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Vollständige Version anzeigen : ADS - Erziehungsfrage?


Tine
04.08.2003, 11:00
Hallo!


Erziehngsfehler..usw. ...hmmmmm....


Bin ich nun doch wieder als Mutter schuld daran, daß mein Großer ADS hat (dagnostiziert)? Und meine Tochter (4) eventuell auch... Diagnose-streß ersparen wir ihr und uns im Moment, weil es an unserer Einstellung und unserem Verhalten ihr gegenüber nchts ändert... Sie sind für uns Persönlichkeiten, so wie sie sind. Und wer könnte besser verstehen daß sie einfach nicht anders sein können und genau so wie sie sind "richtig" sind, als eine Mutter, die vermutlich selber betroffen ist?


Wo liegt nun der Fehler? Umfeld?

Wir haben gar kein TV, PC spielt für die Kinder keine Rolle, Gamboy und co. kennen sie nicht, wir wohnen im Stadranddorf im einem Häuslein mit großem Garten... DAS kanns also nicht sein...


Umgeschulte Händigkeit kann es auch nicht sein, da meine Tochter eindeutig RH und mein Sohn links agierender LH ist.


Tja, und wenn es nicht erblich ist, nicht organisch bedingt... kann es ja nur noch an MIR liegen... *Auch traurig gucke*


Aber was soll ich denn eurer Meinung nach tun? Sie 3x täglich verhauen, damit sie endlich lernen sich zu konzentrieren? Sie jedes mal anbrüllen, wenn ihnen wieder "was passiert" ist?

Mit Liebe, Geduld und Sanftmut konnte (und wollte)ich ihnen das "anders sein" noch nicht aberziehen... aber dafür eine wunderbare warme Beziehng zu meinen Kindern aufbauen. Kindern, die bei Leuten die die "klassische Kindererziehung" ("Ein paar hintendrauf hat noch keinem geschadet") bevorzugen, vermutlich wirklich schwierig wären (mir reichen Besuche da um zu sehen, wie meine Kinder auch sein könnten).


Klar liegt es auch am Umfeld, wie sich ADS-Kinder entwickeln. Da bin ich als Mutter stark in der Verantwortung. Aber DAS sie es haben, dafür fühle ich mich NICHT schuldig!


Versteht ihr... ich bin absolut kein Fan von Medikamenten egal welcher Art, und versuche sie zu vermeiden...


Aber in meiner Bekantschaft kenne ich z.B. ein Kind mit ADS, daß auf die Förderschule sollte. OK, sicher eine gute Möglichkeit Kindern zu helfen, die diesen Schutzraum brauchen.


Aber in dem Falle waren es (psychologisch getestet) keine keistigen Ursachen (war/ist normal bis hochbegabt) sondern eine Frage der Konzentration... wenn ich nach 5 min. Unterricht den Faden verliere, hab ich einfach schlechte Karten.

Und MIT Ritalin schafft es locker die Mittelschule.

Das Kind lernt (auf eigenen Wunsch!)bei mir ein Instrument und ich hab den direkten Vergleich... wie es weinend da saß und sagte: Ich WEISS das ich das spielen kann, aber im meinem Kopf geht alles so durcheinander, daß die Finger nicht wissen welche Note grad dran ist. Und dann ist plötzlich die andere Zeile dort wo ich hinguck!"


Nein. mit Medikament ist kein Wunder geschehen, aber das erste Mal merkt das Kind, daß Üben wirklich was bringt. Und wie es ist...Freunde zu haben... eine Bastelarbeit zu Ende zu bringen... in der Schule nicht immer der Außenseiter sein zu müssen... UND daß andere Therapien (Ergo...)wirlklich greifen können, weil vorher einfach die Konzentration nicht reicht.

Es ist ein langer Weg zu gehen, aber ohne Medis wäre das Kind inzwischen schon seelisch kaputt fürchte ich. Weil "eingach" Anstrengen nix nützt... keinen Erfolg bringt.


Ich denke auch, daß heut zu viele Kinder zu schnell als ADS-Kinder eingestuft werden und ich finde absolut nicht gut, wie im Moment im "Breitwurfverfahren" Medis verordnet werden, wo Bewegung und Zuwendung angebracht wäre.


ABER, ich finde auch nicht gut, wenn im anderen Extrem den Müttern alle Schuld gegeben wird!

Und wenn dann, wenn Medikamente wirklich eine (zeitweise) Hilfe sein können, Und Eltern sich nach gründlicher Diagnose(!) und langen überlegen dazu entschließen, so pauschal gesagt wird: Wer Medis gibt will es sich nur leicht machen, sein Kind ruhigstellen...usw.


Sorry, ist lang geworden... und ich will auch niemandem zu nahe treten... aber es tut mir einfach weh, wenn es heißt ADS gibt es in wirklichkeit gar nciht... ist alles nur eine Erziehungsfrage...


Traurige und trotzdem liebe Grüße, Tine

Lotteflue
04.08.2003, 17:19
Hallo Tine


Erziehngsfehler..usw. ...hmmmmm....
Warum ziehst Du Dir denn jetzt den Schuh an? Meinst Du wirklich, Du bist da dran Schuld, dass Dein Kind das hat? Weiter unten habe ich es gelesen, dass Du es schon in Erwägung ziehst :-(


Es stand Erziehungsschäden, nicht -fehler!


Bin ich nun doch wieder als Mutter schuld daran, daß mein Großer ADS hat (dagnostiziert)?
Nein, das sagt niemand und so ist es auch gar nicht.


Und meine Tochter (4) eventuell auch... Diagnose-streß ersparen wir ihr
Den habe ich uns auch erspart. WAS nützt mir die Diagnose? Die Rechtfertigung für irgendwelche Medis, wie Ritalin!?

Da kann ich drauf verzichten.

Wozu also der Diagnosestress!? Seh ich genau so.


und uns im Moment, weil es an unserer Einstellung und unserem Verhalten ihr gegenüber nchts ändert... Sie sind für uns Persönlichkeiten, so wie sie sind. Und wer könnte besser verstehen daß sie einfach nicht anders sein können und genau so wie sie sind "richtig" sind, als eine Mutter, die vermutlich selber betroffen ist?
Genau DAS ist es. Sie können nicht anders!!! Messies können auch nicht aufräumen. Es geht einfach nicht, egal wie sehr sie wollen.

Das ist der Punkt, es geht ums NICHT KÖNNEN!


Diesen habe ich mit homöopathischer Behandlung verändern können. Einige Ursachen sind bereits verarbeitet worden, sodass ich in den meisten Punkten jetzt KANN.


Und irgendwie sagt mein Gefühl, dass es bei ADS nichts anderes ist. Ich lass mich gern belehren, aber Zappelkinder haben mit Homöopathie wesentlich mehr Ruhe bekommen.


Dann heisst es zwar es wäre kein "richtiges" ADS, aber was ist richtiges und was falsches ADS ;-)? Wer zappelig ist und unkonzentriert und durch diese Behandlung Besserung oder auch Heilung erfährt, dem ist es egal, ob es "richtiges" ADS ist oder Syndrom XYZ.


Wo liegt nun der Fehler? Umfeld?

Wir haben gar kein TV, PC spielt für die Kinder keine Rolle, Gamboy und co. kennen sie nicht, wir wohnen im Stadranddorf im einem Häuslein mit großem Garten... DAS kanns also nicht sein...
Das hört sich wunderbar an *das mag ich auch gern*


Umgeschulte Händigkeit kann es auch nicht sein, da meine Tochter eindeutig RH und mein Sohn links agierender LH ist.

Tja, und wenn es nicht erblich ist, nicht organisch bedingt... kann es ja nur noch an MIR liegen... *Auch traurig gucke*
Hm, hm.

Naja, irgendwo schon ;-)

Ne. Mal im Ernst jetzt.


Hast Du die Situation angenommen, so wie sie ist? Oder versuchst Du krampfhaft sie zu beseitigen?

Ich glaube das meinte Barbara auch, wenn sie von Erziehungsschäden sprach. Die heutige Gesellschaft will die Kinder so machen, wie sie am bequemsten für die Erwachsenen sind.

Wer darf heute noch wirklich Kind sein? Das dürfen die wenigsten.


Aber was soll ich denn eurer Meinung nach tun?
Erst mal drei mal durchatmen und Dir sagen, das Du damit nicht alleine bist :-) *dich mal lieb drück*

Die Situation annehmen, wie sie ist und darauf vertrauen, dass sich alles zum Guten wenden wird. Aber nicht lapidar als Ausrede, sondern wirklich aus vollem Herzen.


Sie 3x täglich verhauen, damit sie endlich lernen sich zu konzentrieren? Sie jedes mal anbrüllen, wenn ihnen wieder "was passiert" ist?
Das das alles nichts bringt, weisst Du ja bestimmt ;-).


Solche irrigen Anweisungen bekommt man immer von solchen Leuten, die keine Ahnung von der Materie haben. Leider hört man das noch oft genug :-(


Mit Liebe, Geduld und Sanftmut konnte (und wollte)ich ihnen das "anders sein" noch nicht aberziehen...
Warum denn nicht?


aber dafür eine wunderbare warme Beziehng zu meinen Kindern aufbauen.
Das finde ich sehr schön.


Kindern, die bei Leuten die die "klassische Kindererziehung" ("Ein paar hintendrauf hat noch keinem geschadet") bevorzugen, vermutlich wirklich schwierig wären (mir reichen Besuche da um zu sehen, wie meine Kinder auch sein könnten).
Den Satz habe ich jetzt nicht verstanden.


Klar liegt es auch am Umfeld, wie sich ADS-Kinder entwickeln. Da bin ich als Mutter stark in der Verantwortung. Aber DAS sie es haben, dafür fühle ich mich NICHT schuldig!
Ne, musste auch nicht. Das wäre doch total verrückt.


Versteht ihr... ich bin absolut kein Fan von Medikamenten egal welcher Art, und versuche sie zu vermeiden...
In bestimmten Situationen würde ich das möglicherweise auch anwenden, es kommt immer drauf an, wie stark das Thema stresst und was es für Alternativen gibt usw..


Es ist ein langer Weg zu gehen, aber ohne Medis wäre das Kind inzwischen schon seelisch kaputt fürchte ich. Weil "eingach" Anstrengen nix nützt... keinen Erfolg bringt.
Das ist gut möglich. Ein früherer anderer Weg hätte aber möglicherweise die Medikamente erspart!


Ich denke auch, daß heut zu viele Kinder zu schnell als ADS-Kinder eingestuft werden und ich finde absolut nicht gut, wie im Moment im "Breitwurfverfahren" Medis verordnet werden, wo Bewegung und Zuwendung angebracht wäre.
Genau das sind sie, die Erziehungsschäden okay -fehler.

DAS hat sie sicherlich gemeint. Zumindest ich habe das damit gemeint.


Gibst Du Deinen Kindern zu wenig Zuwendung, zu wenig Bewegung ;-)? Ja ;-)???


Also brauchst Du Dir auch nicht den Schuh der Erziehungsfehler anziehen!


ABER, ich finde auch nicht gut, wenn im anderen Extrem den Müttern alle Schuld gegeben wird!
Irgendeiner muss ja Schuld haben und die Mütter stehen da an erster Stelle :-(


Und wenn dann, wenn Medikamente wirklich eine (zeitweise) Hilfe sein können, Und Eltern sich nach gründlicher Diagnose(!) und langen überlegen dazu entschließen, so pauschal gesagt wird: Wer Medis gibt will es sich nur leicht machen, sein Kind ruhigstellen...usw.
Heutzutage ist es aber leider oft so... gib mal schnell eine Pille, damit das weggeht, was unerwünscht ist oder durch die falsche Lebensweise entstanden ist :-((


Sorry, ist lang geworden... und ich will auch niemandem zu nahe treten...
Ich auch nicht!


aber es tut mir einfach weh, wenn es heißt ADS gibt es in wirklichkeit gar nciht...
Das ist ja alles Definitionssache. Woanders werden ADS-Kinder als Indigokinder bezeichnet.


Ich habe unten einen Adresse eingetragen. Ich vertrete das nicht, ich habe es nur zum lesen eingetragen.


ADS ist ein Gummibegriff, der mit beliebig vielen weiteren Symptomen immer grösser gemacht werden kann. Um so eher rechtfertigen sich der Einsatz von Medikamenten, je mehr dort drin steht.


Es ist das gleiche wie mit Aids, hm jetzt schweife ich voll ab. Was da alles reingeredet wird.

Diagnose X rechtfertigt den Einsatz des Teuermedikaments Y und schon wird ein Haufen Geld damit verdient.


ist alles nur eine Erziehungsfrage...
Im Prinzip schon. Leider ist der Begriff sehr negativ behaftet und man verbindet damit Schuldgefühle. Die werden einen ja auch zu hauf eingeredet und wer da dafür empfänglich ist, bei dem sitzt es sehr tief drin. Wie bei Dir.


Etwas krampfhaft zu bekämpfen bringt in den wenigsten Fällen etwas. Besser ist es, die Situation anzunehmen und zwar aus vollem Herzen. Dann wird sich das weitere schon ergeben.

Aber nicht als Ausrede benutzen ;-) Dann klappt das nämlich nicht.


Was ist überhaupt Erziehung? U.a. genannt Unterstützung und Förderung des heranwachsenden Menschen. Das ist nicht allein auf die Mütter, die Eltern beschränkt! Die Gesellschaft hat einen ebenso grossen Anteil daran. Den müssen wir uns nicht auch noch anziehen, müssen uns als Mütter, Eltern nicht alles anlasten!

Diese gesellschaftliche Erziehung versagt oft genug und es wird statt besser immer schlimmer. Erziehungsschäden eben, die auf dem Rücken der Mütter, der Eltern abgeladen, diesen angelastet werden....schön die Schuld beim Andern abladen!


Lass Dich nicht verrückt machen, stehe fest hinter dem was Du machst. Dann stossen Dir solche Sätze auch nicht so sehr auf *dich mal ganz lieb drück und dir etwas gelassenheit mitschicke*


Traurige und trotzdem liebe Grüße, Tine
Das geht mir nicht anders

Lotteflue

Lotteflue
04.08.2003, 17:28
Jetzt habe ich doch noch was vergessen zu ergänzen:


Und irgendwie sagt mein Gefühl, dass es bei ADS nichts anderes ist. Ich lass mich gern belehren, aber Zappelkinder haben mit Homöopathie wesentlich mehr Ruhe bekommen.


Nicht bei allen wirkt das, es gibt mitunter auch Blockaden oder der Behandler passt nicht zum Patienten oder es werden Komplexmittel eingesetzt...

Es heisst nicht, dass es sofort und jedem hilft. Aber so ist das wohl überall.

Die Erfolge sind jedenfalls oft überwältigend, wenn das passende Mittel gefunden wurde. Der Erfolg ist dann auch von Dauer und nicht auf wiederkehrende Gaben von Medikamenten beschränkt.


Lotteflue

Barbara
04.08.2003, 21:06
Hallo Tine,


es tut mir richtig leid, dass du den Meinungsaustausch über ADS so persönlich genommen hast. Ich wollte natürlich niemandem zu nahe treten.


Ich finde es aber schon merkwürdig, dass seit einigen Jahren dieses Kürzel „ADS“ auftaucht und – wie mir scheint massenweise – Kinder damit etikettiert werden. Meines Wissens ist es nicht möglich, eine exakte medizinische Diagnose zu stellen; ebenso wenig dürfte es eindeutige Ursachen für „ADS“ geben. Was also hat das „Zappelkind“? – Vielleicht gar nichts?


Ich habe mich vor ein paar Jahren mit der Problematik der hochbegabten Kinder beschäftigt. An den deutschen Schulen findet ja so gut wie keine Hochbegabtenförderung statt. Die „kleinen Genies“ haben sich am Mittelmaß zu orientieren, denn Schulkonzepte sind auf den Durchschnitt abgestellt. Dies hat zur Folge, dass sich die hochbegabten Kinder im Unterricht entsetzlich langweilen und sich deshalb nicht konzentrieren können. Sie verhalten sich dann ganz genauso, wie die sogenannten „ADS-Kinder“: sie zappeln, stören, wollen auf sich aufmerksam machen usf., denn hochbegabte Kinder sind im herkömmlichen Unterricht hoffnungslos unterfordert. Sie suchen nach Herausforderungen, die ihnen die Schule nicht bieten will, weil dann die „Schwächeren“ ja wieder einmal nicht mehr folgen können.


Darüber ist schon viel debattiert worden. Das erschütterndste Buch hat Christine Spahn, eine Grundschullehrerin aus Nürnberg, über dieses Thema geschrieben. Es trägt den Titel: „Wenn die Schule versagt. Vom Leidensweg hochbegabter Kinder.“ (MUT-Verlag Asendorf 1997)


Hier ein Zitat aus dem Umschlagtext: „Experten gehen davon aus, dass die Hälfte der Hochbegabten ihr Begabungspotential keineswegs entfalten kann, nicht gefördert wird und deshalb scheitert.“ Die Autorin hat deshalb des grotesken (!) Begriff des „hochbegabten Schulversagers“ geprägt.


Die umerzogenen Linkshänder finden sich in dieser Problematik auch ein Stück weit gespiegelt. Wenn wir auch nicht alle hochbegabt sind, kennen wir doch das Leidwesen mit der Unterforderung. Wir waren zwar überfordert damit, rechtshändig schreiben zu müssen. Wenn infolgedessen aber der Stempel „dumm“ oder „konzentrationsunfähig“ erst einmal vergeben war, folgte die Unterforderung in vielen anderen Bereichen.


Immer, wenn ich etwas über die sogenannten „ADS-Kinder“ lese, fühle ich mich lebhaft an die Schilderungen über hochbegabte Kinder erinnert und frage mich, wie viele dieser kleinen Unruhegeister wohl einfach unterfordert sind.


Es sind nicht Fehler der Eltern, die in solchen Fällen zum Erziehungsschaden führen, sondern es ist das Schulsystem, das diese elende Gleichmacherei forciert. Dies könnte man auch als einen Sozialisationsschaden bezeichnen, oder als ein Resultat des Zeitgeists.


Du als Mutter kannst für dein Kind ja nicht auch noch Lehrerin sein, und schon gar nicht die ganze Schule. Wichtig ist, dass du deine Kinder akzeptierst, so wie sie sind, damit sie das Gefühl bekommen, sie sind in Ordnung so, wie sie eben sind. Nur daraus kann Selbstwertgefühl erwachsen und die Kinder nachher befähigen, mit ihren Erziehungsschäden souverän umzugehen.


Wir umerzogenen erwachsenen Linkshänder müssen uns ja auch damit abfinden, dass uns dieser massive Schaden eben zugefügt worden ist. Es nützt uns nichts mehr, wenn wir jetzt unseren Eltern bittere Vorwürfe machen wollten.


Ich denke immer, meine Eltern (Geburtsjahrgänge 1924 und 1928) haben auch ihre Schäden davongetragen, z.B. die kriegsbedingten Traumata. Wem hätten sie denn Vorwürfe machen sollen? Sie mussten ja auch vorwärts schauen, als es galt, dass kriegszerstörte Land wieder bewohnbar zu machen.


Im Verhältnis zu meiner Mutter (mein Vater lebt nicht mehr) ist mir jetzt nur noch wichtig, dass meine Beziehung zu ihr im Hier und Heute herzlich ist.


Nun guck nicht länger traurig, liebe Tine. Vielleicht sind ja gerade solche Kinder wie deine kleinen Unruhegeister später einmal fähig, mit aller Kraft was zu bewegen.


Liebe Grüße, Barbara

Dr. Noll
05.08.2003, 12:59
>Nun guck nicht länger traurig, liebe Tine. Vielleicht sind ja gerade solche Kinder wie deine kleinen Unruhegeister später einmal fähig, mit aller Kraft was zu bewegen.

Liebe Grüße, Barbara
Ein sehr schöner Beitrag.


Dr. Noll

Dr. Noll
05.08.2003, 13:01
Eine Frage: wie funktioniert das ?

Homöopathie heißt ja Gleiches mit Gleichem, viel niedriger konzentriert, zu konfrontieren.

Was ist das Gleiche ? Welchen Ansatz von ADS therapiert die Homöopathie ?


Dr. Noll

Tine
05.08.2003, 15:07
Hallo!


Ich KANN solche Sachen nur persönlich nehmen, weil ich eben persönlcih betroffen bin... in mehrfacher Hinsicht...


Also zuerst mal denke ich daß wir uns in dem Punkt einig sind, daß es unwarscheinlich ist, daß sich innerhalb weniger Jahre die Zahl der Kinder mit der "Krankheit ADS" so vervielfacht hat.

Das Lebensumfeld ist in den meisten Fällen absolut nicht kindgerecht und den Kindern bleibt gar ncihts anderes übrig, als ihre Verzweiflung irgendwie zum Ausdruck zu bringen...


Aber wo ich absolut nicht mehr mitgehen kann ist eben die Aussage ADS (oder wie auch immer man es bezeichen mag...) gibt es überhaupt ncht, das sind alles nur Fehler, die in der Erziehung - egal von wem gemacht wurden...


Soll ich ein bissel von und erzählen? Mein Sohn hat als Baby nie eirgendeinen Rhytmus gefunden... Nein, ich meine damit KEINE festen Zeiten, sonderen einen Lebensrhythmus, mit dem er selber zufrieden war. Es gab eigentlich nur 2 Situationen wo er nicht schrie: Beim Stillen und wenn er beim herumtragen endlich eingeschlafen war. Aber schon der Versuch ihn abzulegen war sinnlos, er wachte jedesmal auf und brüllte...


Mir blieben nut 2 Möglichkeiten: Sein Geschrei zu ignorieren - oder ihn pausenlos herumzuschleppen. Außer mir gab es fast niemande den er tolerierte... selbst Papa nur zeitweise. Nachts schlafen... maximal 30 min. am Stück - monatelang.


Hat jemand schon mal wochenlang fast 24 Stunden am Tag im Körperkontakt zu einem Baby verbracht? Süß, nicht? JA, ist es vielleciht die ersten 3 Tage, aber dann??? Dann wird man irgendwann wahnsinnig! Ich stille z.B. Wirklich gern, aber das... ging über meine Kräfte.

Und wenn man jemand ist, dem der Haushalt so schon extrem schwer fällt... und dann alles mit Kind im Arm oder Tuch...


Klar, ich hatte ihn schreien lassen können, "DU mußt ihn nur ein paar mal richtig brüllen lassen, dann gewöhnt er sich schon" Und... in meiner Verzweiflung hab ich es auch probiert... Das Ergebnis: Ein Kind das noch verstörter war als vorher! Nie wieder!!!


Als er anfing zu laufen wurde es ganz schlimm. Ist es normal, daß ein Kleinkind keinerle Angst kennt? Von meterhohen Mauern springen will, wütend kläffende Hunde umarmen will oder ohne zu überlegen ins tiefe Wasser springt? Und nicht nur einmal, sondern immer wieder? Daß nicht wirklcih schlimmes passier ist, verdanken wir wiklich Schutzengeln.

Und er wuchs NICHT in einer engen Wohnung vor, Fernseher auf!

Bei der Schwester dann das geiche Spiel noch einmal... Eine 2 Jährige 5 Meter hoch im Apfelbaum???*schuck*

Vor 2 Minuten saß sie noch im Buddelkasten. Kletern gut und schön, dürfen sie ja auch... aber das???




Und könnt ihr euch vorstellen, was ich von der lieben Verwadschaft zu hören bekommen habe? Wie sehr ich an mir selber verzweifelt bin und mir Vorwürfe gemacht haben? Nur... ich wußte und weiß bis heute nicht, was ich hätte anderes... richtiger machen können


Ich bin selber Erziehrin und habe inzwischen 4 Kinder...ich denke ich kann unterscheiden was nur "Sehr lebhaft" und was irgendwie "anders" ist! Bei meiner 2. Tochter bin ich immer wieder erstaunt, wie einfach der Alltag mit einem Kleinkind doch sein kann. Obwohl sie ganz gewiß keine Ruhige ist. Und mein Baby? Es gibt tatsächlich Kinder, die im Körbchen länger als 5 mMinuten schlafen? Und die nachts mit 3x Stillen zufrieden sind??? WOW...


An der Schule kanns nicht liegen, er geht ja noch nicht. Ich mag den Namen ADS auch nicht, denn meiner Meinung nach ist es kein "Defizit" sondern einfach eine andere Art sich zu konzentrieren.

Ein Beispiel: Mein Mann spielt mit dem Großen am Tisch "Manhatten" ein Strategiespiel, eigentlich ab 10 Jahre... er ist 6, aber er spielt es halt gern.

Nebenbei unterhält er sich mit unserem Ferienkind über Lego-Bauten.

Ich spiele mit den kleinen Mädchen ein paar Meter weg ein anderes Spiel. Plötzlich sagt der Große zu seiner Schwester: Du hast dich verzählt, du hattest ne 4 und bist nur 3 gelaufen. Das passiert nicht nur einmal sonderen immer wieder.

Und als das Spiel zu ende ist erzählt er mir, worüber er eigentlich die ganze Zeit nachgedacht hat.


Für jemanden der ihn nur beim Brettspiel beobachtet hat, muß er total unaufmerksam gewirkt haben. Wußte oft nicht, wann er dran ist, zappelte rum, vergaß Spielzüge... mein Mann ist bald verzweifelt. Auf die Frage ob er lieber aufhören oder was leichteres spielen wollte, fragte der Große völlig erstaunt "Warum?"


Aber Defizit? Dann hätte er doch nicht rundrum so viel mitbekommen.


Der Alltag bei und ist extrem anstrengend.

Meine 4-jährige ist ein "Träumerle" aber auch jenseits der Grenze dessen, was ich als normal empfinde. Und sie leidet ja selber. Obwohl ich sie ganz gewiß nicht unter Druck setzte. Aber wenn man nix zu ende bringen kann, weil man, wenn man beim Basteln z.B. die schere holen will und auf dem Weg dahin schon wieder vergessen hat, daß man eigentlich bastelt... wie gesagt, nicht als ausnahme sondern als Normalzustand.

Schuhe anziehen, weil wir zum Kiga wollen? Irgendwann nach einer halben Stunde mach ich es doch selber und sie weint, weil sie es alleine tun wollte..


Ich lebe seit Jahren an der Grenze meiner Kräfte. Ich tu es gerne weil ich eben denke, die Kinder sind "richtig" so wie sie sind... Sind mir Gabe und Aufgabe.


Ich versuche vieles mit einem weiten Blick zu sehen, wer weiß, wozu es gut ist. Und ich genieße die vielen schönen Momente. Sonst hätte ich ja wohl kaum inzwischen 4 Kinder. Wie haben unseren Weg gefungen, der eher ein wachsen lassen, als ein erziehen ist.


Aber es tut mir einfach weh, wenn jemand sagt: Dieses "Anders sein" (Zur Ziet eben ADS genannt) gibt es überhaupt nicht, da ist nur die Erziehung (und da ja außer mir ja niemand mein Baby "erzogen" hat - ICH) Schuld!!!

Genau so, wie ich laut Aussage einer Verwandten am der LH meines Sohnes "Schuld" bin, weil ich nicht "konsequent genug" war???


Was kann ich denn bei einem Neugeborenen so gravierend falsch gemacht haben? Mein jetziges Baby erhält genau die gleiche Zuwendung, wird getragen, gestillt... er ist ein rundrum zufriedenes Kind...


Daß meine Kinder im Kiga sehr gut zurechtkommen als extrem kreative, soziale Persöhnlichkeiten gelten, ist natürlich nicht ..."meine Schuld". Nein, da heißt es dann ich kann von "Glück" reden, daß es dort so gut läuft...


Ach ich hör einfach auf...

Ich liebe meine einfach "anders normalen " Kinder so, wie sie sind, aber ich werde mich ganz gewiß nicht mehr schuldig fühlen! Das hab ich lang genug getan und es ist mir und den Kindern gar nicht gut bekommen!


Tine


PS: HB war auch mal im Gespräch, ist er aber nicht, "nur" überdurchschnittlich begabt. Aber das dürfte ja wohl in seiner Babyzeit noch keine so große Rolle spielen...zumal wenn die Mama versuch wirklich auf die Berürfnisse des Kindes einzugehen.

Tine
05.08.2003, 15:13
Hallo Lotte!


Diese Geschichte hab ich..nein, nciht geschrieben, sie war einfach in mir da, nachdem cih die "Diagnose" für meinen Großen hatte...

Vielleicht zeigt sie dir besser, wie ich zu dem Thems denke...




Dies ist nur eine Geschichte. Ich weiß, das sie sicher botanisch nicht ganz richtig ist.

Alle Rosenfreunde mögen mir meine Fehler verzeihen.

Für mich ist sie richtig...




Der Wildrosenstrauch

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Es waren einmal ein Mann und eine Frau. Die hatten sich ein kleines Häuschen gebaut und daneben einen Garten angelegt.


Eines Tages kam der Eigentümer des Landes vorbei, schaute sich den Garten an und stellte lächelnd einen kleinen Rosensetzling vor das Tor.


Das tat er oft in seinem Land, doch sagte er nie dazu, um welche Sorte es sich handelt und wie man sie pflegen muß. Die Rosenzüchter mußten selbst die Bedürfnisse ihrer Geschenke erforschen.


Die Beiden freuten sich über den Setzling und pflanzten mitten ins Herz ihres Gartens.

Dort begann er zu ihrer Freude kräftig zu wachsen

Sie liebten ihren Rosenstrauch.


Doch bald schon war zu erkennen, daß er anders war, als die Rosensträucher, die sie kannten.

Er wuchs schnell und wild in alle Richtungen.


Auch seine Blüten waren anders. Nicht so groß und voll wie die im Nachbargarten, sondern klein. Man mußte genau hinschauen, um ihre Schönheit zu erkennen. Aber dafür waren es hunderte!


Und der Duft- nur wer ganz dicht herankam, konnte ihn wahrnehmen. Aber er war ursprünglicher und echter als alle bisher gekannten Düfte


Sie hatten viel Arbeit mit ihrem Rosenstrauch. Ständig mußten sie darauf achten, daß er sich selbst und anderen nicht schadete.

Sie mußten ihn beschneiden, weil er den Weg zuwucherte, sie mußten ihm Stützen geben, weil sein übermütiges Wachsen ihn in Gefahr brachte, abzubrechen, sie mußten ihn hindern, den anderen Blumen das Licht zu nehmen.


Und doch- sie liebten ihren Wildrosenstrauch.


All das war mühsam, aber sie taten es gern.

Doch immer öfter blieben die Leute kopfschüttelnd vor ihrem Garten stehen. Sie murmelten sich zu: "Die sollten sich mal besser um ihren Rosenstock kümmern! Wie der wächst, das kann man doch nicht zulassen!"


Erfahrene Rosenzüchter gaben ihnen Ratschläge. Die waren sicher alle gut und richtig - nur auf ihren Rosenstrauch paßten sie nicht, daß fühlten sie.


Besonders weh tat ihnen die Bemerkung eines Freundes, der selber noch gar kein Rosenzüchter war.

Er sagte: " Ihr macht das ganz falsch, das sehe ich. Ich habe schon so vielen Rosenzüchtern zugesehen, ich weiß wie das geht.

Ihr müßt diesen Strauch ganz kurz schneiden,bis auf die Erde herab. Und wenn er dann wieder austreibt, dann schneidet ihr alles ab, was nicht normal aussieht.


Ihr werdet sehen, dann vergehen ihm diese Flausen und er wird gerade wachsen und vernünftige Blüten hervorbringen!"


Die Leute wurden traurig. Machten sie es wirklich so falsch? Sie wollten doch nur das Beste.


Denn sie liebten ihn doch, ihren Wildrosenstrauch!


Sie gingen durch das Dorf und schauten in alle Gärten hinein. Da bemerkten sie, was ihnen noch nie so aufgefallen war: es gab noch mehr Wildrosensträucher.


Aber wie sahen die aus! Einige waren bis zum Verkümmern beschnitten, andere wucherten völlig haltlos herum.

Viele waren aus dem Herzen des Gartens in einen dunklen, versteckten Winkel verpflanzt worden.


Nur wenige konnten sich frei entfalte und bekamen doch die Stütze, die sie brauchten.

Doch diese Wenigen waren von so einer wilden Schönheit, daß es ihr Herz anrührte.

Sie sahen sich an und wußten, was sie tun wollten.


Und sie liebten ihn, ihren Wildrosenstrauch.


So pflegten und schnitten und stützten sie ihn.

Genug, daß er Halt hatte und doch nicht so sehr, daß er zerbrach.

Sie hatten viel Mühe mit ihm und manchmal dachten sie, wie viel leichter es mit einem anderen Rosenstrauch wäre.

Für dessen Blüten würden sie sogar noch Anerkennung bekommen.


Doch wenn sie sich auf ihre kleine Gartenbank setzten, über und um sich tausen kleine Blüten und eingehüllt in einen wunderbaren Duft, da wußten sie,das es sich lohnte.


Oh, wie sie ihn liebten, ihren Wildrosenstrauch.


Eines Tages ging der Besitzer des Landes durch das Dorf.

Vor jedem Garten blieb er stehen und betrachtete die verschiedenen Rosenträucher. Manchmal lächelte er, aber oft schüttelte er auch traurig der Kopf und sah sorgenvoll aus.


Als er zum Garten der Beiden kam, blieb er lange stehen.

Dem Mann und der Frau war es etwas bange zu Mute. Waren sie wirklich verantwortungsvoll mit dem Geschenk umgegangen? Sie hatten getan, war sie für richtig hielten.

Aber war es das auch? Hätten sie nicht doch...


Der Betrachter am Zaun sagte kein Wort. Aber als er weiterging, strahlten seine Augen und es schien ihnen, als pfiffe er eine vegnügte Melodie.

Lotteflue
08.08.2003, 09:46
Hallo Dr. Noll


Ich habe unten einen Link mitgeschickt, der alles sehr schön erklärt.


In Kurzform gesagt: die Homöopathie behandelt nicht ADS-Symptome, sondern sie behandelt den ganzen Menschen mit ALLEN Symptomen, "Macken" etc.


Da jeder Mensch anders ist, kann es nicht EIN Mittel "gegen" ADS geben. Es gibt in der klassischen Homöopathie ein individuell ausgesuchtes Mittel für die individuellen Symptome des jeweiligen Menschen.


Wenn also ein Mensch unter Zerstreutheit leider, desweiteren unter Konzentrationsmangel dann wird er ein Mittel bekommen, was genau das im Mittelbild stehen hat. Das war jetzt nur ein kleines Beispiel. Es gehören natürlich noch viel mehr Punkte dazu, z.B. ob etwas warmes bessert oder etwas kaltes, was gern gegessen wird usw.

Das alles lässt das Mittelbild finden.



Der menschliche Verstand kann das alles nicht verstehen, es ist nur erfahrbar.


Lotteflue