Susanne G
05.07.2001, 23:53
Hallo,
was meint Ihr, was sollte ich tun?
Meine Tochter ist, genau wie ich, Linkshänderin, wir beide schreiben auch links.
Sie ist im April vier Jahre alt geworden und hat mir eines Tages verkündet: "Ich will eine Geige haben!"
Meine Güte, dachte ich mir, ausgerechnet Geige! Das einzige Instrument, das man in unserer Musikschule tatsächlich schon mit vier Jahren lernen kann, für alle anderen Instrumente muß sie mindestens sechs sein.
Ich habe mich dann zunächst mal darum gekümmert, ob sie denn überhaupt wirklich Linkshänderin ist und habe unter anderem einige Texte von Frau Dr. Sattler gefunden (mittlerweile habe ich fast alle Bücher von ihr gelesen).
Besonders interessant fand ich, dass inbesondere intelligente Kinder (das trifft natürlich auf meine eigene Tochter zu, ist ja klar, nicht?) sich häufig selbst umschulen, indem sie beispielsweise jemanden beobachten, den sie gerne haben, und genauso sein wollen wie der- bzw. diejenige. Das konnte ich mir bei meiner Süßen sehr gut vorstellen, sie hat es dann auch tatsächlich so formuliert: "Mama, mit welcher Hand schreibt Papa? Ich will mit der gleichen Hand schreiben wie Papa!!!" Zum Glück hat sie meine Antwort sofort wieder vergessen und kann sich noch nicht merken, wo rechts und wo links ist, jedefalls schreibt und malt sie unverändert links.
Und da dachte ich mir, es könnte ja theoretisch so sein, dass sie sich schon früher mal von rechts auf links umgeschult hat, weil sie ja sehr eng mit mir zusammenlebt und mich imitiert haben könnte. Deshalb habe ich mit Frau Dr. Sattler telefoniert und mich beraten lassen und meine Tochter auch von einer Schülerin von ihr, einer Ergotherapeutin, testen lassen. Das Ergebnis: Sie hat einen schwachen Muskeltonus, deshalb macht sie immer schnell schlapp und wechselt dann die Hand, aber sie ist wohl Linkshänderin.
Tja, nun das eigentliche Problem, das Geige spielen:
Frau Dr. Sattler meinte am Telefon, bei Instrumenten sei es nicht ganz so wichtig, dass die dominante Hand den "wichtigeren" Part übernimmt,es sei bei weitem nicht so wichtig wie das Feststellen der richtigen Schreibhand.
Sie hat mir auch gesagt, dass es für meine Tochter sehr ungünstig sein dürfte, jetzt linkshändig Geige zu lernen, weil das ihre Händgikeit zu einem problematischen Thema macht.
Das kann ich mir auch vorstellen, da kriegt sie dann ja auch tatsächlich mit, dass sie zu einer "Minderheit" gehört. Irgenjemand sagt dann bestimmt zu ihr, sie würde die Geige ja falsch rum halten oder sowas. Und Kinder in dem Alter wollen ja wie alle anderen sein, sie ist absolut noch nicht in der Lage, eine Meinung zu vertreten, geschweige denn eine, die nicht der Mehrheit der Bevölkerung, einschließlich des größten Teils der linkshändigen Bevölkerung.
Eine Musikerin, die Frau Dr. Sattler mir nannte, ist davon überzeugt, dass die dominante Hand die Bogenhand ist. Man könnte zwar auch rechtsrum Speilen, aber es sei ungleich schwieriger, und führe spätestens dann zu Problemen, wenn man sehr gut spielt und ev. Berufsmusiker werden möchte. Man bekommt Muskelverspannungen usw.
Meine Tochter solle also ruhig "linksrum" Geige lernen, allerdings sei es sehr schwierig, dafür einen Lehrer zu finden. Etwa bei Gitarre ist das linkshändige Spielen akzeptierter und leichter zu arrangieren.
Soweit die Musikerin und Musiklehrerin.
Ich denke, es kommt ja noch dazu, dass linkshändige Geigen nicht wie die rechtshändigen einfach ausgeliehen werden können, man muß sie extra umbauen oder bauen lassen, und man braucht ja wohl ständig die nächste Größe, soviel ich weiß. Und wir schwimmen nicht gerade im Geld.
Und in einem Orchester kann man im Grunde auch nicht so gut spielen, da stoßen die Bögen ja aneinander.
Ich hatte mich zunächst entschlossen, meine Tochter, sie ist ja gerade erst vier geworden, eben vorläufig überhaupt kein Instrument lernen zu lassen. Wenn sie sechs ist, ist sie vermutlich ein ganzes Stück selbstbewußter, das wird sich die Frage der Händigkeit sicher schon gefestigt haben. Und sie dann möglichst auf ein anderes Instrument hinzulenken, vielleicht Gitarre oder auch Harfe oder so.
Und letztes Wochenende waren wir auf einer Art Straßenfest, bei der eine alternative Musikschule Instrumente zum Ausprobieren bereitgestellt hat. Sie hat mehrmals die Gitarre ausprobiert, die Harfe auch.
Und am letzten Tag, als alle Instrumente fortgeräumt wurden, sagt sie wieder zu mir: "Ich will eine Geige haben!"
Was mach ich nun? Was meint Ihr?
was meint Ihr, was sollte ich tun?
Meine Tochter ist, genau wie ich, Linkshänderin, wir beide schreiben auch links.
Sie ist im April vier Jahre alt geworden und hat mir eines Tages verkündet: "Ich will eine Geige haben!"
Meine Güte, dachte ich mir, ausgerechnet Geige! Das einzige Instrument, das man in unserer Musikschule tatsächlich schon mit vier Jahren lernen kann, für alle anderen Instrumente muß sie mindestens sechs sein.
Ich habe mich dann zunächst mal darum gekümmert, ob sie denn überhaupt wirklich Linkshänderin ist und habe unter anderem einige Texte von Frau Dr. Sattler gefunden (mittlerweile habe ich fast alle Bücher von ihr gelesen).
Besonders interessant fand ich, dass inbesondere intelligente Kinder (das trifft natürlich auf meine eigene Tochter zu, ist ja klar, nicht?) sich häufig selbst umschulen, indem sie beispielsweise jemanden beobachten, den sie gerne haben, und genauso sein wollen wie der- bzw. diejenige. Das konnte ich mir bei meiner Süßen sehr gut vorstellen, sie hat es dann auch tatsächlich so formuliert: "Mama, mit welcher Hand schreibt Papa? Ich will mit der gleichen Hand schreiben wie Papa!!!" Zum Glück hat sie meine Antwort sofort wieder vergessen und kann sich noch nicht merken, wo rechts und wo links ist, jedefalls schreibt und malt sie unverändert links.
Und da dachte ich mir, es könnte ja theoretisch so sein, dass sie sich schon früher mal von rechts auf links umgeschult hat, weil sie ja sehr eng mit mir zusammenlebt und mich imitiert haben könnte. Deshalb habe ich mit Frau Dr. Sattler telefoniert und mich beraten lassen und meine Tochter auch von einer Schülerin von ihr, einer Ergotherapeutin, testen lassen. Das Ergebnis: Sie hat einen schwachen Muskeltonus, deshalb macht sie immer schnell schlapp und wechselt dann die Hand, aber sie ist wohl Linkshänderin.
Tja, nun das eigentliche Problem, das Geige spielen:
Frau Dr. Sattler meinte am Telefon, bei Instrumenten sei es nicht ganz so wichtig, dass die dominante Hand den "wichtigeren" Part übernimmt,es sei bei weitem nicht so wichtig wie das Feststellen der richtigen Schreibhand.
Sie hat mir auch gesagt, dass es für meine Tochter sehr ungünstig sein dürfte, jetzt linkshändig Geige zu lernen, weil das ihre Händgikeit zu einem problematischen Thema macht.
Das kann ich mir auch vorstellen, da kriegt sie dann ja auch tatsächlich mit, dass sie zu einer "Minderheit" gehört. Irgenjemand sagt dann bestimmt zu ihr, sie würde die Geige ja falsch rum halten oder sowas. Und Kinder in dem Alter wollen ja wie alle anderen sein, sie ist absolut noch nicht in der Lage, eine Meinung zu vertreten, geschweige denn eine, die nicht der Mehrheit der Bevölkerung, einschließlich des größten Teils der linkshändigen Bevölkerung.
Eine Musikerin, die Frau Dr. Sattler mir nannte, ist davon überzeugt, dass die dominante Hand die Bogenhand ist. Man könnte zwar auch rechtsrum Speilen, aber es sei ungleich schwieriger, und führe spätestens dann zu Problemen, wenn man sehr gut spielt und ev. Berufsmusiker werden möchte. Man bekommt Muskelverspannungen usw.
Meine Tochter solle also ruhig "linksrum" Geige lernen, allerdings sei es sehr schwierig, dafür einen Lehrer zu finden. Etwa bei Gitarre ist das linkshändige Spielen akzeptierter und leichter zu arrangieren.
Soweit die Musikerin und Musiklehrerin.
Ich denke, es kommt ja noch dazu, dass linkshändige Geigen nicht wie die rechtshändigen einfach ausgeliehen werden können, man muß sie extra umbauen oder bauen lassen, und man braucht ja wohl ständig die nächste Größe, soviel ich weiß. Und wir schwimmen nicht gerade im Geld.
Und in einem Orchester kann man im Grunde auch nicht so gut spielen, da stoßen die Bögen ja aneinander.
Ich hatte mich zunächst entschlossen, meine Tochter, sie ist ja gerade erst vier geworden, eben vorläufig überhaupt kein Instrument lernen zu lassen. Wenn sie sechs ist, ist sie vermutlich ein ganzes Stück selbstbewußter, das wird sich die Frage der Händigkeit sicher schon gefestigt haben. Und sie dann möglichst auf ein anderes Instrument hinzulenken, vielleicht Gitarre oder auch Harfe oder so.
Und letztes Wochenende waren wir auf einer Art Straßenfest, bei der eine alternative Musikschule Instrumente zum Ausprobieren bereitgestellt hat. Sie hat mehrmals die Gitarre ausprobiert, die Harfe auch.
Und am letzten Tag, als alle Instrumente fortgeräumt wurden, sagt sie wieder zu mir: "Ich will eine Geige haben!"
Was mach ich nun? Was meint Ihr?