.
Das Buch ist bestimmt 20-25 Jahre alt.
Grüsse
Lotteflue
Lotteflue
08.11.2004, 19:55
bin mir heute trotz meiner vielen unglaublich guten RS-Erfahrungen: Glücksgefühle, echte Fortschritte, wachsendem Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl... was mich endlich wehrhaft, durchsetzungsfähig und vor allem glücklich und Anteil an Gesprächen, Freude am Tun... haben lässt, oft nicht sicher, ob ich andere ULH auf ihre Problematik überhaupt aufmerksam machen soll. Es tut so unglaublich weh, zu erkennen, wie sehr das eigenen Leben tatsächlich falsch gelaufen ist! Und ich habe Angst davor, bei anderen Auslöser solch eines „Deichbruchs“ zu sein, weil ich nicht weiß, ob es denjenigen wirklich gut tut.
Hallo D.
Deine guten RS-Erfahrungen habe ich auch bei mir erlebt.
Wenn ich meine, es wäre besser, ULH nicht drauf aufmerksam zu machen, tue ich es auch nicht. Wenn ich mir unsicher bin, warte ich meist bis zur nächsten Gelegenheit. Das kommt immer drauf an.
Klar, tut es weh, wenn das eigene Leben "falsch" gelaufen ist, aber so war es nun eben mal und lässt sich nicht mehr ändern, sondern nur annehmen und verarbeiten.
Man kann mit jedem, was man tut bei irgendjemand einen "Deichbruch" verursachen/triggern. Das kann eine Kopfbewegung deinerseits sein, welche andere an ihren Missbraucher erinnern und damit eine Katastrophe auslöst .....
Es kommt darauf an, ob man vorsätzlich triggert um anderen bewusst einen Schaden zufügen zu wollen. Sowas wäre natürlich nicht die feine Art.
Da du sowas meines Gefühls nach nicht vorhast, musst du dir auch nicht zu viel Gedanken machen. Sowas passiert überall zu jeder Zeit, da sich Menschen bewegen und mit jedem etwas triggern könnten.
Wenn du dir unsicher bist, warte vielleicht bis zur nächsten Gelegenheit und schaue, ob der andere bereit(er) dafür ist. Irgendwann fühlst du, ob es okay ist, wenn du was sagst :-)
Man muss ja nicht alles übers Knie brechen ;-)
Hab nur Geduld, das wird schon noch :-)
liebe Grüsse
Lotteflue
Hallo Lotteflue
Natürlich. Insgesamt sehe und halte ich es da ganz ähnlich wie Du.
Auch liebe Grüße
:-D.
Bernadette, RLH
11.11.2004, 23:13
Liebe Lotteflue,
geht es dabei um Umschulung von links auf rechts oder umgekehrt?
liebe Grüße
Bernadette
Hallo Dr. Noll,
bin also wieder da und danke für Ihre Antwort.
Aber wie es nun so ist, sind Antworten oft auch Grund für neue Fragen:
Würde das dann nicht heißen, dass jedeR zu gleichen oder ähnlichen RS-Ergebnissen gelangen müsste? Nur vielleicht in unterschiedlicher Zeit?
Wie kann es dann sein, dass bei manchen keine Erfolge zu verzeichnen sind? Wohl auch nach "ausreichend langer Zeit" nicht (was immer das heißen mag).
Außerdem sind die Umstände der Umschulung wichtig. Ähnlich, wie man spielerisch Gelerntes leichter erinnert können schlimme Erinnerungen an die Umschulung wohl das Engramm auch stärker fixieren.
Dann müssten "sanft Umgeschulte" ja eigentlich leichter rückschulbar sein, oder? Gibt es dafür Hinweise?
Zugegeben, meine "Experimentalgruppe" (=ich) ist nicht alzu groß, aber ich scheine hier aus der Annahme herauszufallen.
Aber, das alles ist Hypothese und nicht belegt, sondern nur meine Gedanken zu dem Phänomen.
Was Hypothesen halt so an sich haben. (-;
Grüße
Q.
Dr. Noll
16.11.2004, 14:00
Nun denke ich tut das jeder Mensch gleich, auch die Zeit wird eine Rolle spielen.
Würde das dann nicht heißen, dass jedeR zu gleichen oder ähnlichen RS-Ergebnissen gelangen müsste? Nur vielleicht in unterschiedlicher Zeit?
Achtung !!!!
Ich hab mich verschrieben !
Es sollte heißen :
Nun denke ich, das tut jeder Mensch n i c h t gleich, auch die Zeit...
Entschuldigung.
Die Schlüsse sind dann natürlich andere.
Bitte noch mal neu posten, Q.
Dr. Noll
Ihre Berichtigung verändert die weiteren Annahmen natürlich. Aber das ist ja auch das Schöne an Hypothesen: Dass man an ihnen herumbasteln kann (schwierig wird es dann nur, wenn man sie wirklich überprüfen will; aber bei nicht erst einer Forschungsarbeit wären die Hypothesen erst nach der Datenerhebung und -auswertung gestellt worden )-; ).
Diese Frage bleibt (auch wenn man die Möglichkeit von Engrammen einbezieht):
[/quote]
Nachdem Sie ja nun ein bisschen mehr Erfahrung haben: Es kommt offensichtlich vor, dass RS - neben evtl. Nebenwirkungen, die aber hoffentlich wieder aufzufangen sind - nichts, aber auch gar nichts tut. Haben Sie eine Hypothese dazu, warum das so ist? Anscheinend gibt es Menschen, die nicht "rückschulbar" sind, woran liegt's? Gibt es bei denen, die Sie kennen, "hypothesen-relevante" Gemeinsamkeiten?
[/quote]
meine Hypothese ist, daß sich bei den Menschen unterschiedlich stabile Engramme im Gehirn einbrennen.
Engramme sind z.B. Eiweißverbindungen, die das Gehirn bildet, ähnlich wie bei Erinnerungen, um langzeitgedächtnisanalog Eindrücke zu speichern.
Ebenso werden gedankliche Abläufe in Engrammen angelegt.
Hätte natürlich schon insofern Sachsinn, als jüngere Kinder, die noch gar nicht oder noch nicht lange schreiben, möglicherweise auch wieder leichter auf die li Hand zurückgeführt werden können, eben weil sie noch nicht so trainiert sind bzw. noch nicht so stabile Engramme angelegt haben.
Und diese Frage ist mir auch noch immer Frage genug, um gestellt werden zu wollen:
Außerdem sind die Umstände der Umschulung wichtig. Ähnlich, wie man spielerisch Gelerntes leichter erinnert können schlimme Erinnerungen an die Umschulung wohl das Engramm auch stärker fixieren.
Dann müssten "sanft Umgeschulte" ja eigentlich leichter rückschulbar sein, oder? Gibt es dafür Hinweise?
Was macht Ihrer Meinung und / oder Erfahrung nach "Rückschulbarkeit" aus? Wem würden Sie im Erwachsenenalter eine RS empfehlen - und wem nicht? Was spielt dabei die entscheidende Rolle? Ausmaß der Umschulungsfolgen? "Leidensdruck" (ich bin keine stringente Anhängerin dieses Konzepts)? Ausmaß oder "Qualität" der Kompensationsmechanismen? "Ausstattung" (in welcher Hinsicht auch immer) der rückzuschulenden Person? Steuerungsfähigkeit?
Fragen über Fragen.
Hätte noch mehr davon...
Lotteflue
25.11.2004, 23:20
Liebe Lotteflue,
geht es dabei um Umschulung von links auf rechts oder umgekehrt?
Hallo Bernadette
Umschulung von links auf rechts. Soweit ich auch aus anderen Aufzeichnungen gelesen habe, soll eine sanfte Umschulung welche das Kind bewusst mitmacht in den Folgen nicht so schlimm wie eine gewaltsame Umerziehung mit Strafen udgl. sein.
Das ist auch nachvollziehbar. Vielleicht sind einige Umschulungsfolgen gar nicht auf den Wechsel der Hand zurückzuführen, sondern Reaktionen auf die Art und Weise der Umschulung? Das ist eine interessante Sache mit gut Forschungsgebiet.
Weiter mag ich da jetzt nicht drüber nachdenken, es wäre viel zu spekulativ.
Grüsse
Lotteflue
Dr. Noll
26.11.2004, 11:44
Ich denke, ein wesentlicher Punkt ist auch, inwieweit Mensch umgeschult wurde. Wer nur beim Schreiben (nur ist gut...) umgeschult wurde, aber beiallen anderen Tätigkeiten die dominante Hand beibehalten Hand, wird eventuell von einer Rückschulung weniger profitieren, da weniger "kaputt ging", als jemand, dem alle Tätigkeiten umgezwungen wurden.
Weiter meine ich, daß das einzigartige Zusammenspiel aus Emotion, geistiger Beweglichkeit, Selbstbewußtsein, Intelligenz, Nestwärme, Durchsetzungsvermögen und und und unterschiedliche Reaktionen und damit auch unterschiedliche Ergebnisse in der Psyche und dem Gehirn eines Menschen erzeugt.
Diese Unterschiede zeigen sich u.a. auch in einer unterschiedlichen Rückschulbarkeit.
Man könnte also zusammenfassen, daß Veranlagung und Art der Umschulung individuell sind und je nach Konstellation zu guter Rückschulbarkeit führen oder zu weniger guter Rückschulbarkeit.
Daraus folgt dann auch, daß nicht jeder rückschulbar ist, ohne jetzt zuzätzlich auf mögliche Nebenwirkungen einer Rückschulung eingehen zu wollen, die z u s ä t z l i c h auftreten können.
Außerdem sind die Umstände der Umschulung wichtig. Ähnlich, wie man spielerisch Gelerntes leichter erinnert können schlimme Erinnerungen an die Umschulung wohl das Engramm auch stärker fixieren.
Dann müssten "sanft Umgeschulte" ja eigentlich leichter rückschulbar sein, oder? Gibt es dafür Hinweise?
Ja und Nein.
Die Folgen der Umschulung sind eigentlich immer die gleichen, auch ist es egal, ob von links nach rechts oder umegekehrt.
Die Ausprägung der Umschulungsfolgen sind aber möglicherweise unterschiedlich heftig, so daß der hart umgeschulte schwerer unter seinen Umschulungsfolgen leidet, da er obendrein auch noch ein weiteres Handicap mitbekommen hat, das sich dann, logisch betrachtet, auch nicht allein durch Rückschulung umkehren ließe (s. auch Lotteflues Beitrag, was Umschulungsfolge sei und durch die (manchmal brutale) A r t der Umschulng als Folge herauskommt).
Was macht Ihrer Meinung und / oder Erfahrung nach "Rückschulbarkeit" aus? Wem würden Sie im Erwachsenenalter eine RS empfehlen - und wem nicht? Was spielt dabei die entscheidende Rolle? Ausmaß der Umschulungsfolgen? "Leidensdruck" (ich bin keine stringente Anhängerin dieses Konzepts)? Ausmaß oder "Qualität" der Kompensationsmechanismen? "Ausstattung" (in welcher Hinsicht auch immer) der rückzuschulenden Person? Steuerungsfähigkeit?
Das kann manso knapp leider nicht beantworten, da wirklich jeder Fall anders ist.
Neben harten Daten der Testung und der Anamnese (Gespräch der Vorgeschichte) spielt, zumindest bei mir, die Intuition ein wichtige Rolle, die Körpersprache und Auftreten des umgeschulten Linkshänders und seinen Umfelds mit berücksichtigt.
Manchmal ist eine Entscheidung bzw. Empfehlung sehr sehr schwer.
Und: die wirkliche Entscheidung nehme ich meinen "Patienten" nicht ab: ähnlich wie in meiner ärztlichen Sprechstunde stelle ich ein (mir sinniges) Konzept vor, als Angebot; ob der "Patient" das annimmt, ist allein seine Sache.
Ich berate und gehe dann damit um, was mein Patient oder Umgeschulter daraus machen möchte.
Fragen über Fragen.
Hätte noch mehr davon...
Immer weiter fragen !
Liebe Grüße
Dr. Noll
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