Vollständige Version anzeigen : Rückschulung als Erwachsener sinnvoll?
Hallo!
Ich bin Linkshänder und schreibe mit der rechten Hand. Da ich nun von der Möglichkeit einer Rückschulung gelesen habe, möchte ich auf der einen Seite eine Rückeschulung auf die linke Hand beginnen. Auf der anderen Seite bin ich nach dem Lesen des Buches „Der umgeschulte Linkshänder“ wieder unsicher, ob ich das wirklich riskieren soll und nach über 30 Jahren mit links schreiben soll. Ich war schon bei einer Linkhänderberatung und habe danach noch mit einem Psychologen über meine Probleme gesprochen. Der bestätigte mir, das ich in vielem unsicher bin und das dies viele Gründe haben kann.
Hat hier jemand schon Erfahrungen mit einer Rückschulung, die parallel zu einer Psychoterapie läuft? Vielleicht kann das ja helfen, den möglichen negativen Folgen vorzubeugen.
Ich habe auch erst mit 30 Jahren mit der Umschulung begonnen und habe es nicht bedauert. Ein guter Freund hat mit Mitte 30 noch begonnen und ihm gehts sichtlich besser.Ich habs einfach riskiert.Warum auch nicht. Wir haben doch nichts zu verlieren.Wir können nur gewinnen.In einer Therapie bin auch ich. Ich meine dieses LH-Problem kann keine Therapie bereinigen.Meiner Meinung nach basieren viele Unsicherheiten aus der Umschulung,denn wenn man immer gegen sich handelt kanns doch nur zu Unsicherheiten führen,es sei denn man hat von jeher alles allein entscheiden dürfen und wurde nicht dazu genötigt.Nur Mut.
lg Chrissi
Kirstin Krap
06.03.2005, 23:14
Hallo,
also, am besten wäre, wenn Du einen LH-Berater hättest, der Deine Rückschulung begleitet. Die meisten Psychologen (bin selbst in Therapie, meine Linkshändigkeit war da aber noch nie Thema) kennen sich mit der LH-Problematik absolut nicht aus, da dies kein Bestandteil der Ausbildung ist. Insofern ist es relativ irrelevant, ob Du in Therapie bist, oder nicht, ein qualifizierter LH-Berater ist da viel wichtiger.
Ansonsten kann ich zum Thema Rückchulung nicht viel sagen, da ich selbst beim Schreiben nicht umgeschult wurde, sondern mich nur mit dem PC umgeschult habe. Dies habe ich vor knapp einem Jahr "rückgeschult" und es geht mir damit prima. Meine psychischen Probleme wurden davon aber weniger beeinflusst. Falls doch, dann eher negativ, denn im letzten Jahr bin ich insgesamt ca. 20 Wochen wegen Depressionen arbeitsunfähig gewesen. Aber - wie gesagt - mit der Rückschulung bringe ich das eher nicht in Verbindung. Da geht es mir inzwischen - da ich wirklich 98 % aller Tätigkeiten mittlerweile mit links mache - bedeutend besser.
Nur Mut! Du schaffst das.
Kirstin
Rosalind
07.03.2005, 07:57
ich habe mit Ende 40 (vor fast 10 Jahren) mit der Rückschulung begonnen, sie ist immer noch nicht abgeschlossen. Ich habe das selbständig gemacht, weil es keine Linkshänderberatung zu dem Zeitpunkt in meiner Nähe gab und weil ich einem Umfeld arbeitete, in dem ich die Umschulung beruflich einbringen konnte. Ich bereue keine Sekunde, obwohl ich mir in klassischer Umschulungsfolgenüberforderung schon einige Blessuren eingefangen habe.
Mein Tipp: Mit qualifizierter Linkshänderberatung, falls nicht greifbar, ruhig selber anfangen, aber L A N G S A M!!!! Eine Rückschulung macht mensch nicht mal eben nebenbei!
Hier imForum gibt es etliche Ergfahrungsberichte, stöber doch mal!
Rosalind
Hallo!
Wie ich bereits geschrieben habe, war ich bei einer Linkshänderberatung und hatte mit eigentlich auch schon für die Rückschulung entschieden. Ich dachte, schlimmer wie jetzt kann es doch nicht werden.
Nachdem ich aber im Buch "Der umgeschulte Linkshänder" gelesen hatte, daß sich mögliche Probleme auch verschlimmern können, kamen mir wieder Zweifel.
Hallo Ben!
Ich kann Dir gerne meine Erfahrungen zur Rückschulung und der psychotherapeutischen Begleitung schreiben. Ich bin 49 Jahre alt, seit ca. 2 Jahren schule ich mich zurück. Habe also noch länger mit der rechten Hand geschrieben als Du und zwar beruflich bedingt ziemlich viel und auch sehr schön. Als ich mich intensiver mit meiner Linkshändigkeit auseinandergesetzt habe, bin ich wie Du auf "Der Knoten im Gehirn" von Dr. Barbara Sattler gestossen und der Gedanke einer Rückschulung hat mich nicht mehr losgelassen. Ich habe eine Linkshänderberaterin aufgesucht die mir Fr. Sattler bei einer telefonischen Beratung empfohlen hatte. Sie hat mir die Rückschulung sowie die damitverbundenen Probleme gut dargelegt und eine psychotherapeutische Begleitung nahegelegt. Leider war in meiner näheren Umgebung niemand zu finden der einschlägige Erfahrungen mit der Rückschulung hatte. So suchte ich mir eine Therapeutin die mir sympathisch erschien und habe meine Probleme dargestellt. Ich war über ein Jahr wöchentlich in Behandlung. Obwohl bei ihr keine spezifischen Erfahrungen vorlagen, empfinde ich die Therapie im nachhinein als positiv. Die Tatsache sich über diese Angelegenheit mit jemanden auseinanderzusetzen finde ich sehr wichtig. Wenn der-/diejenige in der Lage ist Veränderungen die in einem vorgehen, und davon gab es viele und einschneidende, zu erkennen und zu thematisieren hilft einem dies auf jeden Fall. Mein persönliches Umfeld verfolgt die Rückschulung zwar interessiert, richtig nachvollziehen kanns aber niemand, vielleicht abgesehen von meinen erwachsenen Kindern. Emotional, wie auch rational denken oder sagen die meisten doch einfach was das soll, in diesem Alter mit Schreibübungen wie in der Grundschule anzufangen. Ich bin Freiberufler und führe Gespräche mit Kunden bei denen ich schreiben und zeichnen muss. Dies alles kostet mich heute noch Überwindung, obwohl meine Schrift inzwischen ganz gut und auch die Schreibgeschwindigkeit annehmbar geworden ist. Die Therapie hat mein Selbstvertrauen in das Vorhaben "Rückschulung" gestärkt und ich stehe entschieden dazu. Ich habe das Gefühl mehr zu mir selbst gefunden zu haben, wenn auch spät. Inzwischen bin ich einer Selbsthilfegruppe für Rückgeschulte im Internet beigetreten. Dies ist ein geschlossener Raum, sehr persönlich, mit wenigen Mitgliedern und der Möglichkeit zum Chat. Nachdem ich die Therapie abgesetzt habe, schätze ich diesen Austausch und Kontakt mit Menschen die Vergleichbares erleben sehr.
Von den negativen Erscheinungen ist die wohl Einschneidenste, das ich inzwischen eher zurückgezogen lebe, ganz im Gegensatz zu früher. Vorallem der Umgang mit Personen aus der Zeit meiner Umschulung auf die rechte Hand fällt mir nicht leicht.
Hoffe Du kannst mit meinen Erfahrungen etwas anfangen.
Gruß Jürgen
Dr. Noll
08.03.2005, 12:48
Einige wichtige Frage vor einer Rückschulung ist: welche Störungen habe ich ?, wie sehr belasten Sie mich ? und was erwarte ich von der Rückschulung a) in Bezug auf vorliegende Störungen b) allgemein ?
Es gibt auch Negativerfahrungen bei Rückschülern; ich kenne einige davon persönlich, habe aber keine Erlaubnis von den Betroffenen bekommen, darüber zu berichten (öffentlich). Aus dem gleichen Grund schreiben "gescheiterte" Rückschüler in keinem Forum über ihre Erfahrungen.
Es gibt aber auch viele Positivbeispiele, die man hier im Forum nachlesen kann.
Letztlich ist jeder Fall individuell zu betrachten; daher lassen sich keine allgemeinen Tips geben.
Am besten ist es, sich konkret auf den individuellen Fall bezogen mit einem Fachmann für Linkshänder zu besprechen; eine Testung ist ja nicht nötig, sodaß man sich einfach auf das Thema Rückschulung konzentrieren kann und es durch den dadurch zeitlich deutlich geringeren Aufwand auch nicht so teuer wird.
Adressen gibts auf der Forumstartseite.
Dr. Noll
Von den negativen Erscheinungen ist die wohl Einschneidenste, das ich inzwischen eher zurückgezogen lebe, ganz im Gegensatz zu früher.
Hallo!
Bei mir ist es bis jetzt genau das Gegenteil. Ich bin eher zurückgezogen. Eine Rückschulung würde ich mit der Hoffnung beginnen, daß ich vielleicht auch lebhafter werde und mehr die Gesellschaft zu anderen Leuten suche. Dann würde ich auch gern meine Unsicherheit besiegen.
Die einzigen Zweifel an dem Beginn der Rückschulung liegen bei mir darin, daß sich das nicht negativ auswirkt, und ich mich noch mehr zurückziehe.
Hallo Ben,
ob sich Deine Hoffnung erfüllt kann vorab niemand sicher sagen. Selbst kann ich nur meine Erfahrungen schildern und die Erkenntnis das ich eine Rückschulung nicht ohne therapeutische Begleitung (Linkshänder-Berater/Psychotherapeut) angehen würde. Unsicher war und bin ich auch. Früher habe ich meine Unsicherheit nur erfolgreich kaschiert. Mittlerweile habe ich das Gefühl das ich sicherer werde und auch wieder verstärkt den Kontakt nach aussen suche. Mit meiner Persönlichkeit als rückgeschulter Linkshänder fühle ich mich selbstsicherer und stärker. Ob dies anhält weiß ich nicht. Auch habe ich schon gehört das sich in ähnlichen Fällen die Situation nicht bessert oder sogar verschlechtert.
Gruß Jürgen
HALLO BEN
Wenn Du es nicht versuchst, wirst Du nie erfahren ob es für Dich sinnvoll ist. Ich wußte erst mit 30 Jahren durch ein AHA-Erlebnis, daß ich Linkshänderin bin. Ich habe niemanden gefragt was ich nun tun soll.Ich wußte es. Es war wie eine Art Urschreierlebnis. Die Bücher von Frau Sattler lernte ich erst Jahre später kennen und habe mich auf Eigenverantwortung auf meine total verkümmerte Linke besonnen.Durch das Lesen der Bücher würde mir dann später bestätigt, daß ich den richtigen Weg eingeschlagen habe.Sich zu entwirren ist nicht immer einfach.Aber auf einem falschen Pfade lebenslänglich zu wandeln ist unsinnig.
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