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Vollständige Version anzeigen : LH-Gitarre oder nicht?


Oliver Gerlach
20.09.2002, 13:58
Hallo zusammen,

ich weiß, daß dieses Thema alt ist, aber ich muß nochmal fragen.

Ich bin Linkshänder. Nach meiner Geburt konnte ich die rechten Extremitäten gar nicht bewegen. Deswegen hat man diese auf die linke Hälfte umgeschult. Zumindest hat man mir das so erklärt. Ich wollte eigentlich mit dem Gitarrenspiel anfangen, nachdem ich Piano mangels Begeisterung aufgegeben habe (ein paar Jahre her). Das Problem ist, daß ich keine Hilfe finde, was in meinem Fall besser ist. Instinktiv halte ich eine Gitarre 'falschrum'. Für mich heißt das, daß ich LH-Gitarre bräuchte. Ärgerlich ist dann nur, daß ich nur auf meiner Gitarre spielen kann, und das die Tabulatur angegblich auch als Rechthänder besser zu lesen ist. Was mich wurmt ist, daß ich einfach keinen Lehrer kenne, der auf die Problematik eingeht. Ich habe nur viele Websites von Lehrern gefunden, die dogmatisch auf eine Umschulung beharren. Das macht es natürlich schwer, in das Thema reinzufinden, zumal die Gefahr ein Fehlinvestition besteht. Hat jemand Erfahrungen, die er mit mir teilen kann? Oder kennt vielleicht jemand sogar eine Gitarrenlehrer in Hamburg, der einem 21-jährigen Linkshänder und Stundenten das Gitarrespiel beibringt?

Elke Schmalfeld
25.09.2002, 10:51
Hallo, Oliver!

Zuerst mal herzlichen Glückwunsch zum Gitarrespielen! Und dann: Bleib dabei, LH-Gitarre zu lernen.

Ich spreche aus eigener Erfahrung: Als ich mit 14 meine erste Gitarre bekommen habe, habe ich sie natürlich auch andersherum gehalten. Fühlt sich ja (für LH) auch ganz natürlich an. Ein Aufschrei meiner Umgebung und amüsiertes Grinsen war die Antwort. Nachdem ich ja auch aufs rechtshändig schreiben umerzogen war (zum Teil hab ich das auch selber gemacht, ich könnte mich heute noch ärgern!) hab ich halt die Gitarre umgedreht. Es hat sich zwar irgendwie angefühlt, als ob man den Schuh am falschen Fuß trägt, aber ich dachte, es ist halt so, wenn man ein neues Instrument lernt. Ich habe viel geübt, es ging soweit auch ganz gut, aber irgendwie kam ich immer an eine Grenze, wo es nicht mehr besser wurde. Manchmal hab ich Monate oder Jahre nicht gespielt, dann wieder angefangen (es macht mir ja auch richtig Spaß), aber immer wieder gings nicht weiter. Als ich vor ca. 1 Jahr mit dem Fingerpicking angefangen hatte, war's wieder so. Irgendwie kam kein richtiger Rhythmus mit der rechten Hand zustande. Immer wieder habe ich mir gedacht, vielleicht liegt es ja daran, dass ich LH bin. Als ich dazu mehr wissen wollte, bin ich glücklicherweise hier im Forum gelandet (An dieser Stelle nochmal vielen Dank an alle, vor allem an Matthias!)

Das hat mir Mut gemacht! Also habe ich einfach mal die Gitarre umgedreht und versucht zu spielen. Es ging prima! Ich hatte zwar noch nicht genug Kraft in der rechten Hand zum Greifen, aber es ging jeden Tag besser. Seit einer guten Woche habe ich jetzt meine LH-Gitarre und bin begeistert, wie schnell und gut es geht. Ich habe mal zum Testen ein paar Fingerpickings probiert, und die gelangen auf Anhieb! In ein paar Monaten kann ich links wahrscheinlich besser spielen als rechts (nach 24 Jahren, wenn auch mit langen Unterbrechungen).

Noch ein paar Tips: Die Tabulaturen (die oft bei Songbooks unterhalb der Noten stehen), brauchst Du nicht umdrehen, Du musst Dir einfach nur merken, dass die tiefste Saite (Das tiefe E) unten steht und die höchste (Das Hohe E) oben. Ob RH oder LH, ist in diesem Fall egal. Bei den Akkorden sieht es evtl. anders aus. Da ich die Akkorde auf der RH-Gitarre gelernt habe, tue ich mir leichter, sie so zu lesen, wie sie sind. Aber wenn man, wie Du, neu anfängt, ist es sicher sinnvoll, sie auf die Art zu lernen, die am leichtesten fällt. Für's erste kannst Du ja mal so ein Griffbild auf Transparentpapier durchpausen und dann einfach umdrehen. Wenn Du damit besser klarkommst, dann solltest Du die Akkorde auf diese Art lernen.

Zur Gitarre: Meine LH-Gitarre (Akustik-Gitarre) ist eine umgebaute RH-Gitarre (da hat man mehr Auswahl, am Klang macht's eigentlich so weit ich weiß nichts aus; aber nicht nur die Saiten tauschen, sondern Steg, Saitenhalter und Schlagbrett müssen von einem Fachmann entsprechend angepasst werden. ) E-Gitarren kann man nicht umbauen, aber da gibt es relativ viele LH-Modelle. Unter www.guitar-shop.de z.B. gibt es eine spezielle Seite für LH-Gitarren. Ein weiterer guter Tip ist www.die-linke-Bass-Saite.de, hier gibt's Links zu Gitarren-Shops, die auch LH-Gitarren führen. Ansonsten frag einfach in den Musikhandlungen bei Dir in der Nähe. Hier in Nürnberg gibt es einen Laden, der mehrere LH-Gitarren am Lager hat. Die Nachfrage regelt das Angebot - je mehr LH-Gitarren nachgefragt werden, desto eher stellt sich der Handel und die Industrie um.

Sicher, es gibt ein paar Beispiele von LH, die auf Rechtshändergitarren spielen und sehr gut sind, aber wer weiß schon, wie viele, die eigentlich begabt wären, an dieser Problematik gescheitert sind?

Und warum sollte man, wenn man etwas Neues lernen will, es "falschrum" lernen?

Also, lass Dich nicht unnötig "umerziehen", sondern lerne und spiele Gitarre so, wie Du es als natürlich empfindest.

Viel Spaß dabei!

Elke

Oliver Gerlach
27.09.2002, 11:45
>Hallo, Oliver!

>Zuerst mal herzlichen Glückwunsch zum Gitarrespielen! Und dann: Bleib dabei, LH-Gitarre zu lernen.

>Ich spreche aus eigener Erfahrung: Als ich mit 14 meine erste Gitarre bekommen habe, habe ich sie natürlich auch andersherum gehalten. Fühlt sich ja (für LH) auch ganz natürlich an. Ein Aufschrei meiner Umgebung und amüsiertes Grinsen war die Antwort.


Das ging mir genauso. Allerdings ist wenigstens mein Vater auf die Idee gekommen, daß das enventuell damit zu tun hat, daß ich Linkshänder bin.


Nachdem ich ja auch aufs rechtshändig schreiben umerzogen war (zum Teil hab ich das auch selber gemacht, ich könnte mich heute noch ärgern!) hab ich halt die Gitarre umgedreht.


Mit rechts schreiben? Nach ein paar sehr entmutigenden Test hat man bei mir gar nicht erst daran gedacht. Nur Maus und Joystick bediene ich mit rechts. Hab das so gewollt. Als 'Zocker' bestehe ich auf 'cutting edge' technologie. Und die gibt es halt eher für Rechthänder.


Ich habe viel geübt, es ging soweit auch ganz gut, aber irgendwie kam ich immer an eine Grenze, wo es nicht mehr besser wurde.


Das ist genau das wovor ich Angst habe. Wenn ich die Gitarre auf rechts halte, dann ist die Haltung zwar verkrampfter. Allerdings haben einige Leute gesagt, daß man das 'wegüben' könnte. Meine Angst: Und wenn nicht? Außerdem kann man auf diese Art schnell die Lust am Gitarrespielen verlieren.


>Zur Gitarre: Meine LH-Gitarre (Akustik-Gitarre) ist eine umgebaute RH-Gitarre (da hat man mehr Auswahl, am Klang macht's eigentlich so weit ich weiß nichts aus; aber nicht nur die Saiten tauschen, sondern Steg, Saitenhalter und Schlagbrett müssen von einem Fachmann entsprechend angepasst werden. )


Wie sind denn in dem Fall die Mehrkosten?


E-Gitarren kann man nicht umbauen, aber da gibt es relativ viele LH-Modelle.


Ich kann das noch http://www.musik-produktiv.de empfehlen. Auf den ersten Blick ist der Anteil an LH-Gitarren deprimierend gering. Allerdings ist einfach die Masse an Gitarren so groß, daß sich das relativiert. Nach eigenen Aussagen haben die ihre Lefthand-Abteilung für E-Gitarren und Bässe auf 120 Stück erweitert. Zum Thema Akustikgitarre sagen die leider nix. Da müsste ich selber zählen.


Oliver

Elke
08.10.2002, 14:49
Hi, Oliver!

Gerade habe ich wieder ins Forum geguckt und deshalb Deinen Beitrag erst so spät gefunden.

Prima, dass Dein Vater so aufmerksam war, und Dich als LH erkannt hat. Damit bist Du schon besser dran als andere!

Deine fehlgeschlagenen Versuche, mit der rechten Hand zu schreiben, sind, denke ich, der beste Beweis dafür, dass Du Dir mit einer LH-Gitarre auf jeden Fall viel leichter tust.

>Ich habe viel geübt, es ging soweit auch ganz gut, aber irgendwie kam ich immer an eine Grenze, wo es nicht mehr besser wurde.

>Das ist genau das wovor ich Angst habe. Wenn ich die Gitarre auf rechts halte, dann ist die Haltung zwar verkrampfter. Allerdings haben einige Leute gesagt, daß man das 'wegüben' könnte. Meine Angst: Und wenn nicht? Außerdem kann man auf diese Art schnell die Lust am Gitarrespielen verlieren.

Klar kann man das "wegüben". Aber, ehrlich gesagt, warum sollte man das denn tun? Ein neues Instrument zu lernen, ist bei weitem Arbeit genug, warum sich alles noch schwerer machen als notwendig? Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie oft ich am Anfang verzweifelt bin, weil es einfach nicht so hingehauen hat, wie es eigentlich hätte sein müssen. Und immer wieder kam dann der Punkt, wo ich die Gitarre wieder für längere Zeit in die Ecke gestellt habe. Musik machen heißt, ein gutes Gefühl dabei haben. Lass Dich also nicht "umdrehen".

>>Zur Gitarre: Meine LH-Gitarre (Akustik-Gitarre) ist eine umgebaute RH-Gitarre (da hat man mehr Auswahl, am Klang macht's eigentlich so weit ich weiß nichts aus; aber nicht nur die Saiten tauschen, sondern Steg, Saitenhalter und Schlagbrett müssen von einem Fachmann entsprechend angepasst werden. )

>Wie sind denn in dem Fall die Mehrkosten?

Also, bei mir hat es 35 Euro gekostet, und der Gitarrenbauer hat es so toll gemacht, dass man nichts vom Umbau sieht. Er hat sogar noch die Punkte am Hals (3., 5., 7. ,9. Bund) auf der anderen Seite angebracht. Es ist also, wenn man den Preis für eine Gitarre betrachtet, nicht viel, finde ich.

>E-Gitarren kann man nicht umbauen, aber da gibt es relativ viele LH-Modelle.

>Ich kann das noch http://www.musik-produktiv.de empfehlen. Auf den ersten Blick ist der Anteil an LH-Gitarren deprimierend gering. Allerdings ist einfach die Masse an Gitarren so groß, daß sich das relativiert. Nach eigenen Aussagen haben die ihre Lefthand-Abteilung für E-Gitarren und Bässe auf 120 Stück erweitert. Zum Thema Akustikgitarre sagen die leider nix. Da müsste ich selber zählen.


Ich habe gerade noch was gefunden:

No.1 Music Park in Hamburg

www.no-1.de

Die hatten erst eine Aktion für LH-Gitarren (leider nur bis 15.09.) aber vielleicht ist das eine oder andere ja noch da ...


Viel Spaß beim Gitarre-lernen!

Elke