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Umerziehung kann weitreichende Folgen haben
Von Marion Sander
Insgesamt sind in der Klasse drei Linkshänder. Sie wissen, wo die Linkshänder-Scheren sind. Und wenn sie neben einem Rechtshänder sitzen, achten sie darauf, dass der Schreibarm außen ist, sonst klappt`s nicht mit dem Schreiben. Nur selten gibt es Probleme mit der Linkshändigkeit: "Ich hatte letztens mein Mäppchen vergessen, und dann hatte eben keiner einen Linkshänder-Stabilo, da musste ich mit einem für rechts schreiben. Das kratzt dann so auf dem Papier.
Schläge und Sanktionen
Dass linkshändige Kinder noch vor dreißig Jahren zu Rechtshändern umerzogen wurden, ist heute nicht mehr nachzuvollziehen. Die Lehrerin erzählt der Klasse von ihrem Mann, der ein umerzogener Linkshänder ist, und von seinem Lehrer so manchen Schlag mit dem Stock bekommen hat. "Heute ist er stolz, dass er seine Linkshändigkeit an seine Enkeltochter vererbt hat." Tatsächlich scheinen vor allem historische Gründe lange Zeit dazu geführt zu haben, dass Linkshänder umerzogen wurden. Heute warnen Pädagogen und Hirnforscher sogar ausdrücklich davor, links veranlagte Menschen zu Rechtshändern zu machen.
Psychische Probleme nach "Umerziehung"
Dem Gehirn wird viel abverlangt, wenn umerzogene Linkshänder gegen ihren eigentlichen Impuls mit rechts schreiben. Die Folge können Konzentrationsschwierigkeiten, Ungeschicklichkeit, Lese- und Rechtschreibschwächen bis hin zur Legasthenie sein. In seltenen Fällen resultieren daraus auch sprachliche Probleme, ja sogar Stottern. Die Kinder werden unsicher, sind dadurch auch in Prüfungssituationen hilfloser als andere Schüler. Eine Beratungsstelle für Linkshänder und umgeschulte Linkshänder hat in den vergangenen Jahren einige hundert Menschen bei einer Rückschulung auf die ursprünglich dominante Hand begleitet. Auch dies verläuft allerdings keineswegs ohne Probleme und verstärkt zwischenzeitlich eher noch die Anstrengung für’s Gehirn. Das Einzige, worauf Eltern und Lehrer heute bei linkshändigen Kindern achten sollten, ist die Art, wie die Kinder das Schreibheft vor sich hinlegen und wie sie den Stift halten. "Das Heft sollte sehr schräg liegen, so dass die Kinder nicht mit der Hand das bereits Geschriebene verdecken. Der Stift darf nicht verkrampft gehalten werden.", erklärt Brigitte Kugler vom Schulpsychologischen Dienst. Wenn bis zum Schuleintritt die Händigkeit nicht eindeutig ist, können die Eltern über einen Experten feststellen lassen, ob das Kind rechts- oder linkshändig ist.
Welche Erfahrungen habt Ihr mit Euren Kindern gemacht, im Kindergarten, in der Schule?
Erhaltet Ihr Unterstützung von den Erziehern /Lehrern?
Oder müssen wir alle noch viel mehr Aufklärungsarbeit leisten?
Ich freue mich, auf eine rege Diskussion, und Erfahrungsaustausch.
Ursula
Hallo Meine Tochter ist auch Linkshänderin
Ich habe sie damals von dr Noll testen lasseweil sie mit drei jahren auch noch gewechselt hat
jetz ist sie sieben geht in der ersten Klasse
Hält den STIFT IMMER NOCH Verkrampft
sie hält das Blatt auch nicht schräg.
Weil sie meint das geht so nicht
ImKindergarten und jetz in der Schule kann ihr auch keiner helfen
Ich schule mich zurück aber ich weiss es selber nicht genau
ich denke so wie ich ihn halte ist es oky für mich
Gruss Heike
Es muss noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden, auf jeden Fall. Was meine Tochter erlebt hat (ich glaube ich habe es teils in anderen Beiträgen verschiedentlich untergebracht), und was ich mir von ihrer Grundschullehrerin und der Rektorin ihrer Grundschule anhören musste, macht mich im Nachhinein noch so wütend dass ich denen, sollte ich eine der beiden nochmal auf der Strasse treffen, einen ordentlichen linken Haken verpassen würde.
Die jetzige Realschullehrerin ist hingegen aufgeschlossen, weiss aber auch nicht so genau, was es wirklich bedeutet umgeschult zu sein oder rückzuschulen. Sie sah mich ganz wunderlich an, als ich ihr meine neue Unterschriftsprobe gab, und verstand nicht ganz, warum man als Erwachsener so etwas mache. *grins* In der Realschulklasse meiner Tochter sind es mit ihr zusammen übrigens jetzt drei LH-Kinder von 28. In ihrer Grundschulklasse gab es (ausser ihr, die ja noch keine offensichtliche war, und eventuell anderen unerkannten) unter den 30 Kindern KEIN EINZIGES LH-Kind.
München, Bayern, übrigens, stark rechts.
Unsere damaligen Kindergartenleiterinnen meinten stets sehr von sich selbst überzeugt, sie würden LH erkennen, und zwangen überzeugt trotz meines Bittens für die folgenden Kinder (meine waren ja raus) weiterhin alle Kinder dazu, Messer rechts und Gabel links zu halten. Ist eben alte Schule. Mein Sohn hat übrigens in Kindergärten anständiges Essen, das er nämlich vorher sehr gut konnte, VERlernt, nicht gelernt.
Eine mir persönlich bekannte Lehrerin meint, man würde LH daran erkennen wie sie ihre Arme verschränken. Sei der linke Arm bei verschränkten Armen oben, sei jemand Links-, umgekehrt Rechtshänder.
Es geistern wirklich noch etliche Ammenmärchen und persönliche Eitelkeiten in Kindergärten und Schulen umher.
Ich hoffe sehr, dass sich für die Zukunft noch etliches an Aufklärung und Bewusstseinsschaffung tut.
Emily
Hallo!
Ich bin in diesem Forum, weil ich vor einer Woche noch (mal wieder) sicher war mein Sohn (3J. 3Mon.) wäre LH. Nun bin ich mir mal wieder nicht mehr sicher...
Ich habe gelesen, dass man bei dieser langen "Beidhändigkeit" schon Mitte des 4. Lebensjahres des Arzt informieren/befragen sollte, um ggf. diese "Überkreuz-Körpermitte-Problematik" auszuschliessen.
Da wir gestern eh' beim KiA waren, hab' ich ihn dann mal angesprochen und sagte "Ich glaube, dass er LH ist, bin mir aber nicht ganz sicher, weil er manchmal noch wechselt. Kann man das irgendwie testen oder ist das noch egal. Er hat keinen Spass am Basteln und Malen und ist immer sehr schnell frustriert"
:o Mit folgender Antwort hatte ich gerechnet: Machen lassen. (und die kam auch als erstes)
:eek: Mit folgender nicht: "Das kann man nicht testen und außerdem sind Kinder, die lange mit beiden Händen gearbeitet haben, später geschickter, und schreiben z.B. mit rechts und machen andere Dinge mit links."
Auf meine Frage, ob ich ihm auch mal eine LH-Schere anbieten sollte, meinte er ich soll ihm nur eine normale Schere geben.
Tja, machen lassen - soweit bin ich auch schon, aber wann nun der Zeitpunkt gekommen ist, um ggf. doch "unruhig" zu werden und ggf. den KiA zu wechseln, wenn's Not tut, weiß ich nicht.
Mit der Erzieherin hab' ich auch gesprochen. Ihre Tochter ist auch LH und hat damit auch gaaar keine Probleme ....
Das man es den Kindern aber auch (gerade am Anfang) mal etwas leichter machen könnte, darauf kommen selbst viele LH wohl nicht. Frei nach dem Motto: "Ich hab's ja schliesslich auch geschafft. (... und mir hat schliesslich auch keine geholfen)".
:mad: Der blödeste Kommentar einer Freundin war: "Ich muss ja schliesslich auch mit links Kuppeln"
Soviel zum Thema Aufklärungsarbeit ... JA, DAS IST NOCH NÖTIG!!!
:rolleyes: Vielleicht könnte sich die Linkshänderberatung ja mal an die "Eltern" (Zeitschrift) oder "Eltern for Family" (EFF) wenden oder an "Kinder, Kinder" das ist ein Magazin für Erzieherinnen und Erzieher, dass ich in unserm KiGa hab' liegen sehen. In der EFF ist gerade ein Schnipsel über überdurchschnittlich erfolgreiche LH im Ballsport.
Um aber mal was positives zu berichten:
Meine Ma (LH) war sehr begeistert über mein Interesse und war bisher auch die einzige, die mich verstehen konnte. Ich glaube, sie war richtig gerührt darüber, dass es endlich mal jemanden in der Familie gibt, der ihre Probleme zu verstehen versucht!
Liebe Grüße,
Marion
Hallo Marion,
: Mit folgender nicht: "Das kann man nicht testen und außerdem sind Kinder, die lange mit beiden Händen gearbeitet haben, später geschickter, und schreiben z.B. mit rechts und machen andere Dinge mit links."
Auf meine Frage, ob ich ihm auch mal eine LH-Schere anbieten sollte, meinte er ich soll ihm nur eine normale Schere geben.
wenn ich solche Antworten höre, platzt mir fast der Kragen.
Hast Du die Möglichkeit, dem Kinderarzt etwas Information zukommen zu lassen? 2 Seiten, mehr nicht, eine kurze Zusammenfassung über die möglichen Folgen einer Umschulung.
Das macht ihm vielleicht klar, warum Du besorgt bist.
Wenn er darauf nicht eingeht, würde ich den Arzt wechseln.
Der blödeste Kommentar einer Freundin war: "Ich muss ja schliesslich auch mit links Kuppeln"
Ein Rechtshänder, der überhaupt nicht mit Linkshändigkeit in Berührung gekommen ist, kann das nicht verstehen.
Da hilft nur, den mal etwas machen lassen mit einem "Linkshandgerät".
Denn über das "Begreifen" kommt das Verstehen.
Aber den Rechtshänder nur in ganz, ganz kleinen Schritten "bearbeiten", sonst schaltet der ab, und dann kommen noch blödere Kommentare.
"Eltern for Family" (EFF) wenden ....
da habe ich mal reingeschaut.
in deren Forum wird ziemlicher Quatsch gepostet, und man darf selber nur schreiben, wenn man sich vorher registriert hat.
Um aber mal was positives zu berichten:
Meine Ma (LH) war sehr begeistert über mein Interesse und war bisher auch die einzige, die mich verstehen konnte. Ich glaube, sie war richtig gerührt darüber, dass es endlich mal jemanden in der Familie gibt, der ihre Probleme zu verstehen versucht!
das kann ich gut nachvollziehen.
Liebe Grüße,
Annette
Marina Neumann
28.09.2007, 20:05
Hallo Marion,
bei Kinderärzten herrscht oft noch absolute Ahnungslosigkeit, was das Thema Linkshändigkeit, Umschulung etc. angeht. Schlimm ist manchesmal, dass sie so tun als hätten sie Ahnung, obwohl sie keine Ahnung haben.
Für die Händigkeitsdiagnostik ist Dein Sohn sicher noch zu jung.
In meiner Beratungsstelle teste ich Kinder ab 5 Jahren.
Da du aber eine gute Beobachtungsgabe zu haben scheinst, ist es wichtig,
weiter zu beobachten und spielerisch mit Deinem Sohn auch manches mit links auszuprobieren.
Wenn im Jahr vor der Einschulung geklärt wird, ob Dein Sohn Links- oder Rechtshänder ist, ist das ausreichend. Dann kann er entsprechend gefördert und auf die Schule vorbereitet werden.
Hallo Anette, hallo Marina,
erstmal danke für eure Infos und Anregungen.
Ich habe das KiGa-Buch von Fr. Sattler fast durchgelesen und das von Fr. Weber "angelesen". Dann war ich erstmal so kirre, dass ich's vorläufig weggestellt habe, bis ich ggf. klarer sehe, ob Nikas nun LH oder RH ist. Er macht zwar mehr mit links, als mit rechts, aber rechts gewinnt manchmal eben doch auch noch die Oberhand.
Jetzt beobachte ich erstmal weiter und werde ggf. vor der Schule (Vorschule! Die beginnt bei uns mit 5 und da geht es, soweit ich weiß, schon um erste "Schreibübungen") nochmal aktiv. Ggf. eben Arzt wechseln - ich denke, Reden hat da keinen Sinn.
Im Freundeskreis will ich's auch erstmal nicht mehr thematisieren - vielleicht bei wenigen ganz guten Freunden, aber ansonsten habe ich (jetzt schon) resigniert.
z.B: :(
Bei uns in der VHS soll jetzt ein "Koch-"Kurs für Kinder ab 3 angeboten werden, bei dem es auch um Tisch eindecken, Tischmanieren und "wie man Spagetti isst" gehen soll. Meine Begründung, warum ich Nikas da nicht hinschicken will, hat keiner verstanden. (Begründung war "nötig", weil die Mama von Nikas' KiGa-Freundin den Kurs leitet) Jetzt hab ich einfach gesagt: Er ist noch zu jung...
:)
Auf jeden Fall hat dieses Forum schonmal dazu beigetragen, dass mein Sohn sicher nicht ungewollt umgeschult wird oder sich umschult.
Das ist doch schon mal was, oder?
Weiter so! Danke!
Marion
als Gast Bärbel
30.09.2007, 10:40
Meine Begründung, warum ich Nikas da nicht hinschicken will, hat keiner verstanden. (Begründung war "nötig", weil die Mama von Nikas' KiGa-Freundin den Kurs leitet) Jetzt hab ich einfach gesagt: Er ist noch zu jung...
Hallo Marion,
und wie reagierte die Kursleiterin auf die Zeichnungen in dem KiGa Buch von Frau Sattler?
KursleiterInnen bilden sich weiter. Sie bilden sich ihre eigene Meinung. Warum das Buch in der Ecke verstauben lassen? Deine Freundin braucht es dringend als Unterrichtsmaterial für Ihre eigene Fortbildung. Das Thema Händigkeit wird immer mehr angesprochen, seit die Eltern begreifen, das es um die Gesundheit des Nachwuchses geht. Du wirst nicht die einzige Mutter mit einem linkshändigen Kind bleiben. Fremde werden keine Zurückhaltung zeigen, wenn sie künftig wieder so reagiert.
Dein Sohn wechselt von links nach rechts. Warum? Wir leben in einer rechtshänderorientierten Umwelt. Er ist aufgeweckt und merkt, das manche Handgriffe auf die rechte Hand zugeschnitten sind. Lege Gegenstände mittig und besorge Dir eine Linkshänderbastelschere. Mir ist noch kein Rechtshänder begegnet, der auf den Gedanken kommt, zuerst etwas mit links zu versuchen.
Dass Dich die Bücher kirre machen, kann ich verstehen. Es geht dabei um Dinge, die in unserem Leben automatisiert sind und über die wir nie nachdenken. Vieles geschieht im Unterbewußtsein, wie will man das dann einem Kind erklären. Außenstehende Rechtshänder können es nicht verstehen, weil ihnen die Erfahrung fehlt. Ihre Reaktion ist als Reflexhandlung (Kampf-/Angriff-Reflex) zu verstehen: Das verstehe ich nicht, damit will ich nichts zu tun haben.
Es liegt an Dir, wie Deine Umwelt reagiert. Warum zur Notlüge greifen, sei p r ä s e n t. Übertrage Deine Sicherheit bewußt auf Deinen Sohn. Kinder sind wie Hunde Experten im Körpersprachen-Lesen. Sie spüren sofort die Unsicherheit. Ihre Sensoren sind auf Empfang gestellt.
Eine Hilfe im Vorschulalter bietet das Buch
EK für Kinder (http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3924077061/httpmengeccli-21/) von Paul und Gail Dennison.
(http://</p><p>http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3924077061/httpmengeccli-21/)
Die Zeichnungen schildern die Augenblicke im Leben eines Kindes, das mit buchstabieren, lesen und schreiben beginnt.
Viele Grüße
Bärbel
Marina Neumann
01.10.2007, 13:42
Hallo Marion,
es freut mich zu hören, dass Dir die Literaturhinweise geholfen haben.
Sicherlich ist es zu Anfang nicht ganz einfach, all das Neue zu verarbeiten und zu verdauen.
Auch Mütter brauchen ihre Zeit, um sicher im Umgang mit der Thematik Linkshändigkeit/ umgeschulte Linkshändigkeit zu werden.
Ich bin sicher, du wirst da hineinwachsen und wenn Dein Sohn dann in der Vorschulzeit getestet wird, wirst du inhaltlich gut vorbereitet sein.
Es gibt keinen Grund zur Panik oder Sorge.
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